Weiterbildung zur „zusätzlichen Betreuungskraft“

Derzeit durchlaufe ich in Vollzeit (40 Wochenstunden) einer Weiterbildung zur Betreuungskraft mit Schwerpunkt auf Demenz. Dreieinhalb Wochen Kurs liegen schon hinter mir, kommende Woche ist praktische Prüfung, dann kommen noch 14 Tage Praktikum und danach habe ich die Möglichkeit, mich in einem bis auf weiteres (leider) krisensicheren Job in allen möglichen sozialen Einrichtungen zu bewerben.

„Krisensicher“ ist diese Beschäftigung vor allem deshalb, weil die Gesellschaft weiterhin rasant altert und damit auch die Zahl der Demenzpatienten zunehmen wird. Wenn ich dann nach Abschlussprüfung und Praktikum (einen Praktikumsplatz habe ich schon) „zertifiziert“ bin, kann ich entweder in Einrichtungen für Senioren arbeiten, oder aber in ambulanten Pflegediensten.

Als zusätzliche Betreuungskraft übernimmt man keine echten pflegerischen Aufgaben, sondern die soziale Betreuung der Patienten, z.B. durch Besuche, Gedächtnistraining durch Spiele, sonstige kreative Angebote (Malen, Singen, Basteln, Gymnastik) sowie Entlastung von Angehörigen. Kurz, zusätzliche Betreuungskräfte werden eingesetzt, um die oft angespannte Lage in der Pflege etwas zu entzerren.

Seit diesem Jahr sind Heime und Einrichtungen dazu angehalten, pro 20 Bewohner eine zusätzliche Betreuungskraft anzustellen. Die Aussicht, da etwas zu finden, ist also gar nicht so schlecht. Mein Plan ist, in Teilzeit als Betreuungskraft zu arbeiten und mit der restlichen Zeit weiterhin meine Dienste als freie Theologin anzubieten. Ich bin gespannt, ob das klappt.

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Trauern und trotzdem das Leben feiern – Blumenschmuck

Bei den meisten Trauerfeiern, die ich erlebt habe, wurde ein Florist/ eine Floristin mit der Gestaltung des Blumenschmucks beauftragt. Manchmal gleicht der Boden rund um Sarg oder Urne einem wahren Blumenmeer. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen bei Trauerfeier standardmäßig nur weiße Lilien (die Trauerblume schlechthin) zum Einsatz kamen.  In letzter Zeit erlebe ich sehr oft BUNTEN Blumenschmuck bei Trauerfeiern! Und das ist auch gut so. Ich finde es schön und es ist sehr stimmig, wenn bei einer Trauerfeier die Lieblingsblumen des Verstorbenen das Bild dominieren dürfen. Auch wenn es sich dabei um Sonnenblumen, Gänseblümchen oder andere Lieblingspflanzen handelt. Schade, dass man nicht alles zu jeder Jahreszeit bekommt. Aber wenn irgend möglich, kann man den Blumenschmuck farbenfroh und lebendig gestalten. Warum nicht im Sommer sogar mit selbst gepflückten Blumenwiesen? Vielleicht entspricht das dem Leben einer schlichten Frau vom Lande (beispielsweise) viel besser, als das edle und gediegene Rosenbouquet vom Floristen. Außerdem ist es ein schönes Symbol der Verbundenheit und der Liebe zu dem Verstorbenen, wenn Angehörige den Blumenschmuck selbst gestalten. Ich finde, es kommt nicht so sehr auf den perfekten Strauß oder Kranz an, sondern auf die Liebe, die durch die Blumen spricht.

In letzter Zeit erlebe ich häufig Schalen mit Blüten oder Blütenblättern am offenen Grab. Diese kann man als letzten Gruß an den Verstorbenen ins offene Grab werfen, vor allem, wenn man sich scheut, den klassischen „Erdwurf“ zu vollziehen, oder zusätzlich dazu: Die Erde als Zeichen des Vergänglichen, Endgültigen („von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du wieder werden“). Die Blüten als Symbol für die bleibende und unvergängliche Liebe zu dem Verstorbenen.

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Trauern und trotzdem das Leben feiern – Musik bei Trauerfeiern

Wie beim letzten Eintrag angekündigt, möchte ich heute und in den nächsten Artikeln ein paar Anregungen schreiben, wie man Trauerfeiern so gestalten kann, dass das LEBEN und die LEBENDIGKEIT im Mittelpunkt stehen – trotz aller Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen.

