Mein Pfingsten

Sonntag: Beim Katholiken meines Vertrauens in der Messe. Sehr gute Predigt, aber am dichtesten waren wohl die Bitten um den Heiligen Geist. Mit einem gesungenen „Veni sancte Spiritus“ nach jeder einzelnen Fürbitte.
Wenn man die alten Gebete zu Pfingsten liest, die Litanei zum Heiligen Geist, fällt einem vor allem eines auf: Dass die ersten Christen den Heiligen Geist offenbar nicht als festen Besitz verstanden haben. Sondern als die Kraft Gottes, das Feuer Gottes, den Atem Gottes der wirkt und weht wann und wo er will. Und dass wir ihn brauchen, wirklich dringend brauchen und deshalb immer neu um ihn bitten müssen. Der Heilige Geist ist kein Gegenstand, den man in den Schrank stellt und bei Bedarf hervor holt. Er wirkt offenbar immer nur im Hier und Jetzt.
Ich glaube, ich habe lange nicht so intensiv um den Heiligen Geist gebetet wie in diesem Jahr. Für mich, weil ich ihn brauche. Unbedingt. Damit ich meinen Weg und meinen Ort in dieser Welt und in dieser Kirche finde. Aber auch für diese Welt und die Menschen in ihr, nicht nur die Christen sondern vor allem für all jene, die überhaupt nichts mit Gott zu tun haben wollen. Oder schlimmer noch, die meinen ihm damit zu dienen, dass sie andere im Namen ihres Glaubens abschlachten.
Vielleicht brauchen wir alle miteinander, aber besonders die christlichen Kirchen, gar nicht das hundertste schlaue Programm zur Rettung des Christentums oder der Menschheit. Sondern schlicht und ergreifend die Leitung des Heiligen Geistes? Um den man bitten kann? Interessant ist, dass der Ausspruch Jesu „bittet und es wird euch gegeben“ meistens irgendwie materiell gedeutet wird. Im Text des Evangeliums, zumindest nach Lukas, geht es aber um die Bitte um den Heiligen Geist. Und nicht um den Parkplatz in der Innenstadt. „…wie viel mehr wird eure Vater euch den Heiligen Geist geben, wenn ihr ihn darum bittet.“

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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Eine Antwort zu Mein Pfingsten

  1. Thomas Jakob schreibt:

    Gut. Anregend. Danke dafür!

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