Beerdigung „Gott-los“

Kommende Woche habe ich erstmals in meiner kompletten Laufbahn eine Beerdigung völlig ohne „Gottesbezug“. Ohne „Kirche“ hatte ich schon öfter. Das waren meistens Leute, die aus welchem Grund auch immer aus der Kirche ausgetreten waren „aber seinen Glauben hat er schon gehabt“. Dann mache ich das eben etwas weniger „liturgisch“, aber Vaterunser und Segen am Grab soll und darf schon sein.

Diesmal liegt die Sache anders. Der Verstorbene war nicht nur nicht in der Kirche, sondern hatte auch Probleme damit. Also wird es eine Beerdigung „oben ohne“.

Erstaunt stelle ich fest: Es geht. Man kann durchaus auch etwas Sinnvolles und sogar irgendwie Tröstliches sagen, ohne dass Gott „vorkommt“. Mir erschließen sich da grad völlig neue Wahrnehmungen.

Mein theologischer Background ist trotzdem sehr hilfreich. Im Grunde halte ich ohne den Vers zu erwähnen eine Ansprache über „Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Darum geht es doch letztlich. Wie können wir angesichts des Todes leben? Und auch die einschlägigen Texte aus der Agende wie z.B. die „Verabschiedung“ sind ausgesprochen hilfreich. Die lassen sich nämlich auch in nicht-kirchliche Sprache übersetzen. Am Grab werde ich einladen, dass jeder sich Zeit nimmt so Abschied zu nehmen, wie es für ihn gut und richtig ist. Dazu kann es natürlich gehören, still das Vaterunser zu beten.

 

Traut euch!

Dieser Tage bin ich viel in Sachen freie-Trauungen-vorbereiten und Neues anbahnen unterwegs. Kommenden Sonntag bin ich mit einem Stand auf der Hochzeitsmesse „Traut euch!“ in Coburg vertreten. So richtig professionell mit zwei RollUps von Pastor2Go, Flyern, Gutscheinen und Vertrags-Vordrucken.

Außerdem trudeln nach und nach doch einige Anfragen für freie Trauungen ein, sodass ich mir jetzt wirklich Gedanken machen muss, wie ich das gut kanalisiere und was ich annehmen kann und was nicht. Nicht nur wegen der Menge der Anfragen. Sondern vor allem, wie kürzlich geschrieben, wegen der teilweise doch sehr „interessanten“ Preisvorstellungen der Brautpaare. Ich weiß nicht, wie manche Menschen meinen, dass eine freie Rede zustande kommt. Aber das ist wohl allgemein eine Beobachtung, die man immer wieder machen kann: Geistige Arbeit erscheint vielen irgendwie wertloser, als Arbeit, bei der ein „Produkt“ oder ein sichtbares Ergebnis herauskommt.

Heute habe ich eine interessante Grafik im Netz gefunden, die basierend auf einer Umfrage unter freien Theologen veranschaulicht, wie es mit der Preisstaffelung im Bereich der freien Trauungen aussieht. Dabei habe ich festgestellt, dass ich mit meinen bisherigen Preisvorstellungen mich noch eher im Niedriglohnbereich bewege.

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Gut wäre es, neben einer Agentur so etwas wie eine Ständevertretung unter freien Theologen zu haben, die auf gewisse Standards achtet – unter anderem eine gewisse Preisbindung.

Kommende Woche habe ich einen Termin mit einer Hochzeitsplanerin hier aus Coburg. Solche Kontakte sind wichtig. Und so füllt sich der Terminkalender langsam aber stetig. Was gut ist. Es braucht halt alles seine Zeit.

„Oh je, wir brauchen ja noch einen Pfarrer!“

Als Pfarrerin habe ich es oft erlebt. Das sehr sympathische junge Paar betritt schwungvoll das Pfarramt. „Wir heiraten am 3.5. und zwar in der xy Kirche in z. Das wollten wir mal vormerken lassen!“

„Wie vormerken?“

„Ja dass Sie das wissen und sich vorbereiten können.“

Terminkalender. Blätterblätter.

„Tut mir leid, das geht nicht. Am 3. 5. haben wir Gemeindeausflug. Da bin ich gar nicht da!“

„Wie, da sind Sie nicht da?!?“

 

Es ist ja wirklich traurig. Der schönste Tag im Leben. Alles ist schon geplant, vom Blumenschmuck der Hochzeitskapelle über die Saalreservierung im Gasthof zum Goldenen Kalb bis hin zur Versendung der 387 von der Braut in Schönschrift gestalteten Einladungskarten. Ja sogar die Sitzordnung steht schon. (Kalauer.)

