Was ich mir für mein „nächstes Leben“ vornehme

In gut drei Wochen ist es soweit: Eine OP wird „meinen“ Krebs hoffentlich auf Nimmerwiedersehen ins Nirvana schicken. Und ich werde mein Kind im Arm halten. Ich glaube, das wird (im wahrsten Sinne des Wortes) einer der krassesten Einschnitte in meinem ohnehin an Wechsel und Wandel reichen Leben. Ich werde Mutter. Unglaublich. Und zugleich werde ich hoffentlich sagen können: Einer fiesen Krankheit gerade noch rechtzeitig aus den Scheren gesprungen. Ich glaube das wird wirklich ein neues Leben. Und ich habe Vorsätze.

  1. Besser auf mich achten, in jeder Hinsicht.
  2. Nichts mehr aufschieben. Morgen kann es zu spät sein.
  3. Mein Mann und mein Kind bekommen den ersten Platz nach dem lieben Gott.
  4. Mich nicht mehr verbiegen.
  5. Dem nachgehen, was dem Leben für mich Sinn und Erfüllung gibt – getreu dem Jesuswort: „Was hilft es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber Schaden nimmt an seiner Seele?“
  6. Mehr Sport.
  7. Weniger Fleisch.
  8. LEBEN.
  9. LACHEN.
  10. Mehr Dankbarkeit und weniger Grübelei, das Wesentliche kann ich eh nicht beeinflussen.
  11. Und last not least: Mit Gott rechnen. Jeden Tag.

Wie plötzlich nicht mehr alles doof war

Heute war so ein ausgemachter Dooftag. Obwohl Sonntag ist. Oder vielleicht auch gerade weil Sonntag ist, und ich heute irgendwie vieles nicht machen konnte, was ich sonntags gern tue. Zum Beispiel vormittags in den Gottesdienst gehen. Warum nicht? Weil ich nachts ungefähr vier mal mit Wadenkrämpfen from hell aus dem Schlaf geschreckt bin und zur Aufstehzeit dann entsprechend platt war, sodass Gottesdienst heute für mich leider ausfallen musste. Doof.

Dann wollte ich eigentlich etwas spazieren gehen. Aber das Schneegestöber draußen gepaart mit meiner Erkältung und der Tatsache, dass bei uns rutschige Straßen zu erwarten sind hielten mich ab. Zumal ich zurzeit eh infektanfällig bin und außerdem auf gar keinen Fall ausrutschen will – das kommt einfach im 9. Monat Schwangerschaft nicht wirklich gut. Aber die Frischluft wäre so schön gewesen.

Missmutig verzehrte ich ein Frühstück aus nicht mehr frischen Semmeln vom Vorvortag. Dabei ließ ich den Blick über das Chaos in Ess- und Wohnzimmer schweifen und ärgerte mich über das innere Energielevel, das diesen Zustand momentan verursacht. Zurzeit kann ich mich einfach zu nichts wirklich aufraffen, was ja irgendwie kein Wunder ist, mich aber trotzdem nervt.

Und so ging alles seinen Gang. Fernseher an (vormittags um 11 Uhr, das mache ich sonst nie) und lustlos herum zappen. Etwas Eintopf zum Mittag (der war allerdings wirklich gut), dann Facebook, Twitter….aber irgendwie alles doof.

Nachdem ich meinem Unmut über diesen Dooftag zumindest virtuell Luft gemacht hatte (danke, Twittergemeinde, für deine schier grenzenlose Geduld) auf einmal blitzartige Klarheit, als ob ich einen Schritt neben mich trete und mich von außen betrachte. Warum lasse ich mich eigentlich derart herunter ziehen? Nein, die Umstände sind nicht lustig und erbaulich. Aber für meine eigenen Gedanken bin ich verantwortlich. Es liegt an mir, wohin ich sie richte und worauf ich schauen will. Auf all das Doofe. Oder doch lieber auf Gott, von dem ich mich doch getragen weiß.

