Unter allen Wipfeln ist Ruh…

Heute hatte ich, nach Längerem mal wieder, eine Beerdigung im Ruheforst Coburger Land. Vor einigen Jahren habe ich diese Form der Beisetzung erstmals kennen gelernt. Statt auf einem Friedhof wird die Urne eines Verstorbenen in einem klar abgegrenzten Waldstück beigesetzt. Ich persönlich war von dieser Form der Beerdigung sofort begeistert:

Eine Beisetzung in der Natur, im Wald, drückt so etwas wie eine innere Verbundenheit mit der Schöpfung aus. Wir sind Teil der Natur. Wir sind Teil des Kreislaufes des Lebens. Bei einer Beisetzung im Wald wird das, so empfinde ich es immer wieder, besonders schön deutlich.

Ein Wald ist immer ein wunderbarer Ort. Zu jeder Jahreszeit ist ein Wald schön: Im Frühjahr, wenn das erste zarte Grün auf den Zweigen der Bäume aufbricht und der Boden mit Leberblümchen oder Buschwindröschen übersät ist. Im Sommer, wenn das dichte Laubdach Schatten und etwas Kühle bietet. Im Herbst, wenn alle Laubbäume in einem Feuerwerk von Farben explodieren. Und im Winter, wenn Raureif oder Schnee alle Bäume in ein glitzerndes Gewand hüllen. Wer braucht da noch Grabschmuck, Grabsteine oder Blumen?

Ein sehr pragmatischer Grund, warum ich mir, auch für mich selbst, diese Art der Bestattung im Wald vorstellen kann: Niemand muss ein Grab pflegen. Aber trotzdem gibt es einen Ort, den Angehörige oder Freunde besuchen können, um sich zu erinnern. Das ist übrigens der Unterschied zu einer komplett anonymen Beisetzung (oder gar zum Verstreuen der Asche im Meer oder sonst wo). Man weiß, wo die Urne begraben wurde. Und man hat einen Ort, den man besuchen kann.

Besonders Menschen, die naturverbunden sind, finden in einem Ruheforst oder Friedwald eine letzte Ruhestätte, die genau diese Naturverbundenheit auch widerspiegelt, ohne Angehörigen den Ort zum Trauern zu nehmen.

Falls ich irgendwann eine Art Testament oder letzte Verfügung schreibe, wird die Waldbestattung wohl die Option werden, die ich für mich wähle.

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Jahresbilanz einer freien Theologin

In manchen Kirchengemeinden ist es üblich, beim Gottesdienst zu Jahresschluss (an Sylvester) noch einmal innezuhalten und Rückschau auf das Gemeindeleben in diesem Jahr zu halten. Auch wie viele Menschen jeweils getraut, getauft oder bestattet wurden.

Meine Jahresbilanz als freie Theologin im Jahr 2016:

22 Beerdigungen, 5 freie Trauungen, 1 Ehejubiläum, 4 freie Taufen/Kindersegnungen.

Das sind insgesamt 38 „direkt betroffene“ Personen. Und viele, viele die mitgefeiert oder mitgetrauert haben, je nachdem.

Mein „weitester“ Einsatz war die Fahrt zu einer Beerdigung in Ilmenau (ca. 85 km). Die „nächstgelegenen“ Dienste waren natürlich in Coburg. Und ansonsten bin ich viel im Coburger Land und in Südthüringen herumgekommen.

Interessant ist, dass die zahlenmäßige Staffelung (relativ viele Beerdigungen auf relativ wenige Trauungen und Taufen) so ziemlich dem entspricht, was auch in Kirchengemeinden anfällt.

Ich bin dankbar für viele gute Gespräche und Begegnungen bei der Vorbereitung der einzelnen Feiern. Und auch für die weltanschauliche Spannbreite meiner „Kunden“, von total atheistisch bis eigentlich ziemlich fromm, aber…

Insgesamt bin ich mit dem Jahr auch beruflich zufrieden. In dieser Richtung darf es jetzt gerne weitergehen.

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O König der Nationen – Antiphon zum 22. Dezember

O König der Nationen,
Sehnsucht der Völker,
Du Eckstein,
der aus beiden Eines macht;
komm, und erlöse den Menschen,
den Du aus Erde gebildet hast.

