Die ultimative Silvester-Challenge

Heute stelle ich mich der ultimativen Silvester-Challenge, einem noch nie dagewesenen Abenteuer: Silvester allein zu Hause.

Der ursprüngliche Plan: Meine Orchester-Pultnachbarin besuchen und mit ihr gemeinsam ihren Bernhardiner trösten, wenn draußen die Knallerei losgeht. Allerdings wohnt sie ein gutes Stück außerhalb Coburgs und wir haben Glatteis. Beide gleichzeitig kamen wir drauf, dass Autos heute besser stehen bleiben.

Irgendwie ist es okay so. Nun mach ich mir halt einen ruhigen eher gemütlichen Abend, fresse Antipasti und Lachs ohne Brot (das Brot hat sie gekauft) und trinke Tee statt Sekt.

Das könnte mich nun in nachhaltige Depressionen stürzen, tut es aber nicht. Silvesterkonzert und Kabarett im Fernsehen. Und außerdem erstmals in acht Jahren die Chance zu erleben, wie meine Katze nun wirklich auf Böller reagiert (als ich in den letzten Jahren jeweils gegen zwei Uhr oder später heim kam, lag sie immer tiefenentspannt auf dem Sofa und blinzelte mich an, als wollte sie sagen: „Wo kommst du denn her?“) – ob sie da mir gegenüber nur nachträglich die coole Sau gespielt hat, werde ich dann gegen Mitternacht selber beurteilen können.

Wünsche allen egal wie und wo ihr feiert eine Silvesternacht, wie sie gut für euch ist. 🙂

Verrohung und Empfindlichkeit

Sehr gut. Sehr klug. Danke.

2015 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2015 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 32.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 12 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Mein Weihnachten

Eigentlich wollte ich ja bis irgendwann Mitte Januar eine Schreibpause einlegen. Und nun mach ich es doch wieder…

Ich habe Weihnachten in München verbracht, weitgehend bei meiner Tante mütterlicherseits, meiner einzigen noch lebenden engeren Verwandten und das war auch gut so. Weihnachten sollte man bei seiner Familie sein, auch wenn es nur der Rest einer Familie ist.

Heilig Abend war ich um 23 Uhr in der Mette bei meinem lieben Freund Andreas Ebert in St. Lukas – es war, wie mir plötzlich klar wurde, mein erster evangelischer Gottesdienst seit einem Jahr. Der letzte davor war die Familienvesper in Rossach, die ich noch selber gehalten hatte. Seitdem hatte ich nie wieder einen Fuß in ein evangelisches Gotteshaus gesetzt (außer, wenn wir ein Chorkonzert gesungen haben, aber das ist etwas anderes). Irgendwie war ich traurig. Konnte aber trotz Traurigkeit gut da sein und bin sogar zum Abendmahl gegangen. Hinterher noch lange zusammen gesessen, fast bis drei Uhr morgens. Und merken: Trotz guter, enger Kontakte zu manchen evangelischen Freunden – meins ist es einfach nicht mehr.

Der 1. Feiertag verging unspektakulär. Essen, Spazierengehen, Schlafen.

Am 2. Feiertag bin ich wieder nach Hause gefahren, reich beschenkt einerseits von meiner Tante mit einer wunderbaren tibetischen Klangschale („weil egal ob du irgendwann wieder Pfarrerin wirst oder einfach dieses Meditationsding machst, sowas kannst zu ja immer brauchen!“) und zwei handgestrickten Mützen und Schals, andererseits von Andreas mit einer Sammlung von Loriot-DVDs, brüderlich geteilten Gänseresten und einem Büchlein von Khalil Gibran mit dem Titel „Jesus Menschensohn“.

