Rezension „Sonntagsarbeit“

Sonntagsarbeit hat schon wieder eine Rezension. Diesmal im Rothenburger Sonntagsblatt. Neben Herrn Bedford-Strohm :).
RezensionSonntagsblatt

Werbung: Open Air Konzert der Musikfreunde Neustadt am kommenden Sonntag

Am kommenden Sonntag, 5.7., um 19 Uhr haben wir wieder unser fast schon legendär zu nennendes Open Air Konzert im Märchenbad Neustadt/ Coburg. Das Programm ist diesmal sehr lustig. Wir spielen unter anderem die Filmmusik aus dem „Dschungelbuch“ mit drei wirklich fabelhaften Gesangssolisten (Andrea Chudak: Mowgli, Dorfmädchen; Joseph Schnurr: Kaa, King Louis; Philipp Meierhöfer: Baloo).
Einen kleinen Vorgeschmack bietet dieses Video.
http://www.region-coburg.tv/classic-meets-picknick

Gut schlecht mittel….und warum ich finde, dass das Quatsch ist.

Seit ich beurlaubt bin, fällt es mir so richtig auf.
„Und? Wie geht es dir denn jetzt?!“
„Danke, eigentlich ganz gut.“
„Bereust du nicht, dass du dich aus dem Pfarramt zurückgezogen hast?“
„Nein, im Moment nicht.“
„Aber du vermisst doch sicher was.“
„Danke, im Moment brauche ich nichts.“
„Aber man braucht doch eine sinnvolle Beschäftigung. Und die Zukunft. Und die Rente. Und die Leute, was sollen die denken….“

Spätestens hier klinke ich mich in der Regel aus.

Es ist ganz eigenartig. Seit ich keiner „geregelten Beschäftigung“ mehr nachgehe, machen sich auf einmal wahnsinnig viele Leute „Sorgen“ um meine Zukunft. Interessanterweise aber nicht meine wirklich engen Freunde und Vertrauten. Sondern Leute aus dem weiteren Umfeld, denen es doch eigentlich egal sein könnte.

Ich habe einen Verdacht. Und der lautet: Ein Mensch, der sich freiwillig (zeitweilig) aus einem lukrativen und irgendwie ja doch sinnerfüllten Beruf zurückgezogen hat, wirkt auf andere zutiefst verunsichernd und irgendwie geradezu verstörend.

Ja, manchmal kommt es mir so vor, als ob die Fragesteller geradezu darauf „lauern“, dass ich endlich weinend zusammenbreche und zugebe, wie „schlecht“ es mir doch geht und wie wenig Sinn mein Leben auf einmal hat. Warum ist das so? Fühlen sich einige in ihren eigenen Lebensentwürfen in Frage gestellt? Schwingt da vielleicht auch ein stiller (oder gar nicht so stiller) Vorwurf mit: „Wie kann es dir nur gut gehen, wo du doch seit einem halben Jahr nichts Produktives zur Verbesserung der Gesellschaft und zum Bruttosozialprodukt beiträgst?“

Hm…

Wie war das noch mal mit der Rechtfertigung aus reiner Gnade?

Überhaupt diese Frage: Wie geht es dir? – Verbunden mit der Erwartung eines „gut“ oder „schlecht“. Außer im Zusammenhang mit kurzen ritualisierten Grußformeln habe ich mir die Antwort „gut“ oder „schlecht“ auf die Frage, wie es mir denn ginge, längst abgewöhnt. Wenn ich „gut“ sage, dann eigentlich nur aus „Höflichkeit“.

Warum? Weil „gut“ und „schlecht“ keine Befindlichkeiten beschreiben. Viel mehr sind „gut“ und „schlecht“ moralische Kriterien, und die sagen darüber, wie es einem Menschen geht, herzlich wenig aus.
Beschreibungen für die Befindlichkeit wären eher: Traurig, müde, fröhlich, motiviert, verliebt, genervt, euphorisch, voll Tatendrang, unmotiviert und andere mehr. Aber nicht „gut“ oder „schlecht“. Denn das kann alles bedeuten, und bedeutet deshalb gar nichts.

Ehrlich gesagt habe ich den Verdacht, dass die Wörter „gut“ und „schlecht“ im Zusammenhang mit der Frage, wie es einem Menschen denn geht, unbewusst den moralischen Kontext dem sie entstammen auf die Gemütsverfassung projizieren.