So, dachte ich, und nun setze ich mich mit Bibel und Rosenkranz und einer Tasse Tee aufs Sofa und jetzt wird gebetet. Was dann geschah, lässt sich schwer in Worte fassen und leuchtet vermutlich nur dem ein, der regelmäßig betet. Die Gedanken sortierten sich. Dankbarkeit stieg auf. Ich betete für die Menschen um mich herum, die Nachbarn über uns, andre Anliegen, die mir gerade einfielen, für meinen wunderbaren Mann und mein Kind, ich dankte ausgiebig für alles Gute (auch das Gute im Schlechten und in der Anfechtung), und als ich ganz leer gebetet war, griff ich zum Rosenkranz und betete und meditierte noch die kompletten „glorreichen Geheimnisse“ durch.

Und siehe da, es schneit immer noch. Äußerlich hat sich gar nichts geändert. Aber auf einmal ist die innere Wolkendecke aufgerissen und es ist nicht mehr alles doof und vielleicht habe ich jetzt sogar die Energie, das eine oder andere aufzuräumen.

Aber zuerst mache ich mir noch eine Tasse Tee und genieße den Frieden.

Mariä Lichtmess/ Darstellung des Herrn

Gestern am 2. Februar war nicht nur Murmeltiertag, sondern auch das Fest „Mariä Lichtmess“ (alter volkstümlicher Name des Feiertages), bzw. „Darstellung des Herrn“ (korrekter liturgischer Name dieses Datums). Es war bis vor kurzem offiziell der letzte Tag des Weihnachtsfestkreises. Das wurde zwar vor einiger Zeit geändert, seitdem ist das offiziell der Sonntag nach dem Dreikönigsfest. Sinnvoll wäre meiner Meinung nach aber trotzdem der 2. Februar.

2. Februar: Exakt 40 Tage nach Weihnachten. Die Vierzig spielt in der Bibel ja immer wieder eine Rolle. Es ist die Zahl der Vollendung, bzw. Wandlung. In 40 Jahren wurde das Volk Israel in der Wüste von einem „wüsten Haufen“ zu einem Volk zusammengeschmiedet. 40 Tage fastete Jesus in der Wüste, danach brach er innerlich geklärt und gefestigt auf und begann seine öffentliche Zeit als Wanderprediger. Bezogen auf Weihnachten kann man sagen: In diesen 40 Tagen rundet sich etwas, kommt zum Abschluss. Maria, Josef, das Kind und die Hirten und Könige haben die Krippe verlassen. Maria hat sich von der Geburt erholt und sie zieht mit Josef und dem Kind nach Jerusalem, um sozusagen den offiziellen Teil so einer Geburt zum Abschluss zu bringen. Wir beantragen heute eine Geburtsurkunde. Zu ihrer Zeit war es üblich, den erstgeborenen Sohn nach Jerusalem in den Tempel zu bringen, denn „jeder männliche Erstgeborene sei dem Herrn geweiht“ und ein Opfer darzubringen.

Als sie den Tempel betreten geschieht es: Der alte Simeon, ein Prophet, sieht tiefer, als Menschen normalerweise blicken können. Er darf das Kind im Arm halten und erkennt in Jesus den verheißenen Messias, das „Licht, das die Heiden erleuchtet“. Womit der Bogen zum Weihnachtsfest geschlagen ist. Jesus, das Licht, das in die Welt kommt.

Noch einmal darf der Weihnachtsbaum in voller Pracht erstrahlen (so gestern Abend in der Messe). Die Kerzen, die das Jahr hindurch Feste und Gottesdienste erleuchten, werden gesegnet, denn sie sind ein Hinweis auf Jesus, das Licht der Welt. Und wer will, kann auch eigene Kerzen mitbringen und symbolisch den Segen mit nach Hause nehmen. Damit bricht dann endgültig wieder der „Alltag“ an – Weihnachten ist vorbei, nun gilt es das Licht von Weihnachten in die Welt zu tragen, Hoffnung und Frieden im Herzen zu bewahren und zu beschützen, wie eine Kerzenflamme.

Ich war froh, dass ich mich gestern obwohl es grauslich dunkel und kalt war abends noch zur Messe aufgerafft habe.

Allen Leserinnen und Lesern ein lichtvolles Winter-Ende. Die Dunkelheit vergeht. Gott sei Dank.Kerzen

Geschützt: Warten

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Was man tut….

