Nehme momentan leider keine Aufträge an!

Liebe Besucher und Besucherinnen dieser Seite,

es freut mich jedes mal, wenn Interessenten an meiner Arbeit anrufen, um sich über freie Taufen oder Trauungen zu informieren. Das mache ich normalerweise auch gerne und mit Herzblut. Bis auf weiteres kann ich leider keine Aufträge entgegen nehmen, da ich gesundheitlich stark angeschlagen bin und nicht weiß, wie sich bei mir die nächsten Wochen und Monate gestalten.

Schauen Sie trotzdem gern immer wieder rein, wenn sich an der Situation etwas ändert, wird dieser Eintrag von der Seite verschwinden! Alles Gute für Sie.

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Bekenntnisse einer Unsportlichen

Ich bin unsportlich. Ich war es schon immer. Wie wird man unsportlich? Indem man zu dick ist, um Sport zu treiben? Mitnichten. Ich war als Kind und lange Zeit als Erwachsene durchaus nicht dick, sondern im Bereich des Normal-, bzw. sogar Idealgewichts. Unsportlich war ich trotzdem. Und die Art, wie in der Schule Sport unterrichtet wurde, trug mitnichten dazu bei, in irgendeiner Form Freude an Bewegung zu fördern. Meine These ist, dass Unsportliche gerade durch den Schulsport noch unsportlicher werden, weil sie durch die ständigen Demütigungen und das Vorgeführt werden bei Bundesjugendspielen und ähnlichem Scheiß beginnen, Sport zu hassen. Die Freude an der Bewegung geht völlig verloren, wenn man als sportlicher wenig begabter Schüler Woche für Woche 90 Minuten lang der Fleischbeschau im Sportunterricht ausgesetzt wird. Damals wurden Jungs und Mädchen zum Glück noch wenigstens getrennt unterrichtet. Ich mag mir nicht ausdenken, wie es für unsportliche Kinder und Jugendliche heute ist, wenn man nicht nur vom eigenen Geschlecht, sondern auch noch vom anderen beobachtet wird.

Freude an Bewegung war mir, dank Schulsport, erst mal für Jahre und Jahrzehnte gründlich vermiest. Allerdings bin ich immer gern gewandert. Bewegung in der Natur ohne den Druck, sich vor anderen profilieren zu müssen, tat mir gut (hätte ich allerdings nie unter dem Begriff „Sport“ verortet).

Erst ganz allmählich entdecke ich, dass ich z.B. gern schwimme. Aber niemals mit dem Hintergedanken, schneller oder besser als andere schwimmen zu wollen, sondern weil die Bewegung im Wasser sich halt gut anfühlt. Irgendeiner Gruppe werde ich da allerdings nie beitreten. Bewegung in der Gruppe ist nicht meins. Ich will, wenn ich mich bewege, mein Ding machen, denn dann ist es egal, wie schnell oder fit andere sind. Ich kann mich auf mich konzentrieren.

Warum ich das alles schreibe? Vielleicht auch als Botschaft der Solidarität mit und für alle anderen, denen die Bewegungsfreude dank Schulsport versaut wurde oder versaut wird. Ich schätze, davon gibt es in jeder Klasse mindestens zwei oder drei Kinder und Jugendliche.

Und als Ermutigung an alle, es trotzdem mal zu versuchen – in aller Ruhe. Freude an Bewegung hat nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun, was ihr in der Schule früher als „Sport“ kennengelernt habt.

Mein momentanes Ziel ist es, in etwa einem Jahr in Coburg beim so genannten Vestelauf über 10 km mitzulaufen. Meine Helden und leuchtenden Vorbilder sind aber nicht die Läufer, die nach 30 oder 40 Minuten durch Ziel zischen. Sondern die Gruppe der „Finisher“, die es in 1 Stunde 40 Minuten geschafft haben. Denn schließlich geht es um Bewegungsfreude, und nicht um Wettbewerb.

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Wiederbegegnung mit Franziskus

Tau

Seit einigen Wochen meldet sich mit Macht jemand zurück, an den ich lange nicht gedacht habe: Der Heilige Franziskus von Assisi. Vor über 20 Jahren waren es Gebete und Texte des Franziskus, die mich tief berührt haben beim Hineinfinden in den christlichen Glauben.

Im Studium habe ich mindestens zwei Seminare über Franziskus und die Armutsbewegung im Mittelalter belegt. Im Examen war das Thema „Franziskus und die Armutsbewegung im Mittelalter“ eines meiner Schwerpunktthemen.

