O König der Nationen – Antiphon zum 22. Dezember

O König der Nationen,
Sehnsucht der Völker,
Du Eckstein,
der aus beiden Eines macht;
komm, und erlöse den Menschen,
den Du aus Erde gebildet hast.

O Rex Gentium
et desideratus earum,
lapisque angularis,
qui facis utraque unum:
veni, et salva hominem,
quem de limo formasti.

Die O-Antiphon zum 22. Dezember nennt Jesus den „König der Nationen“/Völker. Israel erwartete einen Messias, eigentlich nur einen König für das Volk Israel. Christen proklamieren aber Jesus Christus nicht nur als „König“ des Volkes Israel, sondern als König aller Völker, als Friedefürst. Die O-Antiphon spricht von ihm als „Sehnsucht der Völker“.

Oft wird in schweren oder unübersichtlichen Zeiten wie den heutigen der Wunsch nach einem „starken Mann“ wach, der halt endlich mal wieder „durchgreift“oder „aufräumt“. Ist nicht auch die Sehnsucht nach einem „König der Völker“ so eine übersteigerte Erwartung an einen „starken Mann“, der es irgendwie richtet? Inwiefern kann man sagen, dass Jesus der „König der Völker“ ist? Er war ja noch nicht mal König über Israel, jedenfalls nicht im wörtlichen Sinne mit Krone, