#twomplet – Beten in 140 Zeichen

Heute habe ich zum ersten mal seit langem mal wieder die Ehre, die #Twomplet vorzubeten. Über die Twomplet wurde schon viel geschrieben, aber noch nicht von allen. Was ist die Twomplet? Das Wort setzt sich zusammen aus Twitter und Komplet. Was Twitter ist, dürfte inzwischen bekannt sein. Was die Komplet ist, eher weniger. Mit dem Begriff Komplet bezeichnet man das Nachtgebet der Kirche. Die Komplet ist eine der drei wichtigen klösterlichen Gebetszeiten. Die Laudes (Lobgebet) ist das Morgengebet, meist um 6 oder 7 Uhr morgens gebetet. Die Vesper ist das Abendgebet (meist um 17 Uhr gebetet markiert sie das Ende des aktiven Teils des Tages). Die Komplet schließt den Tag ab. Man legt den Tag zurück in Gottes Hand, bittet um Vergebung für alles, was an diesem Tag nicht rund lief, um eine gesegnete Nachtruhe und Schutz leiblichen und geistigen Gefahren in dieser Nacht.

Soweit zur Bedeutung der Komplet im Allgemeinen. Die #Twomplet gibt es seit 2014 und seit dem findet sie jeden Abend um 21 Uhr im Netz statt, und zwar natürlich auf Twitter. Christen unterschiedlichster Prägung beteiligen sich daran. Jeden Abend gibt es einen Vorbeter. Damit es kein Durcheinander gibt, gibt es einen Doodle, in den man sich vorab einträgt.

Der Vorbeter gibt in kurzen prägnanten Sätzen (Tweets) die Grundlinie vor und verlinkt z.B. auf Videos bei YouTube (Glockenläuten, Lieder, etc.) – die Gemeinde beteiligt sich, indem sie unter dem Hashtag #Twomplet Fürbitten twittert oder einfach still mitliest.

Das mag für die nicht-twitternde Welt erstmal seltsam klingen. Aber der „Erfolg“ des Projektes und die ernste Anteilnahme vieler Menschen, die seit Jahren die Twomplet verfolgen oder sich aktiv einbringen zeigt, dass hier längst eine neue Form der geistlichen Gemeinschaft entstanden ist. Unkompliziert, ökumenisch, niederschwellig und doch tiefgründig.

Dass die #Twomplet Menschen „trägt“, merkt man zum Beispiel dann, wenn es wieder einmal irgendwo auf der Welt einen schlimmen Anschlag gab. In der Twomplet wird darauf immer eingegangen und gerade an solchen Abenden merkt man, dass sie länger dauert als sonst, dass sich mehr Menschen einbringen oder mitlesen.

Wer es einmal ausprobieren möchte, ob aktiv oder als stiller Mitleser: Jeden Abend um 21 Uhr. Ort: Weltweit. Auf Twitter und @twomplet bzw. #twomplet.

Man liest sich…

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Multikulturelle Hochzeiten

In letzter Zeit hatte ich zwei Anfragen für freie Trauungen, die etwas „anders“ sind, als es freie Trauungen ohnehin schon sind. Und zwar deshalb, weil Braut und Bräutigam aus zwei unterschiedlichen Kulturkreisen und Religionen stammen. Bei dem einen Paar ist „er“ Muslim und sie evangelische Christin, aber beide nicht oder wenig praktizierend. Bei dem anderen Paar ist es umgekehrt, „sie“ ist Muslima und „er“ ist evangelischer Christ.

Hochzeiten wie diese haben besondere Herausforderungen, aber auch einen besonderen Reiz. Wenn es gut geht, dann demonstriert so ein Brautpaar im Kleinen, was eigentlich auf der ganzen Welt im interkulturellen Miteinander selbstverständlich sein sollte: Dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion sich einander mit Respekt und Liebe begegnen können, voneinander lernen, einander wertschätzen, das Gemeinsame stärken. Auch für die Familien der Braut und des Bräutigams kann es eine großer Erweiterung des eigenen Horizontes bedeuten zu erleben, wie der eigene Familienkreis um eine zunächst unbekannte Kultur erweitert und bereichert wird.

Für die Zeremonie selbst ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, jeweils die Elemente aufzunehmen, die in der jeweiligen Kultur wichtig sind. Oder, wie es sich eins der Paare wünscht, eben aus Gründen der Gleichberechtigung in der Trauzeremonie bewusst auf religiöse Texte, Gebete, etc, zu verzichten und stattdessen die Liebesgeschichte des Paares und die Würdigung der jeweiligen Familien in den Mittelpunkt zu stellen.

Falls beide einverstanden wären und es keinen Unfrieden in den Familien stiftet, wäre es aber genauso denkbar, wichtige Texte der jeweiligen Religion (z.B. Vaterunser oder 1. Sure) in die Zeremonie einzubinden. Wichtig ist, dass möglichst niemand das Gefühl hat, „zwangsweise“ für irgendetwas vereinnahmt zu werden.