Den Franziskus-Roman von Nikos Katzanzakis („Mein Franz von Assisi“) habe ich geradezu verschlungen.

Den Sonnengesang konnte ich lange auswendig.

Dann habe ich lange nicht an ihn gedacht…warum? Wieso? Vielleicht weil ich als evangelische Pfarrerin innerlich irgendwie etwas weiter weg war von dieser Art der spirituellen Suche?

Nun, da ich mit einer halben Stelle im Altenheim arbeite, recht dürftig bezahlt und umgeben von gebrechlichen Menschen, kehrt er in mein Leben zurück. Ich hole das zerlesene Büchlein mit franziskanischen Texten wieder heraus. Ich suche Kontakt zur franziskanischen Gemeinschaft. Ich buchstabiere die Botschaft des Heiligen Franziskus neu. Die täte der Welt gut, und wahrscheinlich auch mir.

Pax et Bonum.

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Fronleichnam 2017

Und wieder ist Fronleichnam. Warum „und wieder“? Weil dieser Tag für mich einen Einschnitt markiert. An Fronleichnam vor zwei Jahren habe ich den Menschen kennengelernt, mit dem ich heute mein Leben teile. Damals wusste ich das noch nicht.

Fronleichnam vor einem Jahr liefen wir in der Prozession schon nebeneinander und hielten uns an der Hand. Fronleichnam dieses Jahr wohnen wir zusammen.

Deshalb „und wieder ist Fronleichnam“. Natürlich sind wir auch dieses Jahr wieder mitgelaufen, wie auch im letzten Jahr bei strahlender Sonne, mit einem Großteil der Katholiken dieser Stadt, aber auch mit vielen ökumenischen Gästen, was diesmal einfach besonders und bewegend war. Christsein geht heute nicht mehr isoliert und sauber nach Konfessionen sortiert. Es sind verschiedene Traditionen, es sind verschiedene Lehrmeinungen, aber es ist die eine Kirche, die Christus durch die Zeit trägt, hin zu den Menschen, so, wie der Priester an Fronleichnam die Monstranz vor sich her trägt, und die von Christus durch die Zeit getragen wird.

Fronleichnam heißt „Leib des Herrn“. Der Leib des Herrn, der in seiner Kirche und im Brot des Abendmahls/der Eucharistie präsent ist. Man kann das eine nicht vom anderen trennen. Und ich bin wirklich froh und dankbar, dass im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 nicht mehr das Trennende der Konfessionen im Mittelpunkt steht, sondern das Verbindende. Dass es heute ohne weiteres möglich ist, dass der evangelische Oberbürgermeister zu Fronleichnam ein Grußwort spricht und eine der Gottesdienststationen vor der evangelischen Hauptkirche platziert sein kann. Das alles war vor 100 oder sogar noch vor 50 Jahren undenkbar.

Möge es so weitergehen.

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Wahrhaft spirituell

Der wahre Grad der spirituellen Weiterentwicklung erweist sich nicht beim Beten in der Kirchenbank oder im erleuchteten Meditieren. Sondern viel eher:

  • in nervigen Alltagsbegegnungen
  • im Umgang mit lästigen Umständen und Menschen
  • und beim Einrichten der supertollen nagelneuen Fritz!Box gemeinsam mit dem Partner

Hier lernen wir wahre Demut. Hier zeigt sich der echte Grad der eigenen Erleuchtung. Beziehungsweise der eigene Entwicklungsbedarf auf dem Pfad der Heiligung.

Für euch getestet.

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Zynismus oder warum ich 2017 keine der bislang regierenden Parteien wählen werde

Seit gestern ist bei mir in der Frage, wen oder was ich denn um Himmels Willen im September bei der Bundestagswahl wählen soll, ein Schalter umgelegt und eine Weiche gestellt. Eine der beiden großen „Volksparteien“ wird es jedenfalls nicht sein. (Wobei für mich als in Bayern Lebende erschwerend hinzukommt, dass ich die CDU ja eh nicht wählen könnte, und ehe ich CSU wähle, fault mir eher die rechte Hand ab.)

Da stellt sich der Bundesinnenminister nach einem grauenvollen Anschlag in Kabul mit vielen Toten und Verletzten tatsächlich hin und sagt, dass die Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan erst mal nicht stattfindet. Aber nicht aus humanitären Gründen, sondern weil die Botschaftsangehörigen in Kabul momentan anderes zu tun haben.

