Beerdigung „Gott-los“

Kommende Woche habe ich erstmals in meiner kompletten Laufbahn eine Beerdigung völlig ohne „Gottesbezug“. Ohne „Kirche“ hatte ich schon öfter. Das waren meistens Leute, die aus welchem Grund auch immer aus der Kirche ausgetreten waren „aber seinen Glauben hat er schon gehabt“. Dann mache ich das eben etwas weniger „liturgisch“, aber Vaterunser und Segen am Grab soll und darf schon sein.

Diesmal liegt die Sache anders. Der Verstorbene war nicht nur nicht in der Kirche, sondern hatte auch Probleme damit. Also wird es eine Beerdigung „oben ohne“.

Erstaunt stelle ich fest: Es geht. Man kann durchaus auch etwas Sinnvolles und sogar irgendwie Tröstliches sagen, ohne dass Gott „vorkommt“. Mir erschließen sich da grad völlig neue Wahrnehmungen.

Mein theologischer Background ist trotzdem sehr hilfreich. Im Grunde halte ich ohne den Vers zu erwähnen eine Ansprache über „Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Darum geht es doch letztlich. Wie können wir angesichts des Todes leben? Und auch die einschlägigen Texte aus der Agende wie z.B. die „Verabschiedung“ sind ausgesprochen hilfreich. Die lassen sich nämlich auch in nicht-kirchliche Sprache übersetzen. Am Grab werde ich einladen, dass jeder sich Zeit nimmt so Abschied zu nehmen, wie es für ihn gut und richtig ist. Dazu kann es natürlich gehören, still das Vaterunser zu beten.

 

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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3 Antworten zu Beerdigung „Gott-los“

  1. Jan Minnesänger schreibt:

    Hat sich der Verstorbene denn den Zauber anlässlich seiner Beerdigung wirklich gewünscht? Oder wurde ihm das eher von Angehörigen aufgepfropft, die eben überzeugt sind, „dass man das halt so macht“? So recht vermag ich mir das nicht vorzustellen, dass ein Mensch, der zu Lebzeiten mit dem Greifbaren und Wahrnehmbaren zufrieden war, sich posthum so etwas wie eine Trauerfeier wünscht. Warum auch? Es ist doch einfach vorbei, das Ziel erreicht, Verpflichtungen – ob sich selbst oder anderen gegenüber – nicht mehr vorhanden.

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    • DieTheologin schreibt:

      Wieso Zauber? Es geht schlicht darum, sein Leben noch mal zu würdigen und den Angehörigen einen Rahmen für den Abschied zu schaffen. Und ja, Beerdigungen sollen dem Toten entsprechend gestaltet sein. Aber gemacht werden sie natürlich für die Angehörigen!

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  2. Muriel schreibt:

    Ich mochte ja immer Orson Scott Cards Idee von den Sprecher(inne)n für die Toten, die von der verstorbenen Person erzählen, mit Empathie und Wärme, aber ohne zu beschönigen oder zu verschweigen.
    Ich hab das bei meinem Vater versucht, wenn auch erst nachträglich schriftlich, und fühle mich recht wohl damit.

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