Am „3. Feiertag“ war ich in der römisch-katholischen Messe beim Katholiken meines Vertrauens. Es war ein rundes Weihnachtsfest (trotz der seltsamen Situation, zum ersten mal seit 14 Jahren nicht selber in irgendwelche Gottesdienste involviert zu sein). Und zugleich ein wenig traurig, weil ich seit 14 Jahren zum ersten mal nicht in irgendwelche Gottesdienste involviert war. Das ist eine Situation, die sich einfach nicht glatt auflösen lässt. Oder, um mit dem o.g. Katholiken meines Vertrauens zu sprechen, „diesen Beruf legt man halt nicht ab wie eine Jacke“.

Nein, ich will nicht zurück. (Abgesehen davon, dass ich es eh nicht mehr könnte. Zumindest nicht nahtlos.) UND es ist manchmal traurig. Ja, ich will andere Wege gehen. Und ich habe eben in mir, was ich erlebt habe. Diese 12 Jahre Lebenszeit kann und will ich nicht einfach aus meinem Gedächtnis und aus meinem Herzen streichen. Ich will aber lernen, damit gut zu leben…

Das nennt man psychologisch glaube ich Integration.

Jahresrückblick (O Gott, noch einer)

Liebe Leser und Leserinnen, Freunde, Freundinnen, Bekannte und Bekanntinnen,

um diese Jahreszeit gibt’s meist einen ausführlichen Weihnachtsrundbrief mit individuell gestalteten Grüßen dazu. Heuer gibt’s das ganze stattdessen als Link – und einige wenige bekommen eine persönliche Karte, eigentlich nur die, die ich nicht sowieso um die Weihnachtszeit sehe. Bitte um Verständnis und danke schon mal dafür.

Dieses Jahr ging es bei mir richtig rund. Zu Beginn des Jahres war ich noch eine beurlaubte evangelische Pfarrerin der bayerischen Landeskirche. Jetzt am Ende des Jahres bin ich eine Alt-Katholikin ohne geistliches Amt, mit vielen offenen Fragen, einer ungewissen Zukunft aber auch mit einem tiefen und bis jetzt sehr tragenden Gottvertrauen (wofür ich sehr dankbar bin, denn „machen“ kann man das nicht).

Es war ein Jahr mit vielen Wegen, vor allem die erste Hälfte. Und vor allem der Weg durch den Hofgarten hoch zur Veste und hinunter in die Altstadt wurde von mir unzählige Male bei unterschiedlicher Witterung begangen. Mein persönlicher „Kreuzgang“ in diesem Jahr. Ein und derselbe Weg und auf dem Weg viele innere Bewegungen, Klärungen und Begegnungen. Meist mit Tagebuch in der Handtasche. Danke, lieber Hofgarten. Danke, liebe alte Eiche, an der ich immer stehen bleibe…

Ach und in der ersten Jahreshälfte habe ich natürlich auch mein Buch geschrieben. „Sonntagsarbeit. Eine evangelische Pfarrerin packt aus“. Das hätte ich fast vergessen, obwohl es nach außen hin vermutlich das ist, was einem am „wichtigsten“ erscheinen könnte – für mich wars das eigentlich gar nicht so sehr, denn der Inhalt des Buches war ja eh schon in mir, ich habe es nur noch aufgeschrieben.

Das Jahr teilt sich klar in eine erste und eine zweite Hälfte: Erste Hälfte – alles offen, Muße, ich fühlte mich oft wie eine Raupe im Kokon, irgendwas tut sich, aber ich weiß nicht was. Wie lange das noch gegangen wäre? Keine Ahnung.

Und dann der tiefe Einschnitt Mitte des Jahres, im Juli war es – all die Dinge, die dazu führten, dass ich dann gekündigt habe. Auf einmal ein existentielles „Loch“ – aber seltsamerweise keine Angst. (Bis jetzt zumindest.)

Im August war ich eine Woche auf eigene Faust im Hamburg und habe mich neu in diese Stadt verliebt. Aber auch gemerkt: Nein, ich will in Coburg bleiben.

