Wiederbegegnung mit Franziskus

Tau

Seit einigen Wochen meldet sich mit Macht jemand zurück, an den ich lange nicht gedacht habe: Der Heilige Franziskus von Assisi. Vor über 20 Jahren waren es Gebete und Texte des Franziskus, die mich tief berührt haben beim Hineinfinden in den christlichen Glauben.

Im Studium habe ich mindestens zwei Seminare über Franziskus und die Armutsbewegung im Mittelalter belegt. Im Examen war das Thema „Franziskus und die Armutsbewegung im Mittelalter“ eines meiner Schwerpunktthemen.

Den Franziskus-Roman von Nikos Katzanzakis („Mein Franz von Assisi“) habe ich geradezu verschlungen.

Den Sonnengesang konnte ich lange auswendig.

Dann habe ich lange nicht an ihn gedacht…warum? Wieso? Vielleicht weil ich als evangelische Pfarrerin innerlich irgendwie etwas weiter weg war von dieser Art der spirituellen Suche?

Nun, da ich mit einer halben Stelle im Altenheim arbeite, recht dürftig bezahlt und umgeben von gebrechlichen Menschen, kehrt er in mein Leben zurück. Ich hole das zerlesene Büchlein mit franziskanischen Texten wieder heraus. Ich suche Kontakt zur franziskanischen Gemeinschaft. Ich buchstabiere die Botschaft des Heiligen Franziskus neu. Die täte der Welt gut, und wahrscheinlich auch mir.

Pax et Bonum.

Fronleichnam 2017

Und wieder ist Fronleichnam. Warum „und wieder“? Weil dieser Tag für mich einen Einschnitt markiert. An Fronleichnam vor zwei Jahren habe ich den Menschen kennengelernt, mit dem ich heute mein Leben teile. Damals wusste ich das noch nicht.

Fronleichnam vor einem Jahr liefen wir in der Prozession schon nebeneinander und hielten uns an der Hand. Fronleichnam dieses Jahr wohnen wir zusammen.

Deshalb „und wieder ist Fronleichnam“. Natürlich sind wir auch dieses Jahr wieder mitgelaufen, wie auch im letzten Jahr bei strahlender Sonne, mit einem Großteil der Katholiken dieser Stadt, aber auch mit vielen ökumenischen Gästen, was diesmal einfach besonders und bewegend war. Christsein geht heute nicht mehr isoliert und sauber nach Konfessionen sortiert. Es sind verschiedene Traditionen, es sind verschiedene Lehrmeinungen, aber es ist die eine Kirche, die Christus durch die Zeit trägt, hin zu den Menschen, so, wie der Priester an Fronleichnam die Monstranz vor sich her trägt, und die von Christus durch die Zeit getragen wird.

Fronleichnam heißt „Leib des Herrn“. Der Leib des Herrn, der in seiner Kirche und im Brot des Abendmahls/der Eucharistie präsent ist. Man kann das eine nicht vom anderen trennen. Und ich bin wirklich froh und dankbar, dass im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 nicht mehr das Trennende der Konfessionen im Mittelpunkt steht, sondern das Verbindende. Dass es heute ohne weiteres möglich ist, dass der evangelische Oberbürgermeister zu Fronleichnam ein Grußwort spricht und eine der Gottesdienststationen vor der evangelischen Hauptkirche platziert sein kann. Das alles war vor 100 oder sogar noch vor 50 Jahren undenkbar.

Möge es so weitergehen.

Wahrhaft spirituell

Der wahre Grad der spirituellen Weiterentwicklung erweist sich nicht beim Beten in der Kirchenbank oder im erleuchteten Meditieren. Sondern viel eher:

  • in nervigen Alltagsbegegnungen
  • im Umgang mit lästigen Umständen und Menschen
  • und beim Einrichten der supertollen nagelneuen Fritz!Box gemeinsam mit dem Partner

Hier lernen wir wahre Demut. Hier zeigt sich der echte Grad der eigenen Erleuchtung. Beziehungsweise der eigene Entwicklungsbedarf auf dem Pfad der Heiligung.

Für euch getestet.

Zynismus oder warum ich 2017 keine der bislang regierenden Parteien wählen werde

Seit gestern ist bei mir in der Frage, wen oder was ich denn um Himmels Willen im September bei der Bundestagswahl wählen soll, ein Schalter umgelegt und eine Weiche gestellt. Eine der beiden großen „Volksparteien“ wird es jedenfalls nicht sein. (Wobei für mich als in Bayern Lebende erschwerend hinzukommt, dass ich die CDU ja eh nicht wählen könnte, und ehe ich CSU wähle, fault mir eher die rechte Hand ab.)

Da stellt sich der Bundesinnenminister nach einem grauenvollen Anschlag in Kabul mit vielen Toten und Verletzten tatsächlich hin und sagt, dass die Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan erst mal nicht stattfindet. Aber nicht aus humanitären Gründen, sondern weil die Botschaftsangehörigen in Kabul momentan anderes zu tun haben.

Um es gleich zu sagen: Ich habe größten Respekt vor allen Landsleuten, die derzeit in Afghanistan irgendeinen Dienst versehen. Der Unterschied zu den Flüchtlingen, die abgeschoben werden sollen, besteht aber darin, dass alle Deutschen, die sich momentan aus ehrenwerten Gründen in diesem Land aufhalten, dies freiwillig tun, mit der Option, das Land auch wieder zu verlassen. Wer sich beispielsweise als Berufssoldat verpflichtet, der weiß doch bevor er diesen Dienst antritt, dass er auch in ein Land wie Afghanistan entsandt werden kann. Er wird ausgebildet und ist bewaffnet. Das gilt für afghanische Zivilisten eben nicht.

Und als ob jene Aussage des Bundesinnenministers nicht genug wäre, folgt noch der Hinweis, dass ja auch Paris, Berlin oder Manchester derzeit nicht sicher sind. Also, so die Folgerung, kann man ja auch gleich abschieben.

Geht´s noch? Und was sagt der „Juniorpartner“ in dieser GroKo dazu? Irgendwie ziemlich wenig, oder hat jemand etwas gehört?

Große Hochachtung vor den Nürnberger Berufsschülern, die gestern leider vergeblich versuchten, einen afghanischen Mitschüler vor dem Zugriff der Polizei und anschließender Abschiebung zu schützen. Dass man junge Leute, die bestens integriert sind, fleißig und leistungsbereit, jetzt schon zwecks Abschiebung aus der Schulbank holt scheint nun auch „Mode“ zu werden in deutschen Landen.

Meine Stimme 2017 wird einer Partei gehören, die sich klar und offen gegen eine solche Politik stellt. Eigentlich bin ich ein wertkonservativer Mensch. Aber wenn die C-Parteien und auch die SPD genau die Werte verraten, für die sie eigentlich stehen, nämlich christliche Nächstenliebe und mitmenschliches, soziales Verhalten, dann sind sie für mich nicht mehr wählbar.