Blog wieder da

Und da ist er wieder, mein alter Blog, den ich nun einige Monate lang auf „privat“ geschaltet hatte. Ich habe mich, obwohl er an einigen Stellen recht persönlich von meinem Leben, meiner Familie und meiner Krebserkrankung berichtet, nun doch entschlossen, ihn wieder frei zu schalten.

Das Wichtigste in Kürze: Ich nehme nicht mehr nur zeitweise, sondern überhaupt keine Aufträge mehr als freie Theologin an! Weil mir vor gut einem halben Jahr in intensiven inneren Klärungen klar geworden ist, dass ich wieder Pfarrerin sein will und weil das dann nun einmal nicht geht.

Bevor jetzt einige zetern (inkonsequent! zurück zu den Fleischtöpfen Ägyptens!) sei klargestellt, dass mich diese Entscheidung einiges gekostet hat. Aufträge, schlaflose Nächte und inneres Ringen. Aber danach war für mich klar: Pfarrerin sein war etwas, was mich viele Jahre lang geprägt hat und das ich nicht so einfach abstreifen kann. Es geht um die Identität. Nun sind Schritte erforderlich. Gespräche vor allem. Klar ist noch nicht, ob es wieder geht oder nicht, aber ich bemühe mich darum. Allerdings will ich wenn es denn klappt erst mal Pfarrerin im Ehrenamt sein, und eine volle Stelle werde ich kräftemäßig vermutlich nicht mehr schaffen. Aber ab und zu Gottesdienste, Kasualien usw. wäre ganz schön. Es geht nicht ums Geld, sondern um die Sache.

Dazu gehört natürlich auch, dass ich inzwischen wieder evangelisch bin.

Gesundheitlich geht es mir einigermaßen gut. Wenn auch jede Nachsorgeuntersuchung mit Zittern und Zagen verbunden ist.

Korbinian, unser Sohn, wächst und gedeiht. 18 Monate ist er nun alt und wieselt durch die Welt, wobei er ab und zu Trotzanfälle vom Feinsten hat.

Und ich habe vor ein paar Wochen geheiratet. Soweit für heute.

PS ich hoffe, ich komme hier ab und zu zum Schreiben…ein quirliges Kleinkind fördert nicht eben die Konzentration.

„Elternschule“ – sinnvolles Therapieangebot oder Anleitung zur Kindesmisshandlung?

Letzten Mittwoch lief im ARD der Dokumentarfilm „Elternschule“. Gezeigt wurde, ohne jegliche Kommentare, wie in einer Klinik in Gelsenkirchen Kinder und Kleinkinder, ja sogar Babys, deren Verhalten ihren Eltern Mühe macht, gegen alles mögliche therapiert werden. Im Vordergrund standen Schlafstörungen, so genannte Regulationsstörungen, chronischer Stress und Schwierigkeiten beim Essen.

Der Film wird im Netz sehr kontrovers diskutiert, hier mein bescheidener Beitrag.

Welche therapeutischen „Methoden“ werden gezeigt?

Die Behandlung umfasst, jedenfalls sieht man das in der Dokumentation, folgende Therapiebausteine: Schlaftraining, Essenstraining und das so genannte Trennungstraining.

Schon ganz kleine Kinder durchlaufen all diese „Module“. Zum „therapeutischen“ Programm gehören auch die körperlichen Untersuchungen, die jeden Tag stattfinden, und zwar, so wörtlich der behandelnde Arzt, bewusst in einem Setting, das bei den Kindern den Stress erhöht. Offenbar sollen sie damit sozusagen gegen Stress geimpft werden.

Ziel der Therapie scheint vor allem zu sein, die Hierarchie in der Familie wiederherzustellen. Die Eltern sind die Autoritätspersonen, das Kind hat sich, im eigenen Interesse zu fügen.

Meine Gedanken zu den gezeigten Sequenzen.

  1. Schlaftraining

Es gibt Kinder, die zeigen nicht das von ihren Eltern gewünschte Schlafverhalten: Sie haben Schwierigkeiten mit dem Ein- und Durchschlafen, wollen nur mit den Eltern im Bett schlafen, melden nachts mehrfach ihre Bedürfnisse durch Schreien an und zermürben so nach und nach die Nerven von Vater und Mutter. Was tun?

In „Elternschule“ wird folgende „Lösung“ gezeigt: Die Kinder sollen die Nacht allein in einem Gitterbett in einem dunklen Raum verbringen. Die Mutter verabschiedet sich kurz von ihrem Kind und betritt den Raum erst wieder am folgenden Morgen. Nachts kümmern sich lediglich die Nachtschwestern der Klinik um die Kinder. Und oh Wunder: Nach nur 14 Tagen schläft einer der kleinen Patienten dann durch (zuhause hat er jede Nacht geschrien).

Meine Ansicht dazu: Ja, es gibt Kinder, die die Nerven nachts auf eine harte Probe stellen, und um ehrlich zu sein: Auch ich habe so ein Exemplar. Unser Kind war, zumindest die ersten sechs Monate, wohl das, was man ein Schreikind nennt. Wir krochen auf dem Zahnfleisch. Ich verstehe vollkommen, dass man in so einer Situation eine Lösung sucht.