Fügungen. Auf einmal einen Praxisraum haben, z.B. – Ideen, wie es weitergehen könnte, wenn auch in kleinen Schritten, so doch auch mit großen Visionen. Alles in allem geht es darum, das was mir existentiell wichtig ist, meinen Glauben und meine theologische Identität in ein Leben ohne Amt hinüber zu retten und zu hoffen, dass ich damit Menschen erreiche, die noch nie eine Kirche betreten haben (oder seit ihrer Konfirmation nicht mehr). Und auch zu hoffen, dass ich davon leben kann. Zum ersten Mal im Leben bete ich um materiellen Erfolg – als Pfarrerin auf der Kanzel redet es sich leicht davon, dass Gott mit denen ist, die in aller Unsicherheit neue Wege wagen. Kunststück, mit einem A13-Gehalt.

Sehr dankbar war und bin ich auf diesem Weg für einige neue und auch alte Wegbegleiter. Da ich aber nicht weiß, ob die wollen, dass andere ihre Namen lesen, halte ich mich mit Namensnennungen zurück.

Was war noch wichtig? Natürlich die Musik. Dieses ganze Jahr mit seinem Auf und Ab hatte doch eine musikalische Konstante: Singen im Bachchor, Mitspielen bei den Musikfreunden in Neustadt und natürlich Geigenunterricht bei einem Lehrer mit auch nach fünf Jahren noch schier grenzenloser Geduld. (Wie er das macht, ist mir ein Rätsel.)

Der wohl seltsamste Moment des Jahres, der irgendwie alles in sich trägt, war mein Kirchenaustritt aus der evangelischen Kirche auf dem Standesamt. „Ich möchte aus der evangelischen Kirche austreten.“ – „Ah ja, soso, mal die Personalien…was machen Sie denn beruflich?“ – „Ich bin Pfarrerin.“-„Äh….was?!“ Aber, um ehrlich zu sein, als ich das Standesamt verließ, fühlte ich mich irgendwie total erleichtert.

Es war ein Jahr der inneren Suchbewegungen. Meine Konversion zur Alt-Katholischen Kirche war ein Schritt auf dem Weg. Ob ich dort auf Dauer bleibe? Ich weiß es nicht, es ist das, was für mich im Moment stimmig ist.

Fazit zum Jahresende: VIEL in Bewegung, viel offen, Entscheidungen sind gefallen, neue Wege liegen vor mir, ich erlebe materielle Unsicherheit. Wohl zum ersten Mal im Leben. Aber, auch das muss ich langsam buchstabieren lernen: Mein momentaner Zustand entspricht dem, was tausende Menschen ohne „feste Bestallung“ und ohne Beamtenstatus in diesem Land erleben. Es gibt keine Sicherheit. Außer, man ist bereit dafür sehr viel zu opfern und das bin ich eben nicht mehr.

Ich bin sehr gespannt, was für verrückte Fügungen das Leben 2016 für mich bereithält – bei aller Skepsis im Freundeskreis merke ich: Coburg ist momentan mein Ort und wird es wohl auch noch eine ganze Weile bleiben.

Allen, die hier immer mitlesen und ab und zu konstruktive Gedanken äußern, danke ich sehr dafür. Allen, die immer wieder erstaunt feststellen, wie „offen“ ich hier doch schreibe kann ich sagen: Seid froh, dass ihr nicht meine handschriftlichen Tagebücher kennt….

Ich wünsche euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein hoffentlich glückliches Neues Jahr. Bleibt behütet! Ich lege hier nun eine Schreibpause ein bis irgendwann im Januar. Kommt gut rüber!

Eure Christiane Müller

 

 

Kristalle, Scharlatane und die 6. Vaterunserbitte

Vor einigen Tagen spülte es mir auf Facebook ein schier unglaubliches Video in die Timeline. Gezeigt wurde eine „Beratung“ auf Astro-TV, in der der selbsternannte „Starhellseher“ Daniel Kreibich irgendwie telepathisch in den Chakren einer gewissen Wilma herumfuhrwerkte, um sie vom „Karma“ einer danebengegangenen Beziehung zu befreien. Dabei bediente er sich eines Diamanten der Ewigkeit, in dem wohl die negativen Energien neutralisiert werden. Dieses Teil ähnelt frappierend den Dekosteinen, die ich schon mal bei IKEA gesehen habe. Kostenpunkt um die 10€.

