Kleine theologische Fragestunde

Heute eröffne ich eine neue Unterkategorie. Die kleine theologische Fragestunde. In den Jahren, in denen ich nun schon auf Twitter und Facebook unterwegs bin habe ich gemerkt: Hier nehmen mich Leute wahr, die selten oder nie einen Gottedienst besuchen. Die aber gleichwohl Fragen haben: Was genau passiert bei einer Taufe? Soll ich mein Kind konfirmieren lassen, obwohl mein Mann katholisch ist und ich selber ausgetreten? Warum bin ich eigentlich noch in der Kirche? Irgendwie interessiere ich mich schon für Religion, aber was soll das mit diesem Jesus? Etc., etc.
Für solche und andere Fragen soll ab sofort hier Platz sein. Ich beantworte sie nicht allgemein und für alle gültig, sondern ich schreibe meine Meinung dazu (die allerdings meistens ziemlich fundiert ist, außer, ich habe mich selber noch nie damit befasst). Ich würde mich hier über rege Diskussionen freuen. Für den Anfang lasst uns einfach mal eine Stoffsammlung machen. Schreibt Kommentare, was euch interessieren würde. Bin gespannt. Zweifel willkommen.

Die kleine Päpstin

Seit gestern weiß ich, dass ich demnächst eine Geschichte für Kinder schreiben werde. Die Hauptfigur war plötzlich einfach in meinem Kopf: „Die kleine Päpstin“. Die kleine Päpstin lebt ganz allein in ihrem riesigen Päpstinnenpalast.
Jeden Nachmittag um vier muss sie bei einer Audienz Männer mit hohen Hüten empfangen. Und sich dabei benehmen. Das findet sie schrecklich langweilig. Sie versucht alles mögliche, um das steife Ritual aufzulockern.
Statt Weihrauch füllt sie Himbeerbonbons in die Räucherschalen. Das gibt eine Riesensauerei.
Sie verkleidet sich als Clown.
Sie setzt ihrem Kater Mio die Bischofsmütze auf und hofft, dass keiner es merkt, dass sie nicht da ist.
Keine Chance, sie kommt um diese Audienzen nicht herum.
Bis sie den lieben Gott kennenlernt.
„Ach dich gibt es wirklich?“
„Komisch, genau das wollte ich dich auch grade fragen.“
Der liebe Gott und die kleine Päpstin werden dicke Freunde.
Immer ist er jetzt unsichtbar dabei, wenn sie auf die Männer mit den hohen Hüten trifft und flüstert ihr ins Ohr, was sie sagen soll.
…..
Und wie die Geschichte ausgeht, weiß ich auch noch nicht.

Macht hoch die Tür…..

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, so schallt es diesen Sonntag wieder landauf landab durch unsere Gotteshäuser. Luis, 2. Klasse, hat Bedenken. „Das stimmt doch gar nicht. Es muss heißen das Tor!“ Und überhaupt, Türen hoch machen! Wie soll das denn gehen? Ich frage mich, wie viele Gottesdienstbesucher wohl ähnliche Bedenken hegen beim Absingen unseres kirchlichen Liedgutes. Gerade zur Weihnachtszeit. „Es ist ein Ros entsprungen“ – Ein Ross, das kann entspringen. Aber ein Ros? Also eine Rose? Wie und wohin springt die denn? Wer ist eigentlich diese „Tochter Zion“? Heißt die so? Das schöne Adventslied mit dem Titel „Dein König kommt in niedern Hüllen“ (EG 14)  – das traue ich mich schon lange nicht mehr mit Gemeinden zu singen, obwohl ich es sehr mag. O je. Was soll man nur tun? Die schönen alten Lieder umdichten?
Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für unsere alten Adventslieder brechen. Denn sie besitzen oft eine inhaltliche Tiefe, an die manche Predigt nicht heranreicht und manch modernes Kirchenlied erst recht nicht. Aber dazu muss man sich darauf einlassen. Mich macht es als Pfarrerin oft ratlos, wenn manche Gottesdienstbesucher bei den Liedern demonstrativ ins Leere starren. Vielleicht ist Singen nicht jedermanns Sache, aber man kann sich doch wenigstens mal auf den Text einlassen und mitlesen, wenn die anderen singen. Wenn es nach mir ginge, würde überhaupt im Gottesdienst viel mehr gesungen und weniger geredet. Vom Heiligen Augustinus ist der Satz überliefert: „Wer singt, der betet doppelt!“ Und ich erlebe das tatsächlich so. Wenn Menschen miteinander singen, vereinen sich auf geheimnisvolle Weise ihre Seelen und schwingen sich ein auf etwas Größeres, was der einzelne nicht erreichen könnte. Ich möchte Sie ermutigen, wenn Sie in den Gottesdienst gehen die Lieder nicht nur abzusitzen wie die Werbepause im Fernsehen. Sondern mitzusingen. Oder zumindest mitzulesen und sich auf die Inhalte der oft sehr alten Lieder einzulassen. Und ich bin sicher, Sie werden etwas mitnehmen.
Mein „Wort aus der Kirche“ für die Neue Presse (Coburg) für kommenden Sonntag. Das Wort aus der Kirche ist ein besinnlicher Text, den reihum verschiedene Pfarrerinnen und Pfarrer verfassen.