Was aber hier gezeigt wird ist nur vordergründig eine Lösung. Ein Kind, das nachts aus für ihn oder sie unerfindlichen Gründen von seiner Mutter/Eltern getrennt wird, vielleicht erstmals in seinem Leben, steht Todesängste aus. Die Eltern sind sein rettender Anker in einer chaotischen Welt. Das Argument, dass die Nachtschwestern ja da sind, ist absolut nicht einleuchtend. Babys und Kleinkinder lassen sich nämlich von Fremden nicht „trösten“ (was hier ja auch gar nicht intendiert ist). Fakt ist: Das Kind wird sich stundenlang die Seele aus dem Leib schreien vor Panik und irgendwann tun, was auch Tiere in Todesangst tun. Es verfällt in eine Schockstarre. Es schläft ein, aber die Angst bleibt. Ja, es mag nach einigen Tagen sogar „durchschlafen“, aber um den Preis, dass in ihm etwas zerbricht.

Was sind die Alternativen zu so einer Tortur? Auch wenn es hart ist, Eltern müssen schlicht und einfach damit leben, wenn ein Kind nachts schreit. Sie können ihm eine liebevolle Einschlafbegleitung mit Ritualen bieten und ihm zeigen, dass sie da sind, wenn ihr Kind sie braucht. Ja, das ist anstrengend und zermürbend. Die Aufgabe ist dann eben, auf anderem Weg für Entlastung zu sorgen. Zum Beispiel, in dieser Phase den Haushalt Haushalt sein zu lassen und sich mittags, wenn das Kind schläft, auch hinzulegen. Zum Beispiel sich nachts abzuwechseln. Oder der Partner der nachts zuständig ist, wird tags entlastet.

Und das wissen: Diese Phase geht vorbei. Die „Lösung“, dass Kind alleinzulassen, ist keine. Denn die dadurch ausgelösten Ängste werden sich an anderer Stelle Bahn brechen.

2. Trennungstraining

Ohne weitere Begründung behauptet der behandelnde Arzt, dass Kinder durch Trennung von ihren Müttern eine „Entwicklung“ durchlaufen. Mehrmals am Tag sollen die Mütter ihre Kinder für mindestens 30 Minuten in der „Mäuseburg“, einer Art Kindergartenraum, abgeben und sich entfernen.

Was folgt, sind herzzerreißende Bilder von verzweifelt und panisch weinenden und schreienden Babys und Kleinkindern, einem wird sogar der Schnuller aus dem Mund genommen („den brauchen wir hier nicht“). Das Personal sitzt einfach herum. Die Kinder sind ihrer Panik und ihrem Trennungsschmerz ausgeliefert. Dass manche sich erstaunlicherweise dann doch beruhigen, liegt wohl einfach an dem oben bereits beschriebenen Mechanismus – sie verstummen, sie schalten auf Notprogramm, erstarren.

Die Eltern sollen sich durch ihr Geschrei nicht „manipulieren“ lassen.

Meine Gedanken dazu:

Erstens wird, wie gesagt, nicht deutlich, was das eigentlich soll, worin der therapeutische Nutzen dieser Maßnahme liegt. Zweitens wird unterstellt, das Verhalten der Kinder sie irgendwie unnormal oder krankhaft. Das ist es nicht. Wir sehen völlig normales Verhalten kleiner Kinder bei willkürlicher Trennung von ihren engsten Bezugspersonen in einer für sie chaotischen Situation. Drittens erfüllt ein solches Vorgehen für mich alle Kriterien einer emotionalen Misshandlung. Der therapeutische Nutzen ist Null. Die Kinder bekommen Angst und werden auf diese Weise gefügig gemacht, mehr sehe ich hier nicht.

3. Essenstraining

Hier ist zu sehen, wie eine Krankenschwester Kinder mit der Flasche oder mit dem Löffel füttert. Ein Kind verweigert die Nahrungsaufnahme. Die Schwester nimmt es in eine Art Schwitzekasten und zwingt es zum Essen. Hinterher kommentiert sie: „Er hat fünf Löffel gegessen, dann habe ich ihm im Kampf noch mal 5 Löffel gegeben, dann war aber Schluss, ich musste dann 45 Minuten mit ihm sitzen, bis er sich beruhigte“. Das Sitzen gestaltet sich folgendermaßen: Schwester sitzt mit Kind am Boden, fixiert seine Beine, indem sie sie zwischen ihre eigenen klemmt, drückt ihn an sich. Das Kind hat keine Wahl, kann dieser Umklammerung nicht entkommen und gibt irgendwann auf.

Meine Gedanken dazu: Das ist schlicht Gewalt. Sowohl das Füttern gegen den Willen, als auch die Fixierung durch Festhalten. Auch hier gilt: Die meisten Kinder werden sich dem notgedrungen fügen. Eine positive Verbindung zum Essen bekommen sie so ganz sicher nicht. Das Fixieren zur Festhalten erinnert an die so genannte Festhaltetherapie, ein dubioses Verfahren, bei dem Kinder auch gegen ihren Willen so lange körperlich festgehalten werden, bis wie ihren Widerstand gegen das Festhalten aufgeben und nicht mehr kämpfen. Soweit bekannt, kann dieses Verfahren eine Traumatisierung hervorbringen, die im weiteren Leben zu einer generellen Abneigung gegen engen Körperkontakt führt.

Andere Kinder (die schon selbst essen können) setzt man einfach für eine festgelegte Zeit vor einen Teller. Wer nicht isst, der bekommt bis zur nächsten Mahlzeit nichts. Wer dann wieder nicht isst…und so weiter.

Die Mütter sind bei beiden Formen nicht anwesend, sollen auch nicht nachfragen, wie es gelaufen ist, und dürfen mit ihren Kindern nicht übers essen reden oder ihnen zwischendurch etwas geben.

