Macht hoch die Tür…..

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, so schallt es diesen Sonntag wieder landauf landab durch unsere Gotteshäuser. Luis, 2. Klasse, hat Bedenken. „Das stimmt doch gar nicht. Es muss heißen das Tor!“ Und überhaupt, Türen hoch machen! Wie soll das denn gehen? Ich frage mich, wie viele Gottesdienstbesucher wohl ähnliche Bedenken hegen beim Absingen unseres kirchlichen Liedgutes. Gerade zur Weihnachtszeit. „Es ist ein Ros entsprungen“ – Ein Ross, das kann entspringen. Aber ein Ros? Also eine Rose? Wie und wohin springt die denn? Wer ist eigentlich diese „Tochter Zion“? Heißt die so? Das schöne Adventslied mit dem Titel „Dein König kommt in niedern Hüllen“ (EG 14)  – das traue ich mich schon lange nicht mehr mit Gemeinden zu singen, obwohl ich es sehr mag. O je. Was soll man nur tun? Die schönen alten Lieder umdichten?
Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für unsere alten Adventslieder brechen. Denn sie besitzen oft eine inhaltliche Tiefe, an die manche Predigt nicht heranreicht und manch modernes Kirchenlied erst recht nicht. Aber dazu muss man sich darauf einlassen. Mich macht es als Pfarrerin oft ratlos, wenn manche Gottesdienstbesucher bei den Liedern demonstrativ ins Leere starren. Vielleicht ist Singen nicht jedermanns Sache, aber man kann sich doch wenigstens mal auf den Text einlassen und mitlesen, wenn die anderen singen. Wenn es nach mir ginge, würde überhaupt im Gottesdienst viel mehr gesungen und weniger geredet. Vom Heiligen Augustinus ist der Satz überliefert: „Wer singt, der betet doppelt!“ Und ich erlebe das tatsächlich so. Wenn Menschen miteinander singen, vereinen sich auf geheimnisvolle Weise ihre Seelen und schwingen sich ein auf etwas Größeres, was der einzelne nicht erreichen könnte. Ich möchte Sie ermutigen, wenn Sie in den Gottesdienst gehen die Lieder nicht nur abzusitzen wie die Werbepause im Fernsehen. Sondern mitzusingen. Oder zumindest mitzulesen und sich auf die Inhalte der oft sehr alten Lieder einzulassen. Und ich bin sicher, Sie werden etwas mitnehmen.
Mein „Wort aus der Kirche“ für die Neue Presse (Coburg) für kommenden Sonntag. Das Wort aus der Kirche ist ein besinnlicher Text, den reihum verschiedene Pfarrerinnen und Pfarrer verfassen.

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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3 Antworten zu Macht hoch die Tür…..

  1. torenia schreibt:

    Ein sehr guter Artikel. Danke!!!

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  2. sndrsch schreibt:

    Ein Patentrezept gegen Singeunwilligkeit habe ich nicht. Aber sprachlich und inhaltlich könnte man ein Adventslied zum Beispiel in einer Liedpredigt aufschlüsseln. Es wäre doch schade, diesen Schatz an Liedgut zu vergraben…

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  3. Alexandra schreibt:

    Als Organistin und Musik- und Deutschlehrerin an einer Grundschule kann ich hier jedes, aber auch jedes Wort doppelt unterschreiben. Danke!!

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