Was dann folgt, stelle ich  mir ungefähr so vor.

Braut: „….und wenn der Pfarrer dann sagt, Sie dürfen die Braut jetzt küssen, dann lässt der Egon hinten hin der Kirche die Tauben frei und dann…“

Bräutigam: „Ups! Pfarrer! Dem müssen wir auch noch Bescheid sagen!“

Und dann ist der Pfarrer weiblich und hat da keine Zeit. Und es hebt an ein fröhliches Telefonieren und irgendjemand macht es dann halt. Wenn der Irgendjemand irgendein eigentlich nicht zuständiger Pfarrer ist, dann macht er das eher mit wenig Begeisterung. Pfarrer kriegen nämlich nichts für Überstunden. Und eigentlich hat er an dem Tag frei.

Ich dachte ja, diese Zeiten sind für mich vorbei. Doch ach, welch Elend! Egal ob kirchliche oder freie Trauung, irgendwie scheinen Brautpaare immer oder sehr oft zuletzt daran zu denken, dass sie ja, ob frei oder kirchlich, oder womöglich gar freikirchlich, jemanden brauchen, der die Zeremonie, wie immer sie aussehen mag, abhält. Möglichst jemanden der das schön und professionell macht, und irgendwie herzerwärmend und rührend. (Also jemanden wie mich.)

Und wenn man dann, egal ob als kirchlich bestallte Pfarrerin oder als freie Theologin, an dem Tag schon was hat, dann ist das irgendwie halt doof. Weil man kann sich ja nicht längs teilen und es ist immer sehr schade, wenn man einen Auftrag ablehnen muss. Denn erstens macht man das ja total gerne, mit Paaren ihre Trauung vorbereiten. Und zweitens muss man ja auch von irgendwas leben, und da sind zwei Trauungen, die terminlich klappen, immer besser als nur eine und eine abgelehnte.

Daher, Protipp für alle Brautpaare: Wenn ihr nicht wollt, dass Tante Frieda (die Tante eures Trauzeugen) auf eurer Hochzeit die Ansprache hält (nichts gegen Tante Frieda, das ist eine nette Frau), dann erwägt doch bitte ein kleines bisschen früher, wer das für euch tun soll. Am besten bevor ihr die Location bucht und die Musik engagiert. Weil dann klappt es auch sicher besser mit dem Termin. Und alle sind zufrieden und es muss kein Ersatz von irgendwo einfliegen, der womöglich noch horrende Fahrtkosten berechnet.

Es danken euch dafür alle, die beruflich mit eurer Trauung beschäftigt sind. Weil wir machen das ja wirklich gerne, sonst hätten wir diesen Beruf nicht ergriffen.

„Der Geist des Herrn ruht auf mir…“ – „Viele Glieder, ein Leib…“

Ein paar lose Gedanken zu Epistel und Evangelium des Sonntags

Lukas 1, 1-4.14-21 und 1. Korinther 12, 12-31a

Das „Sonntagsthema“ heute ist der Heilige Geist. Wie er bei JEsus gewirkt und später in den ersten christlichen Gemeinden. Jesus nimmt Bezug auf eine Verheißung des Propheten Jesaja: „Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“

Ein Gnadenjahr, ein Erlassjahr, eine Gnadenzeit. Zu Alttestamentlichen Zeiten gab es festgesetzte Zeiten – alle 7 Jahre und alle 50 Jahre – in diesen Jahren war es üblich, zum einen Schuldner zu ent-schulden, ihnen die Schulden zu erlassen und zum anderen Sklaven freizulassen, die sich selbst oder ihre Familien in die Schuldsklaverei verkauft hatten. Jesus verkündet eine solche Gnadenzeit, aber sehr viel universeller. Es geht nicht nur um die Schuldknechtschaft, sondern um die Befreiung von allen Zwängen, aller Unterdrückung und um ein Ende von äußerer und innerer Gefangenschaft und Verblendung. Der Apostel Paulus schreibt ein paar Jahrzehnte später: Wo der Geist des HErrn ist, da ist Freiheit!

Im 1. Korintherbrief wird präzisiert, wie sich der Heilige Geist bei denen auswirkt, die an Jesus glauben. Dass er sie zu einer Gemeinschaft zusammenfügt, in denen jeder und jede seine und ihre Gabe und Aufgabe hat, so wie die unterschiedlichen Glieder eines Leibes erst den ganzen Leib ergeben. Der Leib ist dabei Sinnbild für die christliche Gemeinde. Spätere Ausleger schreiben: Die Kirche ist der Leib, Christus ist das Haupt.