4. Körperliche Untersuchungen

Diese erfolgen entweder ohne Beisein der Mutter, oder wenn sie anwesend ist, ohne dass sie in irgendeiner Form ihr Kind beruhigen darf, im Gegenteil, wenn das Kind schreit, soll die Mutter auf einem Hocker ein Stück vom Kind weg rollen. Immer weiter, je mehr es schreit. Der Arzt untersucht ein Kind, es wehrt sich und schreit. Dabei wird es von einer zweiten Person auf der Liege festgehalten. Arzt: „Das Verhalten des Kindes ist ganz typisch für eine Regulationsstörung.“

Nein, ist es nicht. Das ist ganz typisches Verhalten eines Kleinkindes, das von einer fremden Person untersucht wird. Normales Verhalten wird hier pathologisiert.

Ein Kind mit Essstörung soll eine Sonde gelegt bekommen. Danach Bericht: „Wir mussten ihn zu zweit sondieren, allein war das nicht machbar.“

Eine Magensonde wird gelegt, indem man einen Schlauch durch die Nase bin in den Magen schiebt. Das ist auch für Erwachsene so unangenehm, dass man in der Regel sediert wird und die Prozedur nur am Rande mitbekommt. Dass hier zwei Personen nötig sind, um ein Kleinkind zu sondieren, legt nahe, dass das Kind hier nicht sediert wurde, sondern sich aus Leibeskräfte wehrte.


Zwischen diesen schwer verkraftbaren Szenen wird immer wieder gezeigt, wie der Arzt den Eltern in einem Seminarraum Unterricht zum Verhalten der Kinder gibt.

Hier wird es jetzt richtig abstrus.

„Das Kind ist auf der Welt der größte Egoist, es interessiert sich nicht, wie es den Eltern geht“.

Nein. Ein Egoist kann nur sein, wer auch die Option hätte, altruistisch zu handeln oder zumindest die Empathie aufbringen kann, sich in andere hinein zu versetzen und ihnen den Vorrang zu lassen. Ein Kleinkind ist kein Egoist, es will schlicht überleben und sorgt dafür, dass seine Eltern sich um es kümmern.

„Babys schreien strategisch.“

Diese Aussage erinnert frappierend an Äußerungen von Johanna Haarer in ihrem Buch „Die Deutsche Mutter und ihr erstes Kind“, schlichtweg der Erziehungsratgeber während der Nazizeit. Kinder sind darin Tyrannen, deren Willen es zu brechen gilt, wenn sie schreien, dann nur aus Berechnung. (Übrigens finden sich hier Parallelen auch beim Thema Essenstraining und Schlaftraining.) Und wieder: Nein, Baby schreien nicht strategisch, können es gar nicht, da sie sich frühestens ab dem 3. Lebensjahr in die Gefühlswelt ihrer Eltern versetzen und ermessen können, was ihr Schreien auslöst.

In diesem Stil geht es weiter.

Fazit:

Was ich in dieser Dokumentation sah, waren zutiefst verunsicherte Kleinkinder, deren Mütter und ihr Bemühen, alles richtig zu machen, Klinikpersonal, das auf Kinder und ihre Bedürfnisse herrisch und ohne Empathie reagiert und am Ende, wenn denn die Behandlung „Erfolg“ hatte, aus Angst folgsame Kinder.

NIEMALS würde ich bei Problemen mit meinem Sohn diese Klinik aufsuchen. Meiner Ansicht nach gehört diese Abteilung geschlossen und mit völlig neuem Personal und neuem Ansatz wieder eröffnet.

 

2018 -Die Nächte sind lang, aber die Jahre sind kurz

„Die Nächte sind lang, aber die Jahre sind kurz“, hieß es neulich lakonisch in einem kleinen Filmchen, dass mir in die Facebook-Timeline gespült wurde. Es geht um die Grunderfahrung aller Mütter, bzw. aller Eltern: Es gibt mit kleinen und auch größeren Kindern Nächte, die kein Ende nehmen wollen: Schreien, Füttern, Windeln wechseln, herumtragen, später die Sorgen und Nöte von größeren Kindern hin und her wälzen, und irgendwann ziehen sie dann aus. Die Nächte waren lang, aber die Jahre vergingen im Flug.

Mit diesem Grundgefühl blicke ich auch auf 2018 zurück. Am 1. März kam unser Sohn Korbinian Johannes auf die Welt, per Kaiserschnitt, für mich war es nicht nur ein Kaiserschnitt, sondern zugleich eine Operation, bei der beide Eierstöcke, Gebärmutter, großes Bauchnetz und etliche Lymphknoten entfernt wurden – meine Totaloperation wegen Eierstockkrebs.

Und diese beiden Themen, mein Kind und der Kampf gegen die Krankheit, bzw. die Folgen von OP und Chemotherapie, bestimmten im Wesentlichen auch mein restliches Jahr.

Am 1. März wachte ich irgendwann auf der Intensivstation auf und wenige Stunden später kam mein Partner mit einem Bündel auf dem Arm herein. Aus dem Bündel lugte das winzige Gesichtchen meines schlafenden Babys hervor und ich konnte erstmal gar nichts sagen oder denken als: „Aha.“ Denn ich war einfach völlig fertig.

Verstehen, Freude, Liebe – das alles hat sich erst nach und nach eingestellt. Und so richtig erst, als Korbinian mich mit ungefähr drei Monaten erstmals angelächelt hat.