Um es gleich zu sagen: Ich habe größten Respekt vor allen Landsleuten, die derzeit in Afghanistan irgendeinen Dienst versehen. Der Unterschied zu den Flüchtlingen, die abgeschoben werden sollen, besteht aber darin, dass alle Deutschen, die sich momentan aus ehrenwerten Gründen in diesem Land aufhalten, dies freiwillig tun, mit der Option, das Land auch wieder zu verlassen. Wer sich beispielsweise als Berufssoldat verpflichtet, der weiß doch bevor er diesen Dienst antritt, dass er auch in ein Land wie Afghanistan entsandt werden kann. Er wird ausgebildet und ist bewaffnet. Das gilt für afghanische Zivilisten eben nicht.

Und als ob jene Aussage des Bundesinnenministers nicht genug wäre, folgt noch der Hinweis, dass ja auch Paris, Berlin oder Manchester derzeit nicht sicher sind. Also, so die Folgerung, kann man ja auch gleich abschieben.

Geht´s noch? Und was sagt der „Juniorpartner“ in dieser GroKo dazu? Irgendwie ziemlich wenig, oder hat jemand etwas gehört?

Große Hochachtung vor den Nürnberger Berufsschülern, die gestern leider vergeblich versuchten, einen afghanischen Mitschüler vor dem Zugriff der Polizei und anschließender Abschiebung zu schützen. Dass man junge Leute, die bestens integriert sind, fleißig und leistungsbereit, jetzt schon zwecks Abschiebung aus der Schulbank holt scheint nun auch „Mode“ zu werden in deutschen Landen.

Meine Stimme 2017 wird einer Partei gehören, die sich klar und offen gegen eine solche Politik stellt. Eigentlich bin ich ein wertkonservativer Mensch. Aber wenn die C-Parteien und auch die SPD genau die Werte verraten, für die sie eigentlich stehen, nämlich christliche Nächstenliebe und mitmenschliches, soziales Verhalten, dann sind sie für mich nicht mehr wählbar.

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Warten auf den Heiligen Geist…

Kommender Sonntag ist schon Pfingsten. Vom Kirchenjahr her befinden wir uns in der Zeit zwischen Christi Himmelfahrt (Jesus ist weg, Abschied, Unsicherheit, Trauer) und der Aussendung des Heiligen Geistes (neue Glaubensstärke, Öffnung der kleinen christlichen Gemeinde für neue Menschen aus aller Herren Länder, Begeisterung, neue Berufungen zu neuen Aufgaben). Und irgendwie geht es mir grade auch wieder so.

Zwar trabe ich brav meine 20 Stunden pro Woche als Demenzbetreuerin ins Altenheim und theologisiere so frei vor mich hin (was wirklich schön ist). Habe aber auch irgendwie das Gefühl: Das ist noch nicht die Endstation. Irgendwas wartet auf mich. Neue Klarheit, vielleicht neue Aufgaben, ob nun in irgendeinem wie auch immer gearteten kirchlichen Dienst, oder nicht.

Übers Knie brechen werde ich diesmal aber nichts. Ich tue den Dienst, den ich eben im Moment tue und warte auf größere Klarheit.

Ob ich es bereue, aus dem kirchlichen Dienst ausgestiegen zu sein? Nein. Ich glaube, es gibt bei solchen Fragen kein Richtig und kein Falsch. Es war schon deshalb kein Irrweg, weil erst der Ausstieg aus dem Pfarrberuf mir die Zufriedenheit im Privatleben ermöglicht hat, die ich momentan genieße. Wäre ich nicht ausgestiegen, säße ich vermutlich immer noch mutterseelenalleine in einem viel zu großen Pfarrhaus.

Jetzt braucht es halt noch die Klarheit, wo ich beruflich langfristig landen kann. Pfarramt jedenfalls nicht mehr. Also: Warten auf zündende Ideen, neue Klarheit und sich öffnende Türen.

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#twomplet – Beten in 140 Zeichen

Heute habe ich zum ersten mal seit langem mal wieder die Ehre, die #Twomplet vorzubeten. Über die Twomplet wurde schon viel geschrieben, aber noch nicht von allen. Was ist die Twomplet? Das Wort setzt sich zusammen aus Twitter und Komplet. Was Twitter ist, dürfte inzwischen bekannt sein. Was die Komplet ist, eher weniger. Mit dem Begriff Komplet bezeichnet man das Nachtgebet der Kirche. Die Komplet ist eine der drei wichtigen klösterlichen Gebetszeiten. Die Laudes (Lobgebet) ist das Morgengebet, meist um 6 oder 7 Uhr morgens gebetet. Die Vesper ist das Abendgebet (meist um 17 Uhr gebetet markiert sie das Ende des aktiven Teils des Tages). Die Komplet schließt den Tag ab. Man legt den Tag zurück in Gottes Hand, bittet um Vergebung für alles, was an diesem Tag nicht rund lief, um eine gesegnete Nachtruhe und Schutz leiblichen und geistigen Gefahren in dieser Nacht.

