Komm, wir gründen einen Orden…

…oder eine Kommunität, oder eine Gemeinschaft (begrifflich will ich mich da nicht festlegen). Was ich aber – siehe Eintrag von gestern – wirklich schätzen würde, wäre eine Art geistliches Netzwerk von Menschen, die versuchen Jesus nachzufolgen, aber in „fertigen“ Gemeinden/Kirchen immer irgendwie nicht so ganz heimisch werden. Nicht als Ersatz für Gemeinden oder Institutionen, sondern als Ergänzung.

Wie müsste eine Kommunität/Gemeinschaft aussehen, die zu mir passt (und vielleicht, hoffentlich auch zu anderen)?

Verbindlich, aber nicht eng. Gläubig, aber nicht fundamentalistisch. Zweifelnd, manchmal verzweifelnd, aber dennoch hoffnungsvoll. Überkonfessionell, aber nicht beliebig. Im Gebet und virtuell verbunden. Und bei Erreichen einer dazu nötigen Dichte auch gern analog verbunden. Vielleicht durch regionale Treffen mehrmals im Jahr oder/und gemeinsame Wochenenden einmal im Jahr oder alle zwei Jahre.

Was wäre das Ziel? Zunächst einmal das Wissen: Es gibt noch andere. Dann auch: Gebetsunterstützung. Etwas mehr Verbindlichkeit. Experimentieren können, wie Nachfolge Jesu denn heute konkret aussehen kann, mit und in der Gesellschaft, mit und im Netz und auch in den jeweiligen Kirchengemeinden.

Was mir wichtig wäre: Ein relativ schlichter, solidarischer Lebensstil. Solidarität mit sozialen Projekten vor Ort – jeder und jede dort, wo er oder sie lebt. Aber dabei voneinander wissen, wo wir gerade jeweils „stecken“, womit wir zu kämpfen haben und was uns freut.

Außerdem , dass jeder und jede sich irgendwo in einer konkreten, realen Gemeinschaft, Gemeinde o.ä. einbringt, weil eine (vorerst) „netzbasierte Kommunität“ sonst leicht zur Scheinwelt werden kann.

Wichtig ist mir persönlich Schlichtheit und Authentizität. Kein spirituelles Abheben. Glaube muss geerdet sein, auch wenn jeder ihn etwas anders lebt.

Über eine gemeinsame „Ordenstracht“ könnt man reden. Bzw.: Jeder kann das halten, wie er will, falls sich was Gemeinsames herauskristallisiert, gut. Ich persönlich bevorzuge ja das Fischerhemd als Ausdruck meiner inneren Einstellung. Irgendwann auf Amrum schoss mir das mal durch den Kopf: Sollte ich je einen Orden gründen, dann wird die Ordenstracht aus Jeans und Fischerhemd bestehen. Letzteres zum einen wegen des Bezugs zu den „Menschenfischern“, zum anderen, weil Fischerhemden so robust sind, dass man zwei Stück davon gut mehrere Jahre im Wechsel tragen könnte. Stichwort schlichter Lebensstil, die Sorgen nicht zu sehr an Äußerlichkeiten hängen.

Als Ordenszeichen würde ich das Tau-Kreuz der franziskanischen Bewegung bevorzugen. Ob und wie man sich durch äußere Zeichen als Christ outet, bleibt aber jedem erst mal selber überlassen.

Beginnen könnte man ganz klein damit, das Gebet füreinander im Alltag zu integrieren. Daraus kann mit der Zeit auch eine Art gemeinsame Spiritualität erwachsen. (Ich persönlich bevorzuge das Jesusgebet und außerdem ganz schlicht und Einfach das Beten des Breviers, bzw. das Lesen der Herrnhuter Losungen.)

So, der Raum für Diskussionen ist eröffnet!

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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7 Antworten zu Komm, wir gründen einen Orden…

  1. German Pastor NYC schreibt:

    Mutige Gedanken. Hast du dich schon einmal mit Iona auseinander gesetzt? Inzwischen gibt es sie auch in D. Diese Gemeinschaft finde ich attraktiv.

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  2. Myriade schreibt:

    Ich muss schon sagen, ich bewundere deinen Schwung und die Anzahl der Projekte, die du überlegst. Ich wünsche viel Erfolg !

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  3. kulervo schreibt:

    Beginnen wir schonmal damit, für- und miteinander zu beten.

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  4. marthori schreibt:

    liebe christiane, ich kann mit deinen gedanken gut mitgehen. habe manchmal ähnliche ideen. mehr kann ich grad nicht sagen, noch alles unausgegoren. lg, martin

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  5. karlheinzsix schreibt:

    Ich finde diese Gedanken insgesamt auch sehr interessant. Gleichzeitig möchte ich eine Aussage am Beginn etwas kritisch befragen. Da schreiben Sie: „… aber in “fertigen” Gemeinden/Kirchen immer irgendwie nicht so ganz heimisch werden.“
    Es ist für mich immer wieder zu beobachten, dass Christen eine Heimat finden wollen und diese Heimat in irgendeiner irdischen Wirklichkeit sehen: Pfarre, Gemeinschaft, Orden oder was auch immer. Dies passt für mich nicht mit der Grundlage christlicher Spiritualität zusammen, die sich sehnt nach der wahren Heimat bei Gott und sich bewusst ist, dass wir in diesem Leben und auf dieser Erde nur Pilger sind, auf dem Weg, nirgends sesshaft werden (sollen), allzeit zum Aufbruch bereit … wie Sie es ja selbst in ihrem Leben erfahren haben und praktizieren.

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