Vermutlich bin ich nicht die einzige, die voller Sorge auf die um sich greifenden bewaffneten Konflikte dieser Welt schaut. Es brennt überall. Iran, Palästina und Israel, Ukraine, Afghanistan, Pakistan, und wo derzeit keine heftigen Kämpfe toben, da brodelt es vielerorts unterschwellig, da kann der berühmte Funke im Pulverfass genügen. Mir macht das Angst. Und die meisten Politiker reden derzeit davon, wie wichtig es ist, dass wir in Europa selbst verteidigungsfähig, ja sogar kriegstüchtig werden. Was wiederum auch einen Keil durch Europa treibt, etwa in der Beurteilung der derzeitigen Bombardements im Iran.
Gestern, eine Talkshow: Ein Experte (wer, wo, weiß ich leider nicht mehr, ich habe erst mittendrin rein geschaltet) erklärt, infolge der Bombardierungen gehe nun eine Gefahr vom Iran aus, für Europa. „Die Iraner“ könnten hier Anschläge verüben, ihrerseits Raketen auf NATO-Gebiet (Türkei, Griechenland) abfeuern.
Vielleicht habe ich etwas falsch verstanden, aber war einer der Vorwände den Iran zu bombardieren nicht der, dass man „die Iraner“ durch einen „Enthauptungsschlag“ von ihrem Unrechtsregime befreien wolle? Ja müssten „die Iraner“ denn dann nicht vor Freude in die Luft springen, anstatt Ziele in Europa ins Visier zu nehmen? Oder sollte die eigentliche Motivation für die Bomben auf Teheran vielleicht doch eine weniger noble gewesen sein?
Gefahrenabwehr durch eine Atommacht Iran? Oder geht es womöglich doch um Öl? Oder, oder, oder?
Natürlich ist die Situation hoch komplex. Ich will nicht beurteilen müssen, ob man dem iranischen Volk durch Waffengewalt von außen zu seinem Recht verhelfen kann – auch nicht, ob oder welche Gefahr von einer Atommacht Iran ausgeht.
Aber, ganz ehrlich, als deutsche Staatsangehörige fühle ich mich instrumentalisiert, wenn man mir einreden, bzw. mich davon überzeugen will, es sei gut, auf diesen Zug jetzt mit aufzuspringen und laut zu klatschen für die Bomben auf Teheran. Ich will diesen Sch*** nicht.
Ich kann und will nicht beurteilen, ob und in welchem Maße es sinnvoll ist, hier und überhaupt in der EU nun einen „alternativlosen“ Kurs der Aufrüstung und Abschreckung zu fahren. Ich bin zum Glück keine Politikerin (außer, sehr vielleicht, nach der Kommunalwahl als Stadträtin mit sehr begrenzter Verantwortung). Es behagt mir aber nicht, mit welcher augenscheinlicher Begeisterung sich manche ins „Abenteuer Aufrüstung“ stürzen, ich sehe die immensen Gefahren für Mensch und Natur, und ich begehre, möglichst nicht schuld daran zu sein (frei nach Matthias Claudius).
Tun kann ich leider wenig, außer versuchen, mein Herz und meine Gedanken im Frieden zu halten und diesen Frieden möglichst auch in meinem begrenzten Umfeld zu leben. Und nach wie vor ärgert es mich, dass Pazifismus in unserer Zeit als gleichbedeutend mit naiver Blauäugigkeit angesehen wird. Ja, ich sehe, was los ist. Und nein, ich persönlich glaube nicht, dass es möglich ist, Frieden durch Waffengewalt zu erzwingen.
Und nein, ich möchte nicht mit BSW und AfD in einen Topf geworfen werden. Aber wo möglich möchte ich meine begrenzten Mittel einsetzen, um zu Frieden und Verständigung unter Menschen beizutragen. Und weiterhin bin ich der Überzeugung, ob naiv oder nicht, es muss auch Menschen geben, die den Gedanken des Pazifismus am Leben erhalten, so schwer das auch derzeit fallen mag.

