Konversion

Meine Entscheidung ist gefallen. Vor 22 Jahren habe ich mich taufen lassen. Evangelisch eigentlich nur aus dem Grund, dass ich Pfarrerin werden wollte. Und weil mir das mit dem Papst komisch vorkam. Und weil ich den Eindruck hatte, dass Frauen bei den Katholiken wenig zu melden haben.
Was ich damals noch nicht kannte, war die Alt-Katholische Kirche. Von der Kritiker sagen, sie sei weder alt, noch katholisch. Manche ergänzen das alt zu „alternativ“. Das trifft es eher. Katholische Tradition. Aber kein Papst. Frauen können Pfarrerinnen werden und Pfarrer dürfen heiraten. Pfarrerinnen natürlich auch. Ansonsten alles, was das katholikenfreundliche Herz begehrt: Schöne Liturgie und Realpräsenz in der Abendmahlslehre. Eucharistie in (fast) jedem Gottesdienst.
Ich habe meinen Antrag auf Aufnahme gestellt. Und wer weiß. Vielleicht werde ich ja sogar irgendwann Priesterin. Jedenfalls brauche ich eine geistliche Heimat. Und das kann die evangelische Kirche für mich zumindest im Moment nicht mehr sein. Ich hoffe, dass es die alt-katholische Kirche werden kann. Natürlich will ich meinen Glauben verbindlich und in Gemeinschaft leben. Vielleicht gelingt das in einer kleinen Gemeinde besser als in einer großen. Und vor allem: Die alt-katholische Kirche besteht zu 80% aus Konvertiten. Also Menschen, deren religiöse Biografie aus irgendeinem Grund eben nicht so glatt lief und die sich irgendwann umorientiert haben. Vielleicht lässt sich Glaube so bewusster leben. Also versuche ich es jetzt auf diesem Weg. Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen.

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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6 Antworten zu Konversion

  1. Thomas Jakob schreibt:

    Mögen sich Deine Hoffnungen erfüllen!

    Von der Existenz der Altkatholiken hatte ich vor sechs Jahren zum ersten Mal gehört, im Zusammenhang mit der Idee, unzufriedene Standardkatholiken könnten ja massenhaft dahin wechseln und damit die Themen Zölibat und Gleichberechtigung quasi von unten lösen. Dass es sich um 80 % Konvertiten handelt (Ex-Protestanten, nehme ich an), ist eine interessante Information.

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  2. Der Emil schreibt:

    Mögest Du eine getreue geistliche Heimat finden, der Du nach Deinem Vermögen und Wollen dienen kannst. Der HERR segne Deinen Schritt.

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  3. Chris schreibt:

    Hallo,
    ich hab mir das auch überlegt mit den Alt-Katholischen…bzw. bin noch dabei…
    Warum?
    Weil ich in einer schwierigen Phase mit der evangelischen Seelsorge so meine Probleme hatte. Und das Gefühl hatte, bzw. habe das dort keiner wirklich für einen da ist. Das ganze ist zu komplex um es im Detail zu schreiben, es ist einfach eine Summe von Entäuschungen.

    Zufällig bin ich auf diesen Text gestoßen, der mich irgrendwie berührt hat.

    http://www.alt-katholisch.de/fileadmin/red_ak/CH-Archiv/arc_13/13_7_1.htm

    Vielleicht sollte ich es dort mal probieren…

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  4. Sólveig schreibt:

    Hi!

    Die Alt-Katholiken habe ich mir vor einigen Jahren auch mal angeschaut und damit geliebäugelt. Das was dir daran gefällt hat mich damals auch angesprochen. Es kam dann aber alles anders. Ich wünsche dir, dass du eine Heimat in dieser Richtung findest. Suchen ist gut (weil man dabei viel lernt). Finden ist besser (weil man ankommt).

    LG
    Sólveig

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  5. Pingback: Warum Alt-Katholisch und was ist das? – Teil 2 | Tagebuch einer ehemaligen Pfarrerin

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