Mehr Farbe ins Leben

Ausmalbuch2

Seit einiger Zeit liegen ja Ausmalbücher für Erwachsene voll im Trend. Da ich mir durchaus vorstellen konnte, dass das akribische Ausmalen von Malvorlagen den Geist beruhigt und fokussiert (kennen ja viele von uns aus ihrer Kindheit, wenn wir hingebungsvoll Malbücher kolorierten oder von „Malen nach Zahlen“), habe ich mir irgendwann vor einem Jahr auch so ein Ausmalbuch besorgt. Und zwar eins, bei dem motivierende Sprüche und Affirmationen integriert sind.

Ehrlich gesagt, manche dieser Affirmationen haben mich schon herzlich zum Lachen gebracht:

„Ich bin unglaublich begabt.“

„Ich bin mächtig.“

„Ich atme mich voll Leben.“

Mit anderen kann ich durchaus etwas anfangen:

„Ich vertraue jetzt dem Prozess des Lebens.“

„Leben ist ewig.“

„Ich lasse Heilung zu.“

Anmerkung: Wäre toll, wenn es solche Ausmalbücher auch mit biblischen Sprüchen gäbe. So etwas habe ich bisher noch nie gesehen.

Ein paar Tage lang habe ich, nach Erwerb des Büchleins, eifrig darin herum gemalt. Dann lag es länger im Schrank. Jetzt aber habe ich es wieder hervor geholt und mir auch gleich neu einen Block mit Postkarten zum Ausmalen gekauft. Winterliche Motive, als Weihnachtspost geeignet.

Morgen werde ich wieder acht Stunden lang bei der Chemotherapie sitzen (seufz). Ich hoffe, diesmal wird es mir dank des Buchs und der Postkarten und meiner Buntstifte gelingen, etwas Farbe in diese endlos erscheinende Zeit zu bringen. Und wer weiß, vielleicht findet der eine oder die andere von euch ja demnächst eine meiner handkolorierten Postkarten in seinem Briefkasten…

 

 

Geschützt: Dem Krebs ist es egal, ob du an ihm stirbst

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Ein paar kurze Worte zum „Tabu“

Über eine Krebserkrankung, und zwar die eigene, öffentlich zu reden oder zu schreiben, ist nach wie vor ein Tabu. Genauso wie die ehrliche Auseinandersetzung mit Themen wie Tod und Sterben, Sucht, psychischer Krankheit oder dem, was eine körperliche Krankheit mit der Psyche macht. Sehr viele Menschen wissen nicht, wie sie mit Betroffenen umgehen sollen, was sie sagen dürfen und was nicht. Man redet halt einfach nicht drüber und wenn dann ganz verschämt hinter vorgehaltener Hand oder im aller engsten Familienkreis (wobei es da wohl oft am schwierigsten ist).

Ich bin der Ansicht, dass „wir“ (der Einzelne Betroffene, aber auch die anderen und die ganze Gesellschaft) es uns damit nicht leichter machen. Gerade eine Krankheit wie Krebs, an der inzwischen so viele erkranken, sollte viel stärker ins Bewusstsein rücken und zwar nicht nur abstrakt in Form von irgendwelchen Artikeln („die Wissenschaft hat festgestellt…“) und auch nicht in Form von reißerischen Reportagen in Illustrierten („wie Monika M. aus W. den Brustkrebs überwand“ – Hochglanzfoto, Perückenreklame) sondern in Form von authentischen Berichten von Betroffenen. Und irgendjemand muss das Eis halt mal brechen.

Tabus sind in den meisten Fällen nicht gut, weil was man nicht kennt im Untergrund der Psyche unheilvoll wirken kann. Ein Tabu ist der Ausdruck latenter Ängste („hoffentlich trifft es nicht mich oder meine Angehörigen“), trägt aber nicht dazu bei, im Fall der Fälle (wenn das Befürchtete eintritt) irgendwie hilfreich zu agieren.

Insofern werde ich hier zwar keinen Seelenstriptease hinlegen. Ich werde aber authentisch über meine Krankheit und den Umgang damit schreiben, weil ich es als befreiend erlebe.

