„Ich werde nicht sterben sondern leben und des HERRN Werke verkündigen….“

Heut war ich mal wieder in meiner katholischen „Wahl-Gemeinde“. Predigttext war die Geschichte vom (zu Unrecht) so genannten ungläubigen Thomas. Und Psalm-Kehrvers war der in der Überschrift genannte.
Und Klarheit: Jawoll. Ich will des Herrn Werke verkündigen!
Und zugleich Frust: So wie es bisher geschieht, erreicht es einfach kaum noch jemanden.
Das hat mit Traditionen zu tun – die ich liebe, aber die fast niemand mehr versteht.
Das hat mit Milieus zu tun – die sich durch das, was Kirche vor Ort hauptsächlich tut (Senioren, Kinder, Kuchenbacken) einfach nicht angesprochen fühlen.
Das hat damit zu tun, dass weite Teile der Christenheit einfach pennen und eben NICHT merken, dass es so nicht weitergeht.
Und auch damit, dass sehr viele Zeitgenossen den etablierten (und bröckelnden) Großkirchen einfach spirituell nichts mehr zutrauen.
Ich habe das dumme Gefühl, dass diejenigen, die noch – ob ehrenamtlich oder hauptamtlich – in den Kirchen aktiv sind, sich längst mit dem Status quo eingerichtet haben. Es lebt sich doch ganz gut so, dass z.B. keinen „Fremden“ in die Gottesdienste kommen – die würden ja vielleicht Fragen stellen, auf die wir keine Antwort haben.
Und diejenigen, die nicht erreicht werden, sollen sich halt selber was suchen.
Wir hatten immer so eine gute Zusammenarbeit mit den Vereinen…
Tradition, Gemütlichkeit, ein bisschen Gemeinschaft, ansonsten gepflegte Langeweile.
Und mehr muss ja irgendwie auch gar nicht sein.

„Ich werde nicht sterben sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.“
Nach Ostern, nach der Auferstehung, heißt es im Lukasevangelium, blieben die Jünger einmütig im Tempel und beteten.
Sie blieben da aber nicht, um sich im Status quo einzurichten, sondern weil sie gewartet haben auf die „Kraft aus der Höhe“, den Heiligen Geist.
Dann aber sind sie aus dem Gewohnten aufgebrochen und haben das Evangelium bis ans Ende der Welt getragen. Alle, die von der frohen Botschaft ergriffen wurden, haben auf einmal ganz neue Dinge angefangen. Gemeinden gegründet, brüderlich geteilt, Sklaven gleichberechtigt behandelt, …

Ich frage mich, ob dieser Elan, dieser Schwung denn in einer Großinstitution Kirche überhaupt möglich ist. Vielleicht….
Was müsste passieren?

Ich weiß es nicht.
Aber „Ich werde nicht sterben sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“
Das war meine Berufung.
Das ist sie noch.
Das wird sie bleiben.

Wo und wie auch immer.

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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Eine Antwort zu „Ich werde nicht sterben sondern leben und des HERRN Werke verkündigen….“

  1. Sólveig schreibt:

    Hallo!
    Es wundert mich, dass du bisher hier keine Kommentare bekommen hast. Das Thema ist nämlich sehr interessant.
    Du hast vielleicht gesehen, dass man mich nicht unbedingt als Christin bezeichnen kann, wobei ich niemals meine Verbindung zum Christentum und JHVH verloren habe. Ich war zu keiner Zeit enttäuscht vom christlichen Geist oder Gott, nicht von den Ritualen oder den Sakramenten. Mit fast allem komme ich klar. Womit ich mich aber immer wieder reibe ist in gewissem Maße die Dogmatik. Ich benutze das Wort an dieser Stelle jetzt eher allgemein.
    Ich habe den Eindruck, dass mancher Bereich in den großen Kirchen zwanghaft daran gehindert wird sich weiter zu entwickeln, obwohl er reif dafür wäre, obwohl bereits der Samen dafür in ihm liegt. Aber man hält gerne am Alten fest. Man mag Macht und alte (Macht-über-andere-)Strukturen einfach zu gern und beides wäre in Gefahr, wenn man die Liebe und die Hingabe an Gott wieder in den Vordergrund stellen würde und das „Brüder und Schwestern“ ernst nehmen könnte. Denn dann würde vieles seine Berechtigung verlieren.
    Ich hoffe du kannst verstehen was ich meine.

    LG
    Solvey

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