Ich freue mich jedenfalls, dass ich außer kirchlich geprägten und völlig säkularen Brautpaaren nun auch zwei Paare begleiten darf, die aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen stammen. Letztlich sind sich wohl alle Religionen darin einig, dass die Liebe von Gott kommt. Schön, wenn zwei junge Menschen über die kulturellen Grenzen zueinander finden und einander versprechen, ihren Lebensweg gemeinsam zu gehen.

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Stille Wasser sind tief – Über Introversion und wie man damit trotzdem erfolgreich sein kann

Vortrag an der Volkshochschule Coburg, den ich dort übermorgen morgen so oder so ähnlich halten werde.

Liebe Zuhörer,

ich nehme an, jeder von Ihnen hat einen Grund, warum er oder sie heute Abend hier ist. In einer Welt, in der jeder versucht, sich möglichst gut zu verkaufen, haben es Menschen schwer, die nicht gerne

          Ihr Können vor anderen präsentieren

          Nicht besonders gern auf Partys oder zu ähnlichen gesellschaftlichen Events gehen

          Die nicht im Meeting oder früher in der Schulklasse als erste mit ihren Ideen herausplatzten

          Die nicht die ersten Ränge belegen, wenn es um repräsentative Aufgaben geht

Oft übersehen wird:

          Wer immer als erster redet, kann schlecht anderen zuhören

          Wer sich in den Vordergrund drängt, der übersieht gerne die Hintergründe, die wichtig wären, um ein Problem wirklich dauerhaft zu lösen

          Wer im Rampenlicht steht, wird oft geblendet

          Und nicht jeder der laut schreit, hat wirklich etwas zu sagen.

„Ein leerer Topf scheppert am lautesten!“

An diesem Abend möchte ich zum einen darüber reden, was es mit dem Begriff „Introversion“ auf sich hat. Zum anderen, warum es gut und völlig in Ordnung ist, ein introvertierter Mensch zu sein. Zum dritten, wie man lernen kann, seine Interessen trotzdem durchzusetzen.

 

Zunächst einmal möchte ich sie bitten, sich einmal in ihre eigene Schulzeit zurückzuversetzen.

Wo saßen Sie in der Klasse? Eher vorne oder eher hinten?

Der Lehrer stellt eine Frage. Sie wissen die richtige Antwort. Wie verhalten Sie sich?

Falls Sie sich nicht gemeldet haben, obwohl Sie die richtige Antwort wussten, woran lag es?

Und wie ist es Ihnen ergangen, wenn ein Lehrer darüber sprach, dass es halt auch auf die mündliche Mitarbeit ankommt und nicht nur auf die schriftlichen Leistungen?

Jeder Mensch ist unterschiedlich. Das sieht man schon in einer Schulklasse. Manche Kinder melden sich andauernd und falls sie nicht sofort drankommen, platzen sie mit der Antwort herein.

Andere Kinder sind zurückhaltender, überlegen gründlich. Aber oft hat schon irgendjemand eine Antwort in die Klasse gebrüllt, bis die Stilleren zu einem Ergebnis gekommen sind. Das ist dann sehr frustrierend. Aber am schlimmsten ist, dass die Antwort eines stilleren Kindes oft die bessere gewesen wäre: Genauer durchdacht, präziser. Nur dass das leider keiner mitbekommt. Und es kann sogar passieren, dass so ein Kind dann eine schlechtere Note bekommt, als ein lautes Kind, weil es angeblich nicht mitgearbeitet hat. Niemand sieht, dass ein stiller Schüler sehr wohl mitarbeitet. Aber es ist eine innerliche Arbeit, die nicht wertgeschätzt wird.

Diese mangelnde Wertschätzung ist es, die zu Frustration führt und die Frustration zu einem schlechteren Selbstbewusstsein.

Was für die Schule gilt, zieht sich dann oft bis ins Berufsleben hinein. Die Welt gehört den Lauten, die sich gut verkaufen können. Das ist sehr schade. Ich bin überzeugt, dass Schulen, Betriebe und soziale Einrichtungen besser beraten wären, auf das Wissen und die Ideen der Stillen zu hören.

 

„Dann musst du halt mal aus dir herausgehen!“

Diesen Satz habe ich sehr oft gehört. Lange habe ich daran geglaubt, dass mit mir wohl etwas nicht stimmt, und dass ich anders werden muss.

Bis mir aufgegangen ist, dass diese Forderung „Dann musst du halt mal aus dir herausgehen!“ ziemlich einseitig ist. Ein Stiller Mensch macht mit seiner Art weniger kaputt, als jemand, der mit vorschnellen Lösungen den Karren an die Wand fährt und einen Scherbenhaufen hinterlässt. Seit dem drehe ich den Spieß gern um. Statt dass ich aus mir herausgehe, könnte ich den anderen genauso gut auffordern: „Halt doch einfach mal die Klappe und schalte dein Hirn ein, vielleicht kommen wir dann gemeinsam zu einer Lösung.“

Ich denke es ist Zeit, dass die introvertierten Menschen sich vernetzen, ihren eigenen Wert erkennen und damit auch an die Öffentlichkeit gehen.

