Tagebuch 14.3.2017

Zur Abwechslung mal wieder ein wenig Tagebuch. Denn als solches begann dieser Blog ja einst. Was tut sich? Mit meinem neuen Job als Betreuungskraft bin ich zurzeit sehr zufrieden, auch wenn ich damit mit Sicherheit nicht reich werde. Zum Glück bin ich ein Mensch, der sich einigermaßen gut von „Materiellem“ lösen kann, sonst würde mir der Vergleich meiner gegenwärtigen Einkünfte mit denen als verbeamtete Pfarrerin regelmäßig die Tränen in die Augen treiben.

Von Materiellem lösen ist auch angesagt, weil ich Mitte kommenden Monats (zum wievielten Male??) umziehe, diesmal aber erfreulicherweise nicht alleine, vielmehr ziehe ich mit meinem Partner zusammen, und schon allein deshalb hat sich mein Ausstieg aus dem Pfarramt mehr als „gelohnt“, denn in meiner alten „Rolle“ hätte ich diesem Menschen einfach nicht kennen gelernt (und vermutlich auch keinen anderen).

Die freiberufliche Tätigkeit läuft mal so und mal so. Im Sommer werde ich etliche freie Trauungen begleiten. Ende April steht eine freie Taufe/Kindersegnungsfeier an. Darauf freue ich mich. Bin aber auch froh, dass dank des „Jobs“ im Altenheim nun regelmäßig etwas aufs Konto kommt.

Was noch interessant ist: Heute vor 14 Jahren wurde ich als „Pfarrerin auf Lebenszeit“ ordiniert. Ein seltsames Datum. Ich glaube, für mich ungefähr so wie für einen geschiedenen Menschen der Hochzeitstag seiner ehemaligen Ehe. Die Ehe gibt es nicht mehr. Aber das Datum bleibt trotzdem ständig in Erinnerung.

Aber wie lautete damals doch der Wochenspruch (es war der Sonntag „Oculi“)? „Wer die Hand an den Pflug legt und zurück sieht, der taugt nicht zum Reich Gottes.“

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Betreuungskraft Demenz und neuer „Job“

Seit letzter Woche bin ich offiziell „Betreuungskraft für Demenzkranke“. Und habe ab kommender Woche dank einer Verkettung glücklicher Zufälle auch einen Job mit 20 Wochenstunden. Damit nun ein festes Standbein neben meiner freiberuflichen Tätigkeit und erstmal einige Sorgen weniger.

Ich werde berichten, wie es läuft.

zertifikat

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Wie wollen wir sterben?

Die Notaufnahmeschwester sieht viele meiner „Kunden“ vor deren Ableben und ich kann aus vielen Trauergesprächen leider nur bestätigen: Wir reden mit unseren Liebsten zu wenig über Fragen von Tod und Sterben. Klar, es ist ja auch ein schwieriges Thema. Aber noch schwieriger ist es doch, wenn man sich mit der Situation eines sterbenden Angehörigen konfrontiert sieht und keine Ahnung hat, was er oder sie in dieser Situation gewollt hätte! Reanimation oder nicht? Künstliche Ernährung oder einfach Sterbenkönnen? Organspende, ja oder nein? Die Autorin appelliert an Sie, mich und uns alle: Redet drüber! Und macht eine Patientenverfügung! Denn Sterben ist anstrengend genug.

notaufnahmeschwester

Es vergeht kaum ein Dienst, in dem nicht ein (seit langem) krachkranker, sterbender Mensch in die Notaufnahme gebracht wird. Hohes Fieber, schlechte Atmung, langjährige und gravierende Vorerkrankungen, Wundgeschwüre – die Liste lässt sich nach Belieben fortsetzen.

Bei einem Patienten mit knapp 4o° Fieber, Parkinson und Demenz sowie einer fulminanten Lungenentzündung, war die Ehefrau mit dabei. Er hatte eine PEG und einen Blasendauerkatheter. Es roch von der Türe aus nach Harnwegsinfektion. Sie pflegte ihn zuhause. Bestimmt sehr liebevoll – das merkte man daran, wie sie mit ihm sprach.