Soweit zur Bedeutung der Komplet im Allgemeinen. Die #Twomplet gibt es seit 2014 und seit dem findet sie jeden Abend um 21 Uhr im Netz statt, und zwar natürlich auf Twitter. Christen unterschiedlichster Prägung beteiligen sich daran. Jeden Abend gibt es einen Vorbeter. Damit es kein Durcheinander gibt, gibt es einen Doodle, in den man sich vorab einträgt.

Der Vorbeter gibt in kurzen prägnanten Sätzen (Tweets) die Grundlinie vor und verlinkt z.B. auf Videos bei YouTube (Glockenläuten, Lieder, etc.) – die Gemeinde beteiligt sich, indem sie unter dem Hashtag #Twomplet Fürbitten twittert oder einfach still mitliest.

Das mag für die nicht-twitternde Welt erstmal seltsam klingen. Aber der „Erfolg“ des Projektes und die ernste Anteilnahme vieler Menschen, die seit Jahren die Twomplet verfolgen oder sich aktiv einbringen zeigt, dass hier längst eine neue Form der geistlichen Gemeinschaft entstanden ist. Unkompliziert, ökumenisch, niederschwellig und doch tiefgründig.

Dass die #Twomplet Menschen „trägt“, merkt man zum Beispiel dann, wenn es wieder einmal irgendwo auf der Welt einen schlimmen Anschlag gab. In der Twomplet wird darauf immer eingegangen und gerade an solchen Abenden merkt man, dass sie länger dauert als sonst, dass sich mehr Menschen einbringen oder mitlesen.

Wer es einmal ausprobieren möchte, ob aktiv oder als stiller Mitleser: Jeden Abend um 21 Uhr. Ort: Weltweit. Auf Twitter und @twomplet bzw. #twomplet.

Man liest sich…

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Multikulturelle Hochzeiten

In letzter Zeit hatte ich zwei Anfragen für freie Trauungen, die etwas „anders“ sind, als es freie Trauungen ohnehin schon sind. Und zwar deshalb, weil Braut und Bräutigam aus zwei unterschiedlichen Kulturkreisen und Religionen stammen. Bei dem einen Paar ist „er“ Muslim und sie evangelische Christin, aber beide nicht oder wenig praktizierend. Bei dem anderen Paar ist es umgekehrt, „sie“ ist Muslima und „er“ ist evangelischer Christ.

Hochzeiten wie diese haben besondere Herausforderungen, aber auch einen besonderen Reiz. Wenn es gut geht, dann demonstriert so ein Brautpaar im Kleinen, was eigentlich auf der ganzen Welt im interkulturellen Miteinander selbstverständlich sein sollte: Dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion sich einander mit Respekt und Liebe begegnen können, voneinander lernen, einander wertschätzen, das Gemeinsame stärken. Auch für die Familien der Braut und des Bräutigams kann es eine großer Erweiterung des eigenen Horizontes bedeuten zu erleben, wie der eigene Familienkreis um eine zunächst unbekannte Kultur erweitert und bereichert wird.

Für die Zeremonie selbst ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, jeweils die Elemente aufzunehmen, die in der jeweiligen Kultur wichtig sind. Oder, wie es sich eins der Paare wünscht, eben aus Gründen der Gleichberechtigung in der Trauzeremonie bewusst auf religiöse Texte, Gebete, etc, zu verzichten und stattdessen die Liebesgeschichte des Paares und die Würdigung der jeweiligen Familien in den Mittelpunkt zu stellen.

Falls beide einverstanden wären und es keinen Unfrieden in den Familien stiftet, wäre es aber genauso denkbar, wichtige Texte der jeweiligen Religion (z.B. Vaterunser oder 1. Sure) in die Zeremonie einzubinden. Wichtig ist, dass möglichst niemand das Gefühl hat, „zwangsweise“ für irgendetwas vereinnahmt zu werden.

Ich freue mich jedenfalls, dass ich außer kirchlich geprägten und völlig säkularen Brautpaaren nun auch zwei Paare begleiten darf, die aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen stammen. Letztlich sind sich wohl alle Religionen darin einig, dass die Liebe von Gott kommt. Schön, wenn zwei junge Menschen über die kulturellen Grenzen zueinander finden und einander versprechen, ihren Lebensweg gemeinsam zu gehen.