Wie mir Glaube und Theologie bei der Bewältigung meiner Krebsdiagnose helfen (und wie nicht)

Vor ungefähr drei Wochen erfuhr ich, dass der Tumor, den Ärzte aus meinem Unterleib entfernt haben (bei laufender Schwangerschaft auch noch) bösartig war und ich Eierstockkrebs habe. Obwohl der Tumor draußen ist, kann ich leider nicht schreiben „hatte“ – denn es besteht immer die Möglichkeit, dass so ein Tumor bereits gestreut hat und Tumorzellen irgendwo in meinem Körper unterwegs sind, die man jetzt noch nicht nachweisen kann. Daher nun Chemotherapie.

Die Reaktionen auf meine Diagnose waren zum aller größten Teil ermutigend und solidarisch und ich weiß, dass viele fromme Menschen für mich beten und weniger fromme die Daumen drücken. Das tut mir gut. Danke dafür.

Öfter habe ich nun auch gehört: „Dein Glaube wird dir sicher helfen, das alles zu bewältigen.“ Aber auch, scherzhaft: „Was haste denn gemacht? Haste was ausgefressen und bei Gott verschissen?“

Zurzeit bin ich sehr froh, dass ich einen Glauben habe, dass ich konkret gesagt Christin bin und dass ich Theologie studiert, in Bibelkunde aufgepasst und die wesentlichen Dinge so verinnerlicht habe, dass sie mir nun wirklich helfen – allerdings anders, als manche vielleicht meinen.

Der Krebs, ich und der „Tun-Ergehen-Zusammenhang“

Aus meinem Studium des Alten Testaments nehme ich für meine Situation vor allem folgendes mit: Der Zusammenhang von Tun und Ergehen ist schon seit dem Buch Hiob/Ijob/Job überholt.

Will sagen: Menschen denken gern in monokausalen Zusammenhängen. Wenn du x tust, passiert dir y. Oder theologisch: Wenn du sündigst, wirst du krank. Oder: Wenn du krank bist, musst du gesündigt haben. Oder, modern: Wenn du Krebs hast, musst du irgendwas getan, gedacht, gegessen, geraucht…. haben, was diese Krankheit in dir auslöst. Die Theologen nennen das den „Tun-Ergehen-Zusammenhang“.

Auch die Bibel kennt solche Überlieferungen. Menschen sündigen – Gott schickt eine Strafe.

Allerdings gibt es auch schon innerhalb der Bibel genau an diesem Erklärungsmodell Kritik: Auch guten Menschen widerfährt Böses. Auch Menschen, die ihr Bestes geben, werden krank. Hiob klagt zu Recht, dass er doch nichts Falsches getan hat, trotzdem treffen ihn Krankheit und Unglück. Wir wissen nicht, warum die Dinge so geschehen wie sie geschehen. Vieles können wir eben nicht beeinflussen und wir durchschauen auch nicht, warum Gott etwas tut oder lässt. Krebs bekommt man nicht zur Strafe, weil man etwas Böses getan hat und auch der Zusammenhang mit Psyche, Ernährung… ist zumindest sehr umstritten. Krebs bekommt man nicht aus diesem oder jenem Grund (zumindest nicht ausschließlich). Sondern schlicht und einfach, weil die Zellen unseres Körpers sich ständig und permanent teilen – und manchmal geht bei diesem milliardenfachen Reproduktionsprozess etwas schief und Zellen entarten. Um ehrlich zu sein, wundert es mich mehr, dass das nicht viel öfter passiert, als es mich wundert, warum es „ausgerechnet mich“ getroffen hat.

 

Krebs und Rechtfertigungslehre – bedingungslos geliebt trotz Narben und Haarausfall

Vor wenigen Tagen begingen wir mit viel Brimborium den 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag und der Reformation. Die reformatorische Erkenntnis schlechthin war, dass ein Mensch „ohne Werke allein aus dem Glauben“ vor Gott gerechtfertigt sei. Auf deutsch: Um von Gott geliebt zu sein, muss man weder etwas leisten, noch etwas können, schön und gesund sein oder sonst wie perfekt. Gott hat Ja zu mir gesagt, sonst wäre ich nicht hier. Das gilt in guten und bösen Zeiten, in Gesundheit und Krankheit, mit vollem Kopfhaar und mit Haarausfall durch Chemotherapie, es gilt mit unversehrter Haut und mit 30 cm Narbe am Bauch, es gilt sogar unabhängig davon, ob ich gerade glauben kann oder nicht. Alles ist Geschenk und ich kann darauf vertrauen, dass ich getragen bin.

