Sonntagsarbeit….ist fertig

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Es ist soweit. Mein erstes Buch ist fertig und kann bestellt werden unter folgendem Link. Es ist nicht so gut geworden, wie es sein könnte – aber wenn ich mit der Veröffentlichung gewartet hätte bis es perfekt ist, wäre es irgendwann zu meinem Ruhestand fertig geworden.
Also: Kauft es, lest es, sagt es weiter! Danke.
http://bit.ly/1bi8f3O

Ergänzung: Das Buch kann man auch ganz normal im Buchhandel bestellen. Zur Info für alle, die lieber ihren örtlichen Buchhandel unterstützen.

Verreckt die Kirche an ihrer Sprache?

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„Sorry, liebe Theologen, aber ich halte es nicht aus, wenn ihr sprecht. Es ist so oft so furchtbar. Verschrobene, gefühlsduselnde Wortbilder reiht ihr aneinander und wundert euch, warum das niemand hören will….“
So beginnt ein Artikel des Kommunikationsexperten Erik Flügge, der zurzeit auf kirchlichen Plattformen im Internet und auf Facebook lebhaft diskutiert wird.
Erik Flügge diagnostiziert uns Theologen, Pfarrerinnen und Pfarrern, eine Art zu reden, die völlig an der Lebenswirklichkeit moderner Menschen vorbei geht – selbst Alltagsbilder, die direkt der Bibel entnommen sind, sind heute oft nicht mehr verständlich.
„Das Himmelreich gleicht einer kleinen Menge Sauerteig, die eine Hausfrau nahm und unter das Mehl mengte….“ – Wer außer einem Bäcker versteht heute noch das Gleichnis vom Sauerteig? Wir kaufen unser Brot fertig, im Supermarkt oder beim Bäcker nebenan. Wer unbedingt selber Brot backen will, nimmt eine Backmischung und füllt sie in den Backautomat, Wasser dazu, Strom an und am nächsten Tag ist das Brot fertig. Erik Flügge schließt: „Jesus hat sich doch auch Mühe gegeben irgendwie verständlich zu sein. Er hat den Leuten etwas mit Bildern und Begriffen erklärt, mit denen sie etwas anfangen konnten.“

Nun ist das mit der Sprache bekanntlich so eine Sache. Sprache ändert sich mitunter rasant. Als in den achtziger Jahren das Wort „geil“ für „toll, super“ aufkam, musste ich mir als Dreizehnjährige noch Standpauken darüber anhören, wie unanständig der Gebrauch dieser Vokabel doch sei – Eltern und Großeltern kannten das Wort zwar, aber aus einem völlig anderen Zusammenhang. Heute verwenden es Erwachsene meiner Generation völlig selbstverständlich – „geil“ heißt soviel wie „toll, super“. Sonst gar nichts. Die Jugend gebraucht zur Beschreibung desselben Sachverhaltes eher das Wort „krass“.

Martin Luther forderte einst, man solle das Wort Gottes in dem Deutsch verkündigen, „das die Marktfrauen sprechen und verstehen“. Daran muss ich oft denken, wenn im Gottesdienst Lesungen aus den Paulusbriefen in der Fassung der Lutherbibel von 1984 vorgetragen werden. Oft habe ich den Eindruck, dass nicht einmal der Lektor begreift, was er da liest. An der Gemeinde rauschen die Worte völlig unverstanden vorbei. Selbst ich muss mich, trotz vierzehn Semestern Theologiestudium, oft stark konzentrieren.

Erik Flügge fragt: „Warum redet ihr Theologen denn auf der Kanzel nicht so, wie ihr das beim Bier in eurer Stammkneipe tut? Normalerweise kann man doch ganz vernünftig mit euch reden. Aber kaum steht ihr auf der Kanzel, schon vollzieht sich eine Verwandlung.“

Soll, darf, kann man denn auf der Kanzel so reden, wie am Stammtisch? Muss man denn wirklich Alltagssprache gebrauchen, um überhaupt noch verstanden zu werden, wenn es um Glaubensfragen geht? Und ist der Gottesdienst nicht auch eine „heilige Handlung“ gehört es sich denn, in der Gegenwart Gottes – verbal – die Füße auf den Tisch zu legen? Schließlich benehmen wir uns ja in der Kirche auch nicht wie in der Kneipe. Hoffentlich.

Meine persönliche Meinung: Pfarrer und Pfarrerinnen und wer sonst das Wort Gottes zu verkünden hat sollte unterscheiden zwischen der Liturgie und der Predigt. Die Liturgie wiederholt sich ja fast jeden Sonntag – die Predigt hoffentlich nicht.
In der Liturgie ist es schön, einen Wiedererkennungswert zu haben – Worte wie das Glaubensbekenntnis, die Psalmen, das Kyrie Eleison oder das Confiteor entsprechen zwar nicht heutigem Sprachgebrauch. Aber durch die Wiederholung haben sie ja Zeit, sich zu setzen und ins Bewusstsein einer Gemeinde allmählich einzusickern. Dass nicht jeder jeden Sonntag in den Gottesdienst geht, macht dabei gar nichts. Solange genug Menschen da sind, die diese alten Worte mittragen und mitbeten können.
Mit der Predigt ist es aber etwas anderes. Eine Predigt sollte und muss verstanden werden. Man mag sich an ihr reiben, man mag anderer Ansicht sein als die Predigerin – aber sie sollte so gehalten sein, dass man sie beim Zuhören versteht. Wohl gemerkt, beim Zuhören. Nicht erst beim Nachlesen zuhause.
Nun können Sie sich ja mal fragen: Wann habe ich zum letzten mal die Kirche verlassen mit dem Gefühl, ich habe verstanden, was der oder die da vorne mir zu sagen hatte?

