Warum ich Christin bin

Eben gab es auf Twitter eine kleine Kontroverse, an der außer mir und einem katholischen Theologen noch jemand beteiligt war, der zwar auch Christ ist, aber wohl ein wenig anders geprägt. Es ging, wie so oft, mal wieder um die Frage, was „die Kirche“ (wer immer das sein mag) tun soll, um vor allem junge Menschen zu erreichen. Soweit, so alt das Thema. Der dritte Mitdiskutant äußerte dann die Meinung, „die Kirche“ müsse wieder die Sünde thematisieren. Und ihre Konsequenzen. Und dann kam der Satz: „Sie sind doch Christin, weil Sie nichts so sehr hassen, wie die Sünde!“ Ich erwiderte drauf: „Nein, ich bin Christin, weil ich JESUS liebe!“

Aber vielleicht ist das das Grundproblem aller fundamentalistischen Weltanschauungen.

Dass man militanter Christ, Moslem, Kommunist oder was auch immer wird, weil man etwas HASST, nicht weil man etwas oder jemanden liebt.

Man kann z.B. sein Land lieben. Nazi wird man, indem man alle anderen hasst.

Man kann seinen Glauben lieben. Religiöser Fundamentalist wird man, weil man alle anderen Religionen hasst.

Man kann das Gute lieben. Zu einem bigotten Arschloch wird man, indem man alle hasst, die andere Maßstäbe anlegen.

Hasse ich die Sünde? Sünde heißt erst mal, von der deutschen Wortbedeutung her, „Graben“. Der Graben, der mich von anderen und von Gott trennt. Das ist manchmal tragisch, aber hassenswert ist es nicht.

Und wenn ich mir Jesus als Beispiel nehme, kann ich nicht erkennen, dass er etwas oder jemanden gehasst hat. Er hat Dinge beim Namen genannt, die nicht in Ordnung sind. Aber er hat nicht gehasst. Er hat vergeben.

Dinge beim Namen nennen ist eines, etwas hassen etwas ganz anderes.

Ein grünes Kopftuch…

Heute habe ich ein wenig herum geräumt. Dabei fiel mir nach längerer Zeit wieder ein grünes Kopftuch in die Hand und sofort erinnerte ich mich. Es war im August 2012 und ich war mit meinem Freund Andreas im Urlaub auf „Wolgakreuzfahrt“. Zwölf Tage Russland, auf dem Wasserweg von Moskau nach St. Petersburg. Eine Reise mit vielen Eindrücken. Seit dem weiß ich, dass ich nicht mehr seefest bin und Seekrankheit keinen Respekt vor dem Theologieexamen hat.

Doch zurück zu dem Kopftuch. Das hatte ich gekauft, in Russland, weil es für eine Frau unmöglich ist, ohne entsprechende Verhüllung des Hauptes eine Kirche zu betreten. Überhaupt tragen vor allem auf dem Land vor allem die älteren Frauen fast alle ein Kopftuch. Es gehörte wohl lange einfach zur anständigen weiblichen Bekleidung dazu, beim Besuch eines orthodoxen Gottesdienstes ist es weiterhin Pflicht.

Nicht nur in Russland, sondern in vielen christlichen Ländern gehört das Kopftuch für die Frau unbedingt dazu, zumindest wenn man eine Kirche besucht.

Angesichts der momentanen Kopftuchdebatten finde ich es interessant, sich das mal bewusst zu machen….

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Kommende Webinare

Nachdem ich nun meine ersten Webinare vor wenigen, aber doch sehr interessierten Menschen angeboten habe, habe ich Feuer gefangen. Ich mache weiter.

Noch mal die Erklärung: Was ist ein Webinar? Das Wort kommt von Web (www) und Seminar, also das Angebot eines Seminars und zwar online. Sowohl Referent als auch Teilnehmer müssen sich zunächst bei der Plattform anmelden, auf der das Webinar stattfindet. Die Anmeldung ist gratis. Auch der „Besuch“ von kostenfreien Webinaren ist natürlich gratis.

Da ich aber auch einige Arbeit in die Vorbereitung stecke, gibt es künftig auch (nicht nur) kostenpflichtige Webinare.