Nicht warum, sondern wozu

Warum ich krank geworden bin, interessiert mich ehrlich gesagt nicht. Okay, ich versuche nun, mich gesünder zu ernähren und ein paar Stellschrauben meiner Lebensführung anders zu justieren. Schaden kann es nicht. Aber die Frage nach dem „Warum“ steht dabei nicht im Vordergrund, denn es gibt hunderttausende Menschen, die genauso gesund oder ungesund gelebt haben und trotzdem nicht Krebs bekommen.

Von Jesus wird überliefert, wie er und seine Jünger einem blind geborenen Menschen begegnen. Die Jünger fragen sinngemäß: „Meister, wer hat gesündigt, dass dieser blind geboren ist? er selber oder seine Eltern? Ist er aufgrund eigener Schuld so gestraft? Oder ist er eine Strafe für andere?“ Jesus antwortet darauf: „Weder hat er selbst gesündigt, noch seine Eltern, sondern an ihm sollen die Werke Gottes offenbar werden.“

Mit anderen Worten: Die Frage nach dem Warum, den Ursachen, der Schuld,… bringt nicht weiter. Sondern die Frage: Wie kann diese Blindheit, Krankheit… verwandelt werden in etwas, das letztlich dem Leben dient? Beim Blindgeborenen folgt auf diesen Dialog dessen Heilung, die zugleich eine Lebenswende bei dem ehemals Blinden einleitet. Nicht immer werden Krankheiten geheilt. Aber dem Leben dienen können sie trotzdem. Zu bewussterem Leben führen. Bewusst machen, wie geliebt man in dem allen trotzdem ist. Eine Krankheit kann das Beste in einem Menschen, aber auch in den Menschen seines Umfeldes wecken. Auf einmal wachsen Solidarität, Mitgefühl, Nachdenken über das Leben. Die Frage, was einem wirklich wichtig ist, wenn die Gesundheit nicht mehr selbstverständlich verfügbar ist. Auch ein Hinterfragen, ob Gesundheit eigentlich wirklich „das Wichtigste im Leben ist“. Vielleicht statt „Hauptsache gesund“ lieber „Hauptsache geliebt“?

Ich sehe meine Krankheit, im Moment zumindest, jedenfalls nicht als Katastrophe und auch nicht als Anfechtung des Glaubens. Natürlich wäre es ohne schöner. Aber im Moment zumindest kann ich auch mit ihr leben. Ich hoffe, dass das so bleibt.

…und wie mir mein Glaube NICHT hilft

Er gibt mir keine Antwort auf die Warum-Frage (aber die brauche ich auch nicht). Und es tut trotzdem weh, wenn Ärzte mir in Arterien herumbohren, im Bauch herumschnippeln oder ich Thrombose in den Beinen kriege. Ich fluche viel (aber das machen die Beter der Psalmen in der Bibel auch). Und „Scheiße!“ ist momentan eins meiner häufigsten Wörter. Ich finde aber, dass ich das auch darf.

 

 

 

 

Warten auf den Heiligen Geist…

Kommender Sonntag ist schon Pfingsten. Vom Kirchenjahr her befinden wir uns in der Zeit zwischen Christi Himmelfahrt (Jesus ist weg, Abschied, Unsicherheit, Trauer) und der Aussendung des Heiligen Geistes (neue Glaubensstärke, Öffnung der kleinen christlichen Gemeinde für neue Menschen aus aller Herren Länder, Begeisterung, neue Berufungen zu neuen Aufgaben). Und irgendwie geht es mir grade auch wieder so.

Zwar trabe ich brav meine 20 Stunden pro Woche als Demenzbetreuerin ins Altenheim und theologisiere so frei vor mich hin (was wirklich schön ist). Habe aber auch irgendwie das Gefühl: Das ist noch nicht die Endstation. Irgendwas wartet auf mich. Neue Klarheit, vielleicht neue Aufgaben, ob nun in irgendeinem wie auch immer gearteten kirchlichen Dienst, oder nicht.

Übers Knie brechen werde ich diesmal aber nichts. Ich tue den Dienst, den ich eben im Moment tue und warte auf größere Klarheit.

Ob ich es bereue, aus dem kirchlichen Dienst ausgestiegen zu sein? Nein. Ich glaube, es gibt bei solchen Fragen kein Richtig und kein Falsch. Es war schon deshalb kein Irrweg, weil erst der Ausstieg aus dem Pfarrberuf mir die Zufriedenheit im Privatleben ermöglicht hat, die ich momentan genieße. Wäre ich nicht ausgestiegen, säße ich vermutlich immer noch mutterseelenalleine in einem viel zu großen Pfarrhaus.

