Geschützt: Ach, Kirche…

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

Mühseliges Eichhörnchen

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid…und mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.“ So ähnlich geht es mir gerade. Gestern und heute habe ich viel am PC gesessen. Homepage basteln (siehe gestern). Und heute: Bestatterbriefe geschrieben. Nun, da ich offiziell als freie Theologin arbeiten kann, intensiviere ich meine Werbung und heute habe ich sämtliche Bestatter im weiten Umkreis einzeln angeschrieben. Jemand gab mir den Tipp, es doch auch mal auf einem Internetportal namens machdudas.de zu versuchen. Da gibt es eine Menge kleinere Aufträge, auf die man sich bewerben kann. Allerdings zu Dumpingpreisen. Trotzdem habe ich dort ein Profil erstellt und mich auf drei Jobs beworben, man kann ja nie wissen. Irgendwann lernt man jemanden kennen, der jemanden kennt, der… Die Anmeldung fürs Finanzamt ist auch endlich auf dem Weg. Eine gute Bekannte kontaktierte mich wegen einer Reihe von Andachten für ein kirchliches Blatt. Auch das allerdings ein eher mageres Jöbchen, finanziell gesehen. Auf den Termin vom Arbeitsamt warte ich immer noch. Und so wurschtele ich mich momentan durch die Tage nach der Devise: Egal wie, immer in Bewegung bleiben. Sehet die Eichhörnchen. Sie laufen von Baum zu Baum und suchen Nüsse, nicht an jedem Baum gibt es welche. Und ihr himmlischer Vater nährt sie doch.

Neue Homepage

Ich versuche mich mal wieder am Basteln einer Homepage. – Nein, ich weiß nicht wie das geht. Aber ich habe leider auch keine echte Alternative, als es einfach trotzdem zu machen.

Chor-Wochenende

Eben komme ich von einem Wochenende mit dem Coburger Bachchor heim. Als fleißige Sängerin gibt man sich das einmal pro Jahr: Ein Wochenende mit den Mitstreiterinnen und Mitstreitern.
Was man da so macht?
Man steigt in einen Bus und fährt 1 1/2 Stunden in die Pampa zu irgendeinem Freizeitheim im Grünen, in unserem Fall ins evangelische Tagungszentrum nach Bad Alexandersbad. Also irgendwo hin, wo es keinen Handyempfang gibt.
Dann verteilt man etwa 100 Personen auf diverse Zimmer. Ich hatte diesmal aus Kostengründen wegen der Geselligkeit eins mit einer Mitsängerin vom zweiten Sopran. Die so genannte Schnarcherquarantäne. (Man schläft als Schnarcher entspannter, wenn man weißt, dass die andere auch sägt.)
Na ja, dann gibt’s Abendessen und dann wird gesungen.
Dann wird geschlafen.
Dann wird gefrühstückt und wieder gesungen.
Dann gibt’s Mittagessen und Kaffee. Dazwischen turnt man durch den Wald und genießt die Landschaft.
Dann wird gesungen.
Dann gibt’s Abendessen.
Und danach wird wieder gesungen.
Dann ist man gesellig.
Danach wird geso geschlafen.
Dann gefrühstückt.
Und noch mal gesungen.
Dann gibt’s Mittagessen.
Und dann geht’s heimwärts.

Soweit die Eckdaten. Auf deutsch: Chorwochenende ist Extreme Singing unterbrochen von Essen, Schlafen und ein bisschen Geselligkeit.

Was man sonst noch macht: Flaschen umschmeißen. Wenn man insgesamt 15 Stunden singt, muss man die Kehle feuchten. Dazu nimmt man Wasserflaschen mit in den Probenraum. Mangels Alternativen stellt man die auf den Fußboden. Dann nimmt, bei 100 Personen im Raum mit ebenso vielen Fußpaaren, das Verhängnis seinen Lauf.

Auf´s Klo müssen. Gefühlt immer 15 Minuten nach der zehnminütigen Klopause, die alle anderthalb Stunden eingelegt wird.

Chorleitersprech notieren. Wir haben einen ausgesprochen guten, engagierten, hochmusikalischen, tollen Dirigenten. Der hat sich, nach zwanzig Jahren, einen gewissen Galgenhumor zugelegt. Vermutlich wäre er sonst Alkoholiker. Man hat natürlich als braver Sänger immer Noten und Bleistift dabei. Und der kommt, bei mir zumindest, auch eifrig zum Einsatz. Nicht nur, um Vortragsstil und ähnliches in die Noten zu schreiben. Sondern auch um lustige Zitate zu notieren, die einen dann in ein paar Jahren wieder ergötzen, wenn man das Stück zum nächsten mal singt.

