Zynismus oder warum ich 2017 keine der bislang regierenden Parteien wählen werde

Seit gestern ist bei mir in der Frage, wen oder was ich denn um Himmels Willen im September bei der Bundestagswahl wählen soll, ein Schalter umgelegt und eine Weiche gestellt. Eine der beiden großen „Volksparteien“ wird es jedenfalls nicht sein. (Wobei für mich als in Bayern Lebende erschwerend hinzukommt, dass ich die CDU ja eh nicht wählen könnte, und ehe ich CSU wähle, fault mir eher die rechte Hand ab.)

Da stellt sich der Bundesinnenminister nach einem grauenvollen Anschlag in Kabul mit vielen Toten und Verletzten tatsächlich hin und sagt, dass die Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan erst mal nicht stattfindet. Aber nicht aus humanitären Gründen, sondern weil die Botschaftsangehörigen in Kabul momentan anderes zu tun haben.

Um es gleich zu sagen: Ich habe größten Respekt vor allen Landsleuten, die derzeit in Afghanistan irgendeinen Dienst versehen. Der Unterschied zu den Flüchtlingen, die abgeschoben werden sollen, besteht aber darin, dass alle Deutschen, die sich momentan aus ehrenwerten Gründen in diesem Land aufhalten, dies freiwillig tun, mit der Option, das Land auch wieder zu verlassen. Wer sich beispielsweise als Berufssoldat verpflichtet, der weiß doch bevor er diesen Dienst antritt, dass er auch in ein Land wie Afghanistan entsandt werden kann. Er wird ausgebildet und ist bewaffnet. Das gilt für afghanische Zivilisten eben nicht.

Und als ob jene Aussage des Bundesinnenministers nicht genug wäre, folgt noch der Hinweis, dass ja auch Paris, Berlin oder Manchester derzeit nicht sicher sind. Also, so die Folgerung, kann man ja auch gleich abschieben.

Geht´s noch? Und was sagt der „Juniorpartner“ in dieser GroKo dazu? Irgendwie ziemlich wenig, oder hat jemand etwas gehört?

Große Hochachtung vor den Nürnberger Berufsschülern, die gestern leider vergeblich versuchten, einen afghanischen Mitschüler vor dem Zugriff der Polizei und anschließender Abschiebung zu schützen. Dass man junge Leute, die bestens integriert sind, fleißig und leistungsbereit, jetzt schon zwecks Abschiebung aus der Schulbank holt scheint nun auch „Mode“ zu werden in deutschen Landen.

Meine Stimme 2017 wird einer Partei gehören, die sich klar und offen gegen eine solche Politik stellt. Eigentlich bin ich ein wertkonservativer Mensch. Aber wenn die C-Parteien und auch die SPD genau die Werte verraten, für die sie eigentlich stehen, nämlich christliche Nächstenliebe und mitmenschliches, soziales Verhalten, dann sind sie für mich nicht mehr wählbar.

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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