#Muenchen

Chorsommerfest. Freitagabend. Ich schaue zufällig aufs Handy. Eine Nachricht via Facebook poppt auf, von meinem Freund und Kollegen Tilmann Haberer. „Tilmann ist in München in Sicherheit“ und irgendwas mit Schießerei. Der Abend war für mich ziemlich gelaufen. Eher geistesabwesend nahm ich bei der „Ehrung“ der „langjährigen Mitglieder“ meine silberne Nadel für fünf Jahre Chormitgliedschaft aus der Hand des Chorleiters in Empfang und verdrückte mich ziemlich schnell nach Hause, um zu erfahren, was los ist. Zuhause angelangt blinkte mir als erstes der Anrufbeantworter entgegen. Meine Tante teilte mir mit, dass auch sie „in Sicherheit“ ist.

Fernseher an. Grauen. Entsetzen.

Aber auch: Der Eindruck, dass die Polizei wirklich gut arbeitet. Und ein Eindruck von Solidariät und Zusammenrücken in München, was sich bestätigte, als ich auf Facebook ging und unter anderem las, dass alle Münchner Moscheen in dieser Nacht ihre Türen öffneten, um gestrandete Münchner und Gäste zu beherbergen. Ein gutes und wichtiges Signal. Ziemlich spät ging ich ins Bett. Am kommenden Vormittag ein Traugespräch. Das sehr nette, junge Brautpaar verspätete sich um 30 Minuten (schickte aber vorher eine SMS, sodass ich mich darauf einstellen konnte). Als wir schließlich zu dritt, jeder eine Tasse Cappuccino vor sich, im Café zusammensaßen, um die Hochzeit der beiden zu besprechen, meinte der Bräutigam: „Entschuldigen Sie die Verspätung, aber wir saßen gestern Nacht bis zwei Uhr vorm Fernseher. Und dann redeten wir nicht nur über die anstehende Trauung. Sondern auch über München. Und die USA. Und die Türkei. Und Nizza. Und Würzburg. Und den IS.

Immer wieder kamen wir auch auf diese Themen, auch während wir dann den Ablauf der Zeremonie durchsprachen und das Paar mir seine Geschichte erzählte, damit ich daraus eine schöne Ansprache machen kann.

Und eigentlich gibt es fast kein besseres Bild für die momentane Lage als dieses Brautpaar, das seine Hochzeit plant und doch auch daran Anteil nimmt, was auf der Welt los ist. Mitfühlen. Aber trotzdem weiterleben, weiterlieben, weiter feiern.

Das Leben und die Liebe sind sehr zerbrechlich und unendlich wertvoll.

#WuerzburgAttack

Und ein weiterer trauriger #Hashtag. Interessant fand ich diesmal die Berichterstattung. Gestern Abend gegen 23 Uhr die erste Eilmeldung, eingeblendet als „Laufband“ auf ARD: Die Rede war von einem Axt-Amoklauf und 20 Verletzten. Wenige Minuten später: „Hieb- und Stichwaffen“ und „mehrere Verletzte“. Heute früh waren es 5 Verletzte. Der Angreifer wurde erschossen. Auf Twitter branden die Diskussionen darüber ob das Erschießen des Täters, 17 Jahre, Afghane, nun nötig war oder nicht. Interessant ist, wie viele Leute meinen, sie hätten es vor Ort anders oder besser gemacht. Shitstorm gegen Frau Künast, die das Vorgehen der Polizei in Frage stellt. Ob man sich vielleicht mal drauf einigen könnte zu sagen: Ich habe keine Ahnung, wie ich selbst als Beamter in dieser Situation gehandelt hätte? Wahrscheinlich, aber auch das weiß ich nicht sicher, hätte ich versucht den Angreifer außer Gefecht zu setzen, ohne ihn zu töten. Zum Beispiel durch einen Schuss ins Bein. Aber eigentlich ist es müßig, darüber zu spekulieren.

Im Regionalzug nach Würzburg. Da saß ich selber schon öfter drin, auch am späten Abend schon. Die „Einschläge“ kommen näher. Und jetzt?

#PrayforNice

Kerzen

#PrayforNice #PrayforFrance #PrayfortheWorld

Trauer, Wut, Hilflosigkeit über sinnlose, dumme, feige, Menschen verachtende Gewalt im Namen von Religion oder Ideologie. Wut auf erbärmliche menschliche Würstchen, die sich mit einer Waffe in der Hand oder indem sie mit einem LKW in Menschenmengen rasen bedeutsam und groß fühlen.

Wut auf diejenigen, die aus solchen Akten der Gewalt Befriedigung oder einen Nutzen ziehen. Wut auf diejenigen, die Videos mit Nahaufnahmen Verstümmelter „im Namen der Wahrheit“ über soziale Medien verbreiten – und damit Tätern in die Karten spielen, die damit genau das erreichen, was sie wollen: Angst und Schrecken verbreiten.