Ich habe mich für meine Webinare für die Plattformen Edudip und Sofengo entschieden. Beide sind miteinander verknüpft. Auf Edudip finden sich eher Webinare aus dem Bereich der Bildung, Sofengo ist eine stärker spirituell orientierte Plattform. Was ich mache, nämlich Seminare aus dem Bereich Theologie und Spiritualität bewegt sich irgendwo dazwischen, daher habe ich mich auf beiden Plattformen angemeldet.

Themen auf Edudip sind demnächst:

  • Die Bibel in der Diskussion. Drei Einheiten zu kontroversen biblischen Themen. Kostenfrei.
  • Vorstellung meines Buchs „Sonntagsarbeit“. Kostenfrei.
  • Theologie und Spiritualität des Thomasevangeliums. Zwei Einheiten, nicht kostenfrei: Beide zusammen 6,99 €.

Den Link zu meiner meiner Akadamie auf Edudip gibt es HIER.

Themen auf Sofengo sind demnächst:

  • Christliche Spiritualität-eine Kurzvorstellung. Kostenfrei.
  • Angebot von Einzelberatung 30 min. NOCH kostenfrei. (Bald nicht mehr!)
  • Mein Weg mit Jesus. Ein sehr persönlicher Einblick. Nicht kostenfrei: 3,50 €

Den Link zu meiner Akademie auf Sofengo findet ihr HIER.

Es besteht immer Möglichkeit, per Chat Rückfragen zu stellen. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus gängig in Webinaren.

Auf längere Sicht habe ich vor, eine 10teilige Einführung in das Herzensgebet anzubieten. Das dann aber nicht ausschließlich per Webinar, sondern mit zusätzlicher Einzelberatung telefonisch, per Skype oder, wer in der Nähe wohnt, auch persönlich. Das ist ein Projekt, das mir wirklich am Herzen liegt, das ich aber daher gründlich planen muss, bevor ich etwas dazu auf die Akademieseite stelle.

In diesem Sinne: Vielleicht demnächst einmal life und nicht nur per Blog!

Einladung zu einem Webinar

Herzliche Einladung hierzu. Keine Angst vor der Technik, die ist simpel. Ich habe das Webinar zwei mal angesetzt, einmal mit Abendterminen und einmal mit Vormittagsterminen. Es ist kostenlos.

https://www.edudip.com/w/207258

Grönlandhaie

Der Ehrfurchtsmoment des heutigen Tages: Grönlandhaie können, so eine neue Erkenntnis, 400 Jahre alt werden. 400 Jahre! Das heißt, dass einige Grönlandhaie schon herumschwammen, als in Europa noch der 30jährige Krieg ausgefochten wurde. Außerdem werden Grönlandhaie erst mit 150 Jahren geschlechtsreif.

Und dann landet so ein uraltes Tier im Beifang des industriellen Fischfangs mit Schleppnetzen. Das macht mich irgendwie traurig. Gott schütze die Grönlandhaie. Und wir sie auch.

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Dinge, über die sich mein 16jähriges Selbst wundern würde

Manchmal halte ich, mitten im Alltag, erstaunt inne. Und mir kommt der Gedanke: Wenn ich mein 16jähriges 80er-Jahre-Selbst in die Gegenwart 2016 beamen könnte, worüber würde es sich wohl am meisten wundern?

Zunächst einmal darüber, dass in U- und Straßenbahnen kaum noch jemand ein Buch liest, sondern alle in kleine rechteckige Kästchen starren. Wie ich mein 16jähriges Selbst kenne, würde es aber schnell solange quengeln, bis es auch ein Smartphone hat.

Zum zweiten darüber, dass es Menschen gibt, die beim Gassigehen mit ihrem Hund die Hundescheiße in eigens mitgebrachten Säckchen nachhause tragen. Und dass das sogar Vorschrift ist.

Zum dritten darüber, dass irgendwie kein Gleichaltriger mehr Mofa fährt. Und dass die gleichaltrigen Gymnasiasten heute so erstaunlich zielstrebig und ehrgeizig sind. Sie machen sogar meistens ihre Hausaufgaben.

Außerdem scheint es eine neue Währung zu geben, aber die Preise sind dieselben geblieben. Ein Euro ist eine Mark, oder?

Wenn mein 16jähriges Selbst dann nach und nach kapiert, warum die meisten Leute in diese kleinen Kästchen genannt Smartphones schauen, also das ganze Zeug mit Social Media, wäre es wohl erstaunt bis entsetzt, dass heute jeder freiwillig alles von sich preisgibt. Wenn mein 16jähriges Selbst unsichtbar sein wollte, brauchte es nur in einem unbeobachteten Moment von zuhause weggehen und abends irgendwann wieder kommen. Die Frage „Wo warst du?!“ stellt heute keiner mehr, weil jeder jederzeit weiß, wo der andere sich gerade aufhält.