Jetzt braucht es halt noch die Klarheit, wo ich beruflich langfristig landen kann. Pfarramt jedenfalls nicht mehr. Also: Warten auf zündende Ideen, neue Klarheit und sich öffnende Türen.

Prägungen, die sich melden (Tagebuch)

Schon vor längerer Zeit hörte ich folgende kleine Anekdote: Ein bekennender Atheist im Gespräch mit einem katholischen Priester. Der Atheist im Brustton der Überzeugung: „Ich bin vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten, und das ist auch gut so!“ – Der Priester: „Das mag sein, aber die Kirche ist nicht aus Ihnen ausgetreten.“

Nun bin ich ja nicht ausgetreten, schon gar nicht aus der katholischen Kirche, in der ich nie drin war. Ich bin lediglich von der evangelischen in die alt-katholische Kirche konvertiert. Merke aber zunehmend: So butterweich und geschmeidig wie ich gehofft hatte, geht so ein Wechsel nicht. Seit meiner Taufe mit 20 Jahren war ich evangelisch, sogar Amtsträgerin, insgesamt über 20 Jahre lang. Und bei allem „neu anfangen wollen“ und „Kirche ganz anders leben wollen“ und aller Liebe zum „Katholischen“ bleiben 20 Jahre eben doch eine sehr prägende Zeit. Ich merke es an vielen kleineren und größeren Dingen. Mir gehen evangelische Kirchenlieder im Kopf und im Herzen herum, die halt einfach zu diesem oder jenem kirchlichen Feiertag gesungen werden, aber in einer anderen Konfession keine Rolle spielen. Ich beobachte mit einem halben oder mit anderthalb Augen im Netz, was bei der ELKB-Synode so läuft. Ich merke, dass ich eigentlich doch ganz gern wieder Teil einer „größeren“ kirchlichen Gemeinschaft wäre, als meiner momentanen. Die alt-katholische Kirche hat den Charme einer kleinen und progressiven Gemeinschaft. Mir gefällt daran sehr viel, nicht zuletzt die Liturgie. Merke aber auch, dass viele ihrer Fragestellungen einfach daraus resultieren, dass sehr viele ihrer Mitglieder frustrierte ehemalige Katholiken sind, die hier beinahe trotzig eine neue Heimat suchen….und dass deren Fragen nicht unbedingt meine Fragen sind.

Allerdings hatte es auch (für mich sehr gravierende) Gründe, dass ich vor zwei Jahren konvertiert bin und auch das kann und will ich nicht einfach vom Tisch wischen. Ich kann nicht einfach da wieder anknüpfen, wo ich vor zwei Jahren aufgehört habe. Die letzten zwei Jahre haben mich verändert. Fast alles in meinem Leben ist anders geworden.

Also bleibe ich jetzt erst mal wo ich bin. Ich habe momentan gravierende Fragen als die, ob ich wieder evangelisch werden will. Oder gar versuchen, in meiner ehemaligen Kirche wieder irgendein „Amt“ zu ergattern. Ich schließe es nicht kategorisch aus, aber so ein Schritt, sollte er irgendwann dran sein, braucht noch viel innere Klärung.

 

Tagebuch 14.3.2017

Zur Abwechslung mal wieder ein wenig Tagebuch. Denn als solches begann dieser Blog ja einst. Was tut sich? Mit meinem neuen Job als Betreuungskraft bin ich zurzeit sehr zufrieden, auch wenn ich damit mit Sicherheit nicht reich werde. Zum Glück bin ich ein Mensch, der sich einigermaßen gut von „Materiellem“ lösen kann, sonst würde mir der Vergleich meiner gegenwärtigen Einkünfte mit denen als verbeamtete Pfarrerin regelmäßig die Tränen in die Augen treiben.

Von Materiellem lösen ist auch angesagt, weil ich Mitte kommenden Monats (zum wievielten Male??) umziehe, diesmal aber erfreulicherweise nicht alleine, vielmehr ziehe ich mit meinem Partner zusammen, und schon allein deshalb hat sich mein Ausstieg aus dem Pfarramt mehr als „gelohnt“, denn in meiner alten „Rolle“ hätte ich diesem Menschen einfach nicht kennen gelernt (und vermutlich auch keinen anderen).

