Rauhnächte – Zeit für Weg weisende Träume

Die Nächte zwischen dem 24.12. und dem 6.1. sind im Volksglauben als die Rauhnächte bekannt. Woher das Wort kommt, ist umstritten. Eine Möglichkeit: Von Rauch. Weil mancherorts Häuser und Ställe in dieser Zeit mit Kräutern oder Weihrauch ausgeräuchert wurden, um böse Geister zu vertreiben. Andere Möglichkeit: Von rau. Raues Wetter, und es treiben sich raue Gestalten herum, z.B. die „wilde Jagd“.
Viele Geschichten und mancher Aberglaube rankt sich um die Rauhnächte. Meine Oma war zwar ansonsten äußerst erdverbunden und wenig abergläubisch, aber sie vermied es, in den Tagen zwischen Heilig Abend und Dreikönig Wäsche zu waschen. Damit sich die Geister nicht in der Leine verfangen und man sie dann nicht mehr los wird.
Ich persönlich sehe die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig als eine Art innere Reinigungszeit. Ich bereite mich auf das Neue Jahr vor, indem ich in mich gehe und mir bewusst mache, wo ich stehe und wo ich eigentlich hin will. Und ich glaube, dass diese Nächte gut geeignet sind, um den eigenen Träumen auf die Spur zu kommen. Ich achte also in den Nächten zwischen Heiligabend und Dreikönig ziemlich genau auf meine Träume und hatte in den letzten Tagen auch schon zwei recht interessante.
„Humbug“, denken manche.
Besonders den Christgläubigen unter euch sei aber an dieser Stelle die Lektüre der ersten Kapitel des Matthäusevangeliums empfohlen – und ihr werdet (neu) entdecken, wie wichtig Träume gerade in den Erzählungen um die Geburt Jesu herum sind. Ein Traum ist es, der Josef vor den Machenschaften des Königs Herodes warnt und ihn veranlasst, mit Maria und Jesus die Flucht nach Ägypten anzutreten. Ebenfalls im Traum werden die Weisen aus dem Morgenland vor Herodes gewarnt. Ein Traum ist es wiederum, auf den hin Josef schließlich mit Maria und Jesus den Rückweg nach Israel antritt.
Dass Träume eine Sprache der Seele sind, ist längst bekannt. Sie können aber auch eine Sprache Gottes sein. Nicht nur in frommen Erzählungen, sondern auch heute erlebbar. Ich habe es jedenfalls erlebt und kenne auch andere, die davon berichten.
Vorgestern träumte ich zum Beispiel folgendes: Meine Katze will auf den Balkon. Das ist erst mal nicht besonders Aufsehen erregend, im realen Leben mach ich mir aber Sorgen, dass sie auf die Brüstung springt und abstürzt. Im Traum lasse ich sie raus. Sie springt tatsächlich auf die Brüstung. Aber im Traum sehe ich, dass die Brüstung viel breiter ist, als ich dachte, für eine Katze ein Kinderspiel, drauf zu balancieren. Und dass diese Brüstung eine Verlängerung hat und direkt raus in den Wald und in die Freiheit führt. Es also mit einem mutigen Sprung möglich ist, den Weg in die Freiheit zu gehen – im Traum, für die Katze.
Nun träume ich von meiner Katze oder andren katzenartigen Tieren immer wieder in Schlüsselsituationen und das Thema ist immer irgendwie Risiko und Freiheit. Mir sagt dieser Traum: Der Weg in die Freiheit ist zwar nicht gänzlich ohne Risiko, aber längst nicht so gefährlich, wie du dachtest. Ja, du kannst abstürzen. Aber die Gefahr ist viel geringer, als du vielleicht befürchtest und der Weg ins neue unentdeckte Land ist wesentlich ungefährlicher, als du denkst. Also: Spring, mach dir keine Sorgen, vorwärts.
Und das ist doch eine ermutigende Botschaft.
Kam der Traum, weil grade Rauhnächte sind? Vermutlich nicht. Aber irgendwie ist es hilfreich, diese Zeit eben bewusst zu nehmen und auf die Träume zu achten. Und ich bin sicher, dass das Unterbewusstsein merkt, ob man für solche Bilder offen ist oder nicht und sie dann eben entsprechend frei gibt.
Also: Gesegnete Träume allerseits!