Beispiele:
Samstag morgen, 9 Uhr, Probenbeginn.
„Alle munter? Alle gut drauf? Keine Angst, das ändert sich gleich.“
„Ja, Leute, ich weiß schon, das ist schwer. Ich weiß aber auch, wenn wir das heute gut lernen….(überlegt)…dann werden Sie kommenden Freitag an dieser Stelle wieder genauso dämlich aus der Wäsche schauen.“
„Sopran zwei. Heute ein Brillantfeuerwerk rhythmischer Ideen.“

„Lieber Alt, das ist ein tiefes E! Da dürfen Sie ein wenig markieren, ist halt sautief.“ – Stimme aus dem Bass: „So schwer ist das doch nicht!“

„Ich möchte jetzt bitte einmal erleben, dass das klappt….na also, geht doch!“ – Stimme aus dem Bass: „Das war jetzt das eine Mal.“

„Das klang jetzt wie die Karfreitagsversion von O du fröhliche.“

„Diese Harmonie muss so dissonant klingen, das stimmt schon, man nennt das einen Querstand.“ – Chor stürzt beim nächsten Durchgang total ab. Chorleiter: „Was war das denn jetzt?!“ – Stimme aus dem Chor: „Das war auch ein Querstand.“

Oder, besonders schön: „War besser als letztes mal. Hat länger gedauert, bis wir auseinander waren!!“ – Man muss halt immer das Positive sehen. Und „da war ja auch schon viel Schönes bei!“.

Insgesamt ist so ein Probenwochenende, oder überhaupt alles disziplinierte Üben von Musik, ein Beweis dafür, dass Arbeit auch etwas Wunderbares sein kann. Als der Busfahrer in seiner kurzen Begrüßung bei der Hinfahrt meinte: „Ich wünsche Ihnen allen ein erholsames Wochenende!“, begann der ganze Bus schenkelklopfend zu lachen.
Nein, erholsam ist nicht das richtige Wort.
Es ist eher der Dienst an etwas Größerem, nämlich der Musik.
Jeder kann eine CD von der Marienvesper einlegen. Aber ein Werk so zu erarbeiten, dass es gut klingt und die Hörer anrührt, das ist etwas anderes und verschafft (mir und anderen) ungleich viel mehr Befriedigung, als wenn wir dieses Wochenende mit Party oder vor der Glotze verbracht hätten.

Wir probten übrigens die Marienvesper von Monteverdi rauf und runter. Und das nun folgende Stück ist, auch wenn es toll klingt, einfach sauschwer
eine Herausforderung…aber wunderbar.

Praktischer Atheismus

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele nominelle Christen, auch solche die sonntags in die Kirche gehen, im praktischen Sinn Atheisten sind. Sie glauben zwar irgendwie irgendwas und dass Gott irgendwo ist, aber es hat keine Auswirkungen auf ihr Leben.
Jesus sagt: Sorgt euch nicht, denn euer himmlischer Vater sorgt für euch.
Abraham macht sich im Vertrauen auf Gott im hohen Alter von 70 Jahren noch auf den Weg in ein Land, das ihm versprochen wurde, das er aber nie gesehen hat.
Die Bibel kennt noch mehr solcher Beispiele. Was nützt mir denn ein Glaube an einen Gott, wenn ich mir am Sonntag eine schöne Predigt anhöre, aber dann im Alltag so lebe, als gäbe es keinen Gott?
Die Frage ist doch nicht, ob es Gott „gibt“ oder nicht. (Einen Gott, den es „gibt“ wie eine Teetasse oder eine Straßenlaterne gibt es sowieso nicht.) Sondern wo man konkret mit ihm rechnet.
Glaube ich, dass mich jemand (er)hört, wenn ich bete?
Glaube ich, dass Gott meine Wege kennt, mich begleitet und mich leitet?
Glaube ich, dass Gott nicht nur irgendwie für alle da ist (und in Wirklichkeit für keinen), sondern für mich?
Und wenn ich das glaube, warum bin ich dann oft so verdammt hasenherzig, kleingeistig und verzagt?
Ich glaube.
Punkt.