O Rex Gentium
et desideratus earum,
lapisque angularis,
qui facis utraque unum:
veni, et salva hominem,
quem de limo formasti.

Die O-Antiphon zum 22. Dezember nennt Jesus den „König der Nationen“/Völker. Israel erwartete einen Messias, eigentlich nur einen König für das Volk Israel. Christen proklamieren aber Jesus Christus nicht nur als „König“ des Volkes Israel, sondern als König aller Völker, als Friedefürst. Die O-Antiphon spricht von ihm als „Sehnsucht der Völker“.

Oft wird in schweren oder unübersichtlichen Zeiten wie den heutigen der Wunsch nach einem „starken Mann“ wach, der halt endlich mal wieder „durchgreift“oder „aufräumt“. Ist nicht auch die Sehnsucht nach einem „König der Völker“ so eine übersteigerte Erwartung an einen „starken Mann“, der es irgendwie richtet? Inwiefern kann man sagen, dass Jesus der „König der Völker“ ist? Er war ja noch nicht mal König über Israel, jedenfalls nicht im wörtlichen Sinne mit Krone, Land und Streitmacht. Im Verhör vor Pilatus wird Jesus gefragt: „Bist du ein König?“ Seine Antwort: „Du sagst es ich bin ein König, ich bin dazu gekommen, der Wahrheit eine Stimme zu geben, wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme!“ Und: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt, wäre mein Reich von dieser Welt, meine Leute würden dafür kämpfen…“

Die Macht von Jesus ist nicht die Macht von Machthabern und Despoten. Es ist viel mehr die Macht der Liebe, eine Macht, die auf den ersten Blick schwach erscheint, eine Macht, die dazu führt, dass Jesus letztlich gekreuzigt wird und seine Anhänger sich in alle Winde zerstreuen. Aber es ist eine Macht, die die Herzen gewinnt und die alles ändern könnte, wenn wir ihr vertrauten. Ich sehe diese Macht in den Augen von Liebenden, von Kindern, von Menschen, die geduldig das ihre tun, um diese Welt ein wenig schöner, friedlicher und humaner zu machen. Es ist die Macht derer, die bei allem Krieg und Terror zu Besonnenheit aufrufen. Die Frieden stiften, wo es so viel leichter wäre zu hassen. Es ist eine Macht, die scheinbar immer wieder unterliegt, die sich aber geduldig wie ein Wasserstrom ihren Weg bahnt. Weihnachten ist die Hoffnung, dass diese friedvolle Macht letztlich alles überwindet und Jesus als König der Völker ein Bild für diesen „friedlichen Sieg“.

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O aufgehende Sonne – Antiphon zum 21. Dezember

O Morgenstern,
Glanz des ewigen Lichtes
und Sonne der Gerechtigkeit!
Komm und erleuchte uns,
die wir sitzen in Finsternis
und Todesschatten.

O Oriens,
splendor lucis aeternae,
et sol justitiae,
veni, et illumina
sedentes in tenebris
et umbra mortis.

Die O-Antiphon zum 21. Dezember spricht nicht zufällig von Christus als dem „aufgehenden Licht“. O Oriens kann man unterschiedlich übersetzen, eigentlich ist wohl gemeint: „O aufgehende Sonne“. Auch die Übersetzung „O Morgenstern“ ist wohl möglich.

Vom 20. auf den 21. Dezember erleben wir die längste Nacht des Jahres. Auch in der Welt ist es „Nacht“. Die Nacht des Hasses, der Gewalt, der Vorurteile, der Lieblosigkeit – In Berlin und anderswo.

Viele Adventslieder sprechen von Jesus als dem Licht in der Dunkelheit. Am schönsten wohl das Lied von Jochen Klepper „Die Nacht ist vorgedrungen.“

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O Schlüssel Davids – Antiphon zum 20. Dezember

O Schlüssel Davids
und Zepter des Hauses Israel!
Was Du öffnest, kann niemand schließen;
was Du verschließest, kann niemand öffnen:
Komm, und führe den Gefesselten
aus dem Hause des Kerkers,
wo er sitzt in Finsternis
und Todesschatten.