Traurig und wütend darüber, dass selbst der Dümmste und Unbedeutendste auf diese Art seine „glorreichen fünf Minuten“ bekommt, indem er Unschuldige niedermetzelt. Ich glaube, es war Albert Schweitzer der sagte: „Der dümmste Junge kann einen Käfer zertreten, aber selbst der größte Gelehrte kann keinen Käfer erschaffen.“

Verzweiflung darüber, dass es so leicht ist, Leben zu zerstören. Und so schwer, es zu erhalten und zu schützen.

Hoffen, dass es irgendwann, irgendwie eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt. Beten, dass nicht auch die (wenigen) Vernünftigen sich zum Hass hinreißen lassen. Und weiterleben. Lieben. Singen. Feiern. Trotz allem.

Ich trage Kreuzkettchen, und das ist auch gut so!

Ein Müller-Markt in Ravensburg verbietet offenbar seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Tragen von Kreuzkettchen.

Nun werden sicher wieder etliche Menschen denken (oder kommentieren): Der gelebte Glaube hat ja nichts mit dem Tragen von Schmuck zu tun, ich finde Kreuzkettchen sowieso doof, ich bin Christ und trage kein Kreuzkettchen, wo kämen wir da hin, wenn jeder so offensiv seinen Glauben nach außen vertreten würden, die Gefühle von Atheisten oder Andersgläubigen werden durch das Tragen von Kreuzkettchen oder religiösem Schmuck verletzt, und so weiter und so weiter.

Nein, das Tragen eines Kreuzkettchen gehört nicht nur den Geboten des christlichen Glaubens, ja man kann auch ohne Kreuzkettchen Christ sein. Darum geht es auch gar nicht, sondern es geht darum, dass Arbeitgeber hier etwas untersagen wollen, was für sehr viele Menschen schlicht und einfach ein äußerer Ausdruck ihres Glaubens ist.

Es geht hier nicht darum, dass Christen unchristliche Arbeitszeiten verweigern. Auch nicht darum, dass Christen für sich verlangen, sich in Abständen von ihrem Arbeitsplatz zurückzuziehen, um Gebete zu verrichten. Auch nicht darum, dass Christen, die an der Kasse sitzen, Kunden mit missionarischen Reden verärgern oder vertreiben. Sondern schlicht und einfach um das Tragen eines Schmuckstücks, das die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft ausdrückt. Genauer gesagt zu der Glaubensgemeinschaft, die Werte und Weltanschauung auf unserem Kontinent Jahrtausende lang geprägt hat. Um Gefühle anderer nicht zu verletzten.

Und da hakt es bei mir irgendwie aus. Was sind das denn für Gefühle, die da angeblich verletzt werden? Und was für eine Art „Toleranz“ soll denn damit ausgedrückt werden, dass man verbietet, ein Kettchen mit Kreuz zu tragen? Man hört in letzter Zeit öfter das Wort Islamophobie. So allmählich frage ich mich, ob wir es mittlerweile auch schon mit Christianophobie zu tun haben, oder allgemein mit einer völligen Unfähigkeit, religiöse Symbole, sei es der eigenen oder fremder Kulturkreise zu verstehen und zu tolerieren?

Ich finde das schwach, sehr schwach. Da ich Gott sei Dank freiberuflich arbeite und mir kein Arbeitgeber vorschreiben kann, was ich um meinen Hals hänge oder wie ich mich kleide, trage ich oft Kreuzkettchen. Nicht weil mich das zu einem besseren Menschen macht, sondern weil ich nicht will, dass dieses Grundsymbol des christlichen Glaubens aus dem Bewusstsein oder dem Straßenbild verschwindet. Wer sich dran stört, der soll eben wegschauen. Tau

Impressionen von meinen ersten „freien Taufen“

Wie der Zufall es wollte, hatte ich an den beiden vergangenen Samstagen je eine „freie Taufe“/Kindersegnung. Beide relativ traditionell christlich gehalten, nur dass es halt streng genommen keine Taufen waren. Sondern Kindersegnungen unter Verwendung von Wasser.

Kindersegnung Nr. 1 hatte ich an einem ruhigen Bachlauf zu Füßen des Blessberges. Also richtig draußen in der Natur.

Kindersegnung Nr. 2 fand im Garten der Großeltern statt.

Beide Familien wollten spezifisch christliche Anklänge. Segenssprüche (analog zum Taufspruch) aus der Bibel. Gebete. Bezug auf Gott.

Vorstellbar wäre auch anderes: Eine reine Namensfeier. Willkommensfeier ohne biblischen Bezug. Vielleicht statt dessen Eingehen auf Symbole (Baum, Licht, Wasser, Elemente) oder eine Geschichte („Der Kleine Prinz“, o.ä.). Ich bin gespannt und lasse mich überraschen, was in Zukunft noch kommt. FreieTaufe2