Psychologische Studien gehen davon aus, dass mindestens ein Drittel aller Menschen im Grunde introvertiert sind.

Was genau ist eigentlich Introversion?

Introversion ist keine Schüchternheit. Introversion ist viel mehr verbunden mit:

          Einem hohen Maß an Konzentration

          Der Gabe, Dinge in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen, statt sich auf irgendwelche Einzelheiten zu stürzen

          Die Gabe sich selbst für eine größerer Sache auch zurückzunehmen

Charakteristisch für introvertierte Menschen ist außerdem, dass sie ihre Energie hauptsächlich aus dem Inneren ziehen. Ein introvertierter Mensch bekommt seine Kraft dadurch, dass er mit seinen eigenen Gefühlen im Kontakt ist, dass er über Dinge nachdenken kann, die ihm wichtig sind. Auch Kunst oder Musik sind Kraftquellen, oder Gebet und Meditation. Zu viel mit anderen Menschen zusammen zu sein ist für einen introvertierten Menschen ein Energieräuber. In der heutigen Zeit neigt man gern dazu, selbst flüchtige Bekannte als Freunde zu bezeichnen. Ein introvertierter Mensch hat weniger soziale Beziehungen als ein extravertierter Mensch, erlebt mit den wenigen Menschen, die er wirklich liebt, aber eine enge und stabile Gemeinschaft. Introvertierte Menschen reden mit ihren Freunden gerne über die Dinge, die ihnen wirklich wichtig sind, aber nicht über irgendwelche Small Talk-Themen.

Ein extravertierter Mensch zieht seine Kraft eher aus der äußeren Welt. Auch sie brauchen natürlich einige Freunde, denen sie wirklich vertrauen können, aber sie neigen dazu, einen riesigen Bekanntenkreis am Laufen zu halten. Extravertierte Menschen wollen unterhalten werden. Dabei ist die Qualität der Unterhaltung oft nicht so entscheidend wie die Quantität. Dauernd muss irgendein Radio oder Fernseher laufen. Wenn ein extravertierter Mensch zur Ruhe kommt, weiß er oft nichts mit sich anzufangen. Extravertierte Menschen vermeiden möglichst Situationen, in denen sie mit der Stille konfrontiert sind. Während introvertierte Menschen die Stille lieben, macht sie extravertierten Menschen Angst.

 

Der Siegeszug der extravertierten Menschen

Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber es gab Zeiten, in denen Extraversion NICHT das Idealbild war, das die Gesellschaft von Menschen entwickelte. Über viele Jahrhunderte genossen nicht diejenigen das Ansehen, die am lautesten redeten, sondern diejenigen, die ihre Meinung gut überlegt begründen konnten oder der Handwerker (Schuster, Schreiner, Goldschmied), der den ganzen Tag hoch konzentriert seiner Arbeit nachging und dabei echte Meisterwerke der Handwerkskunst hervorbrachte. Ohne introvertierte Menschen gäbe es weder gute Bücher, noch qualitativ hochwertige Handwerkskunst, kurz, es gäbe nichts, was es erfordert, sich viele Stunden lang konzentriert einer Sache zuzuwenden.

Natürlich gab es auch früher die extravertierten Menschen. Aber das Verhältnis war ausgeglichener und Extraversion bedeutete nicht automatisch etwas Gutes.

 Ihren Siegeszug trat die Extraversion in dem Moment an, in dem es plötzlich nicht mehr so sehr auf die Qualität der Arbeit ankam, sondern darauf, viel zu verkaufen. In einer Welt, in der ein Handwerker wenige qualitativ hochwertige Produkte herstellt, zählt das Produkt an sich, und nicht ob der Handwerker ein Verkaufsgenie ist.

In dem Moment, in dem es die Möglichkeit gibt, dasselbe Produkt industriell herzustellen, zählt etwas anderes, nämlich das Produkt möglichst gut zu verkaufen. Wer etwas verkaufen will, der muss tatsächlich auf Menschen zugehen und sie davon überzeugen, dass das Produkt der Firma x besser ist als das Produkt der Firma y. Beim Verkaufen kommt es darauf an, wer am schnellsten und am auffälligsten ist.

Dieser Mentalitätswandel griff dann allmählich auch auf andere Lebensbereiche über und plötzlich musste man nicht mehr nur Waren verkaufen, sondern auch sich selber.

Das Leitbild wurde dann das Ideal vom „richtig netten Kerl“, vom „Entertainer“, wobei materieller Erfolg dann damit einher geht, dass man ein permanentes Lächeln auf den Lippen trägt und immer einen lockeren Spruch machen kann, mit dem man andere Menschen für sich einnimmt.

