„Hast du Pläne?“

Lang tat sich hier nichts. Das letzte Mal schrieb ich vor etwa einem halben Jahr. Abschied von meinem lieben Freund Andreas Ebert. Hier knüpfe ich an.

Nach der Trauerfeier gingen mein Seelenbruder (hoffe die Bezeichnung ist ihm recht) Tilmann Haberer und ich an der Isar spazieren. Weil wir beide irgendwie nach zweieinhalb Stunden Trauerfeier nicht so wahnsinnig viel Lust auf Trubel („Leichenschmaus“) hatten. Die Sonne schien, die Isar rauschte. Und endlich mal wieder in Ruhe mit jemandem reden. Es tat gut.

Wir unterhielten uns. Natürlich über Andreas. Aber nicht nur. Und dann stellte er eine Frage, die mich bis heute beschäftigt: „Hast du eigentlich Pläne?“

Und mir fiel nichts ein. Nichts. Seit der Sache mit dem Krebs und seit der Geburt von Korbi habe ich manchmal das Gefühl, mein Leben dümpelt so auf dem Abstellgleis dahin. Klar. Ich habe einen Job, unterrichte an der FAKS Coburg, auf einer Teilzeitstelle, die auch für mich als Mama und seit meiner Erkrankung doch leicht gehandicapte Person leistbar ist. Das freut mich sehr, das gibt mir Sinn und einen Grund vor 8 Uhr aufzustehen. Ja, ich mag es. Aber Pläne? Nicht wirklich.

Ich spüre eine gewisse innere Unruhe. So, als ob da noch irgendwas kommen müsste.

Tilmann fragte damals weiter: „Und was Literarisches?“ Also doch endlich das Buch schreiben, das schon so lange in mir rumort?

Ich antwortete wahrheitsgemäß: „Ich krieg das ja nicht mal mit meinem Blog auf die Reihe.“

Andreas Ebert meinte mal, aus meinen mystischen Erfahrungen und meinen theologischen Überlegungen dazu müsste unbedingt ein Buch werden.

Und manches vom hier Geschriebenen ist mir wirklich wichtig. Aber das, worum es eigentlich geht, ist zum einen so schwer in Worte zu fassen.

Also bleibt es beim „eigentlich würde ich schon gerne, aber was, wie, für wen und vor allem wann?“ Ich habe nicht den Nerv und auch nicht die Kapazität aus meinem wirren Blog ein Buch zu machen. Vielleicht liest das ja irgendjemand, der sich unversehens angesprochen fühlt, stöbert und feststellt: Genau so etwas hat unserem Verlagsprogramm gerade noch gefehlt. Das würde mir vermutlich einen Motivationsschub geben.

Hallo? Universum?

Mehr Farbe ins Leben

Ausmalbuch2

Seit einiger Zeit liegen ja Ausmalbücher für Erwachsene voll im Trend. Da ich mir durchaus vorstellen konnte, dass das akribische Ausmalen von Malvorlagen den Geist beruhigt und fokussiert (kennen ja viele von uns aus ihrer Kindheit, wenn wir hingebungsvoll Malbücher kolorierten oder von „Malen nach Zahlen“), habe ich mir irgendwann vor einem Jahr auch so ein Ausmalbuch besorgt. Und zwar eins, bei dem motivierende Sprüche und Affirmationen integriert sind.

Ehrlich gesagt, manche dieser Affirmationen haben mich schon herzlich zum Lachen gebracht:

„Ich bin unglaublich begabt.“

„Ich bin mächtig.“

„Ich atme mich voll Leben.“

Mit anderen kann ich durchaus etwas anfangen:

„Ich vertraue jetzt dem Prozess des Lebens.“

„Leben ist ewig.“

„Ich lasse Heilung zu.“

Anmerkung: Wäre toll, wenn es solche Ausmalbücher auch mit biblischen Sprüchen gäbe. So etwas habe ich bisher noch nie gesehen.

Ein paar Tage lang habe ich, nach Erwerb des Büchleins, eifrig darin herum gemalt. Dann lag es länger im Schrank. Jetzt aber habe ich es wieder hervor geholt und mir auch gleich neu einen Block mit Postkarten zum Ausmalen gekauft. Winterliche Motive, als Weihnachtspost geeignet.

Morgen werde ich wieder acht Stunden lang bei der Chemotherapie sitzen (seufz). Ich hoffe, diesmal wird es mir dank des Buchs und der Postkarten und meiner Buntstifte gelingen, etwas Farbe in diese endlos erscheinende Zeit zu bringen. Und wer weiß, vielleicht findet der eine oder die andere von euch ja demnächst eine meiner handkolorierten Postkarten in seinem Briefkasten…