„Dürfte ich bei Ihnen einen Flyer…“

Heute war ich den ganzen Nachmittag in der Stadt unterwegs. Ich habe, relativ wahllos, Flyer verteilt, auf denen steht was ich so mache. Damit klapperte ich heute die Geschäfte ab (wobei ich erst in einem Bruchteil war). Interessante neue Erfahrungen und interessante Reaktionen der Geschäftsinhaber.

Die häufigste: „Ja, legen Sie es mal hin!“ – Keine weitere Nachfrage.

Die zweithäufigste: „Ja, legen Sie es ruhig hin!“ – verstohlen neugieriger Blick, der vermuten lässt, dass die Person sich gleich ein Exemplar angelt, sobald ich den Raum verlassen habe.

Die dritthäufigste: „Wofür? Oh, Heilpraktikerin, interessant! Ach, Sie machen auch Meditation? Weil ich bin immer so unruhig….“

Die vierthäufigste: „Wir haben leider keinen Platz.“ (Auch OK) Bzw.: „Unsere Chefin hat gesagt, wir dürfen leider keine Flyer annehmen.“ (Ebenfalls OK, dann hab ich der Person halt privat einen in die Hand gedrückt.)

Eine Begegnung der blöden Art. Italienischer Imbiss, kein einziger Flyer zu sehen, ich frage trotzdem. Inhaber: „Legen Sie es da hin, ich tu es dann dahin, wo es hin gehört.“ – „Ehe sie ihn wegschmeißen, nehme ich ihn wieder mit.“ – Inhaber braust auf: „Ja soll ich ihn weg werfen? Ich habe gesagt, ich lege ihn hin, wo er hin gehört!“ (Da aber nirgends in dem Laden Flyer lagen, vermute ich, ich habe einfach den richtigen Nerv getroffen. Ich ließ nur drei Stück da.)

Eine Begegnung der sehr christlichen Art: „Nein, das lege ich nicht aus, da ich Heilpraktiker aus biblischen Gründen ablehne.“ – „Was denn genau?“ – „Akkupunktur, das ist nicht biblisch.“ – „Ich bin Psychotherapeutin. Ich mache keine Akkupunktur.“ Noch etwas Hin und Her, da ich aber nicht wollte, dass meine Flyer da landen „wo sie hin gehören“, habe ich ihr dann EINEN gegeben und gesagt, sie soll halt mal auf meine Homepage schauen.

In das Geschäft mit E-Zigaretten ging ich rein, um Flyer auszulegen. Ich verließ es 20 Minuten und einen netten Plausch später ohne Flyer ausgelegt zu haben. Dafür mit einer E-Zigarette.

Und eine RICHTIG gute Begegnung, das war die letzte des Tages. In einem Geschäft für Damenbekleidung ab Gr. 44 (Mode für Moppel). Da habe ich mich eine halbe Stunde richtig gut mit der Inhaberin unterhalten, die GERNE meine Flyer auslegt, weil so viele ihrer Kundinnen Probleme mit der Selbstakzeptanz haben, und sie ist katholisch, und der Priester in St. Augustin, das ist ja ein ganz Netter, ach den kennen Sie? Sagen  Sie ihm mal einen schönen Gruß, und ja, super, wo leg ich die Flyer nur hin, damit sie auch wirklich gesehen werden…

Ich glaube, die Art von Begegnung bringt letztlich mehr, als Massen Flyer in die Luft zu blasen. Andererseits: Genau solche Begegnungen gäbe es halt nicht, wenn man nicht von Tür zu Tür geht. Alles in allem zufrieden mit dem Nachmittag.

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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