Forum der theologischen Entrepreneure

Am Freitag traf sich zum ersten mal eine Gruppe von Menschen, die eine Sache gemeinsam haben: Ein Theologiestudium, teilweise Berufserfahrung in der Kirche – und irgendwann Aufbruch in die Selbständigkeit. Wir waren etwa 15 Personen. Das Spektrum war breit. Viele der Anwesenden waren und sind Pfarrer, die sich beurlauben lassen haben, um etwas anderes auszuprobieren. Einige waren Pfarrer und haben komplett quittiert (wie ich). Die Palette der nun ausgeübten Tätigkeiten:   Coaches, Psychologen, ein selbständiger Handwerker (Maler), der sich als Arbeiterpriester versteht. Künstler (ein Hochseilartist, ein Karikaturist). Schirmherr war der Vorzeige-Entrepreneur Werner „Tiki“ Küstenmacher, der uns gleich live mit spontan entstehenden Karikaturen erfreute und uns dabei „Limbi“ vorstellte. Limbi ist ein putziges kleines Tierchen, Mischung aus Äffchen, Pudel und Bärchen, das für unser „limbisches System“ steht, das „Säugetier-Gehirn“, das oft etwas was ganz anderes will als die Ratio (zum Beispiel eine Arbeitssituation verlassen, die, obschon lukrativ, irgendwie nicht gut tut). Limbi ist für viele sowohl ein unbewusster Motor der Entwicklung, als auch das ängstliche Tierchen, das Schritte verhindert und das auf jeden Fall immer stärker an unserer Leine zieht, als den meisten bewusst ist. Eine witzige und treffende Analyse, die ich voll bestätigen kann.

Der Schwerpunkt dieses ersten Treffens lag auf Vernetzung und Austausch. Aber es brachen auch sehr interessante theologische und psychologische Fragen auf. Wenn wir, die Randsiedler der Kirche, bei Kunden und Klienten unterwegs sind – ist das dann „Kirche“? Was ist unser Selbstverständnis? Was haben wir aus dem Theologiestudium und aus der beruflichen Tätigkeit in der Kirche mit hinüber genommen?

Es war deutlich zu spüren, dass die meisten von uns natürlich noch Theologen sind und dass wir anders an die Dinge herangehen, als Leute, die in ähnlichen Berufen arbeiten, denen aber die Theologie fehlt. Wir haben in unsrem Studium halt viele Dinge sehr gründlich gelernt, vor allem im Bereich der Hermeneutik, der Sprache und ganz einfach im Denken.

Interessant war,  dass auch drei Personen aus dem Umfeld des Landeskirchenamtes dabei waren, und dass die Veranstaltung von der Landeskirche stark gefördert wurde. Vielleicht entdeckt man dort langsam den Wert von Theologen außerhalb des Pfarrdienstes und welche Chancen darin auch für die Kirche liegen, anstatt zu versuchen, alle auf Teufel komm raus im Gemeindedienst halten zu wollen.

 

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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5 Antworten zu Forum der theologischen Entrepreneure

  1. dierkschaefer schreibt:

    keine bange! wo 2 oder 3 … da ist auch kirche

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  2. bécassine schreibt:

    ziemlich clever vom landeskirchenamt, die konkurrenz im auge zu behalten…

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  3. DieTheologin schreibt:

    Lustig war, dass auch der Gatte einer Oberkirchenrätin, selbst Pfarrer, da war, er nebenbei zu mir: „Ich gehör ja hier eigentlich gar nicht her…“ – Mir rutschte echt völlig unüberlegt raus: „Allerdings!!“

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