Von der Freude, die zweite Geige zu spielen

Soeben komme ich aus der Generalprobe für unser Konzert morgen. Drei Stunden. Gefühlt fünf. Mit zehn Minuten Pause. Gefühlt zwei. Warum ich das mache: Weil es toll ist. Es macht Spaß. Ich spiele zweite Geige.
Ja. Die Redensarten. Die erste Geige spielen…die zweite ist nicht so wichtig…
Warum spiele ich nicht erste Geige?
Weil …
1) ich das permanente Gequietsche auf der E-Saite nicht ertrage. Heute saßen wir etwas enger und schmaler gestaffelt als sonst. Ich direkt an der Schnittstelle zu den 1. Geigen (und nicht wie gewohnt neben dem zweiten Bratschenpult). Und ich habe bei jedem Stück drei Kreuze gemacht, dass ich daheim nicht das üben muss, was mein Nebenmann mir permanent ins rechte Ohr fiedelte. Nicht in erster Linie wegen der Schwierigkeit. Sondern weil eine Stunde Üben in hohen Violinlagen Folter ist. Für den Geiger genauso wie für alle, die zuhören müssen. Das klingt nur mit einem ordentlichen Unterbau gut. Also mit uns.
2) ich die tiefen Lagen liebe. Nichts klingt besser als die kernigen Töne der tiefen Violinlagen. Wer meint, dass Geigen per se quietschen, sollte sich mal ein paar Töne auf den beiden unteren Saiten vorspielen lassen.
3) Spiele ich gern zweite Geige, weil es die Mittelstimme ist. Das Hörerlebnis ist viel schöner, man fühlt sich eingebettet in ein Geflecht von hohen und tiefen Stimmen. Es ist irgendwie ein ozeanisches Gefühl. Bodenständig. Nicht über den Dingen schwebend.
4) Weil es zwischen den Bratschen und den Affen einfach noch einen Puffer braucht. (Einziger mir bekannter Musikerwitz über die zweiten Violinen: „Was trennt die Bratscher von den Affen? – Die zweiten Geigen.“)

So. Das waren die guten Seiten.
Die schlechten wollen wir nicht verschweigen.
Wenn der Dirigent Johann Strauß liebt und oft aufführt, spielt man als 2.Geigerin Seiten lang Nachschläge. Das, was bei Walzern immer hm-pa-pa macht. Das Hm ist meist irgendein Bassinstrument. Das Pa Pa sind wir. Im Verein mit den Bratschen. Zurzeit spielen wir viel Strauß. Nach ungefähr drei Stunden Hm pa pa ist man reif für die Klapse. Oder den Chiropraktiker. Hm pa pa geht tierisch ins rechte Handgelenk oder in den Ellebogen. Je nach Technik. Noch schlimmer ist man als 2.Geigerin nur bei Märschen dran. Hm-pa hm-pa hm-pa pa… Oder Polka: Hm pa hm pa hm pa…. – Das Stunden lang ist leicht ermüdend.
Zweite Geigen sind meist schüchtern…nein. Halt, stimmt nicht. Wir wollen nur nicht auffallen. Wir sind das nicht gewöhnt. Wenn der Dirigent sagt: „Ich will mal bitte nur die zweiten Geigen hören!“, hört er sie nicht. Weil sich keiner traut. Wir sind halt bescheiden.
Taubheit. Bei der klassischen Orchesteraufstellung sitzen die zweiten Violinen direkt vor den Holzbläsern. D.h., es blasen einem ständig Oboe, Klarinette, Flöte und Piccoloflöte ins Genick. Man glaubt gar nicht, wie laut so eine Klarinette einen halben Meter hinter dem linken Ohr ist. Noch ärmer sind nur die Bratschen dran. Bei denen sind es die Blechbläser, die das Gehör ruinieren.

Aber im Großen und Ganzen hat man als Mittelstimmen-Spielerin eine Menge Spaß.
Bei drei Seiten Hm-pa-pa hat man anders als die 1. Geigen, die mit verzweifelten Blicken in den Noten kleben, auch mal die Muße, ein kleines Witzchen mit der Pultnachbarin zu reißen oder zu überlegen, was es zum Abendessen gibt. Und man hat definitiv weniger zu üben.