Heute soll es um die Auswahl von Musik gehen.

Bei einer Trauerfeier gibt es in der Regel Musik, wobei die Angehörigen unterschiedliche Möglichkeiten haben: Live, vom Band, mit Orgel, mit oder ohne ein gemeinsames Lied der Trauergemeinde, mit einem Musiker, den man zu diesem Zweck engagiert oder eine Kombination aus mehreren Möglichkeiten. (Beispielsweise ein Stück von einer Lieblings-CD des Verstorbenen und ein Stück live gesungen oder gespielt.) Zwei Dinge sind mir hier wichtig geworden:

  1. die Musikauswahl sollte in irgend einer Weise zu dem Verstorbenen passen. Wenn jemand Zeit seines Lebens nie oder so gut wie nie einen Gottesdienst besucht hat, sind kirchliche Lieder einfach nicht stimmig. Vor allem dann, wenn auch die meisten der anwesenden Trauergäste damit nichts oder wenig anfangen können. Die Musik sollte im Stil dem entsprechen, was und wie jemand gelebt hat. Die Möglichkeiten hier sind sehr unterschiedlich. Mutter z.B. liebte Klassik. Bei der Trauerfeier hatten wir von einer CD zwei Stücke von Bach (unter anderem aus dem Actus Tragicus) und eine klassische Musikerin spielte ein Stück auf der Bratsche. Neulich hatte ich die Trauerfeier für einen Mann, der Rock liebte. Da spielten wir natürlich keine klassische Musik. Die Gestaltung einer Trauerfeier mit dem Musikrepertoire, das der Verstorbene liebte, kann ungemein helfen, seine Trauerfeier zu einer LEBENSfeier werden zu lassen.
  2. Das zweite scheint dem eben Geschriebenen zunächst zu widersprechen. Obwohl eine Musikauswahl wichtig ist, die zu dem Verstorbenen passt, sollten es, so erlebe ich es zumindest, keine Stücke sein, denen die Angehörigen jederzeit im Alltag wieder begegnen können. Natürlich lässt sich das nie völlig ausschließen. Ein Beispiel: Angehörige wünschen sich ein unglaublich populäres Lied, nehmen wir einfach mal „Atemlos durch die Nacht“. Dieses Lied ist aber im Radio und im Fernsehen derart präsent, dass man permanent damit konfrontiert wird. Für Angehörige würde das bedeuten, auf Schritt und Tritt an die Trauerfeier erinnert zu werden. Ebenso verhält es sich mit Lieblingsliedern, die im gemeinsamen Freundeskreis oder in einem Verein, dem der Verstorbene angehörte, präsent sind. Angenommen, er war ein Fußballfan und die Angehörigen wünschen sich „You´ll never walk alone“. Von Liedern wie diesem rate ich in der Regel ab, und zwar nicht, weil sie für eine Trauerfeier unpassend wären, sondern weil man sie in bestimmten Kreisen eben permanent hört und mit jedem Mal die Erinnerung an die Trauerfeier wieder präsent wäre.

Fazit: Musik bedeutet Leben, keine Feier ohne Musik – und auch bei der letzten LEBENSfeier eines Menschen kann Musik viel dazu beitragen, auf gute Weise Abschied zu nehmen und das LEBEN zu würdigen. Der Musikgeschmack eines Menschen sagt sehr viel über ihn aus – und sollte unbedingt berücksichtigt werden.

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Trauern und dennoch das Leben feiern

Zurzeit wird mir ein Aspekt bei der Vorbereitung von Trauerfeiern immer wichtiger. Nämlich die Dankbarkeit für das LEBEN des Verstorbenen. Nicht nur die Trauer über den Verlust in den Blick zu nehmen. Sondern alles, was dieses Leben ausgemacht hat. Die Hoffnung, dass eines Tages diese Dankbarkeit und die Liebe, die die Angehörigen mit den Verstorbenen verbindet, stärker sein wird als alle Trauer.

Eine Trauerfeier kann auch eine LEBENSfeier sein. Nicht weil die Angehörigen die Trauer verdrängen. Sondern weil sie wissen, wie reich ihr Leben durch diesen besonderen Menschen geworden ist, der nun von ihnen gehen musste.

Trauer und Freude über dieses besondere, einzigartige Leben liegen da mitunter nah beieinander und oft erlebe ich, wie Angehörige und Freunde von Verstorbenen bei der Feier unter Tränen lächeln, ja manchmal auch lachen können und sagen: „Ja, so war er, das war typisch für ihn!“

Mir wird es zunehmend wichtiger, das GANZE beim Tod eines geliebten Menschen zu sehen. Und auch wenn es abgedroschen klingt: Die Trauer ist die Kehrseite der Liebe. Ohne Liebe keine Trauer. Ohne Trauer keine Liebe. Menschen trauern, weil jemand geht, den sie lieben. Es wäre schade, wenn am Ende nur die Finsternis bleibt und nicht auch die Freude darüber, dass es ihn oder sie gegeben hat, die Freude über gemeinsam verbrachte gute Jahre, über den Schatz an Erfahrungen, der unser Leben bereichert hat.

Das hat nichts mit unterdrückter Trauer zu tun, sondern eher mit einer tiefen Wertschätzung für das Leben. Und so wird die Trauerfeier zugleich zum letzten Lebensfest des Verstorbenen und seiner Angehörigen.

Wie das konkret aussehen könnte, dazu im nächsten Artikel mehr.

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Unter allen Wipfeln ist Ruh…

Heute hatte ich, nach Längerem mal wieder, eine Beerdigung im Ruheforst Coburger Land. Vor einigen Jahren habe ich diese Form der Beisetzung erstmals kennen gelernt. Statt auf einem Friedhof wird die Urne eines Verstorbenen in einem klar abgegrenzten Waldstück beigesetzt. Ich persönlich war von dieser Form der Beerdigung sofort begeistert:

Eine Beisetzung in der Natur, im Wald, drückt so etwas wie eine innere Verbundenheit mit der Schöpfung aus. Wir sind Teil der Natur. Wir sind Teil des Kreislaufes des Lebens. Bei einer Beisetzung im Wald wird das, so empfinde ich es immer wieder, besonders schön deutlich.

Ein Wald ist immer ein wunderbarer Ort. Zu jeder Jahreszeit ist ein Wald schön: Im Frühjahr, wenn das erste zarte Grün auf den Zweigen der Bäume aufbricht und der Boden mit Leberblümchen oder Buschwindröschen übersät ist. Im Sommer, wenn das dichte Laubdach Schatten und etwas Kühle bietet. Im Herbst, wenn alle Laubbäume in einem Feuerwerk von Farben explodieren. Und im Winter, wenn Raureif oder Schnee alle Bäume in ein glitzerndes Gewand hüllen. Wer braucht da noch Grabschmuck, Grabsteine oder Blumen?

Ein sehr pragmatischer Grund, warum ich mir, auch für mich selbst, diese Art der Bestattung im Wald vorstellen kann: Niemand muss ein Grab pflegen. Aber trotzdem gibt es einen Ort, den Angehörige oder Freunde besuchen können, um sich zu erinnern. Das ist übrigens der Unterschied zu einer komplett anonymen Beisetzung (oder gar zum Verstreuen der Asche im Meer oder sonst wo). Man weiß, wo die Urne begraben wurde. Und man hat einen Ort, den man besuchen kann.

Besonders Menschen, die naturverbunden sind, finden in einem Ruheforst oder Friedwald eine letzte Ruhestätte, die genau diese Naturverbundenheit auch widerspiegelt, ohne Angehörigen den Ort zum Trauern zu nehmen.

Falls ich irgendwann eine Art Testament oder letzte Verfügung schreibe, wird die Waldbestattung wohl die Option werden, die ich für mich wähle.

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Jahresbilanz einer freien Theologin

In manchen Kirchengemeinden ist es üblich, beim Gottesdienst zu Jahresschluss (an Sylvester) noch einmal innezuhalten und Rückschau auf das Gemeindeleben in diesem Jahr zu halten. Auch wie viele Menschen jeweils getraut, getauft oder bestattet wurden.

Meine Jahresbilanz als freie Theologin im Jahr 2016:

22 Beerdigungen, 5 freie Trauungen, 1 Ehejubiläum, 4 freie Taufen/Kindersegnungen.

Das sind insgesamt 38 „direkt betroffene“ Personen. Und viele, viele die mitgefeiert oder mitgetrauert haben, je nachdem.

Mein „weitester“ Einsatz war die Fahrt zu einer Beerdigung in Ilmenau (ca. 85 km). Die „nächstgelegenen“ Dienste waren natürlich in Coburg. Und ansonsten bin ich viel im Coburger Land und in Südthüringen herumgekommen.

Interessant ist, dass die zahlenmäßige Staffelung (relativ viele Beerdigungen auf relativ wenige Trauungen und Taufen) so ziemlich dem entspricht, was auch in Kirchengemeinden anfällt.

Ich bin dankbar für viele gute Gespräche und Begegnungen bei der Vorbereitung der einzelnen Feiern. Und auch für die weltanschauliche Spannbreite meiner „Kunden“, von total atheistisch bis eigentlich ziemlich fromm, aber…

Insgesamt bin ich mit dem Jahr auch beruflich zufrieden. In dieser Richtung darf es jetzt gerne weitergehen.

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O König der Nationen – Antiphon zum 22. Dezember

O König der Nationen,
Sehnsucht der Völker,
Du Eckstein,
der aus beiden Eines macht;
komm, und erlöse den Menschen,
den Du aus Erde gebildet hast.

O Rex Gentium
et desideratus earum,
lapisque angularis,
qui facis utraque unum:
veni, et salva hominem,
quem de limo formasti.

Die O-Antiphon zum 22. Dezember nennt Jesus den „König der Nationen“/Völker. Israel erwartete einen Messias, eigentlich nur einen König für das Volk Israel. Christen proklamieren aber Jesus Christus nicht nur als „König“ des Volkes Israel, sondern als König aller Völker, als Friedefürst. Die O-Antiphon spricht von ihm als „Sehnsucht der Völker“.

Oft wird in schweren oder unübersichtlichen Zeiten wie den heutigen der Wunsch nach einem „starken Mann“ wach, der halt endlich mal wieder „durchgreift“oder „aufräumt“. Ist nicht auch die Sehnsucht nach einem „König der Völker“ so eine übersteigerte Erwartung an einen „starken Mann“, der es irgendwie richtet? Inwiefern kann man sagen, dass Jesus der „König der Völker“ ist? Er war ja noch nicht mal König über Israel, jedenfalls nicht im wörtlichen Sinne mit Krone, Land und Streitmacht. Im Verhör vor Pilatus wird Jesus gefragt: „Bist du ein König?“ Seine Antwort: „Du sagst es ich bin ein König, ich bin dazu gekommen, der Wahrheit eine Stimme zu geben, wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme!“ Und: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt, wäre mein Reich von dieser Welt, meine Leute würden dafür kämpfen…“

Die Macht von Jesus ist nicht die Macht von Machthabern und Despoten. Es ist viel mehr die Macht der Liebe, eine Macht, die auf den ersten Blick schwach erscheint, eine Macht, die dazu führt, dass Jesus letztlich gekreuzigt wird und seine Anhänger sich in alle Winde zerstreuen. Aber es ist eine Macht, die die Herzen gewinnt und die alles ändern könnte, wenn wir ihr vertrauten. Ich sehe diese Macht in den Augen von Liebenden, von Kindern, von Menschen, die geduldig das ihre tun, um diese Welt ein wenig schöner, friedlicher und humaner zu machen. Es ist die Macht derer, die bei allem Krieg und Terror zu Besonnenheit aufrufen. Die Frieden stiften, wo es so viel leichter wäre zu hassen. Es ist eine Macht, die scheinbar immer wieder unterliegt, die sich aber geduldig wie ein Wasserstrom ihren Weg bahnt. Weihnachten ist die Hoffnung, dass diese friedvolle Macht letztlich alles überwindet und Jesus als König der Völker ein Bild für diesen „friedlichen Sieg“.

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O aufgehende Sonne – Antiphon zum 21. Dezember

O Morgenstern,
Glanz des ewigen Lichtes
und Sonne der Gerechtigkeit!
Komm und erleuchte uns,
die wir sitzen in Finsternis
und Todesschatten.

O Oriens,
splendor lucis aeternae,
et sol justitiae,
veni, et illumina
sedentes in tenebris
et umbra mortis.

Die O-Antiphon zum 21. Dezember spricht nicht zufällig von Christus als dem „aufgehenden Licht“. O Oriens kann man unterschiedlich übersetzen, eigentlich ist wohl gemeint: „O aufgehende Sonne“. Auch die Übersetzung „O Morgenstern“ ist wohl möglich.