Für introvertierte Menschen ist das einfach nichts. „Wir“ ticken anders. Über viele Jahrzehnte wurde verlangt, dass „wir“ uns verstellen und anpassen. Es wird Zeit, die eigenen Stärken endlich ernst zu nehmen.

 

Wie introvertierte Menschen trotzdem erfolgreich sein können

1.       Akzeptieren: Ich bin ein introvertierter Mensch. Ich gönne mir das, was ich brauche: Ruhe, Möglichkeit, meinen Gedanken nachzugehen. Auf der Arbeit muss ich zwar leider mit allen Kollegen irgendwie auskommen. Aber in meinem Privatleben setze ich dieses Spiel nicht fort. In meinem Privatleben umgebe ich mich mit den wenigen Menschen, die mir wirklich gut tun, mit denen ich offen reden kann und die mich so mögen und akzeptieren, wie ich wirklich bin. Alle anderen haben in meinem PRIVATleben nichts verloren.

2.       Ich tue in meiner Freizeit, was mir WIRKLICH guttut. Ich lasse mich nicht unter Druck setzen, an Events teilzunehmen, die mich im Grunde nur nerven. Ich tanke dort auf, wo ich das wirklich kann. Sollte ich mal Lust haben, mich irgendwo ins Partyleben zu stürzen, dann tue ich das natürlich auch, aber ich nehme mir die Freiheit, die Party auch wieder zu verlassen, wenn es mir zu laut und zu viel wird.

3.       Ich entscheide mich dort, wo es MIR wichtig ist, erfolgreich zu sein. Ich weiß, dass es dazu leider oft notwendig ist, ein Spiel mitzuspielen, das nicht mein Spiel ist. Wenn es mir aber aus irgendeinem Grund wirklich wichtig ist, in einer Sache erfolgreich zu sein, dann beobachte ich (und das ist meine Stärke!) zunächst einmal, wie es hier läuft. Und dann ENTSCHEIDE ich mich bewusst dafür, eben Dinge zu tun, die in diesem speziellen Kontext wichtig sind. Es kann sein, dass ich z.B. in der Mittagspause eigentlich lieber meine Ruhe hätte, aber ich ENTSCHEIDE mich dafür, mich halt dann doch zu den Kollegen zu setzen, mit denen ich eigentlich nicht so gut klarkomme, von denen ich aber weiß, dass sie im Betrieb eine Schlüsselposition einnehmen. Oder ich beteilige mich an dieser oder jener Arbeitsgruppe. Nicht weil ich mich darum reiße, sondern weil ich weiß, dass es für meinen Erfolg wichtig ist.

4.       Beim Wunsch erfolgreich zu sein immer danach fragen: WARUM? Und FÜR WEN? Für extravertierte Menschen ist der Erfolg oft an sich erstrebenswert. Er tut ihrem Selbstbewusstsein gut. Ein Introvertierter Mensch zieht, wie gesagt, seine Energie sowieso aus den inneren Quellen. Gelobt zu werden ist zwar ganz nett, aber dafür reißt man sich als introvertierter Mensch kein Bein aus. Eine andere Sache ist es, wenn ich durch meinen Erfolg etwas bewegen kann, das mir wichtig ist. Zum Beispiel: Erfolg – Mehr Geld – für meine FAMILIE versuche ich, erfolgreich zu sein, weil es Menschen gibt, die ich liebe, und denen ich mehr gönnen möchte. Oder: Ich will erfolgreich sein, weil ich dadurch in einer Sache, die mir wichtig ist, mehr Einfluss gewinne. Die Stärke von introvertierten Menschen ist es, überlegt und strategisch zu handeln. Wer als introvertierter Mensch erfolgreich sein will, muss sich bewusst für etwas entscheiden. (Anmerkung: Natürlich müssen sich auch extravertierte Menschen bewusst dafür entscheiden, mehr zu arbeiten, um erfolgreicher zu sein. Ein extravertierter Mensch muss sich aber in einer Welt, die seine Verhaltensmuster belohnt, nicht bewusst dafür entscheiden, etwas gegen seine Natur zu unternehmen. Zum Beispiel, weniger selbstbewusst aufzutreten, oder sich in Meetings mit Ideen zurückzuhalten.)

5.       Üben. Introvertierte Menschen müssen, wenn es ihnen wirklich wichtig ist, sich dazu entscheiden, bestimmte Verhaltensweisen regelrecht bewusst zu üben. Zum Beispiel das Lächeln. Alle Welt erwartet heute ein strahlendes Lächeln. Lächeln ist eine Form sozialer Kommunikation. Man lächelt automatisch, wenn man Menschen begegnet, bei denen man sich freut, sie zu sehen. Daher ist es im Grunde einfach nicht natürlich, permanent zu lächeln. Zu lächeln, wenn ich mich nicht wirklich freue, einen Menschen zu treffen, ist vielmehr ein anerzogenes Verhalten. Extravertierte Menschen übernehmen das meistens fraglos, da sie eben viel mehr auf Bestätigung von außen angewiesen sind. Introvertierte Menschen lächeln weniger, weil ihnen das Urteil von Herrn Hinz und Frau Kunz im Grunde egal ist. Nun gibt es Kontexte, in denen leider ein fast permanentes Lächeln erwartet wird. Also, wenn man da aus irgendeinem Grund erfolgreich sein will: Dann lächeln wir halt, in Gottes Namen. Tun wir es bewusst, tun wir es, weil wir wissen, dass das zum Spiel gehört. Aber verwechseln wir es nicht mit einem Zeichen von echter Freude oder Zuneigung.

