Dolce Vita

Das erste Jahr meiner Beziehung mit Christoph war für mich endlich, nach all dem Schweren das ich erlebt hatte, frei und leicht. Als ich Christoph kennenlernte, aber noch nicht mit ihm zusammen war, war ich ja noch voll drin im Loch. Kündigung, Orientierungslosigkeit, Sinnlosigkeit.

Erst ab dem Frühjahr 2016 ging es allmählich bergauf. Wie schon geschrieben lief mein Geschäft als freie Theologin nun recht gut an. Zwar musste ich immer noch monatlich meine Rücklagen massiv schröpfen, aber die Einnahmen reichte in etwa für Essen, Krankenversicherung und Praxismiete. Wenn es so weitergeht, dachte ich, dann wird das in zwei, drei Jahren eine runde Sache, und so lange könnten die Rücklagen auch noch reichen, wenn ich immer weniger darauf zugreifen muss.

Die Liebe tat mir einfach gut. Natürlich gab es auch manchmal Reibereien, aber ich genoss es einfach ungemein, nicht mehr alleine durchs Leben zu tapern, und vor allem, dass mein Leben jetzt einfach wirklich eine neue Wendung genommen hatte.

Wir waren viel draußen in der Natur (eine gemeinsame große Liebe, die Natur), wir redeten, wir sahen Händchenhaltend fern, fuhren gemeinsam in den Urlaub und ließen einander auch die nötigen Freiräume.

Nach gut einem halben Jahr haben wir dann beschlossen, das wir zusammenziehen. Ein gewagter Schritt, aber wir waren ja beide nicht mehr die Jüngsten, wann also, wenn nicht jetzt. Wirklich kennenlernen tut man sich halt einfach nur, wenn man zusammenlebt, den Alltag miteinander teilt.

Ende 2016 entschloss ich mich, noch eine berufliche Zusatzausbildung anzufangen. Betreuungskraft für Demenzkranke. Damit könnte ich Teilzeit im Altenheim arbeiten und hätte trotzdem noch genug Freiräume für meine freien Trauungen, „Taufen“ und Bestattungen.

Gottesdienstlich habe ich mich, an Christophs Seite, dann immer mehr nach St. Augustin orientiert. Ich überlegte ernsthaft, noch einmal zu konvertieren und römisch-katholisch zu werden. Im Pfarrberuf würde ich ja ohnehin nie mehr arbeiten, und eine „Kryptokatholikin“ war ich nach Aussage einer Kommilitonin vor vielen Jahren ja sowieso schon. Aber das hatte Zeit. Erstmals seit meiner Taufe waren Glaubensfragen für mich jetzt in den Hintergrund getreten. Ich war Gott dankbar für Christoph, ging in die Messe und falls ER sonst noch irgendwas von mir will, soll er sich halt melden, dachte ich.

Es sah erstmal nicht danach aus.

Gut so.

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