Für mich stecken da ganz viele Impulse, Fragen und Anfragen an kirchliche Praxis drin.

  1. Wo leben und praktiziert christliche Kirchen/Gemeinschaften/Gemeinden… die Freiheit? Können wir in unseren Gemeinden als Einzelne und als Gemeinschaft Freiheit lernen? Freiheit in Gedanken und Rede? Freiheit anders zu sein als der Mainstream? Freiheit in Verantwortung vor der Freiheit des jeweils anderen?
  2. Wo wird Menschen unter dem Vorwand einer „guten Botschaft“ eher ein Joch auferlegt, als dass sie in Freiheit versetzt werden?
  3. Kirche/Gemeinde als Leib mit vielen Gliedern – alle sind gleich wichtig, gleichwertvoll, aber nicht gleichartig. Vielmehr funktioniert ein Leib erst dadurch, seine einzelnen Glieder unterschiedlich sind und unterschiedlich arbeiten. Ich erlebe Gemeinden (quer durch alle Konfessionen) oft eher als eine Gemeinschaft der „Gleichartigen“.
  4. Was für einzelne Gemeinden gilt, müsste eigentlich auch für die Kirche als ganze gelten, und zwar für die im wörtlichen Sinne katholische Kirche. Katholisch bedeutet nicht römisch-katholisch und nicht alt-katholisch, sondern im Wortsinne allumfassend. Dazu gehören alle, die durch ihren Glauben mit Christus verbunden sind. „Christus ist das Haupt“- leider gibt es immer noch kirchliche Gemeinschaften, die für sich beanspruchen, die eigentliche Kirche zu sein. Das ist schade. Dasselbe gilt natürlich auch dann, wenn eine christliche Gemeinschaft beansprucht, mehr „Wahrheit“ zu haben als alle anderen.
  5. Über die Kirche hinaus gedacht: Geht es heute nicht auch darum die gesamte Menschheitsfamilie als einen Leib mit vielen Gliedern zu begreifen?

Das waren Gedanken zu den Sonntagstexten. Weil man es als Theologin halt nicht lassen kann.

Das muss dieses Dings sein…dieses…wie nennen sie es noch? „Wochenende“

Heut habe ich lang geschlafen, mich irgendwann doch aus dem Bett gerollt und dann wollte ich den letzten dieser Charge von SEO-Texten schreiben, hatte aber einfach schlicht und ergreifend keinen Bock. Stattdessen: Extreme Couching, Teetrinken, eine Folge Dschungelcamp geglotzt, einkaufen gegangen, getwittert. Aber irgendwie mit schlechtem Gewissen. Weil…ach keine Ahnung, man müsste doch…

Dann dämmerte mir: Das was ich grade mache muss dieses …ähm…wie nennt man es doch gleich?? Also das muss dieses „Wochenende“ sein. Das was in Deutschland nicht alle, aber doch sehr viele Menschen samstags und sonntags machen. Und was man halt als Pfarrerin früher und als Freiberuflerin jetzt normalerweise nicht so hat. Und mir dämmerte weiter: Das ist okay so. Das machen ganz viele. Du musst dich jetzt nicht schlecht fühlen. Und irgendwie ging es mir dann besser.

Es wird hoffentlich auch noch viele weitere Wochenenden geben, an denen ich im Auftrag des Herrn oder sonstwie trauend, beerdigend, taufend, therapierend oder schreibend oder sonstwie arbeitend unterwegs sein werde.

Aber es ist auch okay, den momentanen Zustand nicht so tragisch zu finden.

Ein Zitat, das mich irgendwie grade berührt

Für eine große Liebe
braucht es zwei Einzelgänger
und ein Gebet.

Wolf Wondratschek

Neulich habe ich diese Zeilen auf Twitter gefunden und seitdem lassen sie mich nicht mehr los. Mancher denkt vielleicht: So ein Unsinn. Aber mich hat dieses Zitat unmittelbar angesprochen und berührt. Ich glaube, das liegt daran, dass ich lange, sehr lange schon, allein durchs Leben gehe. Die große Liebe? Tja…

An guten Ratschlägen die bekanntlich ja auch Schläge sind, mangelt es nicht. Geh doch mal feiern da lernt man Leute kennen. Meld dich doch mal bei so einem Verkuppelungsportal an. Mach dich doch mal ein bisschen mehr zurecht. Mach doch mal einen Tanzkurs. Und so weiter, und so fort.