6.       Dasselbe gilt für öffentliche Auftritte oder Reden oder einfach das Melden in der Schule. Introvertierten Menschen liegt das in der Regel nicht. Auch hier gilt: Wenn ich erfolgreich sein will, muss ich mich bewusst dafür entscheiden, mich zu melden oder einen Vortrag, eine Präsentation zu halten. Zum Beispiel kann ich mir als Schüler vornehmen, das mich melden zu üben. Auch wenn ich es doof und banal finde. Ich nehme mir vor, mich einmal am Tag zu melden. Oder später dann einmal pro Schulstunde. Eigentlich ist es völlig egal, was ich dann sage. Für die meisten Lehrer zählt sowieso nicht die Qualität des Unterrichtsbeitrages, sondern nur die Quantität der Handzeichen.

7.       Das wichtigste: Das eigene Selbstwertgefühl stärken. Ich bin wie ich bin und es ist okay so. Ich habe Stärken, die ein extravertierter Mensch niemals haben wird, z.B. Geduld und die Gabe, anderen zuzuhören. Ich nehme die Welt intensiver wahr, weil ich selber weniger rede. Ich habe eine reiche Innenwelt. Anmerkung: Es ist kein Zufall dass wohl die meisten Schriftsteller introvertiert sind. Hier geht es ja genau darum, die eigenen Gedanken und inneren Bilder zu Texten und Geschichten zu verarbeiten, im stillen Kämmerlein, wo erst einmal keiner applaudiert.

Wichtig finde ich auch, dass ein introvertierter Mensch sich möglichst einen Beruf suchen sollte, der seinem Charakter entspricht. Natürlich gibt es Berufe, in denen beides wichtig ist, gründliches Nachdenken und Kommunikation mit anderen Menschen.

Dennoch gibt es für introvertierte Menschen auch NoGo-Berufe, in denen ein Introvertierter nie und nimmer glücklich wird, egal, wie bewusst er sich für „Erfolg“ und „Üben von ungeliebten Verhaltensweisen“ entscheidet. Wer sich als introvertierter Mensch in so einem Beruf wiederfindet und merkt: Ich bin auf dem falschen Dampfer!, der sollte umschulen. Es gibt erfüllende und wunderbare Tätigkeiten, bei denen Introvertierte aufblühen. Zum Beispiel:

          Alles, was mit Natur zu tun hat (Gärtner, Förster, Tierpfleger…)

          Alles, wo es darauf ankommt, Menschen zu beraten oder ihnen zuzuhören (Betreuerin für Demenzkranke, Psychotherapeutin, Coach….)

          Alles, wo man geduldig und in ruhiger Umgebung an Details arbeiten muss

          Kreative Berufe, Handwerksberufe mit eigener Werkstatt

          Orchestermusiker

          Mit leichten Vorbehalten: Lehrer. Vor allem aber im Einzel- oder Kleingruppenunterricht

          Mit etwas Übung: Alles, wo man Vorträge vorbereiten und halten muss.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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Prägungen, die sich melden (Tagebuch)

Schon vor längerer Zeit hörte ich folgende kleine Anekdote: Ein bekennender Atheist im Gespräch mit einem katholischen Priester. Der Atheist im Brustton der Überzeugung: „Ich bin vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten, und das ist auch gut so!“ – Der Priester: „Das mag sein, aber die Kirche ist nicht aus Ihnen ausgetreten.“

Nun bin ich ja nicht ausgetreten, schon gar nicht aus der katholischen Kirche, in der ich nie drin war. Ich bin lediglich von der evangelischen in die alt-katholische Kirche konvertiert. Merke aber zunehmend: So butterweich und geschmeidig wie ich gehofft hatte, geht so ein Wechsel nicht. Seit meiner Taufe mit 20 Jahren war ich evangelisch, sogar Amtsträgerin, insgesamt über 20 Jahre lang. Und bei allem „neu anfangen wollen“ und „Kirche ganz anders leben wollen“ und aller Liebe zum „Katholischen“ bleiben 20 Jahre eben doch eine sehr prägende Zeit. Ich merke es an vielen kleineren und größeren Dingen. Mir gehen evangelische Kirchenlieder im Kopf und im Herzen herum, die halt einfach zu diesem oder jenem kirchlichen Feiertag gesungen werden, aber in einer anderen Konfession keine Rolle spielen. Ich beobachte mit einem halben oder mit anderthalb Augen im Netz, was bei der ELKB-Synode so läuft. Ich merke, dass ich eigentlich doch ganz gern wieder Teil einer „größeren“ kirchlichen Gemeinschaft wäre, als meiner momentanen. Die alt-katholische Kirche hat den Charme einer kleinen und progressiven Gemeinschaft. Mir gefällt daran sehr viel, nicht zuletzt die Liturgie. Merke aber auch, dass viele ihrer Fragestellungen einfach daraus resultieren, dass sehr viele ihrer Mitglieder frustrierte ehemalige Katholiken sind, die hier beinahe trotzig eine neue Heimat suchen….und dass deren Fragen nicht unbedingt meine Fragen sind.