O Clavis David,
et sceptrum domus Israël,
qui aperis, et nemo claudit,
claudis, et nemo aperuit:
veni, et educ vinctum
de domo carceris,
sedentem in tenebris,
et umbra mortis.

Die Antiphon zum 20. Dezember ist wohl erstmal rätselhaft. Jesus als der „Schlüssel Davids“.

Angespielt wird auf eine messianische Weissagung aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja:

«Und ich werde den Schlüssel des Hauses David auf seine Schulter legen. Er wird öffnen, und niemand wird schliessen, er wird schliessen, und niemand wird öffnen. Und ich werde ihn als Pflock einschlagen an einen festen Ort; und er wird seinem Vaterhaus zum Thron der Würde sein.“ (Jes 22,22-24).

In der Offenbarung des Johannes werden diese Worte aufgegriffen:

«Dies sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, und niemand wird schliessen, und schliesst, und niemand wird öffnen» (Offb 3,7).

Oder auch: „Siehe, ich habe vor dir eine Tür geöffnet und niemand wird sie schließen.“

Jesus ist der Schlüssel. Und er hat die Schlüssel: „Ich war tot, und siehe ich bin lebendig und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Und zu Petrus: „Dir will ich die Schlüssel zum Himmel geben.“

Was ist ein Schlüssel? Ein Schlüssel ist zunächst einmal ein kleines Stück Metall, das dazu dient, eine Tür zu öffnen. Schlüssel und Schloss müssen zusammenpassen. Wo der Schlüssel fehlt, da bleibt die Tür verschlossen (wie jeder schon einmal leidvoll erlebt hat, wenn er sich ausgesperrt hat).

Es geht darum, welche Räume ich mir erschließen kann. Es gibt Türen im Leben, die öffnen sich nicht. Man kann sie gewaltsam aufbrechen, aber man wird nicht glücklich wenn man es tut. Zum Beispiel wenn man mit Biegen und Brechen etwas will, was ein anderer nicht will. Oder es zum falschen Zeitpunkt erzwingen will.

Und es gibt Situationen, aus denen kommt man aus eigener Kraft nicht heraus. Man rennt gegen verschlossene Türen.

Genauso gibt es auch die Erfahrung, dass Türen, von denen man meint sie seien verschlossen, sich plötzlich vor einem öffnen. Dass sich Wege erschließen, die man nicht ahnen konnte.

Aus den Versen der Antiphon und aus den entsprechenden biblischen Texten spricht das Vertrauen, dass sich immer die Türen öffnen werden, die sich öffnen sollen und dass Türen die im Leben dauerhaft verschlossen bleiben dies auch aus gutem Grund sind. Dass ich nichts übers Knie brechen oder meinem „Glück“ nachhelfen muss, weil ein anderer, Jesus, die Schlüssel zu meinem Leben hat und mir vorangeht, um Türen zu öffnen oder auch zu verschließen, z.B., um mich vor etwas zu schützen.

Er hält die Schlüssel und er ist der Schlüssel. Zu meinem Leben, zum Leben an sich und auch zu allem, was geschieht oder nicht geschieht.

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O Wurzel Jesse

Heute komme ich nicht selber zum Bloggen. Daher gibt’s den Beitrag zur Antiphon vom 19. Dezember über einen anderen empfehlenswerten Blog.

http://weihrausch.gnadenvergiftung.de/2016/12/19/o-radix-jesse/

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O Adonai – Antiphon zum 18. Dezember

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In der Antiphon (Leitvers) zum 18. Dezember, dem 2. Tag der Weihnachtsoktav, steht die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel im Mittelpunkt. Genauer gesagt das biblische Ereignis schlechthin, das dem Volk Israel seine Identität gab und es, glauben wir den Zeugnissen des Ersten Testaments, überhaupt erst zu einem Volk machte. Nämlich die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei.

Die Antiphon im Wortlaut:

O Adonai
O Herr und Führer des Hauses Israel, Du bist dem Moses in den Flammen des brennenden Dornbusches erschienen und hast ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben. Komm, strecke Deinen Arm aus, uns zu erlösen.

Eine poetischere Übertragung stammt von meinem Facebookfreund Reinmar Wipper:

O Herr in Vielfalt,
Als Herzog voran dem Volke Israel,
Dem Mose erschienen im Feuer des flammenden Brombeer,
Von dir das Gesetz auf dem Berg überantwortet: Komm!
Breit deinen Flügel, uns Heimstatt zu geben bei dir!