Warten

Momentan ist eine Zeit des Wartens.
Ich merke, dass etwas Neues beginnt und es steckt mir schon in allen Knochen.
Aber ich sehe noch nicht, was das werden will.
Konvertieren, ja.
Priesterin werden, vielleicht.
Irgendwann.
Broterwerb bis dahin?
Und wenn es keine bezahlte Stelle wird darüber hinaus?
Keine Ahnung. Ich warte auf mein Gespräch beim Arbeitsamt.
Man sollte es nicht glauben, aber trotz aller inneren Zuversicht, die ich wirklich habe, ist das alles gerade ziemlich anstrengend.
Und gleichzeitig „langweilig“ (weil ich eigentlich gerade nichts tun kann) und „aufregend“ (weil es halt um ganz existentielle Fragen geht: Wie lebe ich die nächsten Jahre und Jahrzehnte? Und wo? Und mit wem? Und in welchem Beruf?)
Also sehe ich zu, dass ich durch diese Tage komme, ohne mich hängen zu lassen.
Noch nie habe ich so viel geputzt.
Und Geige geübt.
Und gebetet.
Gelesen.
Ferngesehen (wobei mir das eher wenig bringt).
Tagebuch geschrieben.
Tiefe Gespräche geführt (ein Glück).
Gott ist mit den Geduldigen und mit denen, die aufbrechen.

Vertrauen

Im Grunde ist das, was ich grade am eigenen Leib erlebe, ein Wunder. Ein Lebensentwurf -evangelische Pfarrerin, das ist mehr als ein Beruf – ist komplett zerbröselt. Getragen hat das schon länger nicht mehr. Nun bin ich meinen Titel los. Ich bin aus der Kirche ausgetreten. Ich werde den schwarzen Talar mit dem Samtsattel und dem Beffchen nie mehr tragen.
Abschweifung: Braucht jemand zwei bayerische evangelische Talare, tragbar für etwas kräftigere Personen um die 1,75 Körperlänge? Beide gut in Schuss? Billig abzugeben!
Und zugleich, obwohl eigentlich alles unklar ist, fühle ich mich so unglaublich getragen. Alte Freunde. Neue Menschen. Gott.
Einfinden in eine neue Gemeinschaft.
Alle wollen wissen, wie es jetzt beruflich weitergeht.
Ich habe nicht die geringste Ahnung.
Und fühle mich trotzdem zum ersten Mal seit Jahren wirklich lebendig.

Konversion

Meine Entscheidung ist gefallen. Vor 22 Jahren habe ich mich taufen lassen. Evangelisch eigentlich nur aus dem Grund, dass ich Pfarrerin werden wollte. Und weil mir das mit dem Papst komisch vorkam. Und weil ich den Eindruck hatte, dass Frauen bei den Katholiken wenig zu melden haben.
Was ich damals noch nicht kannte, war die Alt-Katholische Kirche. Von der Kritiker sagen, sie sei weder alt, noch katholisch. Manche ergänzen das alt zu „alternativ“. Das trifft es eher. Katholische Tradition. Aber kein Papst. Frauen können Pfarrerinnen werden und Pfarrer dürfen heiraten. Pfarrerinnen natürlich auch. Ansonsten alles, was das katholikenfreundliche Herz begehrt: Schöne Liturgie und Realpräsenz in der Abendmahlslehre. Eucharistie in (fast) jedem Gottesdienst.
Ich habe meinen Antrag auf Aufnahme gestellt. Und wer weiß. Vielleicht werde ich ja sogar irgendwann Priesterin. Jedenfalls brauche ich eine geistliche Heimat. Und das kann die evangelische Kirche für mich zumindest im Moment nicht mehr sein. Ich hoffe, dass es die alt-katholische Kirche werden kann. Natürlich will ich meinen Glauben verbindlich und in Gemeinschaft leben. Vielleicht gelingt das in einer kleinen Gemeinde besser als in einer großen. Und vor allem: Die alt-katholische Kirche besteht zu 80% aus Konvertiten. Also Menschen, deren religiöse Biografie aus irgendeinem Grund eben nicht so glatt lief und die sich irgendwann umorientiert haben. Vielleicht lässt sich Glaube so bewusster leben. Also versuche ich es jetzt auf diesem Weg. Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen.

Mögliche Titel

Tagebuch einer ehemaligen Pfarrerin…
Will ich mich wirklich darüber identifizieren, was ich mal war, welches Amt ich bis vor kurzem innehatte? Ist das wichtig?
Vielleicht benenne ich diesen Blog um.
Zum Beispiel:
Von einer, die auszog, das Leben zu suchen
Mein Tagebuch
Glaubenswege (ach nein, das klingt so nach Bayern 3)
The Quest
Die Sinnsucherin
Auf Gottes Spuren
Tagebuch einer Grenzgängerin
Leben wagen
Schöner scheitern
Weiter hoffen
oder so irgendwie.
Mal sehen.