Ich fand es in diesem Jahr unglaublich, wie sehr das Leben auf das Wesentlichste reduziert werden kann, sobald man selber krank ist und ein kleines Kind hat. Wie dann wieder die Dinge in den Mittelpunkt rücken, die man doch vor lauter „Kultur“ schon längst aus dem Blick verloren hatte. Essen, Trinken, aufs Klo gehen können, Schlafen, Körperkontakt. Das waren für mich existentielle neue Erfahrungen. In meine Rolle als Mutter hinein finden, obwohl ich im Grunde selber kaum funktioniere. Es geht und ging mir oft an die Substanz. Eine Krebsdiagnose ist an sich schon ein Hammer. Schwangerschaft und Geburt auch. Und beides gleichzeitig haut einem irgendwie den Vogel raus – aber es geht und ich bin sehr froh, dass Korbinian da ist und dass er gesund ist.

Unser Kind entwickelt sich gefühlt rasant – andere würden sagen normal. Aber, wie oben zu lesen: Die Nächte waren und sind lang, ansonsten rast die Zeit und schon ist es kein Neugeborenes mehr, sondern mit nunmehr 10 Monaten ein kleiner Weltentdecker, der sich an Möbeln hoch zieht und mein CD-Fach verwüstet.

Am 2. September konnten wir Korbinians Taufe im Kreise vieler Freunde und Bekannter feiern, und es tat gut, da noch einmal zu sehen, wie viele mit gehofft und gebangt hatten, dass alles gut geht. Es war ein wunderschöner ökumenischer Gottesdienst und von unserer Seite auch ein Ausdruck großer Dankbarkeit, dass alles gut gelaufen ist.

Was den Krebs betrifft, muss ich alle 3 Monate zur Nachsorge und bekomme alle 3 Wochen per Infusion einen Antikörper, der hoffentlich verhindert, dass er neu ausbricht und ich hoffe und bete, dass die Sache damit erledigt ist.

Erledigt bin ich leider auch oft. Froh dass ich lebe, aber einfach ziemlich platt.

Und sonst so? Eigentlich war sonst nichts. Aber, um ehrlich zu sein, das genügte auch völlig.

Das alles klingt nun eher nachdenklich. Zum Glück können wir aber auch viel lachen. Zum Beispiel, wenn Korbinian in Windeseile durchs Wohnzimmer krabbelt und dabei immer „Brrrmmmmbrrrrrmmmmmbrrrrmmmm“ macht, wie ein kleines Auto. Keiner hat es ihm vorgemacht, irgendwann fing er einfach damit an.

Über saukomische Situationen. Einladung bei Freunden. Unser Kind mustert den gedeckten Tisch und macht dann erstaunt „Oh!“ Keine Ahnung, was er da entdeckt hat. Offenbar irgendwas, was er noch nicht kannte.

Der Windeleimer ist bei uns jetzt nur noch der Castor-Behälter. Und das Wickeln nennen wir die „Elternüberraschung“. Unser Kind ist sehr geschäftstüchtig. Es macht ein Geschäft nach dem anderen. Und wenn er sich nicht beruhigen lässt dann tanzen wir abwechselnd mit ihm auf dem Arm und erfinden dabei romantisch-sinnliche Lieder, die uns spontan einfallen. „Wir tanzen einen Walzer….eng umschlungen bei Kerzenschein….ich in einem rosa Ballkleid…..und du in einem kleinen Frack…..“ Das kam mir vorgestern total spontan und seitdem werde ich das Bild nicht mehr los.

Die Nächte sind sehr lang – und die Jahre kurz. Dieses ist jetzt schon wieder vorbei. Und in zwei Monaten feiern wir Korbis ersten Geburtstag.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und ein gesegnetes Jahr 2019. Mit Besinnung aufs Wesentliche und zugleich Leichtigkeit und Lachen.

Nachts

„Ich bin alles und alles ist Ich.“

ICH BIN ALLES

ER ist alles

Alles ist ER.

ER ist ICH.

ICH BIN

das Licht

der Weg

die Wahrheit

das Leben

Nicht mein Ego ist ER. Sondern mein SEIN.

ICH BIN

alles ist

durch IHN

ER in Allem

ICH in Allem

Alles in mir

ER in mir

ICH BIN der Kosmos

 

(9.6.21015, nachts)

Sonntagsarbeit. Eine evangelische Pfarrerin packt aus

Liebe Leserinnen und Leser,

vor etwa drei Jahren habe ich ein Buch veröffentlicht, Titel: Sonntagsarbeit. Eine evangelische Pfarrerin packt aus.

Die Veröffentlichung lief über den so genannten Windsor Verlag, im Grunde eher ein Druckdienstleister, als ein Verlag. Sie kostete mich einiges an Geld, dafür sah das Buch ganz gut aus und war auch im Handel und über die gängigen Plattformen erhältlich.

Nun ist es aber so, dass dieser Verlag vor einigen Monaten plötzlich sang- und klanglos „verschwunden“ ist. Mehr zu den seltsamen Vorfällen findet ihr HIER. 

Das alles ist sehr mysteriös. Ich weiß nicht, ob mein Buch überhaupt noch erhältlich ist, und wenn ja, wer dann zurzeit daran verdient – ich jedenfalls nicht.

Daher stelle ich nun das komplette Buch gratis als PDF hier ein. Wenn ich schon über den „Verlag“ nichts dran verdiene, soll es wenigstens frei zugänglich sein für alle, die es lesen wollen.

Ich wünsche viel Vergnügen.

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Warum das #Kreuz kein Zeichen bayerischer Identität ist

Auf Twitter trendet zurzeit #Kreuz und #Kruzifix. Warum dies so ist? Wegen der jüngsten Tweets unseres neuen bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, seines Zeichens bekennender evangelischer Christ (jedenfalls gehe ich davon aus, dass man das ist, wenn man sich als Synodaler für die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern betätigt hat).

