Braut Christi UND Beziehung

Fronleichnam 2015 lernte ich, wie schon geschrieben, meinen künftigen Mann kennen, Christoph. Während der Fronleichnamsprozession im Hofgarten in Coburg. Eigentlich hatte ich nur vor, etwas spazieren zu gehen, als mir die katholische Jesus-Demo mit Lautsprechern, Standarten und Posaunenchor begegnete. Ich finde das immer eine schöne Sache, sozusagen Jesus durch die Straßen zu tragen, auch wenn ich nicht katholisch bin, und da ich gerade eh nichts Besseres vorhatte, schloss ich mich an.

Vor mir im Zug nahm ich einen Musiker des Landestheaters wahr, Geiger, Kollege meines Lehrers. Ich kannte ihn nicht weiter, wusste auch gar nicht, wie er heißt.

Aber wie er da so, offenbar „anhanglos“, vor mir her schlurfte, dachte ich, wäre doch nett, nach der Prozession beim Gemeindefest ein bisschen mit ihm ins Gespräch zu kommen. Etwas Fachsimpelei über Geigenthemen. Ohne irgendwelche weiterreichenden Gedanken.

Tatsächlich saßen wir dann beim Gemeindefest zusammen und redeten ein bisschen. Wobei wir auch gleich für ein Paar gehalten wurden. Gelächter bei der Auflösung dieses Missverständnisses.

Unsere Beziehung brauchte lange, bis es, für beide gefühlt eine war. Keine Liebe auf den ersten Blick, eher ein langsames Herantasten.

Ein Schlüsselmoment war, als wir mal nach der Messe im Hofgarten spazierengingen und ich auf einmal das Gefühl hatte, ich laufe schon seit immer neben Christoph her. Es fühlte sich so normal an. In einem guten Sinne.

Als wir an diesem Tag auseinandergingen, ohne dass etwas Aufsehenerregendes passiert werde, ohne Schmetterlinge im Bauch, einfach so, hörte ich nach längerem mal wieder IHN in mir sprechen. Klar und deutlich, trotzdem war ich noch nie so verwirrt: „Da steht vor dir dein Bräutigam.“ Der Satz hört sich geschraubt an. Es ist eine Anspielung auf die David-Berufung. Da steht vor dem HERRN sein Gesalbter. Ich antwortete im Stillen: „DU hast sie wohl nicht alle. Ich kenne den Mann kaum!“

Ich drehte mich noch mal kurz nach Christoph um, sah dass er mir nachschaut. Wir winkten uns kurz. Dann ging ich nachhause und war verwirrt.

Zuhause setzte ich mich zum ersten Mal nach längerer Zeit zum Beten hin (wie früher oft, aber in den letzten Monaten hatte ich immer nur so nebenbei gebetet).

Ich fragte Gott, wie er sich das vorstellt und ob ich mir das nur eingebildet habe und überhaupt war ich ja immer Braut Christi, daneben war doch nie Platz für einen Mann!

Da merkte ich, wirklich binnen Minuten, dass sich in mir etwas löste, öffnete. Dass meine wirklich innige und intensive Beziehung zu Gott sich öffnete für eine zweite enge Beziehung. Zu einem Mann. Und dass das plötzlich geht. Ohne, dass ich das Gefühl habe, es wäre mir zuviel. Das war ziemlich überwältigend. Eine neue Dimension.

Egal, ob es jetzt Christoph werden würde, oder ein anderer irgendwann später.

Es dauerte noch lange, erst im Mai 2016 definierten wir uns wirklich als Paar, fast ein Jahr nach unserer ersten Begegnung. Seitdem gehen wir den Weg gemeinsam. Ich bin dafür sehr dankbar. Es fühlt sich an, wie ein Stück neu gewonnene Heimat.

Die dunkle Wolke begleitete mich, von wenigen Gebetsmomenten wie dem eben geschilderten, trotzdem weiter. Mal war sie größer, mal kleiner, mal etwas durchlässiger für das Licht, mal massiv und schwarz. Da war sie immer.

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