Trauern und dennoch das Leben feiern

Zurzeit wird mir ein Aspekt bei der Vorbereitung von Trauerfeiern immer wichtiger. Nämlich die Dankbarkeit für das LEBEN des Verstorbenen. Nicht nur die Trauer über den Verlust in den Blick zu nehmen. Sondern alles, was dieses Leben ausgemacht hat. Die Hoffnung, dass eines Tages diese Dankbarkeit und die Liebe, die die Angehörigen mit den Verstorbenen verbindet, stärker sein wird als alle Trauer.

Eine Trauerfeier kann auch eine LEBENSfeier sein. Nicht weil die Angehörigen die Trauer verdrängen. Sondern weil sie wissen, wie reich ihr Leben durch diesen besonderen Menschen geworden ist, der nun von ihnen gehen musste.

Trauer und Freude über dieses besondere, einzigartige Leben liegen da mitunter nah beieinander und oft erlebe ich, wie Angehörige und Freunde von Verstorbenen bei der Feier unter Tränen lächeln, ja manchmal auch lachen können und sagen: „Ja, so war er, das war typisch für ihn!“

Mir wird es zunehmend wichtiger, das GANZE beim Tod eines geliebten Menschen zu sehen. Und auch wenn es abgedroschen klingt: Die Trauer ist die Kehrseite der Liebe. Ohne Liebe keine Trauer. Ohne Trauer keine Liebe. Menschen trauern, weil jemand geht, den sie lieben. Es wäre schade, wenn am Ende nur die Finsternis bleibt und nicht auch die Freude darüber, dass es ihn oder sie gegeben hat, die Freude über gemeinsam verbrachte gute Jahre, über den Schatz an Erfahrungen, der unser Leben bereichert hat.

Das hat nichts mit unterdrückter Trauer zu tun, sondern eher mit einer tiefen Wertschätzung für das Leben. Und so wird die Trauerfeier zugleich zum letzten Lebensfest des Verstorbenen und seiner Angehörigen.

Wie das konkret aussehen könnte, dazu im nächsten Artikel mehr.

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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3 Antworten zu Trauern und dennoch das Leben feiern

  1. Ganz wunderbare Worte und Gedanken – vielen Dank dafür!

    Bei Beerdigungen versuche ich immer wieder an schöne Momente mit dem Verstorbenen zu denken – und das was ihn/sie ausgemacht hat. Da wird mir dann immer – während der Beerdigung – sehr warm ums Herz und es legt sich ein Mantel der Dankbarkeit um mich. Das ist ein unglaublich erfüllendes Gefühl. Trotz aller Traurigkeit…

    Alles Gute Ihnen,
    Julia

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  2. racheles-welt schreibt:

    Danke für deine Worte! Bei Traueranzeigen von Amerikanern habe ich schon oft das Wort „celebration of his/her life“ gelesen, wenn es um die Trauerfeier ging. Und fand das immer sehr schön. Gerade, wenn man den Glauben mit der verstorbenen Person teilt und weiß, dass man sich wieder sieht. Natürlich ist dann trotzdem Trauer da- aber nicht ohne Hoffnung. Und dann kann man ein Leben feiern 😊

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  3. Nicole schreibt:

    Das ist schon lange mein Konzept bei Beerdigungen. Über die Auferstehung spreche ich praktisch nie bzw. nur in Andeutungen („Sie ist jetzt in Gottes Liebe geborgen“).

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