Wem es „gut“ geht, der „ist“ nach gesellschaftlichen Kriterien auch „gut“. Gut ist: Motiviert, gut gelaunt, kontaktfreudig, redselig, voll Tatendrang, fleißig – eben alles, was gut ankommt.
Wem es „schlecht“ geht, der ist halt wehleidig, nicht leistungsfähig, undankbar, faul.

Außer er liegt mit einer schweren Krankheit im Krankenhaus, das wird toleriert.

Geht es mir nun gut oder schlecht oder mittel?
Weder noch.
Ich lebe. Und das reicht momentan völlig.

Irgendwann wird es weitergehen. Und dann werde ich den unschätzbaren Vorteil genutzt haben, den Prozessen in meiner Seele den Raum gewährt zu haben, den sie eben brauchen.

Das ist weder gut, noch schlecht. Es ist einfach so.

Laudate Pueri Dominum…

Eine emotional recht anstrengende Woche neigt sich ihrem Ende entgegen. Bin froh, dass ich zurzeit nicht arbeiten muss (obwohl immer Leute sagen, dass das doch so wunderbar ablenkt – finde ich nicht, ich sitze dann eher am Schreibtisch und starre Löcher in die Luft oder bin geistig abwesend). Bin aber froh, dass die meisten Abende dieser Woche echt nett waren. Mittwoch: Geburtstag einer Chorkollegin – mit dem „Sängerkrieg der Heidehasen“ und viel Lachen ohne Alkohol. (Musste fahren, sonst hätte ich mir vielleicht die Kante gegeben.) Donnerstag Orchester – mit gut gelauntem Maestro, hat auch Spaß gemacht. Und heute Chor, mit Monteverdi, Marienvesper.
Was für ein wunderbares Stück.
Heute widmeten wir uns dem Laudate Pueri Dominum:
Lobt den HErrn, ihr Diener des HErrn,
Ihr Knechte des Herrn, lobt den Namen des HErrn!

Die lateinische Bibel sagt „Pueri“. Das kann „Knechte“ bedeuten. Es kann aber auch „Kinder“ bedeuten. Lobt den Herrn, ihr Kinder des Herrn…was mir irgendwie grade besser tut.

Wie dem auch sei, wunderbare Musik. Soweit wie diese Aufführung sind wir aber noch nicht…

Allen eine geruhsame Nacht und ein gesegnetes Wochenende.

Warum ist eigentlich alles, was mit echter Kommunikation zu tun hat, so furchtbar schwer?

Es könnte doch so einfach sein.
Wenn man jemanden mag sagen: „Ich mag dich.“
Statt irgendwie seltsam aus der Wäsche zu schauen und zu hoffen, dass der andere schon irgendwie meine Gedanken lesen wird.
Wenn man sauer ist sagen: „Ich bin sauer, weil….“
Wenn man seine Ruhe haben will sagen: „Mir ist das alles grade etwas zu anstrengend, könnten wir bitte morgen weiterreden?“

Mit Tieren ist das einfacher.
In diesem Moment grade lief mir die Katze über den PC und ließ sich schnurrend und sich an mich schmiegend auf der Armlehne nieder.
„Ich mag dich, hör mit der blöden Tipperei auf, ich will schmusen.“
Irgendwelche Fragen?
Nein.
Ich kraule sie.
Sie schnurrt.
Und wenn genug gekrault und geschnurrt ist, sucht sie das Weite.
Keine Missverständnisse.
Klar, man kann mit ihr nicht die Relativitätstheorie diskutieren.
Aber das kann man mit den meisten menschlichen Zeitgenossen auch nicht.

Ich glaube, das hat alles was mit dem Paradies und dem Sündenfall zu tun.
Damals ging das los mit der ganzen Schämerei und der Verstellung.
In dem Moment, in dem man meint, man wäre nicht gut genug, so wie man ist.
Dann geht der Eiertanz los.
Das Buhlen um ein wenig Zuneigung.
Das Vorspielen von Eigenschaften, die man nicht hat.
Tiere hatten übrigens keinen Sündenfall. Die leben noch im „Paradies“. Das macht es so einfach mit ihnen.

Gott hat damals bei der Schöpfung gesagt: „Es ist sehr gut.“
Alles ist sehr gut.
Aber Adam und Eva meinten: Nicht gut genug! Wir müssen klüger sein!
Wir brauchen Kleidung, um uns voreinander zu verstecken.
Und Kleidung reicht nicht, wir müssen uns voreinander verbiegen, um einander akzeptieren zu können.
Und Adam versteckt sich vor Gott im Gebüsch.
Da sitzt er heute noch.
Und im Zuge der Gleichberechtigung macht Eva es ihm nach.