Ich glaube aber, dass ich so nicht weiterkomme – ich glaube tatsächlich daran, dass es so etwas wie eine tiefe Herzensverwandtschaft gibt. Und dass ich mich anstellen kann wie ich will, wenn es nicht passt, passt es nicht. Ich glaube nicht an das Prinzip von Trial and Error in der Liebe. Sondern ich glaube, dass das Richtige zur richtigen Zeit geschieht und dass ich zur richtigen Zeit auch die richtigen Menschen treffe. In jeder Beziehung. Und dass es schon seinen Sinn hat, so wie es ist.

 

 

Das Gebet des Jabez

Vor ein paar Jahren war in der evangelikalen Szene auf einmal eine kleine Episode im Alten Testament in aller Munde. Das Gebet des Jabez. Von Jabez ist so gut wie gar nichts überliefert. Nur folgendes kleine Gebet: Segne mich und erweitere mein Gebiet. Steh mir bei und halte Unglück und Schmerz von mir fern!

Und es heißt, dass Gott ihn erhört habe. Eine der wenigen Stellen in der Bibel, in denen davon die Rede ist, dass Gott ein Gebet wirklich erhört hat – im Neuen Testament steht häufiger die Zusage, dass Gott unsere Gebete erhören wird. Aber das Gebet des Jabez ist eine der wenigen Stellen, an denen es explizit heißt, dass er es wirklich getan hat.

Die Entdeckung des Gebetes des Jabez setzte eine wahre Flut an postmoderner Erbauungsliteratur frei. Einschließlich mancher Büchlein, die nun genaue Vorschriften machen, wie dieses Gebet mit „Erhörungsgarantie“ nun genau zu beten ist. Davon halte ich jetzt nicht so viel.

Aber seit ich freiberuflich tätig bin, habe ich einen neuen Zugang dazu, auch um materiellen Erfolg zu beten. Das habe ich vorher nie getan. Es war mir immer zu platt. Jetzt nicht mehr. Ich denke, man darf um alles beten, was man braucht. Und ich brauche momentan vor allem eins: Geld. Und Gesundheit. Bzw., dass diese mir erhalten bleibt, weil ich mir Ausfälle zurzeit schlicht nicht leisten kann.

Derzeit erlebe ich mich ganz neu als eine von Gott Abhängige. Unser tägliches Brot gib uns heute – betet sich derzeit anders, als weiland mit Verbeamtung und A 13. Keine leichte Erfahrung, aber eine wichtige.

Und ich bin dankbar für erste Erfolge. Man wird sehr dankbar ohne feste Einkünfte. Das ist auch mal heilsam.

 

Was kostet eine freie Trauung? – Warum ich keine freie Trauung für 150 Euro anbiete

Das Leben als freie Theologin ist eigentlich schön. Man hat es oft mit netten, fröhlichen, jungen Menschen in der Blüte des Lebens zu tun, die einander im festlichen Rahmen das Jawort geben wollen. Falls der Weg dazu sie nicht in eine Kirche führt (die Gründe dafür können mannigfaltig sein), werden sie vermutlich in Google eingeben: „Freie Trauung“, „Freier Redner“, „Was kostet eine freie Trauung?“ Und dann werden Angebote eingeholt.

Soweit, so gut. Nur leider gibt es in dieser Zunft keine Preisbindung, und daher schwanken die Angebote irgendwo zwischen 150 und 950 Euro, wobei nach oben immer Luft für mehr ist. Nicht selten gibt’s dann genau zwei Extreme.

Brautpaar Nr. 1 ist der Ansicht: Für unseren schönsten Tag darf uns nichts zu teuer sein! Wir wollen keine Billigtrauung! Dagegen ist nichts zu sagen. Aber ob ein Theologe/Redner, der seine Dienste für 950 Euro plus anbietet, dafür wirklich so viel mehr bietet, als ein Redner im „durchschnittlichen“ Preissegment? Und ob jemand, der bei einer freien Trauung als allererstes  Dollarzeichen in den Augen bekommt, wirklich geeigneter ist als jemand, der seine Sache mit Herzblut macht? (Wobei das eine das andere natürlich nicht ausschließt.)