Die freiberufliche Tätigkeit läuft mal so und mal so. Im Sommer werde ich etliche freie Trauungen begleiten. Ende April steht eine freie Taufe/Kindersegnungsfeier an. Darauf freue ich mich. Bin aber auch froh, dass dank des „Jobs“ im Altenheim nun regelmäßig etwas aufs Konto kommt.

Was noch interessant ist: Heute vor 14 Jahren wurde ich als „Pfarrerin auf Lebenszeit“ ordiniert. Ein seltsames Datum. Ich glaube, für mich ungefähr so wie für einen geschiedenen Menschen der Hochzeitstag seiner ehemaligen Ehe. Die Ehe gibt es nicht mehr. Aber das Datum bleibt trotzdem ständig in Erinnerung.

Aber wie lautete damals doch der Wochenspruch (es war der Sonntag „Oculi“)? „Wer die Hand an den Pflug legt und zurück sieht, der taugt nicht zum Reich Gottes.“

Betreuungskraft Demenz und neuer „Job“

Seit letzter Woche bin ich offiziell „Betreuungskraft für Demenzkranke“. Und habe ab kommender Woche dank einer Verkettung glücklicher Zufälle auch einen Job mit 20 Wochenstunden. Damit nun ein festes Standbein neben meiner freiberuflichen Tätigkeit und erstmal einige Sorgen weniger.

Ich werde berichten, wie es läuft.

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Weiterbildung zur „zusätzlichen Betreuungskraft“

Derzeit durchlaufe ich in Vollzeit (40 Wochenstunden) einer Weiterbildung zur Betreuungskraft mit Schwerpunkt auf Demenz. Dreieinhalb Wochen Kurs liegen schon hinter mir, kommende Woche ist praktische Prüfung, dann kommen noch 14 Tage Praktikum und danach habe ich die Möglichkeit, mich in einem bis auf weiteres (leider) krisensicheren Job in allen möglichen sozialen Einrichtungen zu bewerben.

„Krisensicher“ ist diese Beschäftigung vor allem deshalb, weil die Gesellschaft weiterhin rasant altert und damit auch die Zahl der Demenzpatienten zunehmen wird. Wenn ich dann nach Abschlussprüfung und Praktikum (einen Praktikumsplatz habe ich schon) „zertifiziert“ bin, kann ich entweder in Einrichtungen für Senioren arbeiten, oder aber in ambulanten Pflegediensten.

Als zusätzliche Betreuungskraft übernimmt man keine echten pflegerischen Aufgaben, sondern die soziale Betreuung der Patienten, z.B. durch Besuche, Gedächtnistraining durch Spiele, sonstige kreative Angebote (Malen, Singen, Basteln, Gymnastik) sowie Entlastung von Angehörigen. Kurz, zusätzliche Betreuungskräfte werden eingesetzt, um die oft angespannte Lage in der Pflege etwas zu entzerren.

Seit diesem Jahr sind Heime und Einrichtungen dazu angehalten, pro 20 Bewohner eine zusätzliche Betreuungskraft anzustellen. Die Aussicht, da etwas zu finden, ist also gar nicht so schlecht. Mein Plan ist, in Teilzeit als Betreuungskraft zu arbeiten und mit der restlichen Zeit weiterhin meine Dienste als freie Theologin anzubieten. Ich bin gespannt, ob das klappt.

Gelebte Konsumkritik

Heuer kaufe ich keine Geschenke. Kein einziges. Ich verschenke heuer ausschließlich Bücher, und zwar Bücher aus meinem Fundus. Es gibt unterschiedliche Arten Bücher: Bücher, die ich mir selber kaufe, die ich einmal lese und denke: Ja, schon schön, aber zwei mal lese ich es nicht.

Bücher, die ich von Leuten geschenkt kriege, die meinen Buchgeschmack nicht kennen.

Bücher, die ich gelesen habe, die ich auch richtig gut finde, die aber trotzdem nach einmal Lesen ungenutzt im Schrank stehen.

Bücher an denen ich hänge, weil sie etwas in mir berührt haben.

Letztere schenke ich natürlich nicht her. (Oder nur an ganz besondere Menschen, die das zu schätzen wissen.) Aber von allen anderen kann ich mich auch trennen. Also habe ich nun eine kleine innere Liste gemacht, wen ich beschenken will und suche passgenau Bücher aus meinem Fundus zusammen.

Das ist kein Geiz, das ist gelebte Konsumkritik. Bücher wollen gelesen werden und nicht verstauben. Unbenannt.png