Markus Söder fordert, bzw. das Kabinett hat beschlossen, dass in Ämtergebäuden und Behörden in Bayern künftig das Kruzifix, bzw. ein Kreuz zu hängen habe. (Anmerkung: Ein Kruzifix ist ein Kreuz mit Corpus, also die figürliche Darstellung des gekreuzigten Christus, ein Kreuz ohne Corpus, das sog. leere Kreuz hingegen ist ein Symbol der Auferstehung Christi).

Herr Seehofer pflichtet diesem Unterfangen mit einer höchst merkwürdigen Begründung bei:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-in-jeder-behoerde-muss-kuenftig-ein-kreuz-haengen-a-1204523.html

Die Theologin in mir weiß nicht, ob sie jetzt lachen, weinen, schreien oder kotzen soll.

Und zwar, weil die Herren (und Damen) der CSU, die dies beschlossen haben, offenbar vom Wesen des christlichen Glaubens, den sie sich auf ihre Fahnen schreiben, herzlich wenig begriffen haben.

1. Das Kreuz/Kruzifix ist KEIN Zeichen bayerischer Identität

Zunächst einmal: Das Kreuz ist KEIN „Zeichen bayerischer Identität“. Das Kreuz ist das, bzw. ein zentrales Symbol des Christentums. Das Christentum ist eine weltumspannende Religion. Zu ihm gehören mehrere Milliarden Menschen unterschiedlichster Konfessionen und Traditionen, unterschiedlichster kultureller Herkunft, manche von ihnen suchen aus religiösen Gründen bei uns Asyl und müssen sich bei ihren Verfahrensprüfungen dafür rechtfertigen, dass ihnen die Rolle des Tischgebetes in der christlichen Frömmigkeit hierzulande fremd ist und werden wieder ausgewiesen, mit der Begründung, sie hätten sich nur aus Kalkül taufen lassen. Übrigens forciert durch Vorstöße eben dieser CSU, die sich den christlichen Glauben auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Das Kreuz ist kein Zeichen bayerischer Identität, sondern allenfalls ein Symbol internationaler und interkonfessioneller Solidarität der Christen und Christinnen in dieser weltumspannenden Gemeinschaft, die sich Kirche nennt. Das begreift nicht, wer Kirche hauptsächlich als heimattreuen Trachtenverein mit religiösem Anstrich versteht.

2. Es kann kein staatlich verordnetes Bekenntnis zum christlichen Glauben in staatlichen Ämtern und Behörden geben, weil Glaube eine höchst persönliche Angelegenheit ist.

Ich trage meistens ein Kreuz um den Hals. Es erinnert mich an Jesus Christus, ist eine Art persönliches Bekenntnis, manchmal muss ich mich auch selber daran erinnern lassen, was das bedeutet. Manchmal ist es ein Aufhänger für Gespräche, ein Erkennungszeichen für andere Christen, dass ich auch zu ihrem „Verein“ gehöre, und ich werde mein Recht ein Kreuz auch z.B. bei der Arbeit zu tragen auch verteidigen, bzw. nirgends arbeiten, wo man mir das Tragen eines schlichten Silberkettchens mit Kreuzanhänger verbietet.

Sich zum Glauben bekennen können aber nur Menschen, die diesen Glauben teilen, bzw. Glaubensgemeinschaften wie Kirchen, Freikirchen, etc.

Was ein Kreuz in staatlichen Behörden verloren hat, weiß ich nicht. Was soll es denn da? Ist es wie Horst Seehofer meint ein Symbol unserer gesellschaftlichen Werte, wie sie in Verfassung und Grundgesetz festgehalten sind?

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-in-jeder-behoerde-muss-kuenftig-ein-kreuz-haengen-a-1204523.html

Dann sollte man lieber zentrale Sätze daraus an die Wände schreiben oder Exemplare derselben den Besuchern in die Hand drücken oder auslegen. Das Kreuz ist kein staatliches Hoheitszeichen. Wer als Christ in Ämtern oder Behörden arbeitet, der sollte versuchen, den Geist Christi in seine Arbeit einfließen zu lassen, z.B. seine Liebe zu Ausgegrenzten, Armen, Schutz Suchenden und sonst wie in unserer Gesellschaft benachteiligten Menschen.

3. Das Kreuz ist das Symbol des gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus

Nun wird es theologisch etwas sperrig. Was nämlich theologisch gesehen das Kreuz bedeutet, wird längst nicht jeder teilen, der sich vollmundig zu Kreuzen in Ämtern, Behörden und öffentlichen Gebäuden „bekennt“.

Das Kreuz ist das Symbol des gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus.

Für Christen war Jesus nicht irgendein besonders guter Mensch, sondern in ihm verkörpert sich die Liebe Gottes zu den Menschen. In ihm nimmt die Zuwendung Gottes zu den Menschen Fleisch und Blut an. In ihm zeigt sich, dass Gott die Menschen und die von ihm erschaffene Welt so bedingungslos liebt, dass er sich selbst in sie hinein gibt und als einfacher Mensch unter einfachen Menschen lebt, liebt und letztlich aus Treue zu seiner Berufung auch stirbt. Aber er bleibt nicht im Tod, sondern er wird von Gott auferweckt, womit letztlich gesagt sein soll: Der Tod ist nicht das Ende und am Ende triumphieren auch nicht die Henker, Schlächter und Folterer, sondern die Liebe.