Brautpaar Nr. 2 denkt ökonomisch. Warum soll ich Geld für etwas ausgeben, das ich anderswo billiger kriege? Also werden Angebote eingeholt. Fatal ist dabei, dass es immer Redner/Theologen gibt, die vorherige Angebote gezielt unterbieten und es „noch billiger“ machen – und so kommen Dumpingpreise von 200 Euro oder weniger heraus. Für das Brautpaar doch eine feine Sache? Oder etwa nicht??

Nein. Und ich verrate Ihnen warum.

Was wünschen Sie sich denn von einer freien Theologin/einem freien Redner an Ihrem großen Tag? Sie wünschen sich, davon gehe ich zumindest aus, jemanden mit Erfahrung, Einfühlungsvermögen und Gespür für Menschen. Sie wünschen sich, dass derjenige, der an Ihrem großen Tag die Zeremonie leitet und die Worte spricht, die Sie in Ihren neuen Lebensabschnitt begleiten, sein Metier beherrscht. Dass er den richtigen Ton trifft. Dass er eine Rede hält, die genau auf Sie zugeschnitten ist. Und dass er sich natürlich im Vorfeld ausreichend Zeit nimmt, seine Rede gut vorbereitet und – ganz wichtig- dass er Sie persönlich kennenlernt! Ein guter Hochzeitsredner erzählt die Geschichte des Brautpaares so, dass sie sich darin wiederfinden, es darf gelacht und ein bisschen geweint werden, kurz es soll einfach schön sein!

Damit es so wird, brauche ich als Rednerin vor allem Zeit. Ich nehme mir in mindestens einem, eher zwei Gesprächen Zeit, Sie und ihre gemeinsame Geschichte gründlich kennenzulernen. Da geht’s nicht nur drum irgendeinen Plan aufzustellen oder ein festes Programm abzuspulen. Damit eine Zeremonie gut wird, investiere ich einschließlich Gesprächen, Vorbereitung und Durchführung der Zeremonie mindestens acht, eher zehn Stunden. Dabei fließen die Erfahrungen von 12 Berufsjahren als evangelische Pfarrerin mit ein.

Und das für 150 Euro? Brutto? Ist das Ihr Ernst??

Klar, ich kann Ihnen auch was für 150 € brutto machen. Im Internet gibt es viele einschlägige Seiten, wo man sich gratis mit Reden, Texten, Gebeten und allem möglichen versorgen kann. Copy and Paste, hier und da einen Namen einfügen….Und treffen müssen wir uns nicht oder höchstens eine halbe Stunde, voila, fertig ist die Discount-Trauung.

Wollen Sie das? Ich frage lieber nicht. (Oder vielleicht doch, also wer das will, für den mach ich das natürlich so.)

Aus dem Gesagten geht hervor: Eine freie Trauung kostet bei mir in der Regel 500 Euro. Plus Fahrtkosten. Dafür gibt’s gute Qualität. Und damit bewege ich mich immer noch eher im moderaten Preissegment.

Noch Fragen? Immer gern. Sie erreichen mich über das Kontaktformular.

Motivation – oder: Die große Selbstverarsche

Neulich postete die wunderbare Notaufnahmeschwester einen Beitrag über Motivation, den ich mit Amüsement und manchem verdutzten Lacher gelesen habe.

Zeit selbst etwas dazu beizusteuern. Motivation – für mein Leben ein heiß umkämpftes Kernthema! Zunächst die schlechte Nachricht: Motivation ist eine treulose Sau. Wankelmütig, unberechenbar, schwankend wie das Wetter. Und gleich die nächste schlechte Nachricht: Die meisten Motivationstricks sind die totale Selbstverarsche. Wer das durchschaut, hat es schwer, sich zu motivieren. Ich hatte es ungefähr mit zehn Jahren durchschaut.

Bei manchen mag das ja funktionieren: Wenn ich jetzt ganz brav bin und meine Wohnung aufräume/Steuererklärung mache/drei Kilo abnehme (und zwar hopp), dann darf ich danach ein Eis essen/heute Abend ins Kino/ mir ein Paar Schuhe kaufen.

Mal ernsthaft: Was bitte ist daran motivierend? Ich kann das alles nämlich, und zwar in der Regel ohne schlechtes Gewissen, auch ohne vorher meine Wohnung aufzuräumen/die Steuererklärung zu machen/drei Kilo abzunehmen. Selbstverarsche funktioniert bei mir leider nicht. Ich war schon immer ein schlaues Kind, dem der Zusammenhang zwischen Schokolade und Zimmer aufräumen einfach nicht eingeleuchtet hat. Was passiert denn, wenn ich das Eis esse, ohne vorher die Steuererklärung zu machen? Fault mir dann irgendetwas ab? Nein, das Eis mundet trotzdem hervorragend.