Ich traue mich wetten: Wo das der Fall war, da hat sich der Pfarrer oder die Pfarrerin an einige wenige Grundregeln verständlicher Sprache gehalten. Hauptsachen in Hauptsätze. Keine Nebensätze zweiter und dritter Ordnung. Kurz: Er oder sie wird so geredet haben, wie Sie das beim Reden mit Ihren Nachbarn oder Freunden auch tun. Die Kunst der Zunft besteht nicht darin, komplizierte Dinge kompliziert zu erklären, sondern Theologie und Glaubenserfahrung in allgemein verständlicher Weise weiterzugeben. Und das dann auch gern in der Sprache, die im Dorf, in der Nachbarschaft, am Stammtisch oder im Sportverein eben gesprochen wird.

Ein letzter Gedanke: Ich erwähnte vorhin die Schwierigkeit einer Lesung im Luthertext von 1984. Dieser ist zwar den meisten evangelischen Christen vertraut. Ob er immer die beste Lösung ist, wage ich aber zu bezweifeln. Im Konfirmandenunterricht habe ich einen Jahrgang lang die umstrittene Übersetzung der Volxbibel von Martin Dreyer verwendet. Eine Bibelübersetzung in Jugendsprache, die laufend überarbeitet und in jeder Auflage weiter entwickelt wird. Am Palmsonntag, dem Konfirmationssonntag meiner damaligen Gemeinde, geht es um den Einzug Jesu in Jerusalem – auf einem Esel. In der damals aktuellen Ausgabe der Volxbibel zieht Jesus nicht auf einem Esel in Jerusalem ein. Sondern auf einem klapperigem Fahrrad. Die eher traditionell geprägten Gemeindeglieder jaulten an dieser Stelle sicher innerlich auf. Aber die Jugendlichen freuten sich über dieses ihnen geläufige Bild. Man sah richtig, wie ein Schmunzeln durch ihre Reihen ging. Dass der historische Jesus auf einem Esel geritten ist, wussten sie natürlich. Aber ist es nicht reizvoll, sich zu überlegen: Wie würde die Geschichte denn heute erzählt werden? Und das dann auch zu tun – die Geschichte neu erzählen?

Das war übrigens die einzige Konfirmandengruppe meiner bisher zehnjährigen Amtszeit, die jemals die Bibel freiwillig zuhause gelesen hat. In der Volxbibel-Übersetzung. Ich glaube, Gott fand das ziemlich geil.

Artikel für das Rothenburger Sonntagsblatt.

„Ich werde nicht sterben sondern leben und des HERRN Werke verkündigen….“

Heut war ich mal wieder in meiner katholischen „Wahl-Gemeinde“. Predigttext war die Geschichte vom (zu Unrecht) so genannten ungläubigen Thomas. Und Psalm-Kehrvers war der in der Überschrift genannte.
Und Klarheit: Jawoll. Ich will des Herrn Werke verkündigen!
Und zugleich Frust: So wie es bisher geschieht, erreicht es einfach kaum noch jemanden.
Das hat mit Traditionen zu tun – die ich liebe, aber die fast niemand mehr versteht.
Das hat mit Milieus zu tun – die sich durch das, was Kirche vor Ort hauptsächlich tut (Senioren, Kinder, Kuchenbacken) einfach nicht angesprochen fühlen.
Das hat damit zu tun, dass weite Teile der Christenheit einfach pennen und eben NICHT merken, dass es so nicht weitergeht.
Und auch damit, dass sehr viele Zeitgenossen den etablierten (und bröckelnden) Großkirchen einfach spirituell nichts mehr zutrauen.
Ich habe das dumme Gefühl, dass diejenigen, die noch – ob ehrenamtlich oder hauptamtlich – in den Kirchen aktiv sind, sich längst mit dem Status quo eingerichtet haben. Es lebt sich doch ganz gut so, dass z.B. keinen „Fremden“ in die Gottesdienste kommen – die würden ja vielleicht Fragen stellen, auf die wir keine Antwort haben.
Und diejenigen, die nicht erreicht werden, sollen sich halt selber was suchen.
Wir hatten immer so eine gute Zusammenarbeit mit den Vereinen…
Tradition, Gemütlichkeit, ein bisschen Gemeinschaft, ansonsten gepflegte Langeweile.
Und mehr muss ja irgendwie auch gar nicht sein.