Das Kreuz ist das Symbol des mit den leidenden und erniedrigten Menschen solidarischen Gottes. Damit kann es niemals das machtpolitische Symbols eines Staates, einer Partei oder der Dominanz einer Weltanschauung über andere sein. Schon gar nicht das Wahlkampfsymbol einer Partei, die sich das C auf die Fahnen schreibt, aber das zum Vorwand nimmt, andere Religionen (und ihre Anhänger) als „nicht zu Deutschland gehörig“ auszugrenzen.

Wirklich christlich sind die Initiativen zahlreicher Einzelner, die an der Basis das Gespräch mit Andersgläubigen suchen und versuchen, zu integrieren, wo immer das möglich ist. Denn so war es in den ersten christlichen Gemeinden. „Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave, noch Freier, sondern sie alle sind EINS in Christus Jesus.“

Womit wir wieder beim ersten Punkt wären: Das Christentum war von Anfang an international und multikulturell. Die Klammer, die alles verband, war die Person Jesu Christi, der ganz bewusst gesellschaftliche Grenzen überschritten hat und dafür auch angefeindet wurde.

Liebe CSUler, lest bitte die Bibel, vor allem das Neue Testament. Und dann fragt Gott, was das für eure Politik bedeuten könnte.

 

 

 

22 Tage….

…ist er nun auf der Welt, unser kleiner Korbinian. Nach 12 Tagen Krankenhaus seit 10 Tagen zuhause. Die Tage haben einen anderen Rhythmus bekommen. Alles geht etwas (oder auch sehr viel) langsamer. Ich frage mich wirklich, wie Mütter mit so kleinen Kindern es hinkriegen, nebenher zu arbeiten – ich könnte es jedenfalls nicht (aber er ist ja auch erst drei Wochen alt und ich noch mitten im Mutterschutz, vielleicht wäre es in 4 Wochen anders).

Irgendwie verschwimmt die Zeit: Baby wickeln, füttern und umziehen folgt einem ganz eigenen Rhythmus. Wäre es draußen nicht abwechselnd hell und dunkel, wüsste ich inzwischen wohl selber nicht mehr, ob gerade Tag oder Nacht ist.

Der Schlaf erfolgt momentan scheibchenweise. Wenn ich müde bin und das Kind schläft, schlafe ich auch (und manchmal legt der Papa sich dazu). Das Konzept ist ein bisschen anders als die bewährten 8 Stunden am Stück, aber irgendwie geht es.

Was mich selber wundert ist, wie wenig mich das Geschrei meines Kindes nervt. Früher nervte es mich sehr, wenn in Cafe, Bahn oder anderswo fremde Kinder herumplärrten. Bei meinem eigenen weckt es bisher nur den Fürsorgeinstinkt, wenn er anfängt zu schreien. Das ist irgendwie beruhigend. Jemand meinte mal: Zum Glück gibt’s da von der Natur entsprechende Hormone und Instinkte, sonst würde man vermutlich das eigene Kind in der Wüste aussetzen…

Was mich sehr freut: Wie viele Menschen an der Geburt unseres Kleinen Anteil nehmen. Glückwünsche, Geschenke, allgemeines Wohlwollen umgeben uns. Das tut irgendwie gut. Gestern schenkte mir eine Buchhändlerin völlig unvermutet drei Bücher für den Kleinen. Eins aus Stoff mit eine Rassel dran, das man ihm schon mit 3 Monaten in die Hand drücken kann. Eins mit Fingerspielen. Und eins zum Vorlesen am 2 Jahren, was ich ihm vermutlich aber schon vorher vorlesen werde, auch wenn er es noch nicht ganz verstehen sollte (Hauptsache Ritual).

Nach allem Schweren überwiegt bei mir nun wirklich die Dankbarkeit, dass es dieses Kind gibt.

Das Wichtigste in Kürze, und was mich zurzeit NERVT!!!!

Länger habe ich jetzt nichts geschrieben, was unter anderem daran lag, dass ich die erste Märzhälfte zum Großteil im Krankenhaus verbracht habe.

Das Wichtigste zuerst: Mein Kind ist da, es ist gesund, isst gut, schläft tags und schreit nachts und übt mit seinen jetzt zweieinhalb Wochen schon mal das Lächeln – alles in allem ein kleines Wunder, ich bin darüber froh und dankbar, und wenn ich krankheitsbedingt manchmal noch nicht die Kraft habe, mich so um den Kleinen zu kümmern, wie ich das gern möchte, bin ich froh, dass der Papa da ist und in den Kleinen ganz vernarrt ist. Nun haben wir also einen neuen Erdenbürger. Er heißt Korbinian und ich hoffe und bete, dass er groß und stark wird und seinen Platz in dieser Welt erobert. Und wenn es in meinem Leben das einzige wäre, was ich je geleistet habe, ihm einen guten Start zu ermöglichen, es wäre genug.

Im Zuge des Kaiserschnitts wurde ich dann auch operiert, da der Eierstockkrebs halt eine gewisse OP erfordert, wenn man ihn denn auf Dauer überleben will. Dabei ging ich meiner Gebärmutter und meines zweiten Eierstockes verlustig, außerdem fehlt mir nun das so genannte große Bauchnetz sowie insgesamt 24 Lymphknoten entlang der Bauchaorta. Die gute Nachricht: Tumorreste wurden nicht entdeckt. Die schlechte Nachricht: Dafür waren zwei der entfernten Lymphknoten auffällig. Nun muss ich leider doch nicht nur noch zwei Zyklen Chemotherapie weitermachen, sondern auch noch eine Antikörpertherapie im Anschluss, und das ärgert mich gewaltig, weil sich dadurch alles hinzieht wie ein Kaugummi und man einfach nicht abschließen kann.