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Stille Wasser sind tief – Über Introversion und wie man damit trotzdem erfolgreich sein kann

Vortrag an der Volkshochschule Coburg, den ich dort übermorgen morgen so oder so ähnlich halten werde.

Liebe Zuhörer,

ich nehme an, jeder von Ihnen hat einen Grund, warum er oder sie heute Abend hier ist. In einer Welt, in der jeder versucht, sich möglichst gut zu verkaufen, haben es Menschen schwer, die nicht gerne

          Ihr Können vor anderen präsentieren

          Nicht besonders gern auf Partys oder zu ähnlichen gesellschaftlichen Events gehen

          Die nicht im Meeting oder früher in der Schulklasse als erste mit ihren Ideen herausplatzten

          Die nicht die ersten Ränge belegen, wenn es um repräsentative Aufgaben geht

Oft übersehen wird:

          Wer immer als erster redet, kann schlecht anderen zuhören

          Wer sich in den Vordergrund drängt, der übersieht gerne die Hintergründe, die wichtig wären, um ein Problem wirklich dauerhaft zu lösen

          Wer im Rampenlicht steht, wird oft geblendet

          Und nicht jeder der laut schreit, hat wirklich etwas zu sagen.

„Ein leerer Topf scheppert am lautesten!“

An diesem Abend möchte ich zum einen darüber reden, was es mit dem Begriff „Introversion“ auf sich hat. Zum anderen, warum es gut und völlig in Ordnung ist, ein introvertierter Mensch zu sein. Zum dritten, wie man lernen kann, seine Interessen trotzdem durchzusetzen.

 

Zunächst einmal möchte ich sie bitten, sich einmal in ihre eigene Schulzeit zurückzuversetzen.

Wo saßen Sie in der Klasse? Eher vorne oder eher hinten?

Der Lehrer stellt eine Frage. Sie wissen die richtige Antwort. Wie verhalten Sie sich?

Falls Sie sich nicht gemeldet haben, obwohl Sie die richtige Antwort wussten, woran lag es?

Und wie ist es Ihnen ergangen, wenn ein Lehrer darüber sprach, dass es halt auch auf die mündliche Mitarbeit ankommt und nicht nur auf die schriftlichen Leistungen?

Jeder Mensch ist unterschiedlich. Das sieht man schon in einer Schulklasse. Manche Kinder melden sich andauernd und falls sie nicht sofort drankommen, platzen sie mit der Antwort herein.

Andere Kinder sind zurückhaltender, überlegen gründlich. Aber oft hat schon irgendjemand eine Antwort in die Klasse gebrüllt, bis die Stilleren zu einem Ergebnis gekommen sind. Das ist dann sehr frustrierend. Aber am schlimmsten ist, dass die Antwort eines stilleren Kindes oft die bessere gewesen wäre: Genauer durchdacht, präziser. Nur dass das leider keiner mitbekommt. Und es kann sogar passieren, dass so ein Kind dann eine schlechtere Note bekommt, als ein lautes Kind, weil es angeblich nicht mitgearbeitet hat. Niemand sieht, dass ein stiller Schüler sehr wohl mitarbeitet. Aber es ist eine innerliche Arbeit, die nicht wertgeschätzt wird.

Diese mangelnde Wertschätzung ist es, die zu Frustration führt und die Frustration zu einem schlechteren Selbstbewusstsein.

Was für die Schule gilt, zieht sich dann oft bis ins Berufsleben hinein. Die Welt gehört den Lauten, die sich gut verkaufen können. Das ist sehr schade. Ich bin überzeugt, dass Schulen, Betriebe und soziale Einrichtungen besser beraten wären, auf das Wissen und die Ideen der Stillen zu hören.

 

„Dann musst du halt mal aus dir herausgehen!“

Diesen Satz habe ich sehr oft gehört. Lange habe ich daran geglaubt, dass mit mir wohl etwas nicht stimmt, und dass ich anders werden muss.

Bis mir aufgegangen ist, dass diese Forderung „Dann musst du halt mal aus dir herausgehen!“ ziemlich einseitig ist. Ein Stiller Mensch macht mit seiner Art weniger kaputt, als jemand, der mit vorschnellen Lösungen den Karren an die Wand fährt und einen Scherbenhaufen hinterlässt. Seit dem drehe ich den Spieß gern um. Statt dass ich aus mir herausgehe, könnte ich den anderen genauso gut auffordern: „Halt doch einfach mal die Klappe und schalte dein Hirn ein, vielleicht kommen wir dann gemeinsam zu einer Lösung.“

Ich denke es ist Zeit, dass die introvertierten Menschen sich vernetzen, ihren eigenen Wert erkennen und damit auch an die Öffentlichkeit gehen.