„Wie soll es weiter gehen?“, fragte der Arzt? „Haben sie das früher einmal darüber besprochen?“

„Nein. Darüber haben wir nie geredet!“

Komm, o Tod, du Schlafes Bruder,
Komm und führe mich nur fort;
Löse meines Schiffleins Ruder,
Bringe mich an sichern Port!

Freunde: Wir müssen reden. Über das Sterben und den Tod, der uns alle betreffen wird. Wie wollen wir sterben?

75 Prozent…

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Weiterbildung zur „zusätzlichen Betreuungskraft“

Derzeit durchlaufe ich in Vollzeit (40 Wochenstunden) einer Weiterbildung zur Betreuungskraft mit Schwerpunkt auf Demenz. Dreieinhalb Wochen Kurs liegen schon hinter mir, kommende Woche ist praktische Prüfung, dann kommen noch 14 Tage Praktikum und danach habe ich die Möglichkeit, mich in einem bis auf weiteres (leider) krisensicheren Job in allen möglichen sozialen Einrichtungen zu bewerben.

„Krisensicher“ ist diese Beschäftigung vor allem deshalb, weil die Gesellschaft weiterhin rasant altert und damit auch die Zahl der Demenzpatienten zunehmen wird. Wenn ich dann nach Abschlussprüfung und Praktikum (einen Praktikumsplatz habe ich schon) „zertifiziert“ bin, kann ich entweder in Einrichtungen für Senioren arbeiten, oder aber in ambulanten Pflegediensten.

Als zusätzliche Betreuungskraft übernimmt man keine echten pflegerischen Aufgaben, sondern die soziale Betreuung der Patienten, z.B. durch Besuche, Gedächtnistraining durch Spiele, sonstige kreative Angebote (Malen, Singen, Basteln, Gymnastik) sowie Entlastung von Angehörigen. Kurz, zusätzliche Betreuungskräfte werden eingesetzt, um die oft angespannte Lage in der Pflege etwas zu entzerren.

Seit diesem Jahr sind Heime und Einrichtungen dazu angehalten, pro 20 Bewohner eine zusätzliche Betreuungskraft anzustellen. Die Aussicht, da etwas zu finden, ist also gar nicht so schlecht. Mein Plan ist, in Teilzeit als Betreuungskraft zu arbeiten und mit der restlichen Zeit weiterhin meine Dienste als freie Theologin anzubieten. Ich bin gespannt, ob das klappt.

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Trauern und trotzdem das Leben feiern – Blumenschmuck

Bei den meisten Trauerfeiern, die ich erlebt habe, wurde ein Florist/ eine Floristin mit der Gestaltung des Blumenschmucks beauftragt. Manchmal gleicht der Boden rund um Sarg oder Urne einem wahren Blumenmeer. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen bei Trauerfeier standardmäßig nur weiße Lilien (die Trauerblume schlechthin) zum Einsatz kamen.  In letzter Zeit erlebe ich sehr oft BUNTEN Blumenschmuck bei Trauerfeiern! Und das ist auch gut so. Ich finde es schön und es ist sehr stimmig, wenn bei einer Trauerfeier die Lieblingsblumen des Verstorbenen das Bild dominieren dürfen. Auch wenn es sich dabei um Sonnenblumen, Gänseblümchen oder andere Lieblingspflanzen handelt. Schade, dass man nicht alles zu jeder Jahreszeit bekommt. Aber wenn irgend möglich, kann man den Blumenschmuck farbenfroh und lebendig gestalten. Warum nicht im Sommer sogar mit selbst gepflückten Blumenwiesen? Vielleicht entspricht das dem Leben einer schlichten Frau vom Lande (beispielsweise) viel besser, als das edle und gediegene Rosenbouquet vom Floristen. Außerdem ist es ein schönes Symbol der Verbundenheit und der Liebe zu dem Verstorbenen, wenn Angehörige den Blumenschmuck selbst gestalten. Ich finde, es kommt nicht so sehr auf den perfekten Strauß oder Kranz an, sondern auf die Liebe, die durch die Blumen spricht.

In letzter Zeit erlebe ich häufig Schalen mit Blüten oder Blütenblättern am offenen Grab. Diese kann man als letzten Gruß an den Verstorbenen ins offene Grab werfen, vor allem, wenn man sich scheut, den klassischen „Erdwurf“ zu vollziehen, oder zusätzlich dazu: Die Erde als Zeichen des Vergänglichen, Endgültigen („von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du wieder werden“). Die Blüten als Symbol für die bleibende und unvergängliche Liebe zu dem Verstorbenen.