„Ich werde nicht sterben sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.“
Nach Ostern, nach der Auferstehung, heißt es im Lukasevangelium, blieben die Jünger einmütig im Tempel und beteten.
Sie blieben da aber nicht, um sich im Status quo einzurichten, sondern weil sie gewartet haben auf die „Kraft aus der Höhe“, den Heiligen Geist.
Dann aber sind sie aus dem Gewohnten aufgebrochen und haben das Evangelium bis ans Ende der Welt getragen. Alle, die von der frohen Botschaft ergriffen wurden, haben auf einmal ganz neue Dinge angefangen. Gemeinden gegründet, brüderlich geteilt, Sklaven gleichberechtigt behandelt, …

Ich frage mich, ob dieser Elan, dieser Schwung denn in einer Großinstitution Kirche überhaupt möglich ist. Vielleicht….
Was müsste passieren?

Ich weiß es nicht.
Aber „Ich werde nicht sterben sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“
Das war meine Berufung.
Das ist sie noch.
Das wird sie bleiben.

Wo und wie auch immer.

Artikel im Rothenburger Sonntagsblatt

Sehr schön: Das Rothenburger Sonntagsblatt druckt ein paar Artikel von mir. Unter dem Seriennamen „Frischer Wind“. Das ist finanziell zwar nicht der Megaknaller, bringt aber ein paar Euronen und außerdem gibt es mir das gute Gefühl, gelesen zu werden.

http://www.evangelisches-sonntagsblatt.de/index.php?id=1509

http://www.evangelisches-sonntagsblatt.de/index.php?id=1514

Einziges kleines Manko: Von dem zweiten Artikel gab es eine überarbeitete Version, die ich eigentlich drin haben wollte…

Macht nix.

Dann wird die überarbeitete Version eben noch mal völlig neu überarbeitet und erscheint ein anderes Mal.

Entschleunigung und Vertiefung

Ich befinde mich im vierten Monat meiner Beurlaubung. Und wenn das Ganze auch nur eine gute Seite hat, dann die: Ich entschleunige und vertiefe mich. Um ehrlich zu sein: Ich merke, dass ich mit der freiberuflichen Schiene nicht wirklich weiter komme, zumindest nicht im Moment. Und das auch gar nicht forciere. Ich habe Zeit. Welcher Luxus. Vermutlich ist gerade einfach anderes dran. Zum Beispiel, die letzten 12 Jahre im Pfarramt wirklich zu reflektieren und manches innerlich aufzuarbeiten. Klingt komisch, ist aber an manchen Punkten echt Arbeit.
Das Gute (nachträglich, aber immerhin) wertschätzend wahrzunehmen.
Und den Unmut über das weniger Gute zuzulassen.
Neue Fragen stellen. Mir selbst und anderen. Neue Gedanken denken und alte Gedanken wiederkäuen.
Mich, womöglich zum ersten mal nach Jahren, wieder intensiven Zeiten des Gebetes und der Bibellektüre zu widmen.
Kirche als „Außenstehende“ wahrzunehmen (obwohl ich das ja eigentlich nicht bin).
Zu hadern, zu zweifeln, zu hoffen.
Kurz, all die Dinge zu tun, die man eigentlich auch als Pfarrerin im Dienst tun sollte, aber viel zu wenig macht.
Und das Ganze nicht im Aktionismus zu ersticken.
Es dauert, so lange es dauert.
Der Heilige Geist weiß, was er tut.
Und wenn es am Ende nur ein oder zwei Sabbatjahre waren und NICHT der große Neustart ist es auch gut.
Es ist gut.
Es wird gut.
Solo Dios. Basta.

Predigtfreies Ostern

Nun erlebe ich, zum ersten mal seit 10 Jahren, ein kirchliches Hochfest, bei dem ich NICHT selber „dran“ bin mit Predigt und Gottesdienst. Es war ein leicht surreales Gefühl, am Karfreitag zur Gottesdienstzeit im Bademantel auf der Couch zu lümmeln. Und trotzdem hatte ich mein Karfreitags-Erleben. Nachmittags habe ich mit dem Coburger Bachchor die Johannespassion gesungen. Gemeinschaft, volle Kirche und wunderbare Musik. Auch das ist Gottesdienst.
Ein mystischer Moment auf dem Heimweg: Am Himmel steht der Vollmond, vor dem Wolkenfetzen jagen. Ostern und Pessach richten sich ja nach dem Frühjahrsvollmond. Da Jesus am Tag vor einem Pessach gekreuzigt wurde, dürfte er, wenn er damals im Garten Gethsemane in den Himmel geschaut hat, denselben fast vollen Mond gesehen haben, wie wir heute.
Und irgendwie war da so ein Gefühl von Verbundenheit. Auch wenn 2000 Jahre vorbei sind, wenn ich in den Himmel schaue, sehe ich denselben Mond wie Jesus damals. Klar, alle sehen den. Eigentlich banal, und doch wieder nicht.
Irgendwie.
Ein schwer zu beschreibendes Gefühl.
Zugehörigkeit.
Irgendwie.
Oder so.

Allen Leserinnen und Lesern gesegnete Ostertage.