Allerdings hatte es auch (für mich sehr gravierende) Gründe, dass ich vor zwei Jahren konvertiert bin und auch das kann und will ich nicht einfach vom Tisch wischen. Ich kann nicht einfach da wieder anknüpfen, wo ich vor zwei Jahren aufgehört habe. Die letzten zwei Jahre haben mich verändert. Fast alles in meinem Leben ist anders geworden.

Also bleibe ich jetzt erst mal wo ich bin. Ich habe momentan gravierende Fragen als die, ob ich wieder evangelisch werden will. Oder gar versuchen, in meiner ehemaligen Kirche wieder irgendein „Amt“ zu ergattern. Ich schließe es nicht kategorisch aus, aber so ein Schritt, sollte er irgendwann dran sein, braucht noch viel innere Klärung.

 

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Luthergedöns zum Reformationsjubiläum

2017 steht in den evangelischen Kirchen ganz im Zeichen des 500jährigen Jubiläums der Reformation, genauer gesagt: Deren Startschuss am 31. Oktober 1517, der Tag, an dem (zumindest sagt das die lutherische Legendenbildung) Martin Luther seine 95 Thesen an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug.

Nun will ich die Bedeutung dieses historischen Datums in keinster Weise schmälern. Die Reformation hat vieles ins Rollen gebracht, wovon wir heute noch profitieren. Innerkirchlich (Gottesdienste in deutscher Sprache und damit allgemein verständlich) wie gesellschaftlich (allgemeine Schulpflicht, Armenfürsorge,…). Die Bedeutung der Lutherbibel für die Entwicklung der deutschen Sprache wird kaum jemand bestreiten. Die Lehre von der Rechtfertigung und damit verbunden die Betonung der „Gnade“ (bedingungslosen Liebe) Gottes hat viele geknechtete und angefochtenen Seelen froh gemacht und einen neuen Zugang zum Glauben eröffnet.

Auch zum Jubiläumsjahr geschieht sicher viel Gutes, vor allem im ökumenischen Miteinander, Versöhnung der Konfessionen, Bildungsveranstaltungen und manches andere.

Was ich aber zunehmend seltsam finde, sind die Blüten, die das „Gedenken“ an Martin Luther mancherorts treibt. Nun habe ich das Glück in Coburg zu leben, der wohl bedeutendsten „Lutherstadt“ im Freistaat Bayern, und bekomme auf diese Weise so einiges mit.

Die örtliche Buchhandlung vertreibt neben der überarbeiteten Lutherübersetzung der Bibel Kühlschrankmagnete und Flaschenöffner mit Luther-Konterfei, Lutherkalender, Luther-Spruchkarten und Lutherplakate. Nicht weit von hier vertreibt eine Brauerei Lutherbier. Bei einem Vortrag neulich schenkte mir jemand Kaffee, aber nicht irgendeinen Kaffee, sondern „Frau Käthe“-Kaffee. In Düsseldorf wollte eine kirchliche Jugendorganisation Kondome mit Luthersprüchen verteilen („Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, und das ist kein Witz). Letzteres Unterfangen wurde dann von der Evangelischen Kirche im Rheinland doch unterbunden.

Nun könnte man sagen: Naja, die frohmachende Botschaft von der Freiheit eines Christenmenschen, die Martin Luther uns geschenkt hat, will eben unters Volk gebracht werden. Identität soll gestiftet werden. WIR sind Lutheraner (ich ja nicht mehr, aber das ist ein anderes Thema).

Das führt mich aber zu der Frage: Wie ausgehöhlt muss die Identität einer Glaubensgemeinschaft eigentlich sein, dass man sich über derartigem Nippes ihrer versichern muss? Und ehrlich gesagt glaube ich, wenn ich den Käufer des Lutherkühlschrankmagneten einmal fragen würde, welcher zentrale Gedanke Martin Luthers ihm denn am wichtigsten ist, wüsste er keine eindeutige Antwort.

Ich persönlich nehme es so wahr: Martin Luther ist für sehr viele evangelische Christen eine Art Etikett, das eigentlich nur sagt, dass man nicht katholisch ist und auch nicht nichts glaubt. Was man aber glaubt, das weiß man auch nicht so recht. Aber dieser Luther war halt irgendwie gut, und weil wir nicht katholisch sind und uns das ganz wichtig ist, darum feiern wir jetzt dieses Jubiläum.