Was mich ferner ziemlich ärgerte, waren gewisse Kommunikationsmuster im Klinikum.

Drei Tage nach der OP erscheint eine Ärztin und gratuliert, dass man keine weiteren Krebszellen gefunden habe. Ich bin total happy und atme tief durch.

Und dann erscheint am letzten Tag der Chefarzt und klärt darüber auf, dass da eben doch noch diese zwei Lymphknoten waren und dass ich mich über ein weiteres Jahr mit Therapien freuen darf (letztere Formulierung ist jetzt von mir).

Die OP-Wunden verheilten und verheilen zum Glück ziemlich gut, auch wenn es im Bauch noch gewaltig zieht. Seit Montag sind wir wieder zuhause. Ich, mein Partner und der kleine Korbinian, den ich mir leider noch nicht sorglos auf den Bauch legen und stundenlang herumtragen kann.

Ach ja und dann ärgern mich noch gewisse Reaktionen von Leuten, die einfach keine Ahnung haben und sensationsgeilen Menschen, die am Telefon hundertmal nachfragen, ob mein Sohn denn wirklich gesund ist und vermutlich lieber hören würden, dass er mit Gelbsucht abgemagert in irgendeinem Brutkasten liegt, weil das bestätigen würden, was sie eh schon immer wussten und weil das außerdem so schön melodramatisch ist und sich so gut hinter vorgehaltener Hand weitererzählen lässt: „Habt ihr schon gehört?? Die aaaarme Christiane, und das aaaaarme Kind, …..“

Zum Glück muss ich sie diesbezüglich enttäuschen, meinem Kind geht es vermutlich zurzeit gesundheitlich besser als mir. Klar wäre es toll, wenn seine Mama fit und gesund wäre. Aber er lebt, er ist „gut beieinander“, er wird geliebt und seine schwere Geburt wird er hoffentlich irgendwann verarbeiten. Was wäre die Alternative gewesen? Entweder Abtreibung. Oder Verzicht auf meine Therapie, und da bei Eierstockkrebs wirklich jeder Tag zählt, wäre das ein Spiel mit dem Feuer gewesen. Also, nicht optimal, aber der bestmögliche Weg.

Wie es nun weitergeht: Zuerst noch ein paar Wochen Erholung und Zusammenfinden in der neuen Familie. Und dann halt weiter. Chemotherapie, Antikörpertherapie. Und dann hoffentlich wirklich Schluss mit diesem ganzen Krebsmist.

Einmal Beutelsteak, bitte!

Von gestern auf heute durfte ich, genau 14 Tage vor Entbindung und Abschluss-OP, eine Nacht im Krankenhaus verbringen. Nachdem wir über Wochen hin beobachtet hatten, dass der so genannte Hb-Blutwert (Eisen, rote Blutkörperchen) dank Schwangerschaft und Chemo in den Keller sackte, beschlossen Ärzte (und ich) nun zu handeln. Ich bekam zwei Blutkonserven zum Aufpäppeln und blieb zur anschließenden Beobachtung gleich für zwei Tage drin im Krankenhaus. Insgesamt fühle ich mich besser. Beim Treppe Hochlaufen von der Garage zur Haustür vorhin musste ich nur einmal kurz Halt machen zum Verschnaufen, statt wie die Wochen vorher drei oder vier Mal. Leider ist der Wert, so rein labortechnisch, aber immer noch nicht berauschend. Ins Krankenhaus kam ich mit einem Wert von 8,2. Heute früh lag er bei 8,8. Normal für Schwangere wäre 11. Ob ich nun noch mal so ein Beutelsteak kriege (so nennen ich es, einmal Beutelsteak, schön blutig bitte!) ist noch nicht ganz klar.

Natürlich wurden „wir“ (mein Kind und ich) auch sonst nach Strich und Faden durchgecheckt in diesen zwei Tagen: Zwei Mal Ultraschall, drei Mal CTG, und ich durfte so viele Blutproben abgeben, dass ich mich insgeheim frage, ob der Mangel nicht vielleicht daher kommt, dass irgendwie jeder Blut von mir will. (Scherz.)

Wichtig waren die menschlichen Begegnungen. Die Zimmernachbarin, die nur kurdisch spricht, bangt um ihr Kind (Schwangerschaft 24. Woche, Blasensprung). Eine Schwester, die mich noch aus meiner Pfarrerinnen-Zeit kennt (ehemaliges Gemeindeglied) kam mehrmals vorbei und war total begeistert, mich zu sehen. Ich sähe, trotz Krankheit, so viel besser aus als noch vor drei Jahren, da habe man gemerkt, dass irgendwas nicht passt – „was doch so ein Kind bewirken kann!!!“ Und alle auf der Station, meinte sie, drücken uns ganz arg die Daumen und sind ganz gespannt.

Eine Ärztin meint beim Ultraschall nebenbei: „Dieses Kind ist ein Held!“, worauf „dieses Kind“, wie aufs Stichwort, einmal kräftig nach dem Schallkopf trat.

So. Wenn ich nun nicht noch einen Anruf aus dem Klinikum kriege („Noch mal Beutelsteak“), dann war es das jetzt mit Untersuchungen vor Entbindung und OP. Am 28. Februar muss ich wieder rein. Am 1. März werde ich hoffentlich Mutter eines munteren Buben und von einigen Organen „befreit“, die man nun mal bei dieser Art Krebs leider in Frieden ziehen lassen muss. (Aber wer fragt schon noch nach einer Gebärmutter, wenn diese, wofür ich dankbar bin, ihre Schuldigkeit getan hat. Viel wichtiger ist das Leben, meins und das meines Kindes.)

