Ein paar kurze Worte zum „Tabu“

Über eine Krebserkrankung, und zwar die eigene, öffentlich zu reden oder zu schreiben, ist nach wie vor ein Tabu. Genauso wie die ehrliche Auseinandersetzung mit Themen wie Tod und Sterben, Sucht, psychischer Krankheit oder dem, was eine körperliche Krankheit mit der Psyche macht. Sehr viele Menschen wissen nicht, wie sie mit Betroffenen umgehen sollen, was sie sagen dürfen und was nicht. Man redet halt einfach nicht drüber und wenn dann ganz verschämt hinter vorgehaltener Hand oder im aller engsten Familienkreis (wobei es da wohl oft am schwierigsten ist).

Ich bin der Ansicht, dass „wir“ (der Einzelne Betroffene, aber auch die anderen und die ganze Gesellschaft) es uns damit nicht leichter machen. Gerade eine Krankheit wie Krebs, an der inzwischen so viele erkranken, sollte viel stärker ins Bewusstsein rücken und zwar nicht nur abstrakt in Form von irgendwelchen Artikeln („die Wissenschaft hat festgestellt…“) und auch nicht in Form von reißerischen Reportagen in Illustrierten („wie Monika M. aus W. den Brustkrebs überwand“ – Hochglanzfoto, Perückenreklame) sondern in Form von authentischen Berichten von Betroffenen. Und irgendjemand muss das Eis halt mal brechen.

Tabus sind in den meisten Fällen nicht gut, weil was man nicht kennt im Untergrund der Psyche unheilvoll wirken kann. Ein Tabu ist der Ausdruck latenter Ängste („hoffentlich trifft es nicht mich oder meine Angehörigen“), trägt aber nicht dazu bei, im Fall der Fälle (wenn das Befürchtete eintritt) irgendwie hilfreich zu agieren.

Insofern werde ich hier zwar keinen Seelenstriptease hinlegen. Ich werde aber authentisch über meine Krankheit und den Umgang damit schreiben, weil ich es als befreiend erlebe.

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