Schon in meiner Zeit als Pfarrerin geriet ich einmal mit einem Gemeindeglied aneinander, das mir vorwarf, nicht „lutherisch“ genug zu sein. Ich erwiderte drauf, dass ich meine Identität nicht aus Martin Luther ziehe, sondern aus meiner Verbindung zu Jesus Christus und meine Taufe auf ihn hin. Und ich vermute stark, dass auch Luther selbst und seine Anhänger sich nicht als „Lutheraner“ bezeichnet hätte. Ihm ging es um die Wiederentdeckung der christlichen Wurzeln, der Liebe Gottes, die Liebe zur Bibel und um die Frage: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“

Vermutlich würde er sich selber sehr darüber wundern, warum evangelische Christen sein Jubiläum begehen. Ich sehe die Gefahr, dass hier wieder einmal eine Nebensache zur Hauptsache gemacht wird. Sehr viele Zeitgenossen werden das Lutherjubiläum zwar am Rande wahrnehmen, aber mehr auch nicht. Mit gelebtem Glauben und einer lebendigen Beziehung zu Gott hat das Ganze meiner Ansicht nach nur sehr am Rande etwas zu tun.

 

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Tagebuch 14.3.2017

Zur Abwechslung mal wieder ein wenig Tagebuch. Denn als solches begann dieser Blog ja einst. Was tut sich? Mit meinem neuen Job als Betreuungskraft bin ich zurzeit sehr zufrieden, auch wenn ich damit mit Sicherheit nicht reich werde. Zum Glück bin ich ein Mensch, der sich einigermaßen gut von „Materiellem“ lösen kann, sonst würde mir der Vergleich meiner gegenwärtigen Einkünfte mit denen als verbeamtete Pfarrerin regelmäßig die Tränen in die Augen treiben.

Von Materiellem lösen ist auch angesagt, weil ich Mitte kommenden Monats (zum wievielten Male??) umziehe, diesmal aber erfreulicherweise nicht alleine, vielmehr ziehe ich mit meinem Partner zusammen, und schon allein deshalb hat sich mein Ausstieg aus dem Pfarramt mehr als „gelohnt“, denn in meiner alten „Rolle“ hätte ich diesem Menschen einfach nicht kennen gelernt (und vermutlich auch keinen anderen).

Die freiberufliche Tätigkeit läuft mal so und mal so. Im Sommer werde ich etliche freie Trauungen begleiten. Ende April steht eine freie Taufe/Kindersegnungsfeier an. Darauf freue ich mich. Bin aber auch froh, dass dank des „Jobs“ im Altenheim nun regelmäßig etwas aufs Konto kommt.

Was noch interessant ist: Heute vor 14 Jahren wurde ich als „Pfarrerin auf Lebenszeit“ ordiniert. Ein seltsames Datum. Ich glaube, für mich ungefähr so wie für einen geschiedenen Menschen der Hochzeitstag seiner ehemaligen Ehe. Die Ehe gibt es nicht mehr. Aber das Datum bleibt trotzdem ständig in Erinnerung.

Aber wie lautete damals doch der Wochenspruch (es war der Sonntag „Oculi“)? „Wer die Hand an den Pflug legt und zurück sieht, der taugt nicht zum Reich Gottes.“

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Betreuungskraft Demenz und neuer „Job“

Seit letzter Woche bin ich offiziell „Betreuungskraft für Demenzkranke“. Und habe ab kommender Woche dank einer Verkettung glücklicher Zufälle auch einen Job mit 20 Wochenstunden. Damit nun ein festes Standbein neben meiner freiberuflichen Tätigkeit und erstmal einige Sorgen weniger.

Ich werde berichten, wie es läuft.

zertifikat

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Wie wollen wir sterben?

Die Notaufnahmeschwester sieht viele meiner „Kunden“ vor deren Ableben und ich kann aus vielen Trauergesprächen leider nur bestätigen: Wir reden mit unseren Liebsten zu wenig über Fragen von Tod und Sterben. Klar, es ist ja auch ein schwieriges Thema. Aber noch schwieriger ist es doch, wenn man sich mit der Situation eines sterbenden Angehörigen konfrontiert sieht und keine Ahnung hat, was er oder sie in dieser Situation gewollt hätte! Reanimation oder nicht? Künstliche Ernährung oder einfach Sterbenkönnen? Organspende, ja oder nein? Die Autorin appelliert an Sie, mich und uns alle: Redet drüber! Und macht eine Patientenverfügung! Denn Sterben ist anstrengend genug.

notaufnahmeschwester

Es vergeht kaum ein Dienst, in dem nicht ein (seit langem) krachkranker, sterbender Mensch in die Notaufnahme gebracht wird. Hohes Fieber, schlechte Atmung, langjährige und gravierende Vorerkrankungen, Wundgeschwüre – die Liste lässt sich nach Belieben fortsetzen.