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Trauern und trotzdem das Leben feiern – Musik bei Trauerfeiern

Wie beim letzten Eintrag angekündigt, möchte ich heute und in den nächsten Artikeln ein paar Anregungen schreiben, wie man Trauerfeiern so gestalten kann, dass das LEBEN und die LEBENDIGKEIT im Mittelpunkt stehen – trotz aller Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen.

Heute soll es um die Auswahl von Musik gehen.

Bei einer Trauerfeier gibt es in der Regel Musik, wobei die Angehörigen unterschiedliche Möglichkeiten haben: Live, vom Band, mit Orgel, mit oder ohne ein gemeinsames Lied der Trauergemeinde, mit einem Musiker, den man zu diesem Zweck engagiert oder eine Kombination aus mehreren Möglichkeiten. (Beispielsweise ein Stück von einer Lieblings-CD des Verstorbenen und ein Stück live gesungen oder gespielt.) Zwei Dinge sind mir hier wichtig geworden:

  1. die Musikauswahl sollte in irgend einer Weise zu dem Verstorbenen passen. Wenn jemand Zeit seines Lebens nie oder so gut wie nie einen Gottesdienst besucht hat, sind kirchliche Lieder einfach nicht stimmig. Vor allem dann, wenn auch die meisten der anwesenden Trauergäste damit nichts oder wenig anfangen können. Die Musik sollte im Stil dem entsprechen, was und wie jemand gelebt hat. Die Möglichkeiten hier sind sehr unterschiedlich. Mutter z.B. liebte Klassik. Bei der Trauerfeier hatten wir von einer CD zwei Stücke von Bach (unter anderem aus dem Actus Tragicus) und eine klassische Musikerin spielte ein Stück auf der Bratsche. Neulich hatte ich die Trauerfeier für einen Mann, der Rock liebte. Da spielten wir natürlich keine klassische Musik. Die Gestaltung einer Trauerfeier mit dem Musikrepertoire, das der Verstorbene liebte, kann ungemein helfen, seine Trauerfeier zu einer LEBENSfeier werden zu lassen.
  2. Das zweite scheint dem eben Geschriebenen zunächst zu widersprechen. Obwohl eine Musikauswahl wichtig ist, die zu dem Verstorbenen passt, sollten es, so erlebe ich es zumindest, keine Stücke sein, denen die Angehörigen jederzeit im Alltag wieder begegnen können. Natürlich lässt sich das nie völlig ausschließen. Ein Beispiel: Angehörige wünschen sich ein unglaublich populäres Lied, nehmen wir einfach mal „Atemlos durch die Nacht“. Dieses Lied ist aber im Radio und im Fernsehen derart präsent, dass man permanent damit konfrontiert wird. Für Angehörige würde das bedeuten, auf Schritt und Tritt an die Trauerfeier erinnert zu werden. Ebenso verhält es sich mit Lieblingsliedern, die im gemeinsamen Freundeskreis oder in einem Verein, dem der Verstorbene angehörte, präsent sind. Angenommen, er war ein Fußballfan und die Angehörigen wünschen sich „You´ll never walk alone“. Von Liedern wie diesem rate ich in der Regel ab, und zwar nicht, weil sie für eine Trauerfeier unpassend wären, sondern weil man sie in bestimmten Kreisen eben permanent hört und mit jedem Mal die Erinnerung an die Trauerfeier wieder präsent wäre.

Fazit: Musik bedeutet Leben, keine Feier ohne Musik – und auch bei der letzten LEBENSfeier eines Menschen kann Musik viel dazu beitragen, auf gute Weise Abschied zu nehmen und das LEBEN zu würdigen. Der Musikgeschmack eines Menschen sagt sehr viel über ihn aus – und sollte unbedingt berücksichtigt werden.

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Trauern und dennoch das Leben feiern

Zurzeit wird mir ein Aspekt bei der Vorbereitung von Trauerfeiern immer wichtiger. Nämlich die Dankbarkeit für das LEBEN des Verstorbenen. Nicht nur die Trauer über den Verlust in den Blick zu nehmen. Sondern alles, was dieses Leben ausgemacht hat. Die Hoffnung, dass eines Tages diese Dankbarkeit und die Liebe, die die Angehörigen mit den Verstorbenen verbindet, stärker sein wird als alle Trauer.

