Wie ich in Zukunft Pfarrerin sein will

Zurzeit ist noch unklar, ob der Landeskirchenrat der Wiederbeilegung meiner Ordinationsrechte überhaupt zustimmt. Ich hoffe es. Wenn es so kommt – wie will ich dann überhaupt wieder Pfarrerin sein?

Ich habe gelernt. Das Lehrgeld war teuer. Aber ich bin mir jetzt darüber klar, was ich will und was ich auf gar keinen Fall noch einmal will.

Auf gar keinen Fall will ich wieder Solo-Pfarrerin in einer Gemeinde sein. Diese Rolle lag mir nicht, liegt mir nicht, und wird mir niemals liegen.

Um segensreich wirken zu können, brauche ich Freiräume. Das heißt: Entweder bleibe ich überhaupt „nur“ Pfarrerin im Ehrenamt. Oder mit maximal einer halben Pfarrstelle. Ich will mich, auch aus gesundheitlichen und familiären Gründen, nicht mehr aufreiben (lassen).

Positiv gesprochen will ich meine Gaben einbringen. Was ich kann ist, mit Menschen über die Relevanz von Glaubensfragen ins Gespräch zu kommen. Ihre Sehnsucht nach Gott zwischen den Zeilen heraushören. Ihnen helfen, ihren Kern zu finden.

Was ich kann, ist „Raum öffnend“ predigen, wie es mal in einer meiner Beurteilungen stand. So predigen, dass Menschen innere Weite spüren und Lust bekommen, sich mit Gott auf den Weg zu machen.

Was ich kann ist, Kasualien (Feiern an Wendepunkten des Lebens) so gestalten, dass die Menschen danach nicht nur gesegnet sind (jeder Segen wirkt, auch ein hingeschluderter), sondern sich auch so fühlen.

Was ich kann, sind Traueransprachen und Trauerfeiern, bei denen die Angehörigen sagen: „Als ob sie in gekannt hätte!“, auch wenn ich ihn oder sie nur aus einem Gespräch kannte. Das hat mit dem zwischen den Zeilen Hören zu tun. Und mit dem Heiligen Geist.

Was ich kann, ist Fragen aushalten.

Was ich kann, ist Beten. Als Priorität und nicht als Nebensache, gern, lang und mit Überzeugung, und nicht innerlich unruhig auf dem Stuhl hin und her wetzend, weil man ja noch so viele Termine hat.

Es gibt vieles, was ich kann. Das möchte ich gern einbringen. Als ordinierte Pfarrerin.

Und es gibt vieles, was ich nicht kann. Das will ich auch nicht tun.

Und was ich auf GARKEINEN Fall mehr tun werde: Mich emotional abhängig machen von einer Institution, die eben ist, wie sie ist. Ich möchte im System wirken, wissend, dass ich vieles nicht ändern kann, aber so, dass ich anderen zum Segen und selber nicht krank werde. Glaubend und hoffend, dass Gott selbst seine Kirche baut und dass er der Herr dieser Kirche ist.

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