Warum Alt-Katholisch und was ist das eigentlich? – Teil 1

Auf Wunsch eines Bloggers und ehemaligen Pfarrerkollegen: Warum bin ich jetzt alt-katholisch?
Eine Konversion ist eine ziemlich einschneidende Erfahrung und Entscheidung. Die bei mir aber letztlich erstaunlich schnell gefallen ist. Trotzdem, von der evangelischen Pfarrerin zum alt-katholischen Gemeindeschaf, das ist schon ein ziemlicher Schritt.
Also zuerst mal die Frage: Warum bin ich überhaupt konvertiert?
Ich wäre natürlich NICHT konvertiert, wenn ich weiter evangelische Pfarrerin hätte bleiben können oder wollen. Da ich das aber, aus inneren und auch äußeren Gründen, schlicht nicht mehr konnte, war für mich die Frage: Wie und wo will ich künftig meinen Glauben leben?
Um ehrlich zu sein: In der evangelischen Kirche kann ich es mir momentan nicht mehr vorstellen. Und zwar einfach deshalb, weil ich die Krise kriege, wenn ich jemanden im schwarzen Talar mit Beffchen im Gottesdienst sehe. Ich war so lange Teil dieses Systems, dass es mir nicht gelungen wäre, einfach so aus dem Pfarrdienst auszusteigen, ohne einen klaren Schnitt zu vollziehen. Das ist zwar brutal, aber ich habe es einfach gebraucht. Eventuell, ganz eventuell, in ganz ferner Zukunft werde ich vielleicht (und ich betone vielleicht, ganz eventuell) wieder evangelisch. Aber so weit bin ich noch lange nicht (sollte es je soweit sein) und ich brauche ja irgendwie eine geistliche Heimat.
Also wohin?
Reformiert? Ist mir zu verkopft und zu nah am bisherigen.
Freikirchlich? Es gibt gute Freikirchen, aber meist sind sie mir theologisch zu eng.
Orthodox? Faszinierend. Aber zu weit weg.
Römisch katholisch? Warm. Sehr warm. Nah dran. Ich habe mich ja erst mit 20 taufen lassen, und hätte ich nicht Pfarrerin werden wollen, wäre ich katholisch geworden. Ich liebe die Liturgie. Meine frühe Sozialisation (wenn es überhaupt eine kirchliche Sozialisation gab) war eher katholisch, als evangelisch. Vieles Katholische ist mir innerlich sehr nahe. Zum Beispiel bete ich sehr gerne den Rosenkranz. Ich liebe das Mysterium. Als Pfarrerin habe ich immer auch als Priesterin gefühlt. Viel mehr als Priesterin, denn als Pfarr-Herrin oder Pastorin (Hirtin). Zu etlichen Heiligen habe ich eine sehr innige Beziehung. Und doch: Manches ist für mich auch schwierig. Vor allem was den Papst und die Rolle der Frau und die rigide Sexualmoral betrifft.
Frage: Wie wird man katholisch, aber nicht römisch? Antwort: Man wird alt-katholisch. Und was das genau ist, erzähl ich euch beim nächsten mal.

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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7 Antworten zu Warum Alt-Katholisch und was ist das eigentlich? – Teil 1

  1. Myriade schreibt:

    Ich kann es ja leider überhaupt nicht verstehen. Ich bin selbst Agnostikerin und vielleicht fehlt mir deswegen völlig das Verständnis. Aber es handelt sich doch um verschiedene Religionen mit verschiedenen Glaubenssätzen und verschiedenen Ritualen. Wie ist es möglich an einem Tag zB an Heilige zu glauben und am nächsten Tag nicht mehr, nüchterne evangelische Pfarrerin zu sein und dann wieder mit der katholischen Mystik zu verschmelzen. Wie können Rituale einerseits wichtig und andererseits beliebig sein ???