Lateinisch:

O Adonai
Et Dux domus Israel,
Qui Moysi in igne flammae rubi apparuisti,
Et ei in Sina legem dedisti:
Veni ad redimendum nos in bracchio extento.

Adonai ist das hebräische Wort für „Herr“. Wenn man die Bibel auf deutsch liest, etwa die Übersetzung von Martin Luther, dann stößt man oft auf das Wort HERR in Großbuchstaben. Es steht überall dort, wo im hebräischen Original das Wort Jahwe bzw. JHWH auftaucht. JHWH ist der hebräische Gottesname. Dieser galt als so heilig, dass man ihn beim Lesen nicht aussprach und stattdessen Adonai sagte, was soviel bedeutet wie „Herr“.

Gemeint ist mit Adonai der Gott, der dem Mose im brennenden Dornbusch erschien, ihm seinen Namen offenbarte und den Auftrag gab, das Volk aus der Sklaverei zu führen. Der Name Gottes, JHWH, ist rätselhaft, eigentlich ist es gar kein Name. Er ist abgeleitet aus dem hebräischen Wort für „sein“. Entsprechend vielfältig sind die Übertragungsversuche für den Gottesnamen:

„Ich bin der ich bin.“ – „Ich werde sein, der ich sein werde.“ – „Ich bin der Seiende.“ – „Ich bin der ich bin da.“ Letztlich stimmt es aber alles nicht ganz. Was bedeutet: Gott lässt sich nicht dingfest machen.

Gott als „Führer des Hauses Israel“ ging dann seinem Volk voran, sichtbar unsichtbar, bei Tag in einer Wolke, nachts in einer Feuersäule. Im neuen Testament wird beides allegorisch gedeutet: Jesus selbst war schon, gewissermaßen präexistent, gegenwärtig, als JHWH sein Volk aus der Sklaverei befreite.

„Du hast ihm (Mose) auf dem Sinai das Gesetz gegeben“: Befreiung oder Freiheit ohne Regeln, die z.B. die Schwachen schützen, endet in Anarchie und Chaos. Daher empfängt Mose auf dem Berg Sinai von Gott das „Gesetz“, gemeint sind vor allem die 10 Gebote.

„Komm, strecke deinen Arm aus, uns zu erlösen!“ spielt an auf die Formulierung: „Er führte sie mit starker Hand und ausgestrecktem Arm“, und zwar aus der Sklaverei in die Freiheit. Eine Formulierung, die sich vor allem im Buch Exodus häufig findet.

Wenn Christen mit diesen Worten beten, an denen sich sozusagen die Heilsgeschichte des Ersten Testaments kristallisiert, nämlich die Befreiung aus der Sklaverei, dann in dem Wissen, dass es eben auch heute noch die unterschiedlichsten Formen von Sklaverei und Abhängigkeit gibt. Ganz real, aber auch im übertragenen Sinne.

Was das mit Weihnachten zu tun hat: Derselbe Gott, der einen Haufen hebräischer Sklaven machtvoll aus der Knechtschaft befreite, ist in Jesus „einer von uns“ geworden. Das eine wie das andere stellt die herrschenden Verhältnisse auf den Kopf und ist eine Provokation an alles und alle, die meinen, man könnte Menschen kleinhalten und unterdrücken, ohne dass es Gott interessiert.

An die Antiphone schließt sich jeweils das Magnificat an, der Lobgesang der Maria, in dem es unter anderem heißt: „Er (Gott) stößt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“. Weihnachten hat einen umstürzlerischen Charakter, der vom kuscheligen Familienfest, als das es meistens gefeiert wird, absolut nichts hat.