Vor einigen Wochen kam ich unverhofft zu einem Schreibauftrag für eine kirchliche Arbeitshilfe. Herausgeber ist die Bildungseinrichtung einer anderen Landeskirche. Thema sollte sein: Was man (nicht) tut.

Sehr schön, endlich mal wieder ein Auftrag! Obwohl ich mich momentan durch Schwangerschaft und Chemotherapie eher ausgelutscht fühle, habe ich es die letzten Tage tatsächlich geschafft mich hinzusetzen und loszulegen. Es tat gut, mal wieder was zu schreiben.

Was man (nicht) tut – Stimmen aus der Kindheit wurden wach:

„Wenn man etwas geschenkt bekommt, sagt man danke, und wenn es ein Stück Scheiße ist!“

„Man regelt seine Angelegenheiten selbst, familienintern, andere geht das nichts an.“

„Man redet über bestimmte Dinge nicht, schon gar nicht öffentlich.“

„Man lässt andere in Ruhe.“

Vermutlich hat jeder so seine Introjekte (verinnerlichte Stimmen, die noch im Erwachsenenalter den Kurs vorgeben, wenn man sich nicht bewusst macht, wo sie herkommen und sie einer gründlichen Revision unterzieht).

Zu dem was „man“ nicht tut kommt dann auch noch, was „frau“ nicht tut:

„Der Mann macht immer den ersten Schritt!“

„Sei bescheiden, sittsam und rein. Wenn ein Mann auf den Tisch haut, dann ist er durchsetzungsfähig, wenn du es tust, bist du eine blöde Emanze, die nie einen Mann abkriegen wird!“

„Kleide dich elegant-feminin. Aber ja nicht aufreizend.“

„Liege dem Partner nicht auf der Tasche, geh aber als Mutter auch nicht arbeiten.“

Und so weiter, und so weiter. Wenn man tut, was „man“ tut, hat man es jedenfalls ziemlich schwer. Und man bringt sich vor allem um die Erfahrung, was wirklich passiert, wenn man nicht mehr tut, was „man“ tut.

Der Schritt vom „man“ zum „ich“. Riskant. Aber lohnend.

Geschützt: Platz schaffen und rückblicken

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Ein paar Gedanken über einen verloren gegangenen Konsens

Ein katholischer Priester postete gestern auf Facebook sinngemäß: Einer seiner Sternsinger habe ein Foto von der Sternsingergruppe auf Facebook gepostet, ohne „Mohren“ (die Kinder waren einfach als Heilige Drei Könige verkleidet, aber keiner war schwarz geschminkt). Daraufhin ergoss sich eine Flut übelster rassistischer Kommentare. Zum Teil wohl wegen des fehlenden „Mohren“. Ich vermute leider, dass die Kommentare mit „Mohr“ noch übler ausgefallen wären – aber sei´s drum.

Aus mehreren Gründen finde ich diese Reaktionen verstörend.

Erstens: Hier haben Kinder aus innerer Überzeugung und weil sie für einen guten Zweck sammeln wollten (die Sternsingeraktion fördert diesmal Projekte gegen Kinderarbeit in Indien) ihr letztes Ferienwochenende „geopfert“, sind bei miserablem Wetter von Haus zu Haus gezogen, haben dadurch und auch durch die auffällige Verkleidung gezeigt, wer sie sind und wofür sie stehen – zu recht stolz postet einer ein Foto. Und erntet dafür weder Anerkennung noch Solidarität, sondern einfach nur rassistische Kackscheiße. Irgendwann war es glaube ich mal gesellschaftlicher Konsens, Kinder und Jugendliche zu bestätigen und zu fördern, wenn sie sich für andere, Benachteiligte einsetzen. Das fiel so in die Kategorie: Kindern Werte mitgeben, ihnen Anstand beibringen, ihnen einen Blick über den eigenen Tellerrand ermöglichen, ihr Selbstvertrauen fördern. Heute ernten viele engagierte Kinder und Jugendliche Häme, wenn sie sich für andere einsetzen, sei es in der Kirche oder in Vereinen – man bezieht keine Stellung mehr, das ist „uncool“ – und zu dieser Haltung tragen denke ich auch viele Erwachsene ihren Teil bei, die sich längt selbst aus gesellschaftlichem, kirchlichen oder politischem verabschiedet haben.