/home/wpcom/public_html/wp-content/blogs.dir/040/60214709/files/2014/12/img_1122.jpg

Und wie schreibt man das?

„Ihren Namen bitte?“
„Müller.“
„Wie schreibt man das?“
„Bitte??“
„Ich hab Sie nicht genau verstanden…wie schreibt man Ihren Namen?“
„Mit Y, einem L und doppel R.“

#12Company

Eigentlich sollte ich noch ein paar Umzugskartons packen. Aber mich bewegt grade eine Idee, die ich gern teilen möchte. Ich nenne sie mal #12Company – vielleicht wird ja ein netter Hashtag mit etwas Reichweite draus.
Die letzten Tage habe ich viel nachgedacht. Über unsere kirchlichen Strukturen. Über mich selber darin, wie ich sie erlebt habe in den letzten 12 Jahren. Über das Neue Testament.
Was dabei raus kam, ist eine Idee. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob die tragbar ist, ob sie irgendwas bringt, wenn ja was….
Wir leben meist in Kirchengemeinden mit einer enormen Mitgliederzahl. In meiner ehemaligen sind es 2400 – das ist eine eher größere, aber mehrere hundert sind es immer. Ich meine: Viel zu viele. Manchmal bilden sich innerhalb dieser sehr großen Gemeinden kleinere Zellen, z.B. Hauskreise. Wo das geschieht, werden Gemeinden meistens geistlich recht lebendig, zumindest erleben etliche Menschen einen im Alltag praktikablen christlichen Glauben.
Ich dachte dann weiter: Wie wäre es denn, dieses „Hauskreismodell“ komplett von den existierenden Gemeinden zu lösen – also einmal bewusst aus diesen Strukturen auszubrechen und sie aufzubrechen. Oder daraus aufzubrechen zu neuen Ufern…
Jesus ist mit 12 Jüngern durch die Lande gezogen, nicht mit 500 oder mehr. Theologisch kann man in diese Zahl alles mögliche hinein interpretieren. Wenn wir dem Neuen Testament glauben dürfen, gab es neben diesem 12er-Kreis eine Art erweiterte Anhängerschaft. Einmal heißt es 70 oder 72. An anderen Stellen, dass ihm eine ganze „Menge“ folgte. Nichts desto trotz – der „inner circle“ belief sich auf 12 Personen. Sie gingen mit ihm, sie waren bei ihm, sie hörten seine Lehren (zusammen mit den vielen anderen Menschen), sie kapierten manchmal nichts von dem, was sie erlebten – aber sie waren mit ihm auf dem Weg. 12 Personen sind eine überschaubare Gruppe. Trotzdem erlaubt diese Zahl eine gewisse Pluralität, wie wir an den verschiedenen Charakteren ja gut studieren können. Thomas der Zweifler, Petrus der (gar nicht so) Standhafte, Johannes der Anhängliche, und, ja Judas der Verräter…
Wie wäre es mit folgendem Versuch: Das, was wir vom Glauben begreifen, in überschaubaren Gruppen mit nicht mehr als 12 Personen zu leben? 12 Personen, das können sein: Zwei Familien. Eine Gruppe Studenten. Eine erweiterte Familie mit ein paar Freunden. Eine Hausgemeinschaft. Aber nie mehr als 12. Wenn die 12 überschritten wird, wird die Gruppe geteilt. Die Gruppen sind offen für ganz unterschiedliche spirituelle Prägungen: Volkskirchler, Freikirchler, Thomasmessler, Taizé-Bewegte, Zweifler, Glaubende, Atheisten, Katholiken… völlig egal, einzige Voraussetzung: Miteinander auf dem Weg sein wollen und Jesus besser kennenlernen wollen. Man kann daneben Mitglied einer Kirchengemeinde oder Konfession sein, aber das ist keine Voraussetzung.
Man trifft sich nach Vereinbarung. Man liest zusammen in der Bibel, man überlegt gemeinsam, wie man das Gelesene in die Tat umsetzen kann. Ämter braucht es nicht. Geld auch nicht -außer man einigt sich, für eine bestimmte Sache zu sammeln. Da die Gruppen klein bleiben, braucht es keine Immobilien. Es genügt ein mittelgroßes Wohnzimmer, um miteinander Gottesdienste oder Andachten zu feiern.
Und wie es mit Taufe oder Abendmahl wird….ergibt sich auf dem Weg. Vielleicht feiert man diese Sakramente weiterhin in bereits vorhandenen Kirchengemeinden. Vielleicht auch nicht. Im Grunde reicht für die Taufe eine Schale Wasser und der Glaube. Und für das Abendmahl Brot und Wein und die Gemeinschaft miteinander und mit Christus.
Die Vernetzung der einzelnen örtlichen Gruppen untereinander könnte über Medien wie Facebook oder irgendein Forum laufen.
Das ist alles noch sehr unausgegoren. Mal sehen, was mir / uns/ euch dazu noch einfällt.