Psychologische Studien gehen davon aus, dass mindestens ein Drittel aller Menschen im Grunde introvertiert sind.

Was genau ist eigentlich Introversion?

Introversion ist keine Schüchternheit. Introversion ist viel mehr verbunden mit:

          Einem hohen Maß an Konzentration

          Der Gabe, Dinge in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen, statt sich auf irgendwelche Einzelheiten zu stürzen

          Die Gabe sich selbst für eine größerer Sache auch zurückzunehmen

Charakteristisch für introvertierte Menschen ist außerdem, dass sie ihre Energie hauptsächlich aus dem Inneren ziehen. Ein introvertierter Mensch bekommt seine Kraft dadurch, dass er mit seinen eigenen Gefühlen im Kontakt ist, dass er über Dinge nachdenken kann, die ihm wichtig sind. Auch Kunst oder Musik sind Kraftquellen, oder Gebet und Meditation. Zu viel mit anderen Menschen zusammen zu sein ist für einen introvertierten Menschen ein Energieräuber. In der heutigen Zeit neigt man gern dazu, selbst flüchtige Bekannte als Freunde zu bezeichnen. Ein introvertierter Mensch hat weniger soziale Beziehungen als ein extravertierter Mensch, erlebt mit den wenigen Menschen, die er wirklich liebt, aber eine enge und stabile Gemeinschaft. Introvertierte Menschen reden mit ihren Freunden gerne über die Dinge, die ihnen wirklich wichtig sind, aber nicht über irgendwelche Small Talk-Themen.

Ein extravertierter Mensch zieht seine Kraft eher aus der äußeren Welt. Auch sie brauchen natürlich einige Freunde, denen sie wirklich vertrauen können, aber sie neigen dazu, einen riesigen Bekanntenkreis am Laufen zu halten. Extravertierte Menschen wollen unterhalten werden. Dabei ist die Qualität der Unterhaltung oft nicht so entscheidend wie die Quantität. Dauernd muss irgendein Radio oder Fernseher laufen. Wenn ein extravertierter Mensch zur Ruhe kommt, weiß er oft nichts mit sich anzufangen. Extravertierte Menschen vermeiden möglichst Situationen, in denen sie mit der Stille konfrontiert sind. Während introvertierte Menschen die Stille lieben, macht sie extravertierten Menschen Angst.

 

Der Siegeszug der extravertierten Menschen

Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber es gab Zeiten, in denen Extraversion NICHT das Idealbild war, das die Gesellschaft von Menschen entwickelte. Über viele Jahrhunderte genossen nicht diejenigen das Ansehen, die am lautesten redeten, sondern diejenigen, die ihre Meinung gut überlegt begründen konnten oder der Handwerker (Schuster, Schreiner, Goldschmied), der den ganzen Tag hoch konzentriert seiner Arbeit nachging und dabei echte Meisterwerke der Handwerkskunst hervorbrachte. Ohne introvertierte Menschen gäbe es weder gute Bücher, noch qualitativ hochwertige Handwerkskunst, kurz, es gäbe nichts, was es erfordert, sich viele Stunden lang konzentriert einer Sache zuzuwenden.

Natürlich gab es auch früher die extravertierten Menschen. Aber das Verhältnis war ausgeglichener und Extraversion bedeutete nicht automatisch etwas Gutes.

 Ihren Siegeszug trat die Extraversion in dem Moment an, in dem es plötzlich nicht mehr so sehr auf die Qualität der Arbeit ankam, sondern darauf, viel zu verkaufen. In einer Welt, in der ein Handwerker wenige qualitativ hochwertige Produkte herstellt, zählt das Produkt an sich, und nicht ob der Handwerker ein Verkaufsgenie ist.

In dem Moment, in dem es die Möglichkeit gibt, dasselbe Produkt industriell herzustellen, zählt etwas anderes, nämlich das Produkt möglichst gut zu verkaufen. Wer etwas verkaufen will, der muss tatsächlich auf Menschen zugehen und sie davon überzeugen, dass das Produkt der Firma x besser ist als das Produkt der Firma y. Beim Verkaufen kommt es darauf an, wer am schnellsten und am auffälligsten ist.