Eine Trauerfeier kann auch eine LEBENSfeier sein. Nicht weil die Angehörigen die Trauer verdrängen. Sondern weil sie wissen, wie reich ihr Leben durch diesen besonderen Menschen geworden ist, der nun von ihnen gehen musste.

Trauer und Freude über dieses besondere, einzigartige Leben liegen da mitunter nah beieinander und oft erlebe ich, wie Angehörige und Freunde von Verstorbenen bei der Feier unter Tränen lächeln, ja manchmal auch lachen können und sagen: „Ja, so war er, das war typisch für ihn!“

Mir wird es zunehmend wichtiger, das GANZE beim Tod eines geliebten Menschen zu sehen. Und auch wenn es abgedroschen klingt: Die Trauer ist die Kehrseite der Liebe. Ohne Liebe keine Trauer. Ohne Trauer keine Liebe. Menschen trauern, weil jemand geht, den sie lieben. Es wäre schade, wenn am Ende nur die Finsternis bleibt und nicht auch die Freude darüber, dass es ihn oder sie gegeben hat, die Freude über gemeinsam verbrachte gute Jahre, über den Schatz an Erfahrungen, der unser Leben bereichert hat.

Das hat nichts mit unterdrückter Trauer zu tun, sondern eher mit einer tiefen Wertschätzung für das Leben. Und so wird die Trauerfeier zugleich zum letzten Lebensfest des Verstorbenen und seiner Angehörigen.

Wie das konkret aussehen könnte, dazu im nächsten Artikel mehr.

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Unter allen Wipfeln ist Ruh…

Heute hatte ich, nach Längerem mal wieder, eine Beerdigung im Ruheforst Coburger Land. Vor einigen Jahren habe ich diese Form der Beisetzung erstmals kennen gelernt. Statt auf einem Friedhof wird die Urne eines Verstorbenen in einem klar abgegrenzten Waldstück beigesetzt. Ich persönlich war von dieser Form der Beerdigung sofort begeistert:

Eine Beisetzung in der Natur, im Wald, drückt so etwas wie eine innere Verbundenheit mit der Schöpfung aus. Wir sind Teil der Natur. Wir sind Teil des Kreislaufes des Lebens. Bei einer Beisetzung im Wald wird das, so empfinde ich es immer wieder, besonders schön deutlich.

Ein Wald ist immer ein wunderbarer Ort. Zu jeder Jahreszeit ist ein Wald schön: Im Frühjahr, wenn das erste zarte Grün auf den Zweigen der Bäume aufbricht und der Boden mit Leberblümchen oder Buschwindröschen übersät ist. Im Sommer, wenn das dichte Laubdach Schatten und etwas Kühle bietet. Im Herbst, wenn alle Laubbäume in einem Feuerwerk von Farben explodieren. Und im Winter, wenn Raureif oder Schnee alle Bäume in ein glitzerndes Gewand hüllen. Wer braucht da noch Grabschmuck, Grabsteine oder Blumen?

Ein sehr pragmatischer Grund, warum ich mir, auch für mich selbst, diese Art der Bestattung im Wald vorstellen kann: Niemand muss ein Grab pflegen. Aber trotzdem gibt es einen Ort, den Angehörige oder Freunde besuchen können, um sich zu erinnern. Das ist übrigens der Unterschied zu einer komplett anonymen Beisetzung (oder gar zum Verstreuen der Asche im Meer oder sonst wo). Man weiß, wo die Urne begraben wurde. Und man hat einen Ort, den man besuchen kann.

Besonders Menschen, die naturverbunden sind, finden in einem Ruheforst oder Friedwald eine letzte Ruhestätte, die genau diese Naturverbundenheit auch widerspiegelt, ohne Angehörigen den Ort zum Trauern zu nehmen.

Falls ich irgendwann eine Art Testament oder letzte Verfügung schreibe, wird die Waldbestattung wohl die Option werden, die ich für mich wähle.