„Wie hältst Du´s mit der Naturwissenschaft?“

Nachdem ich neulich eine neue Kategorie eröffnet habe („Kleine theologische Fragestunde“) kam heute die erste echte Frage. Vielen Dank!

Jakob Thomas will wissen:

Ich mache mal den Anfang mit der umgekehrten Gretchenfrage:
Wie hältst Du es mit der Naturwissenschaft?
Kann Theologie gut gesicherte naturwissenschaftliche Erkenntnisse ignorieren? Galten vor 2000 Jahren andere Naturgesetze als heute? Was ist von Wundern wie
Jungfrauengeburt, Verwandlung von Wasser in Wein, Heilung eines von Geburt an Blinden, Auferweckung des bereits in Verwesung befindlichen Lazarus zu halten?
Muss sich die Kirche hier nicht mal entscheiden, ob sie so etwas für möglich halten will oder nicht?

Wie schön, zufällig meine Lieblingsfrage. Zunächst einmal die Gegenfrage: Wer ist denn eigentlich die Kirche, die sich entscheiden muss? Die gibt es nämlich so gar nicht. Kirche besteht aus hunderttausenden Menschen, von denen jeder und jede im Grunde so seine oder ihre ganz eigenen Glaubensansichten hat. Die Kirche als eine Einheit, die mit einer Stimme den einen Glauben bekennt gibt es schon lange nicht mehr und gab es auch nie! Nicht einmal in den ersten Jahrhunderten. Sonst hätte man sich bei dem Versuch, sich auf gemeinsame Glaubensbekenntnisse zu einigen, damals nicht den Schädel eingeschlagen.

Selbiges gilt heute im Grunde für den Umgang mit Naturwissenschaften. Ja, es gibt Christen die die ganze Bibel wörtlich nehmen. Und es gibt andere. Ich weiß nicht von wem das Zitat stammt: „Wer die Bibel ernst nimmt, kann sie nicht wörtlich nehmen.“ Wer auch immer das gesagt hat, er hatte recht. (Könnte Martin Buber gewesen sein, bin aber nicht sicher.)

Nehmen wir mal das beliebteste aller Beispiele. Die Erschaffung der Welt an sechs Tagen versus das Modell vom Urknall mit einer Milliarden Jahre alten Erde und einer viele Millionen Jahre dauernden Evolution / natürlichen Auslese.

Auf den ersten Seiten der Bibel liest man, wie Gott zu Anfang an sechs Tagen Himmel, Erde, Kontinenten, Wasser, Tiere, Pflanzen und den Menschen erschuf. Dass es im Grunde zwei Schöpfungsgeschichten sind, die in den ersten Kapiteln der Bibel ineinander verwoben sind, lasse ich mal weg. Konzentrieren wir uns auf den Bericht von der Erschaffung der Welt in sechs Tagen.

Wahr oder falsch? Die Kreationisten meinen: Wörtlich zu nehmen und wahr! Genau so war es.