Mit Erstaunen würde mein 16jähriges Selbst zur Kenntnis nehmen, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder zur Schule fahren. Mit dem Auto. Wie höchst absonderlich. Auf diese Idee wäre in den 80ern kein Mensch gekommen. Und mein 16jähriges Selbst hätte das auch gar nicht gewollt. Auf dem 40minütigen Schulweg mit der Tram und dem Bus wurden nämlich Hausaufgaben abgeschrieben, letzte Vokabeln gelernt vor der anstehenden Schulaufgabe und Kontakte gepflegt.

Mein 16jähriges Selbst würde feststellen, dass manches heute irgendwie sehr seltsam ist. Und wäre entsetzt, dass Mobbing heute nicht mehr nur im unmittelbaren Umfeld der Schule möglich ist, sondern bis hinein in die Privatsphäre. Siehe kleine Kästchen, in die alle rein schauen.

Mein 16jähriges Selbst wäre zwar fasziniert. Würde sich dann aber ganz schnell wieder zurück beamen in die 80er. Mein 43jähriges Selbst versteht das gut. Lebt aber ganz gern 2016.

Tirol und der Papst

Komme aus dem ersten Urlaub mit meinem neuen Freund zurück. Wir waren in Tirol, erst auf der österreichischen „Seite“, dann noch ein paar Tage in Südtirol in Naturns und in Kaltern am See. Viel grandiose Natur. Viel Muskelkater. Viele Berge. Ein harmonisches Miteinander, und das war das Wichtigste.

Während des Urlaubs las ich das Buch „Franziskus – Der Kämpfer im Vatikan“ von Andreas Englisch mit großem Interesse. Faszinierende und doch auch sehr fremde katholische Welt. So vertraut mir Messe, Frömmigkeit und manches andere auch inzwischen sind, so seltsam finde ich nach wie vor die Hierarchie, die Institution des Papsttums und alles, was im weitesten Sinne damit zusammenhängt (Kurie, Vatikan, „Gehorsamsprinzip“ uvm.) Und wenn auch nur die Hälfte von dem stimmt, was Andreas Englisch (immerhin bekennender, praktizierender Katholik) über die Verwicklungen der Vatikanbank schreibt, dann wird die Sache doch sehr, sehr suspekt.

Wie dem auch sei, ich hatte reichlich Zeit zum Lesen. Vor allem dann, wenn mein Freund, ausgestattet mit zäher Ausdauer und schier unerschöpflichem Bewegungsdrang, loszog um nach der gemeinsamen Alm-Erklimmung noch „mal schnell“ den einen oder anderen Klettersteig zu bewältigen. Die Arbeitsteilung war dann klar. Er kletterte, ich las. Das ergänzte sich recht gut. Man muss nicht permanent zusammenkleben.

Zum Abschluss noch ein paar Fotos…

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#Muenchen

Chorsommerfest. Freitagabend. Ich schaue zufällig aufs Handy. Eine Nachricht via Facebook poppt auf, von meinem Freund und Kollegen Tilmann Haberer. „Tilmann ist in München in Sicherheit“ und irgendwas mit Schießerei. Der Abend war für mich ziemlich gelaufen. Eher geistesabwesend nahm ich bei der „Ehrung“ der „langjährigen Mitglieder“ meine silberne Nadel für fünf Jahre Chormitgliedschaft aus der Hand des Chorleiters in Empfang und verdrückte mich ziemlich schnell nach Hause, um zu erfahren, was los ist. Zuhause angelangt blinkte mir als erstes der Anrufbeantworter entgegen. Meine Tante teilte mir mit, dass auch sie „in Sicherheit“ ist.

Fernseher an. Grauen. Entsetzen.