Am nächsten Tag hatte ich eine echt geniale Idee: Ich fahre jetzt zu IKEA und besorge mir 50 solcher „Glasdiamanten“ für ungefähr 10 Euro das Stück. Die lege ich in eine Schale, zünde Räucherkerzen an und bete mit darüber gehaltenen Händen 100 mal das Jesusgebet oder den Rosenkranz. Alternativ kann ich mir in der Küche auch ein bisschen Wasser weihen und drüber sprenkeln. (Das sich dann noch als Energiestein-Tinktur weiter verwenden lässt, 15 Euro die 100ml-Flasche.)

Dann verticke ich die Glassteine für den 10fachen Preis als „energetisch geladene Heilsteine zur Chakrenreinigung“ – was immer das heißen mag, irgendein Depp wird sie schon kaufen.

Ganz ehrlich: Ich glaube, das würde funktionieren. Sofern es mir gelingt, eine kleine Truppe wahrhaft „Gläubiger“ aufzutreiben und soweit zu manipulieren, dass sie überall in den höchsten Tönen von mir schwärmen. Wenn ich im richtigen Modus bin, sollte auch das zu schaffen sein. Wenn ich will, kann ich nämlich „Buddha“ (jedenfalls äußerlich).

So dachte ich. Dann spürte ich – mental und spirituell, nicht materiell und doch sehr real – wie die Hand des Herrn schwer auf meine rechte Schulter fällt. Der Herr steht vor mir, blickt mir sehr besorgt in die Augen, mit diesem Blick der sagt: „Mädchen, du bist grade dabei Scheiße zu bauen!“ Und ich denke: Warum eigentlich darf jeder Idiot mit so einem Quatsch Geld verdienen? Es ist so verdammt leicht, Menschen die spirituell gesehen Analphabeten sind (und sich selbst für spirituelle Riesen halten) übers Ohr zu hauen! Und noch leichter geht es mit Menschen, die einfach nur Sehnsucht nach irgend etwas haben, sei es Liebe, Reichtum, Ansehen oder was auch immer.

„Sorry, Chef“, sage ich. „Mach ich natürlich nicht. Man wird ja wohl noch ein bisschen herumspinnen dürfen…“

„Dunkel diese Seite ist!“, konstatiert er nüchtern.

Ja, sehr dunkel. Denn es ist die Seite der geistlichen Manipulation und des Missbrauchs menschlicher Sehnsüchte. Bestes Gegenmittel? „….und führe uns nicht in Versuchung….“

Es wird andere Verdienstmöglichkeiten geben.

Weihnachtszyklus eines Singles

Alle Jahre trifft es mich ganz unvorbereitet. Dieses Fest aller Feste. Ach, was gäbe ich drum, wenn man sich einfach auf die mystische, theologische, den Glauben betreffende „Wahrheit“ des Kindes im Stall konzentrieren könnte!

Doch leider feiern wir ja nicht etwa nur die Geburt Jesu, sondern auch die eines ominösen „Knaben im lockigen Haar“, der bekanntlich Owi heißt („Gottes Sohn Owi lacht“) – und das nehmen weite Teile der Bevölkerung alljährlich zum Anlass, komplett durchzudrehen und irren Blickes „Geschenke!!!“ murmelnd wie die Lemminge in die Stadt zu strömen.

Ich als Single lehne mich da erst mal entspannt zurück. Geschenke. Pah. Wen soll ich denn beschenken? Den/die „Liebste“ gibt es nicht (was manchmal, eher selten aber eben doch manchmal, durchaus auch Vorteile hat). Eltern? Sind schon tot. Kinder und Enkel habe ich keine. Geschwister auch nicht.

