Ein persönlicher Jahresrückblick

2016 wird bald Geschichte sein und es ist Zeit für den unvermeidbaren persönlichen Jahresrückblick.

2016 war politisch und weltpolitisch ein Jahr, das mir persönlich und vielen anderen großes Unbehagen bereitet, und ich fürchte, 2017 wird nicht anders sein. Es wird einem bewusst, dass wir hier in Deutschland, wo mit Sicherheit nicht alles perfekt ist und es mit Sicherheit auch große Ungerechtigkeiten gibt, dennoch auf einer Insel der Seligen leben. Ein europäisches Land nach dem anderen erlebt einen Rechtsruck und wir stehen, so mein Empfinden, ebenfalls kurz davor.

Brutale Kriege in Syrien und anderswo treiben hunderttausende Menschen aus ihrer Heimat. Das Elend brandet an unsere Landesgrenzen und Haustüren. Und manche haben nichts besseres zu tun, als Mauern und sichere Grenzen zu fordern.

Die US-Wahl gewinnt ein Mann, der offen Schwule, Andersgläubige und Behinderte beleidigt und der lügt, dass sich die Balken biegen. Was auch alle wissen, ihn aber trotzdem wählen.

Vom Terror rede ich erst gar nicht.

Kurz, die Welt dreht grade kollektiv durch. Ich bin nun nicht grade jemand, der leicht in Panik gerät. Aber die Großwetterlage ist verstörend und man fühlt sich in dem Ganzen irgendwie hilflos. Eine Sache die ich mir für 2017 vorgenommen habe: Ich will mich wieder mehr engagieren. Ehrenamtlich. In irgendeinem überschaubaren Bereich, in dem ich wirklich etwas tun kann. Und wenn es die Beteiligung bei der Rumänienhilfe der katholischen Kirchengemeinde ist. Das wird zwar nichts an der Großwetterlage ändern, aber wenigstens ein paar Menschen wenigstens etwas helfen.

Persönlich war es für mich ein sehr turbulentes Jahr. Seit nunmehr acht Monaten lebe ich einer Partnerschaft, was mich (und hoffentlich auch ihn) wirklich glücklich macht. Ein Highlight des Jahres war zweifellos unser gemeinsamer Tirol/Alpen-Urlaub im Juli. Erhabene Natur, einfache Unterkünfte, die körperlichen Grenzen spüren und merken, dass ich unbedingt etwas für meine Fitness tun muss…Berge haben halt keine Rolltreppe.

Beruflich hatte das Jahr sein Auf und Ab. Als freie Theologin gewinne ich langsam „Land“, hatte doch etliche schöne Trauungen, einige „freie Taufen“, diverse Beerdigungen und auch mal eine Paarsegnung zur Goldenen Hochzeit. Alles schön. Aber leider nicht ausreichend zur Bestreitung des Lebensunterhaltes, weshalb ich nach wie vor auf der Suche nach irgendeiner Teilzeitstelle bin, die sich mit meiner anderen Tätigkeit vereinbaren lässt. Ab Januar mache ich eine Weiterbildung zur Demenzbetreuerin (dafür gibt es staatliche Zuschüsse). Daneben bleibt mir halt nichts anderes übrig, als aufmerksam Stellenausschreibungen zu lesen und mich halt auf alles zu bewerben, was halbwegs passend aussieht.

Spirituell war es für mich ein Jahr, in dem ich oft mit Gott gehadert habe, aber Hadern bringt einen manchmal auch wieder näher zu Gott. Nach dem Motto: Besser streiten, als gar nicht miteinander reden. Immer wieder entdecke und praktiziere ich die mantrischen Gebetsformen, eben weil ich manchmal einfach nicht weiß, was ich beten soll und Gebet dann einfach heißt, sich der Gegenwart Gottes auszusetzen, auch wenn man grade etwas auszusetzen hat an allem, was einen ärgert oder traurig macht. Also: Jesusgebet. Rosenkranz. Messe.

Zusammenfassung: Dass es grade leicht ist, kann ich nicht behaupten. Trotzdem würde ich um keinen Preis der Welt die Uhr zurückdrehen und meine Kündigung als Pfarrerin rückgängig machen wollen. Was ich allerdings weiterhin suche, ist der Ort, an dem ich nicht nur punktuell, sondern möglichst dauerhaft meine Gaben einbringen kann. Ob das nun eine ehrenamtliche oder eine bezahlte Tätigkeit ist.

Immer mehr bin ich der Ansicht, dass ein bedingungsloses Grundgehalt eine wunderbare Sache wäre. Nicht um faul sein zu können. Sondern um den Rücken frei zu haben, Dinge zu tun, die einem selbst und auch anderen etwas bringen, für die es aber normalerweise keinen materiellen Lohn gibt: Ehrenamt, Engagement für politische oder soziale Belange, etc.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Rest-Advent und frohe Weihnachten, falls wir uns nicht mehr lesen.

Eure Christiane Müller

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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