Die wissenschaftliche Theologie ist sich inzwischen einig, dass dieser Schöpfungsbericht in Wirklichkeit gar keine naturwissenschaftliche Beschreibung sein soll, wie die Welt entstanden ist. Sondern ein Stück Theologie, mit dem sich die nach Babylon verschleppten Israeliten vom Glauben ihrer Umwelt abgrenzten. Der erste Schöpfungsbericht ist eine Art theologische Streitschrift. Die Babylonier verehrten mehrere Götter – ganz wichtig die Astralgottheiten, also Sterne, die als Götter verehrt wurden. Der Schöpfungsbericht der Bibel sagt: „Gott machte Lampen und befestigte sie am Himmelszelt, je eine große Lampe für den Tag und die Nacht und viele kleine Lampen, die Sterne.“

Was ist damit gemeint? Dass Gott Sonne und Mond wie Glühbirnen an den Himmel schraubte? Nein. Gemeint ist: Ätsch, ihr Babylonier, eure Sternengötter gibt’s nicht, in Wirklichkeit sind das nur Lampen am Himmel, es gibt nur einen Gott, nämlich unsren.

Im babylonischen Schöpfungsbericht erschafft der Obergott Marduk die Menschen als ein Heer von Arbeitssklaven. Der Schöpfungsbericht der Bibel kontert: „Nein! Wir haben von Gott eine Würde! Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn….“ Heißt das, dass Gott aussieht wie wir? Nein, sondern die Aussage ist: Der Mensch hat von Gott eine Würde mitbekommen. Er ist insofern Ebenbild Gottes, als dass auch er Dinge erschaffen und gestalten kann. Der Mensch ist nicht der Arbeitssklave Gottes, sondern ein Geschöpf, das von Gott eine Aufgabe hat, nämlich die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Der „Gegner“ des biblischen Schöpfungberichtes ist weder der Urknall, noch Darwin. Das war damals noch gar nicht auf dem Schirm. Es war vielmehr die Auseinandersetzung mit der Religion der Babylonier, der gelehrte Priester des Volkes Israel veranlasste, ihre eigene Fassung des ganzen niederzuschreiben.

Die Bibel bildet keine historischen oder naturwissenschaftlichen Ereignisse ab. Sondern sie fasst die Glaubenserfahrungen der damaligen Menschen zusammen.

Beispiel aus dem Neuen Testament. Jesus wandelt auf dem See Genezareth. Wahr oder falsch? Nein, ich glaube nicht, dass Jesus mit 75 Kilogramm und Badesandalen über den See gelaufen ist. Das Wandeln auf Wasser war damals viel mehr ein gängiges Motiv, das die Besonderheit eines Menschen herausstreichen sollte und nicht nur Jesus wandelte angeblich auf dem Wasser sondern ein ganzes Heer von Heroen und Halbgöttern. Genauso ist es mit der Jungfrauengeburt. Der römische Kaiser Augustus wurde angeblich auch von einer Jungfrau geboren. Dass das da steht heißt nichts anderes, als dass die Gläubigen, die Evangelisten und die, die diese Geschichten überliefert haben, eben ganz deutlich machen wollen: Dieser Jesus, er ist etwas ganz besonderes.

Und das wiederum kann ich voll unterschreiben. Ja, das stimmt. Außerdem kann man diese Geschichten ja nicht nur wörtlich deuten. Zum Beispiel das Wandeln auf dem aufgewühlten Wasser. Für mich ist das in Bild dafür, dass Gott mich trägt, auch wenn unter mir der Boden schwankt. Dass ich nicht untergehe. Es sind Vertrauensgeschichten – und die entfalten eine wunderbare Kraft in ihren Bildern, egal ob ich nun daran als eine historische Tatsache glaube, oder nicht.

Auferweckung eines halb verwesten Leichnams? Das ist drastisch. Aber was für ein Bild! Heißt doch: Es gibt IMMER einen Grund zur Hoffnung. Das Leben ist stärker. Da wo alle Hoffnung verloren erscheint, kann sich immer noch ALLES wenden.

Das Dilemma der Kirche ist, dass die wenigsten Prediger ihren Schäfchen solche Deutungsmöglichkeiten anbieten. Die universitäre Theologie ist längst darüber hinaus, diese Geschichten wörtlich zu nehmen. Nur leider wird dabei oft das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Was historisch nicht wahr ist, ist irrelevant – nein EBEN NICHT. Es ist genauso wahr. Es ist nur anders wahr als wörtlich wahr.

Noch mal das Zitat von oben: „Wer die Bibel wörtlich nimmt, der nimmt sie nicht ernst.“