Aber auch: Der Eindruck, dass die Polizei wirklich gut arbeitet. Und ein Eindruck von Solidariät und Zusammenrücken in München, was sich bestätigte, als ich auf Facebook ging und unter anderem las, dass alle Münchner Moscheen in dieser Nacht ihre Türen öffneten, um gestrandete Münchner und Gäste zu beherbergen. Ein gutes und wichtiges Signal. Ziemlich spät ging ich ins Bett. Am kommenden Vormittag ein Traugespräch. Das sehr nette, junge Brautpaar verspätete sich um 30 Minuten (schickte aber vorher eine SMS, sodass ich mich darauf einstellen konnte). Als wir schließlich zu dritt, jeder eine Tasse Cappuccino vor sich, im Café zusammensaßen, um die Hochzeit der beiden zu besprechen, meinte der Bräutigam: „Entschuldigen Sie die Verspätung, aber wir saßen gestern Nacht bis zwei Uhr vorm Fernseher. Und dann redeten wir nicht nur über die anstehende Trauung. Sondern auch über München. Und die USA. Und die Türkei. Und Nizza. Und Würzburg. Und den IS.

Immer wieder kamen wir auch auf diese Themen, auch während wir dann den Ablauf der Zeremonie durchsprachen und das Paar mir seine Geschichte erzählte, damit ich daraus eine schöne Ansprache machen kann.

Und eigentlich gibt es fast kein besseres Bild für die momentane Lage als dieses Brautpaar, das seine Hochzeit plant und doch auch daran Anteil nimmt, was auf der Welt los ist. Mitfühlen. Aber trotzdem weiterleben, weiterlieben, weiter feiern.

Das Leben und die Liebe sind sehr zerbrechlich und unendlich wertvoll.

#WuerzburgAttack

Und ein weiterer trauriger #Hashtag. Interessant fand ich diesmal die Berichterstattung. Gestern Abend gegen 23 Uhr die erste Eilmeldung, eingeblendet als „Laufband“ auf ARD: Die Rede war von einem Axt-Amoklauf und 20 Verletzten. Wenige Minuten später: „Hieb- und Stichwaffen“ und „mehrere Verletzte“. Heute früh waren es 5 Verletzte. Der Angreifer wurde erschossen. Auf Twitter branden die Diskussionen darüber ob das Erschießen des Täters, 17 Jahre, Afghane, nun nötig war oder nicht. Interessant ist, wie viele Leute meinen, sie hätten es vor Ort anders oder besser gemacht. Shitstorm gegen Frau Künast, die das Vorgehen der Polizei in Frage stellt. Ob man sich vielleicht mal drauf einigen könnte zu sagen: Ich habe keine Ahnung, wie ich selbst als Beamter in dieser Situation gehandelt hätte? Wahrscheinlich, aber auch das weiß ich nicht sicher, hätte ich versucht den Angreifer außer Gefecht zu setzen, ohne ihn zu töten. Zum Beispiel durch einen Schuss ins Bein. Aber eigentlich ist es müßig, darüber zu spekulieren.

Im Regionalzug nach Würzburg. Da saß ich selber schon öfter drin, auch am späten Abend schon. Die „Einschläge“ kommen näher. Und jetzt?

#PrayforNice

Kerzen

#PrayforNice #PrayforFrance #PrayfortheWorld

Trauer, Wut, Hilflosigkeit über sinnlose, dumme, feige, Menschen verachtende Gewalt im Namen von Religion oder Ideologie. Wut auf erbärmliche menschliche Würstchen, die sich mit einer Waffe in der Hand oder indem sie mit einem LKW in Menschenmengen rasen bedeutsam und groß fühlen.

Wut auf diejenigen, die aus solchen Akten der Gewalt Befriedigung oder einen Nutzen ziehen. Wut auf diejenigen, die Videos mit Nahaufnahmen Verstümmelter „im Namen der Wahrheit“ über soziale Medien verbreiten – und damit Tätern in die Karten spielen, die damit genau das erreichen, was sie wollen: Angst und Schrecken verbreiten.

Traurig und wütend darüber, dass selbst der Dümmste und Unbedeutendste auf diese Art seine „glorreichen fünf Minuten“ bekommt, indem er Unschuldige niedermetzelt. Ich glaube, es war Albert Schweitzer der sagte: „Der dümmste Junge kann einen Käfer zertreten, aber selbst der größte Gelehrte kann keinen Käfer erschaffen.“

Verzweiflung darüber, dass es so leicht ist, Leben zu zerstören. Und so schwer, es zu erhalten und zu schützen.

Hoffen, dass es irgendwann, irgendwie eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt. Beten, dass nicht auch die (wenigen) Vernünftigen sich zum Hass hinreißen lassen. Und weiterleben. Lieben. Singen. Feiern. Trotz allem.