Michaelis

Heute feiert die Kirche (evangelisch wie katholisch) das „Fest des Erzengels Michael und aller Engel“. Für die Engel gilt wohl, was in einem anderen Zusammenhang auch für Gespenster gilt: Wenn die Vernunft sie vertreibt, steigen sie durch die Hintertür des Aberglaubens wieder ein.

Engel spielen, zumindest in der Theologie und im Alltag der kirchlichen Verkündigung, so gut wie gar keine Rolle. Das Michaelisfest fällt meist unter den Tisch, wenn der 29. September auf einen Wochentag fällt, sowieso.

Taufeltern wünschen sich ganz oft den Taufspruch: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ (Aus Psalm 90).

Die meisten Pfarrer haben dabei eher Unbehagen. Die befürchten, dass Eltern die so einen Vers wählen, die christliche Taufe dann als Schutzritual missverstehen.

Doch während die Engel aus der kirchlichen Verkündigung so gut wie verschwunden sind, feiern sie in der Esoterik fröhliche Urstände. Ein ganzer Markt wirbt mit Engel-Figuren, Engeldüften, Büchern angeblich direkt von Engeln gechannelt und für teures Geld kann man sich seine persönliche Engelbotschaft vom Engelmedium seines Vertrauens Vertrauens direkt auf den heimischen PC schicken lassen.

Vielleicht täte es den Kirchen gut, sich mal wieder darauf zu besinnen, wer oder was Engel denn nach biblischer Botschaft sind. Boten Gottes. Kämpfer für Gott (wie der Erzengel Michael), Begleiter (wie der Erzengel Raphael), Überbringer von Botschaften (wie der Erzengel Gabriel und die Engel der Weihnachtserzählung). Jesus sagte einmal, man solle sich hüten, einem Kind oder einem schwächeren Menschen zu schaden. „Denn ihre Engel stehen allezeit vor Gott“ und petzen, was andere ihren Schützlingen antun oder antun wollen. (Frei nach Jesus.)

Und vielleicht täte auch ein völlig unverkrampfter Umgang mit Engeln gut. So wie in diesem „Engelrap“ aus dem Evangelischen Kindergesangbuch. In diesem Sinne: Fröhliches Michaelisfest!

 

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
Dieser Beitrag wurde unter Musikalisches, Quergedanken einer abtrünnigen Gemeindepfarrerin veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Michaelis

  1. Sólveig schreibt:

    Ja, ich denke wenn es aus offiziell kirchlicher Sicht ein anderer Umgang mit Engeln gäbe, dann hätte es vielleicht in der Esoterik nicht so krasse Blüten getrieben, wie es die teilweise gibt (z.B. die Gleichsetzung von Engeln mit Aliens). Menschen mochten Engel immer schon gerne, so wie auch Maria.

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  2. Sólveig schreibt:

    „einen anderen“… sorry für meine schräge Grammatik.

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  3. Rabin schreibt:

    Also der Rap kommt gut. Allgemein könnte die Kirche in vielen Dingen etwas lockerer werden. Aber das ist aus meiner Sicht schon eine Binsenweisheit.

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