O Schlüssel Davids – Antiphon zum 20. Dezember

O Schlüssel Davids
und Zepter des Hauses Israel!
Was Du öffnest, kann niemand schließen;
was Du verschließest, kann niemand öffnen:
Komm, und führe den Gefesselten
aus dem Hause des Kerkers,
wo er sitzt in Finsternis
und Todesschatten.

O Clavis David,
et sceptrum domus Israël,
qui aperis, et nemo claudit,
claudis, et nemo aperuit:
veni, et educ vinctum
de domo carceris,
sedentem in tenebris,
et umbra mortis.

Die Antiphon zum 20. Dezember ist wohl erstmal rätselhaft. Jesus als der „Schlüssel Davids“.

Angespielt wird auf eine messianische Weissagung aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja:

«Und ich werde den Schlüssel des Hauses David auf seine Schulter legen. Er wird öffnen, und niemand wird schliessen, er wird schliessen, und niemand wird öffnen. Und ich werde ihn als Pflock einschlagen an einen festen Ort; und er wird seinem Vaterhaus zum Thron der Würde sein.“ (Jes 22,22-24).

In der Offenbarung des Johannes werden diese Worte aufgegriffen:

«Dies sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, und niemand wird schliessen, und schliesst, und niemand wird öffnen» (Offb 3,7).

Oder auch: „Siehe, ich habe vor dir eine Tür geöffnet und niemand wird sie schließen.“

Jesus ist der Schlüssel. Und er hat die Schlüssel: „Ich war tot, und siehe ich bin lebendig und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Und zu Petrus: „Dir will ich die Schlüssel zum Himmel geben.“

Was ist ein Schlüssel? Ein Schlüssel ist zunächst einmal ein kleines Stück Metall, das dazu dient, eine Tür zu öffnen. Schlüssel und Schloss müssen zusammenpassen. Wo der Schlüssel fehlt, da bleibt die Tür verschlossen (wie jeder schon einmal leidvoll erlebt hat, wenn er sich ausgesperrt hat).

Es geht darum, welche Räume ich mir erschließen kann. Es gibt Türen im Leben, die öffnen sich nicht. Man kann sie gewaltsam aufbrechen, aber man wird nicht glücklich wenn man es tut. Zum Beispiel wenn man mit Biegen und Brechen etwas will, was ein anderer nicht will. Oder es zum falschen Zeitpunkt erzwingen will.

Und es gibt Situationen, aus denen kommt man aus eigener Kraft nicht heraus. Man rennt gegen verschlossene Türen.

Genauso gibt es auch die Erfahrung, dass Türen, von denen man meint sie seien verschlossen, sich plötzlich vor einem öffnen. Dass sich Wege erschließen, die man nicht ahnen konnte.

Aus den Versen der Antiphon und aus den entsprechenden biblischen Texten spricht das Vertrauen, dass sich immer die Türen öffnen werden, die sich öffnen sollen und dass Türen die im Leben dauerhaft verschlossen bleiben dies auch aus gutem Grund sind. Dass ich nichts übers Knie brechen oder meinem „Glück“ nachhelfen muss, weil ein anderer, Jesus, die Schlüssel zu meinem Leben hat und mir vorangeht, um Türen zu öffnen oder auch zu verschließen, z.B., um mich vor etwas zu schützen.

Er hält die Schlüssel und er ist der Schlüssel. Zu meinem Leben, zum Leben an sich und auch zu allem, was geschieht oder nicht geschieht.

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Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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