So ähnlich ist das bei den meisten Motivationstricks, die mir wohlmeinende Menschen schon mit auf den Weg gegeben haben.

„Denk an die armen Leute im Finanzamt, die müssen doch auch…“ – Ja, heult doch!

„Wie sich doch die Oma/Mama/… freut, wenn du….“ – Das Prinzip emotionaler Erpressung stieß bei mir schon mit zehn Jahren auf Abwehr.

„Und wie du dich dann freuen wirst wenn die Küche sauber ist!“ – Ich weiß, dass sie in zwei Tagen wieder genauso aussieht, also freu ich mich stattdessen lieber am Sonnenschein und mache einen Spaziergang.

Vielleicht hab ich einfach zu viel Kohelet in mir: Es ist alles eitel und ein Haschen nach Wind. Da merkte ich: Der Mensch hat keinen Gewinn von seinen Mühen, egal wie er sich anstrengt, letztlich isses eh für den Arsch! Also iss, trink, tu dich gütlich, pflege der Liebe… oder so ähnlich. Nachzulesen beim Prediger Salomo, auch genannt das Buch Kohelet, im Alten Testament.

Im Grunde gibt es nur ganz wenige Dinge, die mich wirklich motivieren, eine unangenehme Aufgabe endlich zu erledigen:

  1. Eine gnadenlose Deadline (das ist keine echte Motivation, aber manchmal doch hilfreich)
  2. Drohende Insolvenz (auch das ist keine echte Motivation)
  3. Und last not least das einzige wirklich Positive: Die Einsicht, dass ich mit dem was ich tue, einen ganz entscheidenden Beitrag im Leben anderer leisten und darin ein Stück meiner inneren Berufung erfüllen kann.

Ich bin nur dann motiviert unangenehme Dinge zu tun, wenn mir bewusst ist, dass und inwiefern es einen Sinn für eine wirklich wichtige Sache in sich trägt. Mit wichtig meine ich: Bedeutsam, Sinn stiftend. Oder Freude erzeugend. Ich räume z.B. sehr gerne auf, wenn ich weiß, dass ein Mensch, den ich mag, am Nachmittag zu Besuch kommt.

Und dann ist da noch das, was ich den Kairos nenne. Auf einmal merke und weiß ich genau, was zu tun ist, und dann tue ich es auch, und nichts und niemand hält mich davon ab, auch wenn es bis spät in die Nacht dauert.

Pflichtbewusstsein? Belohnungssystem? Vergiss es. Die einzige echte Motivationsquelle ist ein tieferer Sinn in dem was man macht lautet:  Echte Ziele. Etwas, wofür es sich zu leben lohnt. Da bring ich dann auch gern den Müll raus und putze das Klo.

Taufe des Herrn

Die (alt-)katholische Christenheit begeht heute das Fest „Taufe des Herrn“. Die evangelische eigentlich auch, irgendwie, nach Auskunft meiner streng evangelischen Tante vorhin am Telefon war es aber wohl heut bei ihr kein Thema.

Taufe – das positive Vorzeichen vor meinem Leben. Bei der Taufe hörte Jesus zum ersten Mal die Stimme Gottes: „Das ist mein lieber Sohn, ihn sollt ihr hören“. Seitdem bei jeder Taufe: „Das ist mein Kind. Dieser Mensch gehört zu mir“. Dankbar dachten wir heute im Gottesdienst auch an unsere eigene Taufe. Kind Gottes sein, es gibt irgendwie keine größere Auszeichnung.

Bei mir ist das jetzt ungefähr 22 Jahre her. Ich war schon erwachsen. Meine Taufe gehört zu den Dingen im Leben, die ich nie auch nur eine Sekunde bereut habe. Sie überdauert alles: Berufliche Unsicherheit, Auf und Ab, ja sogar Kirchenaustritt, Wechsel der Religionsgemeinschaft,…

Auch wenn ich manchmal nicht genau weiß, zu welcher Kirche oder Religionsgemeinschaft ich denn eigentlich gehöre – zur Gemeinschaft der Getauften gehört man als Getaufter immer. Und in diesen sowohl persönlich auch als politisch und gesellschaftlich sehr turbulenten und unsicheren Zeichen gibt’s eigentlich keinen schöneren Zuspruch, als den, dass man in dem allen immer ein Kind Gottes ist und bleibt.

Insofern heute: Freude, Dankbarkeit.