Einmal Beutelsteak, bitte!

Von gestern auf heute durfte ich, genau 14 Tage vor Entbindung und Abschluss-OP, eine Nacht im Krankenhaus verbringen. Nachdem wir über Wochen hin beobachtet hatten, dass der so genannte Hb-Blutwert (Eisen, rote Blutkörperchen) dank Schwangerschaft und Chemo in den Keller sackte, beschlossen Ärzte (und ich) nun zu handeln. Ich bekam zwei Blutkonserven zum Aufpäppeln und blieb zur anschließenden Beobachtung gleich für zwei Tage drin im Krankenhaus. Insgesamt fühle ich mich besser. Beim Treppe Hochlaufen von der Garage zur Haustür vorhin musste ich nur einmal kurz Halt machen zum Verschnaufen, statt wie die Wochen vorher drei oder vier Mal. Leider ist der Wert, so rein labortechnisch, aber immer noch nicht berauschend. Ins Krankenhaus kam ich mit einem Wert von 8,2. Heute früh lag er bei 8,8. Normal für Schwangere wäre 11. Ob ich nun noch mal so ein Beutelsteak kriege (so nennen ich es, einmal Beutelsteak, schön blutig bitte!) ist noch nicht ganz klar.

Natürlich wurden „wir“ (mein Kind und ich) auch sonst nach Strich und Faden durchgecheckt in diesen zwei Tagen: Zwei Mal Ultraschall, drei Mal CTG, und ich durfte so viele Blutproben abgeben, dass ich mich insgeheim frage, ob der Mangel nicht vielleicht daher kommt, dass irgendwie jeder Blut von mir will. (Scherz.)

Wichtig waren die menschlichen Begegnungen. Die Zimmernachbarin, die nur kurdisch spricht, bangt um ihr Kind (Schwangerschaft 24. Woche, Blasensprung). Eine Schwester, die mich noch aus meiner Pfarrerinnen-Zeit kennt (ehemaliges Gemeindeglied) kam mehrmals vorbei und war total begeistert, mich zu sehen. Ich sähe, trotz Krankheit, so viel besser aus als noch vor drei Jahren, da habe man gemerkt, dass irgendwas nicht passt – „was doch so ein Kind bewirken kann!!!“ Und alle auf der Station, meinte sie, drücken uns ganz arg die Daumen und sind ganz gespannt.

Eine Ärztin meint beim Ultraschall nebenbei: „Dieses Kind ist ein Held!“, worauf „dieses Kind“, wie aufs Stichwort, einmal kräftig nach dem Schallkopf trat.

So. Wenn ich nun nicht noch einen Anruf aus dem Klinikum kriege („Noch mal Beutelsteak“), dann war es das jetzt mit Untersuchungen vor Entbindung und OP. Am 28. Februar muss ich wieder rein. Am 1. März werde ich hoffentlich Mutter eines munteren Buben und von einigen Organen „befreit“, die man nun mal bei dieser Art Krebs leider in Frieden ziehen lassen muss. (Aber wer fragt schon noch nach einer Gebärmutter, wenn diese, wofür ich dankbar bin, ihre Schuldigkeit getan hat. Viel wichtiger ist das Leben, meins und das meines Kindes.)

Es wäre grob übertrieben, zu behaupten, ich hätte keine Angst. Doch habe ich, mal mehr und mal zum Glück weniger. Aber ich weiß, wie viele Menschen an uns denken und für uns beten, und das gibt doch sehr viel Kraft.

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