Was für ein unglaublicher Blödsinn.

Ich glaube im Kern geht es um die Frage: „Bin ich liebenswert so wie ich bin?“
Gott sagt: „Ja. Siehe, es ist sehr gut.“
Ich will auch lernen Ja zu sagen.
Zu mir und zu anderen.

Mitternacht

Hoffen dass ich schlafen kann
mein unruhiges Herz und meine aufgewühlten Gedanken in die Hände eines Größeren legen
möge er meine Träume hüten

Sein ist der Tag und Sein ist die Nacht
Sein bin ich und die Menschen die ich liebe
und die anderen auch.

Mitternacht
Wendepunkt
Wendezeit

Nicht Geisterstunde,
sondern Stunde in der der Heilige Geist
in heilsamen Schlaf begleitet

Mitternacht
den vergangenen Tag endgültig vergangen sein lassen
er kommt nicht mehr wieder
was versäumt ist, möge Gott vergeben
was gelungen ist, möge er stärken und weiterführen am kommenden Morgen.

Schlaft behütet, die ihr schlafen dürft.
Wacht in seiner Kraft, die ihr wachen müsst.
Wachenden und Schlafenden Seinen Frieden.

Tagebuch…

Es tut sich eine ganze Menge. Nach verschiedenen Kollegen und Kolleginnen wird es nun für mein Buch zwei Rezensionen von einschlägigen Zeitschriften geben. Eine im Rothenburger Sonntagsblatt und eine im Württembergischen Pfarrerblatt. Damit verlässt „Sonntagsarbeit“ den sicheren Platz des Geheimtipps unter der Ladentheke und tritt ins gleißende Lichte der kirchlichen Öffentlichkeit. Na, wenn das nichts ist. Ich freue mich darüber. Wer mich allerdings kennt, der weiß, dass es in mir noch eine andere Seite gibt.
Die Seite, die nicht „mediengeil“ ist und am liebsten ein beschauliches und stilles Leben führen möchte.

Privat: Gäbe es gerade viel zu schreiben. Erfreuliches, weniger Erfreuliches und gänzlich Unersprießliches. Vor allem gibt es eine Begegnung, die mich sehr stark beschäftigt. Und wo es vermutlich ein dickes Missverständnis der gänzlich unerfreulichen Art gab, was ich aber im Moment einfach nicht aus dem Weg räumen kann. Da hilft wohl nur beten, warten und hoffen.

Leider tot…

Heute, gegen 12 Uhr 17.
Coburg.
Bratwurststand.
Ich werde Zeugin folgenden Dialogs.
Hauptpersonen: Bratwurstfrau (Bwf) und einem Bratwurst essenden Kunden (BeK).

BeK steht am Bratwurststand und futtert eine Bratwurst.
Bwf: „Du, kennst du den kleinen Mann, der wo immer hier seine Wurst gegessen hat?“
BeK: „Hmpf.“
Bwf: „Der is fei gestorben.“
BeK: „Ach.“
Bwf: „Und die Wirtin vom Itzgrundbräu. Kennst die?“
BeK: „Nein.“
Bwf: „Die is fei auch gestorben.“
BeK: „Oh.“
Bwf: „Und weißt, wer fei noch gestorben ist? Die blonde Anni, die wo immer beim Hofbräu bedient hat!“
BeK (schockiert): „Nein!“
Bwf: „Doch. Ganz plötzlich.“
BeK: „Kenn i net.“

Ich: „Einmal Bratwurst. Ohne Senf.“

Humor ist, wenn man trotzdem Christ bleibt

Manchmal möchte mir das Lachen vergehen und das Christsein auch. Eine Kollegin schenkte mir zum Abschied von einer meiner Pfarrstellen diesen Bild.
TikiHumor
Was ich daran mag: Es enthält ein schönes Stück christliche Selbstironie. Der Mensch da hat sein Zimmer geradezu tapeziert mit allerlei christlich angehauchtem Schnickschnack. Vermutlich muss er sich selber immer wieder daran erinnern, woran er glaubt. Bevor er das kuschelige Zuhause verlässt und das Missionsgebiet der bösen Welt da draußen betritt.

Gott kann auch fränkisch

JeremiaKarikatur