3. Adventswochenende

Oh komm, oh komm, du Morgenstern! Lass uns dich schauen, unsern Herrn. Vertreib das Dunkel unsrer Nacht durch deines klaren Lichtes Pracht! Freut euch, freut euch, der Herr ist nah! Freut euch und singt, halleluja!

Morgen ist der 3. Advent. In der katholische Tradition der Sonntag Gaudete, freut euch. Einer der zwei Tage mit der liturgischen Farbe rosa. Aufgehelltes Violett, durch das bereits das weihnachtliche Weiß hindurch leuchtet. (Und wenn man lila Kerzen am Adventskranz hat, ist manchmal eine rosa Kerze dabei. Die ist für den 3. Advent. Da ich aber wie immer Rot habe, ist das für mich eher Nebensache.)

Derzeit leb ich ja irgendwie in zwei kirchlichen Traditionen: Durch meine Konversion zur alt-katholischen Kirche einerseits die katholische Gottesdienstordnung, andererseits ist natürlich die evangelische noch sehr präsent (was ja auch gut ist). Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die evangelische Leseordnung für den Advent mehr die „Wiederkunft“ Jesu betont (mit Weltgericht, innerer Habacht-Stellung, etc.). Die katholische eher die „Ankunft“ Jesu vor 2000 Jahren (mit Ausblick auf die Wiederkunft hie und da). Die evangelischen Adventstexte sind irgendwie „strenger“. Trotzdem, morgen geht es in beiden Konfessionen um Johannes den Täufer. „Bereitet dem Herrn den Weg“.

Irgendwie ist das schon komisch, was „wir“ so glauben. Das mit Jesus, Gott wird Mensch, etc. Manchmal geht es mir so: Für einen Sekundenbruchteil „verliere“ ich den Glauben – ich meine damit nicht, dass ich ungläubig werde. Ich trete nur einen Schritt zur Seite, innerlich. Ich nehme für einen Sekundenbruchteil den christlichen Glauben so wahr, wie ihn wohl Menschen wahrnehmen, die ihn nicht teilen und die auch überhaupt keinen Glauben teilen. Dann denke ich: Wie seltsam. Und darauf baue ich mein Leben…Wohlgemerkt: Nein, es ist kein intellektuelles Zweifeln, es ist nur ein Moment des Staunens. Als ob „Er“ mir die Wahl lässt, „auszusteigen“ oder nicht. Und immer muss ich dann an die Antwort des Petrus denken, als sehr viele Menschen sich von Jesus abwenden und er fragt: „Was ist mit euch, wollt ihr auch gehen?“ Petrus sagt: „Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“

Manchmal ist es schon zum „ungläubig werden“ – aber wohin soll ich denn sonst gehen, was ist die Alternative? Ein Leben ohne Gott. Für mich ist das keine Alternative, der ich irgend etwas abgewinnen könnte. Ich bewundere, wie Atheisten oder Agnostiker ihr Leben meistern. Ich könnte das weder, noch würde ich es wollen.

Ich bin jedes Jahr wieder froh über den Advent, über das Weihnachtsoratorium und darüber, dass ich zu dem allen eine innere Beziehung habe. Die bisher getragen hat und hoffentlich auch noch weiter trägt.

Euch allen einen gesegneten 3. Advent! Bereitet dem Herrn den Weg…

 

 

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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3 Antworten zu 3. Adventswochenende

  1. Muriel schreibt:

    Och. Ich glaube, da unterschätzen Sie sich. Es ist gar nicht so schlimm.

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    • DieTheologin schreibt:

      Sagen wir es so: Ich WILL es nicht. Aber jeder, wie er meint. Was mir fehlen würde? So viel Tiefe! So viele MEtaphern, so viele Geschichten, so vieles, das mir lieb und teuer ist. Klar, sicher kann man ohne Glauben leben. Machen ja viele, und das auch nicht schlecht. Aber für mich wäre das nichts.

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      • Muriel schreibt:

        Ich glaube, Sie schätzen da was falsch ein. Die Metaphern, die Geschichten, all das hat man als Atheistin doch auch. Aber es ist natürlich eh keine Willensfrage, deshalb muss ich zugeben, dass die Diskussion eher akademisch ist.

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