Dieser Mentalitätswandel griff dann allmählich auch auf andere Lebensbereiche über und plötzlich musste man nicht mehr nur Waren verkaufen, sondern auch sich selber.

Das Leitbild wurde dann das Ideal vom „richtig netten Kerl“, vom „Entertainer“, wobei materieller Erfolg dann damit einher geht, dass man ein permanentes Lächeln auf den Lippen trägt und immer einen lockeren Spruch machen kann, mit dem man andere Menschen für sich einnimmt.

Für introvertierte Menschen ist das einfach nichts. „Wir“ ticken anders. Über viele Jahrzehnte wurde verlangt, dass „wir“ uns verstellen und anpassen. Es wird Zeit, die eigenen Stärken endlich ernst zu nehmen.

 

Wie introvertierte Menschen trotzdem erfolgreich sein können

1.       Akzeptieren: Ich bin ein introvertierter Mensch. Ich gönne mir das, was ich brauche: Ruhe, Möglichkeit, meinen Gedanken nachzugehen. Auf der Arbeit muss ich zwar leider mit allen Kollegen irgendwie auskommen. Aber in meinem Privatleben setze ich dieses Spiel nicht fort. In meinem Privatleben umgebe ich mich mit den wenigen Menschen, die mir wirklich gut tun, mit denen ich offen reden kann und die mich so mögen und akzeptieren, wie ich wirklich bin. Alle anderen haben in meinem PRIVATleben nichts verloren.

2.       Ich tue in meiner Freizeit, was mir WIRKLICH guttut. Ich lasse mich nicht unter Druck setzen, an Events teilzunehmen, die mich im Grunde nur nerven. Ich tanke dort auf, wo ich das wirklich kann. Sollte ich mal Lust haben, mich irgendwo ins Partyleben zu stürzen, dann tue ich das natürlich auch, aber ich nehme mir die Freiheit, die Party auch wieder zu verlassen, wenn es mir zu laut und zu viel wird.

3.       Ich entscheide mich dort, wo es MIR wichtig ist, erfolgreich zu sein. Ich weiß, dass es dazu leider oft notwendig ist, ein Spiel mitzuspielen, das nicht mein Spiel ist. Wenn es mir aber aus irgendeinem Grund wirklich wichtig ist, in einer Sache erfolgreich zu sein, dann beobachte ich (und das ist meine Stärke!) zunächst einmal, wie es hier läuft. Und dann ENTSCHEIDE ich mich bewusst dafür, eben Dinge zu tun, die in diesem speziellen Kontext wichtig sind. Es kann sein, dass ich z.B. in der Mittagspause eigentlich lieber meine Ruhe hätte, aber ich ENTSCHEIDE mich dafür, mich halt dann doch zu den Kollegen zu setzen, mit denen ich eigentlich nicht so gut klarkomme, von denen ich aber weiß, dass sie im Betrieb eine Schlüsselposition einnehmen. Oder ich beteilige mich an dieser oder jener Arbeitsgruppe. Nicht weil ich mich darum reiße, sondern weil ich weiß, dass es für meinen Erfolg wichtig ist.

4.       Beim Wunsch erfolgreich zu sein immer danach fragen: WARUM? Und FÜR WEN? Für extravertierte Menschen ist der Erfolg oft an sich erstrebenswert. Er tut ihrem Selbstbewusstsein gut. Ein Introvertierter Mensch zieht, wie gesagt, seine Energie sowieso aus den inneren Quellen. Gelobt zu werden ist zwar ganz nett, aber dafür reißt man sich als introvertierter Mensch kein Bein aus. Eine andere Sache ist es, wenn ich durch meinen Erfolg etwas bewegen kann, das mir wichtig ist. Zum Beispiel: Erfolg – Mehr Geld – für meine FAMILIE versuche ich, erfolgreich zu sein, weil es Menschen gibt, die ich liebe, und denen ich mehr gönnen möchte. Oder: Ich will erfolgreich sein, weil ich dadurch in einer Sache, die mir wichtig ist, mehr Einfluss gewinne. Die Stärke von introvertierten Menschen ist es, überlegt und strategisch zu handeln. Wer als introvertierter Mensch erfolgreich sein will, muss sich bewusst für etwas entscheiden. (Anmerkung: Natürlich müssen sich auch extravertierte Menschen bewusst dafür entscheiden, mehr zu arbeiten, um erfolgreicher zu sein. Ein extravertierter Mensch muss sich aber in einer Welt, die seine Verhaltensmuster belohnt, nicht bewusst dafür entscheiden, etwas gegen seine Natur zu unternehmen. Zum Beispiel, weniger selbstbewusst aufzutreten, oder sich in Meetings mit Ideen zurückzuhalten.)