Es wäre grob übertrieben, zu behaupten, ich hätte keine Angst. Doch habe ich, mal mehr und mal zum Glück weniger. Aber ich weiß, wie viele Menschen an uns denken und für uns beten, und das gibt doch sehr viel Kraft.

Ein Versuch über „Heimat“ #nichtSeehofersHeimat #Heimatministerium

Seit Neuestem sollen wir nun also ein Heimatministerium bekommen – mit Heimatminister Seehofer. Das Netz feixt. Was tut ein Heimatminister? Lederhosn und Dirndl als neuen Dresscode im Bundestag einführen? Gesetze zum Schutz des Gartenzwerges erlassen? Heimattümelei in der Politik etablieren? Und was ist das überhaupt, „Heimat“?

Schon im CSU-Bayernplan ist mir dieses Wort aufgestoßen (ja, ich habe ihn auszugsweise gelesen und dann beruhigt beiseite gelegt – meine Einstellung zur CSU wurde dadurch in keinster Weise infrage gestellt, ich habe sie nie gewählt und werde sie nie wählen). Das Wort Heimat wird darin so selbstverständlich verwendet, als wäre es sonnenklar, dass alle darunter dasselbe verstehen, nämlich eine ganz bestimmte Art von regional definierter, lokal fixierter und volkstümlicher Vorstellung des Ortes oder der Region, aus der man kommt. Und ja, es gibt Menschen, die so einen Begriff von „Heimat“ haben und auch verteidigen. Häufig sind das Menschen, die ihr ganzes Leben lang nicht aus ihrem Ort oder ihrer Kleinstadt herausgekommen sind, gerne auch über mehrere Generationen dort ansässig waren und einander abends beim Stammtisch die Welt erklären. Schön für sie, wenn das Leben so unkompliziert ist. Für die meisten, die ich kenne, ist dieser Begriff von „Heimat“ aber irgendwie lächerlich. Man kann sich nicht damit identifizieren, wenn man im Leben 15 Mal umgezogen ist, wenn man in einer Großstadt mit liberaler Prägung aufgewachsen ist, wenn man von klein auf mit Menschen unterschiedlichster Herkunft zu tun hatte und wenn die eigenen Eltern eben von irgendwo zugewandert sind und die eigene Familie NICHT bereits seit fünf Generationen am selben Ort wohnt.

Mit anderen Worten, wenn man das Wort Heimat unbedingt verwenden will, dann ist Heimat ein höchst subjektiv gefüllter Begriff. Ich persönlich verwende ihn nie, weil er für mich einfach nicht gefüllt ist. Wollte ich ihn in meine eigene Sprache übersetzen, dann wäre „Heimat“ für mich kein Ort, sondern ein Oberbegriff für Orte, Menschen und soziale Milieus, in denen ich mich verstanden fühle und wo ich mich nicht rechtfertigen muss und im Einklang mit mir selbst und anderen bin. Heimat kann für mich sein:

  • Die Natur der Alpen – oder ein weiter Sandstrand an der Nordsee, aber auch eine sonnige Steilküste in Griechenland, weil wir dort als Familie sehr oft Urlaub gemacht haben.
  • Ein bestimmtes soziales Milieu, leicht intellektuell angehaucht, liberal, sozialdemokratisch, leicht grünlich getönt
  • Das Christentum in mystischer Prägung, ohne konfessionelle Verengung (mit katholischer Kirche im bayerisch-ländlichen Raum oder Kulturprotestantismus hat das relativ wenig zu tun)
  • Menschen, die mich nehmen wie ich bin – und die ich nehme, wie sie sind
  • Musik und gemeinsames Musizieren mit anderen
  • Allgemein fühle ich mich dort beheimatet, wo ich innere und äußere Weite erlebe.

So, und wie will man so etwas nun bitte in einem „Heimatministerium“ verwalten? Wie will man die unterschiedlichen Heimaten so vieler Menschen überhaupt irgendwie politisch „vertreten“? Worum soll es denn bei einem „Ministerium für Heimat“ gehen? Um Traditionsverwaltung, Förderung des Schuhplattlers an der Nordseeküste, Gründung von Seemannschören in der bayerischen Diaspora??? Identifikation des Ruhrpottlers mit der Geschichte des Kohleabbaus? Oder was??? Und wieso bitteschön soll ausgerechnet Herr Seehofer in diesen Dingen kompetent sein?

Aber vielleicht geht es ja auch um Heimatschutz. Dass keiner in meine kleine begrenzte Heimat ungestraft hinein kommen darf. Menschen, die andere Heimaten verloren haben, gleich an unseren Grenzen wieder „heim“ geschickt werden.

Oder geht’s um den Schutz heimischer Natur vor dem Raubbau durch Wirtschafts- und Energiekonzerne? Das wäre zumindest was, ist aber eigentlich schon durch das Ressort „Umwelt“ abgedeckt. Wenn denn da mal was passieren würde.

Eine der beliebtesten Fernsehserien im Bayerischen Fernsehen ist „Dahoam is dahoam“ – im Titelsong wird besungen, was „dahoam“ ist: „Da komm i her, da will i wieder hin“. „Da, wo i jeden auf der Straßn kenn….“

Und irgendwie habe ich den Verdacht, dass auch Herr Seehofer diese Serie gerne guckt…

Ich hingegen will nur sehr bedingt da wieder hin, wo ich herkommen, und da es eine Großstadt war, kenn ich da auch nicht jeden auf der Straße.

Meine Heimat ist nicht regional definiert. Und ich glaube, dass ich da in ziemlich guter Gesellschaft bin.