Bei einem Patienten mit knapp 4o° Fieber, Parkinson und Demenz sowie einer fulminanten Lungenentzündung, war die Ehefrau mit dabei. Er hatte eine PEG und einen Blasendauerkatheter. Es roch von der Türe aus nach Harnwegsinfektion. Sie pflegte ihn zuhause. Bestimmt sehr liebevoll – das merkte man daran, wie sie mit ihm sprach.

„Wie soll es weiter gehen?“, fragte der Arzt? „Haben sie das früher einmal darüber besprochen?“

„Nein. Darüber haben wir nie geredet!“

Komm, o Tod, du Schlafes Bruder,
Komm und führe mich nur fort;
Löse meines Schiffleins Ruder,
Bringe mich an sichern Port!

Freunde: Wir müssen reden. Über das Sterben und den Tod, der uns alle betreffen wird. Wie wollen wir sterben?

75 Prozent…

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Weiterbildung zur „zusätzlichen Betreuungskraft“

Derzeit durchlaufe ich in Vollzeit (40 Wochenstunden) einer Weiterbildung zur Betreuungskraft mit Schwerpunkt auf Demenz. Dreieinhalb Wochen Kurs liegen schon hinter mir, kommende Woche ist praktische Prüfung, dann kommen noch 14 Tage Praktikum und danach habe ich die Möglichkeit, mich in einem bis auf weiteres (leider) krisensicheren Job in allen möglichen sozialen Einrichtungen zu bewerben.

„Krisensicher“ ist diese Beschäftigung vor allem deshalb, weil die Gesellschaft weiterhin rasant altert und damit auch die Zahl der Demenzpatienten zunehmen wird. Wenn ich dann nach Abschlussprüfung und Praktikum (einen Praktikumsplatz habe ich schon) „zertifiziert“ bin, kann ich entweder in Einrichtungen für Senioren arbeiten, oder aber in ambulanten Pflegediensten.

Als zusätzliche Betreuungskraft übernimmt man keine echten pflegerischen Aufgaben, sondern die soziale Betreuung der Patienten, z.B. durch Besuche, Gedächtnistraining durch Spiele, sonstige kreative Angebote (Malen, Singen, Basteln, Gymnastik) sowie Entlastung von Angehörigen. Kurz, zusätzliche Betreuungskräfte werden eingesetzt, um die oft angespannte Lage in der Pflege etwas zu entzerren.

Seit diesem Jahr sind Heime und Einrichtungen dazu angehalten, pro 20 Bewohner eine zusätzliche Betreuungskraft anzustellen. Die Aussicht, da etwas zu finden, ist also gar nicht so schlecht. Mein Plan ist, in Teilzeit als Betreuungskraft zu arbeiten und mit der restlichen Zeit weiterhin meine Dienste als freie Theologin anzubieten. Ich bin gespannt, ob das klappt.

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Trauern und trotzdem das Leben feiern – Blumenschmuck

Bei den meisten Trauerfeiern, die ich erlebt habe, wurde ein Florist/ eine Floristin mit der Gestaltung des Blumenschmucks beauftragt. Manchmal gleicht der Boden rund um Sarg oder Urne einem wahren Blumenmeer. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen bei Trauerfeier standardmäßig nur weiße Lilien (die Trauerblume schlechthin) zum Einsatz kamen.  In letzter Zeit erlebe ich sehr oft BUNTEN Blumenschmuck bei Trauerfeiern! Und das ist auch gut so. Ich finde es schön und es ist sehr stimmig, wenn bei einer Trauerfeier die Lieblingsblumen des Verstorbenen das Bild dominieren dürfen. Auch wenn es sich dabei um Sonnenblumen, Gänseblümchen oder andere Lieblingspflanzen handelt. Schade, dass man nicht alles zu jeder Jahreszeit bekommt. Aber wenn irgend möglich, kann man den Blumenschmuck farbenfroh und lebendig gestalten. Warum nicht im Sommer sogar mit selbst gepflückten Blumenwiesen? Vielleicht entspricht das dem Leben einer schlichten Frau vom Lande (beispielsweise) viel besser, als das edle und gediegene Rosenbouquet vom Floristen. Außerdem ist es ein schönes Symbol der Verbundenheit und der Liebe zu dem Verstorbenen, wenn Angehörige den Blumenschmuck selbst gestalten. Ich finde, es kommt nicht so sehr auf den perfekten Strauß oder Kranz an, sondern auf die Liebe, die durch die Blumen spricht.

In letzter Zeit erlebe ich häufig Schalen mit Blüten oder Blütenblättern am offenen Grab. Diese kann man als letzten Gruß an den Verstorbenen ins offene Grab werfen, vor allem, wenn man sich scheut, den klassischen „Erdwurf“ zu vollziehen, oder zusätzlich dazu: Die Erde als Zeichen des Vergänglichen, Endgültigen („von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du wieder werden“). Die Blüten als Symbol für die bleibende und unvergängliche Liebe zu dem Verstorbenen.

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