Das geht so lange gut, bis mir irgendjemand aus dem engeren oder weiteren Freundeskreis ein Päckchen oder eine Weihnachtskarte schickt. Dann geht es los. Und zwar jedes Jahr aufs Neue.

Weihnachtszyklus eines Singles:

Phase 1) Geschenke? Für wen denn, haha!

Phase 2) Hm, der/die… ist ja ein wirklich guter Freund…da sollte ich….

Phase 3) Eigentlich ist der/die…auch immer so nett und hilfsbereit. Da müsste man…müsste man da nicht? Doch, natürlich!!

Phase 4) Der/die…hat schon lang nichts mehr von sich hören lassen….vielleicht sollte ich da eine Karte…

Phase 5) Also gut, ich nehme das 10ner-Pack Weihnachtskarten, irgend jemand zum Schreiben fällt mir schon ein.

Phase 6) Karten schreiben, kleine (Verlegenheits)Geschenkchen einpacken, wunderbar, alles wird gut.

Phase 7) Zwei bisher nicht bedachte Personen beschenken mich spontan. Und zwar am Tag vor Heiligabend. Die von mir beschenkten Personen allerdings schenken mir NIE…na ja fast nie was.

Phase 8) Der gute Vorsatz fürs Neue Jahr: Nächstes Jahr mach ich im November eine kleine Liste und besorge noch so ungefähr fünf Kleinigkeiten zum spontan verschenken.

Phase 9 = Phase 1.

3. Adventswochenende

Oh komm, oh komm, du Morgenstern! Lass uns dich schauen, unsern Herrn. Vertreib das Dunkel unsrer Nacht durch deines klaren Lichtes Pracht! Freut euch, freut euch, der Herr ist nah! Freut euch und singt, halleluja!

Morgen ist der 3. Advent. In der katholische Tradition der Sonntag Gaudete, freut euch. Einer der zwei Tage mit der liturgischen Farbe rosa. Aufgehelltes Violett, durch das bereits das weihnachtliche Weiß hindurch leuchtet. (Und wenn man lila Kerzen am Adventskranz hat, ist manchmal eine rosa Kerze dabei. Die ist für den 3. Advent. Da ich aber wie immer Rot habe, ist das für mich eher Nebensache.)

Derzeit leb ich ja irgendwie in zwei kirchlichen Traditionen: Durch meine Konversion zur alt-katholischen Kirche einerseits die katholische Gottesdienstordnung, andererseits ist natürlich die evangelische noch sehr präsent (was ja auch gut ist). Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die evangelische Leseordnung für den Advent mehr die „Wiederkunft“ Jesu betont (mit Weltgericht, innerer Habacht-Stellung, etc.). Die katholische eher die „Ankunft“ Jesu vor 2000 Jahren (mit Ausblick auf die Wiederkunft hie und da). Die evangelischen Adventstexte sind irgendwie „strenger“. Trotzdem, morgen geht es in beiden Konfessionen um Johannes den Täufer. „Bereitet dem Herrn den Weg“.

Irgendwie ist das schon komisch, was „wir“ so glauben. Das mit Jesus, Gott wird Mensch, etc. Manchmal geht es mir so: Für einen Sekundenbruchteil „verliere“ ich den Glauben – ich meine damit nicht, dass ich ungläubig werde. Ich trete nur einen Schritt zur Seite, innerlich. Ich nehme für einen Sekundenbruchteil den christlichen Glauben so wahr, wie ihn wohl Menschen wahrnehmen, die ihn nicht teilen und die auch überhaupt keinen Glauben teilen. Dann denke ich: Wie seltsam. Und darauf baue ich mein Leben…Wohlgemerkt: Nein, es ist kein intellektuelles Zweifeln, es ist nur ein Moment des Staunens. Als ob „Er“ mir die Wahl lässt, „auszusteigen“ oder nicht. Und immer muss ich dann an die Antwort des Petrus denken, als sehr viele Menschen sich von Jesus abwenden und er fragt: „Was ist mit euch, wollt ihr auch gehen?“ Petrus sagt: „Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“