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Jahresbilanz einer freien Theologin

In manchen Kirchengemeinden ist es üblich, beim Gottesdienst zu Jahresschluss (an Sylvester) noch einmal innezuhalten und Rückschau auf das Gemeindeleben in diesem Jahr zu halten. Auch wie viele Menschen jeweils getraut, getauft oder bestattet wurden.

Meine Jahresbilanz als freie Theologin im Jahr 2016:

22 Beerdigungen, 5 freie Trauungen, 1 Ehejubiläum, 4 freie Taufen/Kindersegnungen.

Das sind insgesamt 38 „direkt betroffene“ Personen. Und viele, viele die mitgefeiert oder mitgetrauert haben, je nachdem.

Mein „weitester“ Einsatz war die Fahrt zu einer Beerdigung in Ilmenau (ca. 85 km). Die „nächstgelegenen“ Dienste waren natürlich in Coburg. Und ansonsten bin ich viel im Coburger Land und in Südthüringen herumgekommen.

Interessant ist, dass die zahlenmäßige Staffelung (relativ viele Beerdigungen auf relativ wenige Trauungen und Taufen) so ziemlich dem entspricht, was auch in Kirchengemeinden anfällt.

Ich bin dankbar für viele gute Gespräche und Begegnungen bei der Vorbereitung der einzelnen Feiern. Und auch für die weltanschauliche Spannbreite meiner „Kunden“, von total atheistisch bis eigentlich ziemlich fromm, aber…

Insgesamt bin ich mit dem Jahr auch beruflich zufrieden. In dieser Richtung darf es jetzt gerne weitergehen.

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O König der Nationen – Antiphon zum 22. Dezember

O König der Nationen,
Sehnsucht der Völker,
Du Eckstein,
der aus beiden Eines macht;
komm, und erlöse den Menschen,
den Du aus Erde gebildet hast.

O Rex Gentium
et desideratus earum,
lapisque angularis,
qui facis utraque unum:
veni, et salva hominem,
quem de limo formasti.

Die O-Antiphon zum 22. Dezember nennt Jesus den „König der Nationen“/Völker. Israel erwartete einen Messias, eigentlich nur einen König für das Volk Israel. Christen proklamieren aber Jesus Christus nicht nur als „König“ des Volkes Israel, sondern als König aller Völker, als Friedefürst. Die O-Antiphon spricht von ihm als „Sehnsucht der Völker“.

Oft wird in schweren oder unübersichtlichen Zeiten wie den heutigen der Wunsch nach einem „starken Mann“ wach, der halt endlich mal wieder „durchgreift“oder „aufräumt“. Ist nicht auch die Sehnsucht nach einem „König der Völker“ so eine übersteigerte Erwartung an einen „starken Mann“, der es irgendwie richtet? Inwiefern kann man sagen, dass Jesus der „König der Völker“ ist? Er war ja noch nicht mal König über Israel, jedenfalls nicht im wörtlichen Sinne mit Krone, Land und Streitmacht. Im Verhör vor Pilatus wird Jesus gefragt: „Bist du ein König?“ Seine Antwort: „Du sagst es ich bin ein König, ich bin dazu gekommen, der Wahrheit eine Stimme zu geben, wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme!“ Und: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt, wäre mein Reich von dieser Welt, meine Leute würden dafür kämpfen…“

Die Macht von Jesus ist nicht die Macht von Machthabern und Despoten. Es ist viel mehr die Macht der Liebe, eine Macht, die auf den ersten Blick schwach erscheint, eine Macht, die dazu führt, dass Jesus letztlich gekreuzigt wird und seine Anhänger sich in alle Winde zerstreuen. Aber es ist eine Macht, die die Herzen gewinnt und die alles ändern könnte, wenn wir ihr vertrauten. Ich sehe diese Macht in den Augen von Liebenden, von Kindern, von Menschen, die geduldig das ihre tun, um diese Welt ein wenig schöner, friedlicher und humaner zu machen. Es ist die Macht derer, die bei allem Krieg und Terror zu Besonnenheit aufrufen. Die Frieden stiften, wo es so viel leichter wäre zu hassen. Es ist eine Macht, die scheinbar immer wieder unterliegt, die sich aber geduldig wie ein Wasserstrom ihren Weg bahnt. Weihnachten ist die Hoffnung, dass diese friedvolle Macht letztlich alles überwindet und Jesus als König der Völker ein Bild für diesen „friedlichen Sieg“.

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