5.       Üben. Introvertierte Menschen müssen, wenn es ihnen wirklich wichtig ist, sich dazu entscheiden, bestimmte Verhaltensweisen regelrecht bewusst zu üben. Zum Beispiel das Lächeln. Alle Welt erwartet heute ein strahlendes Lächeln. Lächeln ist eine Form sozialer Kommunikation. Man lächelt automatisch, wenn man Menschen begegnet, bei denen man sich freut, sie zu sehen. Daher ist es im Grunde einfach nicht natürlich, permanent zu lächeln. Zu lächeln, wenn ich mich nicht wirklich freue, einen Menschen zu treffen, ist vielmehr ein anerzogenes Verhalten. Extravertierte Menschen übernehmen das meistens fraglos, da sie eben viel mehr auf Bestätigung von außen angewiesen sind. Introvertierte Menschen lächeln weniger, weil ihnen das Urteil von Herrn Hinz und Frau Kunz im Grunde egal ist. Nun gibt es Kontexte, in denen leider ein fast permanentes Lächeln erwartet wird. Also, wenn man da aus irgendeinem Grund erfolgreich sein will: Dann lächeln wir halt, in Gottes Namen. Tun wir es bewusst, tun wir es, weil wir wissen, dass das zum Spiel gehört. Aber verwechseln wir es nicht mit einem Zeichen von echter Freude oder Zuneigung.

6.       Dasselbe gilt für öffentliche Auftritte oder Reden oder einfach das Melden in der Schule. Introvertierten Menschen liegt das in der Regel nicht. Auch hier gilt: Wenn ich erfolgreich sein will, muss ich mich bewusst dafür entscheiden, mich zu melden oder einen Vortrag, eine Präsentation zu halten. Zum Beispiel kann ich mir als Schüler vornehmen, das mich melden zu üben. Auch wenn ich es doof und banal finde. Ich nehme mir vor, mich einmal am Tag zu melden. Oder später dann einmal pro Schulstunde. Eigentlich ist es völlig egal, was ich dann sage. Für die meisten Lehrer zählt sowieso nicht die Qualität des Unterrichtsbeitrages, sondern nur die Quantität der Handzeichen.

7.       Das wichtigste: Das eigene Selbstwertgefühl stärken. Ich bin wie ich bin und es ist okay so. Ich habe Stärken, die ein extravertierter Mensch niemals haben wird, z.B. Geduld und die Gabe, anderen zuzuhören. Ich nehme die Welt intensiver wahr, weil ich selber weniger rede. Ich habe eine reiche Innenwelt. Anmerkung: Es ist kein Zufall dass wohl die meisten Schriftsteller introvertiert sind. Hier geht es ja genau darum, die eigenen Gedanken und inneren Bilder zu Texten und Geschichten zu verarbeiten, im stillen Kämmerlein, wo erst einmal keiner applaudiert.

Wichtig finde ich auch, dass ein introvertierter Mensch sich möglichst einen Beruf suchen sollte, der seinem Charakter entspricht. Natürlich gibt es Berufe, in denen beides wichtig ist, gründliches Nachdenken und Kommunikation mit anderen Menschen.

Dennoch gibt es für introvertierte Menschen auch NoGo-Berufe, in denen ein Introvertierter nie und nimmer glücklich wird, egal, wie bewusst er sich für „Erfolg“ und „Üben von ungeliebten Verhaltensweisen“ entscheidet. Wer sich als introvertierter Mensch in so einem Beruf wiederfindet und merkt: Ich bin auf dem falschen Dampfer!, der sollte umschulen. Es gibt erfüllende und wunderbare Tätigkeiten, bei denen Introvertierte aufblühen. Zum Beispiel:

          Alles, was mit Natur zu tun hat (Gärtner, Förster, Tierpfleger…)

          Alles, wo es darauf ankommt, Menschen zu beraten oder ihnen zuzuhören (Betreuerin für Demenzkranke, Psychotherapeutin, Coach….)

          Alles, wo man geduldig und in ruhiger Umgebung an Details arbeiten muss

          Kreative Berufe, Handwerksberufe mit eigener Werkstatt

          Orchestermusiker

          Mit leichten Vorbehalten: Lehrer. Vor allem aber im Einzel- oder Kleingruppenunterricht

          Mit etwas Übung: Alles, wo man Vorträge vorbereiten und halten muss.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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