Manchmal ist es schon zum „ungläubig werden“ – aber wohin soll ich denn sonst gehen, was ist die Alternative? Ein Leben ohne Gott. Für mich ist das keine Alternative, der ich irgend etwas abgewinnen könnte. Ich bewundere, wie Atheisten oder Agnostiker ihr Leben meistern. Ich könnte das weder, noch würde ich es wollen.

Ich bin jedes Jahr wieder froh über den Advent, über das Weihnachtsoratorium und darüber, dass ich zu dem allen eine innere Beziehung habe. Die bisher getragen hat und hoffentlich auch noch weiter trägt.

Euch allen einen gesegneten 3. Advent! Bereitet dem Herrn den Weg…

 

 

INFP

Höre, Welt:

Ich bin eine INFP.

Ich kann nicht tapezieren und nicht rückwärts einparken. Aber ich kann Geschichten erzählen.

Wenn etwas unaufgeräumt ist sehe ich es – aber es appelliert nicht an mein Ordnungsempfinden. Denn ich sehe Wege im weglosen Land und werde mir immer meinen Weg zum Kühlschrank bahnen oder zum Stein der Weisen.

Wenn mir etwas im Weg liegt, steige ich drüber.

Wenn jemand im Weg steht, umgehe ich ihn und komme an mein Ziel, während ihr euch noch die Köpfe einschlagt.

Ich bin ein Mensch ohne Meinung. Weil das meiste es gar nicht wert ist, eine Meinung dazu zu haben. Ich habe Ideale, Träume, Visionen. Ich arbeite hart in der Nacht und im Traum.

Ihr lauft los. Ich stehe still. Mein Geist ist weit. Ich frage meine Intuition und meinen Gott. Ich breche auf, wenn sie mir den Weg weist und er mir grünes Licht gibt.

Ihr fragt mich 1000 Dinge. Ich habe keine Antwort. Keine nach eurer Logik. Nur das Wissen eines bemoosten Steins und einer Lerche im Himmel. Warum hört ihr nicht auf die?

Dauernd fragt ihr, wann ich endlich….?

Ich weiß es nicht.

Ich werde es wissen, wenn es soweit ist. Ja, geht schon mal ohne mich. Ich überhole euch dann auf halbem Weg, ich muss nur noch erst den Drachen füttern, der mich trägt.

 

 

Passio et Sapientia

Vor etlichen Jahren hatte ich einen Traum. So symbolisch und so klar, dass er fast wie „konstruiert“ wirkt, wenn ich ihn so beschreibe – war aber wirklich ein Traum.

Mir erschien eine Eule. Aber nicht lebendig, sondern in einfachen Konturen wie mit Tusche gezeichnet. Während ich hinschaue, erscheint in der Eule eine Flamme und um das Bild bildet sich ein Schriftzug: „Passio et Sapientia“ – Leidenschaft und Weisheit.

Beim Aufwachen war ich irritiert. Wie kommt das in meinen Traum? Habe ich das irgendwo gelesen? Etwas ähnliches gesehen? Ich habe recherchiert (Google ist dein Freund) und nicht gefunden.

Aber offenbar ist es so etwas wie mein Wappenspruch. Und die Eule mein Wappenvogel. Leidenschaft und Weisheit immer wieder auszubalancieren ist vermutlich wirklich so etwas wie ein Lebensprogramm für mich.

Vorgestern habe ich mein Profil bei Pastor2Go eingerichtet. Es wurde unter anderem nach einem Satz gefragt, der mich beschreibt. Ich schrieb ohne zu zögern: Leidenschaft und Weisheit.

Nein, ich bin keine FÜNF. Es gibt auch träge Eulen…