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Der Weisheit auf der Spur – Teil 2 [Bibelschätze] — racheles welt

Letzte Woche ging es bereits um meine Entdeckungen, die ich in den Sprüchen gemacht habe (Hier nachzulesen). Während es in der letzten Woche eher um die Herkunft und den Erwerb von Weisheit ging, wird es heute ein bisschen konkreter. In den Kapiteln 10-31 im Buch der Sprüche werden sehr, sehr viele einzelne Sprüche, also Ratschläge oder […]

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O Sapientia – O Weisheit

Heute, am 17. Dezember beginnt der so genannte „Hohe Advent“, auch die Weihnachtsoktav genannt. Gemeint sind die sieben Tage vor Heilig Abend plus der Heilige Abend selbst als Auftakt zum Weihnachtsfest, das ja im Grunde erst am 25.12. beginnt (genau genommen ist der 24.12. nur der Vorabend).

In den evangelischen Kirchen wird der „Hohe Advent“ meist nicht eigens bedacht. In Klöstern und Kommunitäten ist es aber die Zeit, in der abends beim Gebet der Vesper vor dem Magnificat (= Lobgesang der Maria, wird jeden Abend gebetet) die so genannten „O-Antiphone“ erklingen. Eine Antiphon ist eine Art Leitvers, dieser wechselt je nach Anlass.

Die O-Antiphone, auch die „großen Antiphone“ genannt, heißen so, weil sie alle mit dem sehnsuchtsvollen Ausruf „Oh…komm!“ beginnen. Angesprochen ist Jesus. In jeder der Antiphone zum hohen Advent wird er daraufhin mit einem seiner Ehrennamen angerufen, die sich allesamt auf die Prophetien vom Messias und andere Texte im Ersten Testament beziehen und die poetisch auf Jesus hin gedeutet werden.

Beim Forschen im Web gewinne ich den Eindruck, dass die O-Antiphone im englischen Sprachraum wesentlich populärer sind, als bei uns. Folgendes Merkbild habe ich z.B. gefunden:

o-antiphons

Die Antiphon zum 17. Dezember hat folgenden Wortlaut:

Antiphon zum 1. Tag der Weihnachtsoktav (17.12.)

O Weisheit,
die Du aus dem Munde des Allerhöchsten hervorgegangen bist,
die Du mit Macht wirkest von einem Ende bis zum andern,
und alles lieblich ordnest,
komm und lehre uns den Weg der Klugheit!

Original Latein:

O Sapientia,
quae ex ore Altissimi prodiisti,
attingens a fine usque ad finem,
fortiter suaviterque disponens omnia:
veni ad docendum nos viam prudentiae.

Jesus ist in diesem Vers die „Weisheit, die aus dem Vater hervorgeht“, die personifizierte Weisheit Gottes. In den weisheitlichen Büchern des Alten Testaments ist oft von der personifizierten Weisheit die Rede, die Gottes liebstes Geschöpf ist, durch die er die Welt erschaffen hat und die vor ihm „spielt“.

Im Neuen Testament werden diese Texte neu interpretiert und auf Jesus bezogen, der die personifizierte Weisheit Gottes ist. Die Antiphon zum 17. Dezember fleht geradezu darum: Lass uns Menschen an dieser Weisheit teilhaben, führe uns den Weg der Einsicht und der Klugheit. Und, da wird wohl jeder zustimmen: Wir hätten es bitter nötig.

Zum Nachhören…

Und einmal gregorianisch

 

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Gelebte Konsumkritik

Heuer kaufe ich keine Geschenke. Kein einziges. Ich verschenke heuer ausschließlich Bücher, und zwar Bücher aus meinem Fundus. Es gibt unterschiedliche Arten Bücher: Bücher, die ich mir selber kaufe, die ich einmal lese und denke: Ja, schon schön, aber zwei mal lese ich es nicht.

Bücher, die ich von Leuten geschenkt kriege, die meinen Buchgeschmack nicht kennen.

Bücher, die ich gelesen habe, die ich auch richtig gut finde, die aber trotzdem nach einmal Lesen ungenutzt im Schrank stehen.

Bücher an denen ich hänge, weil sie etwas in mir berührt haben.

Letztere schenke ich natürlich nicht her. (Oder nur an ganz besondere Menschen, die das zu schätzen wissen.) Aber von allen anderen kann ich mich auch trennen. Also habe ich nun eine kleine innere Liste gemacht, wen ich beschenken will und suche passgenau Bücher aus meinem Fundus zusammen.

Das ist kein Geiz, das ist gelebte Konsumkritik. Bücher wollen gelesen werden und nicht verstauben. Unbenannt.png

 

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