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    • DieTheologin schreibt:

      Erstens sind es nicht zwei Religionen, sondern zwei Konfessionen. Zweitens war ich NIE evangelisch in „Reinkultur“. Es sind halt unterschiedliche Betonungen derselben Sache, die die Konfessionen ausmachen. Und ich war und bin da innerlich immer sehr weit gewesen. Wie gesagt, auch als Evangelische im Ansatz katholisch. Ich habe oft katholische Exerzitien mitgemacht, und es hat mir viel gebracht. Einer meiner spirituellen Lehrer ist Jesuit. Bin halt schwer in Schubladen zu stecken. Ich habe auch als ev. Pfarrerin zu Allerheiligen gepredigt, zum Beispiel. Ein Tag, der eher im katholischen Bereich begangen wird, aber auch als MÖGLICHER Feiertag im ev. Gottesdienstbuch steht. Und Mystik hat mit Konfessionen überhaupt nix zu tun, Mystiker gibt es überall (wenn sie es auch im ev. Bereich etwas schwerer haben, aber schwer haben sie es überall).

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      • Myriade schreibt:

        Gut, es sind zwei Konfessionen, dennoch gibt es da doch etliche Unterschiede. Ich kann verstehen, dass man diverse Dogmen prinzipiell ablehnt, aber heute gehöre ich der einen Konfession an und glaube an deren Dogmen und morgen gehöre ich der anderen an und glaube nicht mehr daran ohne aber weder die eine noch die andere inhaltlich in Frage zu stellen ……
        Es geht mich ja gar nichts an und ich bin zum Thema Religion nicht kompetent, ich wundere mich nur, weil diese Haltung nicht mit meinem Bild von Gläubigen und gar von Priestern übereinstimmt.

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      • DieTheologin schreibt:

        Ach je, es geht doch im Glauben nicht in erster Linie um Dogmen! Man wird doch nicht evangelisch, katholisch, jüdisch oder sonst etwas, weil mal eine Liste von Dogmen unterschrieben hat und – sagen wir- 85 Prozent Übereinstimmung haben muss, um akzeptiert zu werden. Man wächst in einen Glauben allmählich hinein. Und oft hat es praktische, sehr praktische Gründe warum man sich für die eine oder die andere Konfession entscheidet. Als ich mich mit 20 taufen ließ, wollte ich eigentlich nur Christin werden. Katholisch oder ev. war mir zunächst mal egal, tendenziell sogar eher katholisch, weil mir die Spiritualität mehr lag. Aus praktischen Gründen wurde ich aber evangelisch, weil ich Pfarrerin werden wollte. Und wenn jemand als Kind schon getauft wird, wird er erst recht nicht gefragt, ob er irgendwelchen Dogmen zustimmt oder nicht. Dogmen haben im praktischen Vollzug des Glaubens eine sehr untergeordnete Rolle und die wirklich wichtigen tragenden christlichen Dogmen, die im Glaubensbekenntnis zusammengefasst sind, haben sowieso alle christlichen Konfessionen gemeinsam. Außerdem habe ich ja recht klar geschrieben, warum ich diesen Schritt vollziehe. Da geht es nicht um Dogmen, sondern um die Frage, wo und wie ich meinen Glauben leben kann. Der ändert sich im Kern überhaupt nicht. Weil meine Beziehung zu Gott nicht an irgendeine Konfession oder an irgendwelche Dogmen gebunden ist (wenn man mal von Grunddogmen absieht, die wie gesagt alle christlichen Konfessionen gemeinsam haben). Schwer zu verstehen? Ich glaube, dass das so ziemlich jeder Gläubige egal welcher Konfession nachvollziehen kann (außer einer Handvoll Fundamentalisten vielleicht). Was ich nicht verstehen kann, sind Agnostiker…aber das ist ein anderes Thema.

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  2. Myriade schreibt:

    Nein, das ist wohl gerade das Thema: du kannst Agnostiker nicht verstehen, ich verstehe Gottgläubige nicht. Es ist natürlich sehr schade, aber halt eben eine Tatsache, dass das zwei so verschiedene Haltungen sind, dass die Gedankengänge der jeweils anderen unverständlich bleiben ……

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    • DieTheologin schreibt:

      Lass es mich präzisieren. Agnostiker sind, wenn ich es nicht missverstehe, Menschen, die sagen, es ist entweder unwichtig ob es Gott gibt oder nicht, oder wir finden es sowieso nicht heraus und es hat keinen Einfluss auf unser Leben. Auf jeden Fall ist Gott, sollte es ihn geben, eher so eine theoretische Größe. Und das wiederum kann ich nicht nachvollziehen.
      Thema „unwichtig“: Wie kann das unwichtig sein? Wenn es Gott, ganz egal wie man ihn versteht, gibt dann hat das gewaltige Folgen für mein Leben. Wenn es Gott gibt, dann kann ich darauf vertrauen, dass mein Leben keinem günstigen oder weniger günstigen Zufall geschuldet ist, genauso wenig wie die Existenz der Welt und des Universums. „Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur…“ heißt es in einem recht bekannten christlichen Geburtstagslied. Wenn es Gott NICHT gibt, hat das auch gewaltige Folgen dafür, wie ich mein Leben verstehe. Dann ist es nämlich Zufall. Wenn ich Glück habe, hatte ich Startbedingungen, die mir günstig gesonnen waren. Jedenfalls liegt der Sinn meines Lebens dann komplett in dieser Welt, was ICH daraus mache, bzw. was andere Menschen aus mir machen. Ich kann mich vielleicht anstrengen ein guter Mensch zu sein, was viele nicht-Gläubige ja auch tun, zum Teil mit großem Erfolg. Es gibt aber keine Instanz, die sagt: Du bis, unabhängig von dem was du tust, leistest, verdienst und unabhängig von deinen Lebensumständen kein Zufallsprodukt, sondern ein von Gott geliebtes Wesen. Man kann das eine glauben oder das andere. Aber wie kann man sagen, es hat keinen Einfluss auf mein Leben, ob es Gott gibt oder nicht??? Nee, das verstehe ich WIRKLICH nicht. Die Sache mit konvertieren oder nicht ist gegen diese entscheidende Grundsatzfrage im Grunde total unwichtig. Es geht nicht um Dogmen, sondern es geht grundsätzlich um die Frage, ob mein Leben einen Sinn hat über das was ich selber hineinlege hinaus. Aber vielleicht stellen sich diese Fragen auch nur Menschen, die des Öfteren in Grenzsituationen des Lebens geraten sind…so lang es einem gut geht, ist das vielleicht wirklich unwichtig. Glaube ist, vor allem was man INHALTLICH glaubt, eine Grundhaltung des Vertrauens.

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      • Myriade schreibt:

        Nein, das sehe ich nicht so. Der zentrale Punkt für Agnostiker ist die Überzeugung, dass man weder die Existenz noch die Nicht-Existenz eines oder mehrerer Götter beweisen kann oder jemals beweisen können wird. Wie jemand dann mit dieser Überzeugung umgeht, ist eine individuell verschiedene Sache. Man kann bedauern, dass sich keinerlei Anzeichen für die Existenz eines Gottes und gar eines wohlwollenden Gottes finden lassen oder man kann es nicht bedauern ….

        Ich wie viele, viele andere können nicht nachvollziehen wie jemand angesichts des Zustandes dieser Welt und der unerträglichen Schicksale so vieler Menschen glauben kann, dass es einen wohlwollenden Gott gibt. Was für eine Art Gott müsste das sein, der Menschen unter den in vielen Gegenden der Welt herrschenden Bedingungen leben lässt ? ein liebender, allwissender ?? Ich kann diesen Glauben weder logisch noch emotional nachvollziehen. Höchstens als Wunschdenken …

        Aber es ist natürlich sehr verlockend zu glauben, dass es da einen „Übervater“ gibt, der unser Leben liebevoll lenkt, dass wir letzlich keine Verantwortung haben, weil ja jedes Fehlverhalten verziehen wird, dass es nicht an uns liegt unserem Leben einen Sinn zu geben. Gerade wenn es einem nicht gut geht, und welcher Mensch lebt ein Leben ohne jede Krise, gerade dann finde ich es wichtig auf beiden Beinen fest zu stehen und auf sich selbst und seine Mitmenschen zu vertrauen ….. Das ist halt die ewig gleiche Debatte zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Wichtig ist aber doch, dass man sich gegenseitig respektiert und mit einer humanistischen Grundeinstellung miteinander lebt

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