Zweitens: Irgendwann gab es einmal eine Zeit, da herrschte ein breiter gesellschaftlicher Konsens, dass man Menschen nicht aufgrund ihrer Hautfarbe oder Religion mit übelsten Beschimpfungen belegen darf. Und ich persönlich glaube, dass dieser damalige Konsens eine hart errungene kulturelle Leistung war, eine Lehre, die wir in Deutschland aus der Zeit gezogen haben, in der ein verbrecherisches Regime einen Weltkrieg vom Zaun brach und sechs Millionen Menschen allein aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ermordet worden sind. Aus dem daraus im Nachhinein resultierenden Entsetzen heraus konnte ein Umdenken einsetzen und meiner Überzeugung nach war das nicht nur eine oberflächliche Heuchelei, sondern tief in Herzen und Köpfen vieler verwurzelt. Wer sich „unbelehrbar“ und „ewig gestrig“ zeigte, war, zumindest meiner Wahrnehmung nach, in der Minderheit. Irgendwann ist das leider umgekippt – warum, wann, wie?? Vielleicht liegt es daran, dass sie Zeitzeugen von damals nach und nach wegsterben und keiner mehr authentisch von dem Grauen berichten kann? Und plötzlich „darf“ man mit Netz und sonstwo wieder ungestraft (meist anonym) hetzen, dürfen Politiker und Politikerinnen auf diesen Zug aufspringen, reden Hetzern das Wort, statt die in Schutz zu nehmen, gegen die diese Hetze gerichtet ist.

Diese Entwicklung macht mir ziemliche Sorgen. Was man dagegen tun kann, weiß ich auch nicht genau. Enger zusammenstehen. Gegenhalten – auch im Netz. Und nicht nur gegenhalten, sondern wie die Sternsinger Farbe bekennen. Als Kirche/Christen in der Gesellschaft wirklich erkennbar sein. Identität leben in einem guten Sinne. Für Überzeugungen einstehen.

Es wird ein harter Weg…

Geschützt: Auch das ist real – Teil 2

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Geschützt: Und auch das ist real…

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Eine Weihnachtskarte für alle Freunde, Beter und Unterstützer in den sozialen Medien

Liebe Freunde auf Twitter, Facebook, WordPress und Co –

ich bin dankbar dass es euch gibt. Viele von euch haben mich im vergangenen Jahr und auch in diesen bewegten Zeiten begleitet und unterstützt, indem sie

mit Anteilnahme lesen, was ich schreibe

humorvolle und aufmunternde Kurznachrichten schicken

auch mal ganz konkret mir etwas schicken, das ich wirklich brauchen kann

oder einfach so nette kleine Geschenke zur Aufmunterung an doofen Tagen. Ich bin für jedes einzelne dankbar.

Viele von euch haben auch für uns gebetet. Seid gewiss: Ich habe es gemerkt. Ich habe mich in den letzten Monaten von den Gebeten vieler getragen gefühlt, nicht nur von Menschen, die ich schon lange kenne und mit denen ich nun halt auch über Facebook oder Twitter verbunden fühle, sondern auch von einigen, die ich eigentlich „nur“ über diese Medien kenne, und wo dann trotzdem etwas gewachsen ist.

Können „virtuelle“ Beziehungen die aus dem „real life“ ersetzen? Nein.

Können sie „echte“ Beziehungen sein? Dick unterstrichen: Ja!

Eigentlich wollte ich ganz vielen von euch solche ausgemalten Karten persönlich nach Hause schicken. Aber zurzeit bin ich einfach so wahnsinnig platt, dass ich das einfach nicht auf die Reihe kriege. Ich bin aber sicher, die die gemeint sind, wissen, dass sie gemeint sind. Deshalb noch mal herzlichen Dank – und für euch alle diese kleine Karte als virtueller Gruß und Dankeschön.

Euch allen gesegnete Weihnachten und ein frohes Neues Jahr!

Man liest sich…

Eure Christiane