Vom 20. auf den 21. Dezember erleben wir die längste Nacht des Jahres. Auch in der Welt ist es „Nacht“. Die Nacht des Hasses, der Gewalt, der Vorurteile, der Lieblosigkeit – In Berlin und anderswo.

Viele Adventslieder sprechen von Jesus als dem Licht in der Dunkelheit. Am schönsten wohl das Lied von Jochen Klepper „Die Nacht ist vorgedrungen.“

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O Schlüssel Davids – Antiphon zum 20. Dezember

O Schlüssel Davids
und Zepter des Hauses Israel!
Was Du öffnest, kann niemand schließen;
was Du verschließest, kann niemand öffnen:
Komm, und führe den Gefesselten
aus dem Hause des Kerkers,
wo er sitzt in Finsternis
und Todesschatten.

O Clavis David,
et sceptrum domus Israël,
qui aperis, et nemo claudit,
claudis, et nemo aperuit:
veni, et educ vinctum
de domo carceris,
sedentem in tenebris,
et umbra mortis.

Die Antiphon zum 20. Dezember ist wohl erstmal rätselhaft. Jesus als der „Schlüssel Davids“.

Angespielt wird auf eine messianische Weissagung aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja:

«Und ich werde den Schlüssel des Hauses David auf seine Schulter legen. Er wird öffnen, und niemand wird schliessen, er wird schliessen, und niemand wird öffnen. Und ich werde ihn als Pflock einschlagen an einen festen Ort; und er wird seinem Vaterhaus zum Thron der Würde sein.“ (Jes 22,22-24).

In der Offenbarung des Johannes werden diese Worte aufgegriffen:

«Dies sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, und niemand wird schliessen, und schliesst, und niemand wird öffnen» (Offb 3,7).

Oder auch: „Siehe, ich habe vor dir eine Tür geöffnet und niemand wird sie schließen.“

Jesus ist der Schlüssel. Und er hat die Schlüssel: „Ich war tot, und siehe ich bin lebendig und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Und zu Petrus: „Dir will ich die Schlüssel zum Himmel geben.“

Was ist ein Schlüssel? Ein Schlüssel ist zunächst einmal ein kleines Stück Metall, das dazu dient, eine Tür zu öffnen. Schlüssel und Schloss müssen zusammenpassen. Wo der Schlüssel fehlt, da bleibt die Tür verschlossen (wie jeder schon einmal leidvoll erlebt hat, wenn er sich ausgesperrt hat).

Es geht darum, welche Räume ich mir erschließen kann. Es gibt Türen im Leben, die öffnen sich nicht. Man kann sie gewaltsam aufbrechen, aber man wird nicht glücklich wenn man es tut. Zum Beispiel wenn man mit Biegen und Brechen etwas will, was ein anderer nicht will. Oder es zum falschen Zeitpunkt erzwingen will.

Und es gibt Situationen, aus denen kommt man aus eigener Kraft nicht heraus. Man rennt gegen verschlossene Türen.

Genauso gibt es auch die Erfahrung, dass Türen, von denen man meint sie seien verschlossen, sich plötzlich vor einem öffnen. Dass sich Wege erschließen, die man nicht ahnen konnte.

Aus den Versen der Antiphon und aus den entsprechenden biblischen Texten spricht das Vertrauen, dass sich immer die Türen öffnen werden, die sich öffnen sollen und dass Türen die im Leben dauerhaft verschlossen bleiben dies auch aus gutem Grund sind. Dass ich nichts übers Knie brechen oder meinem „Glück“ nachhelfen muss, weil ein anderer, Jesus, die Schlüssel zu meinem Leben hat und mir vorangeht, um Türen zu öffnen oder auch zu verschließen, z.B., um mich vor etwas zu schützen.

Er hält die Schlüssel und er ist der Schlüssel. Zu meinem Leben, zum Leben an sich und auch zu allem, was geschieht oder nicht geschieht.

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O Wurzel Jesse

Heute komme ich nicht selber zum Bloggen. Daher gibt’s den Beitrag zur Antiphon vom 19. Dezember über einen anderen empfehlenswerten Blog.

http://weihrausch.gnadenvergiftung.de/2016/12/19/o-radix-jesse/

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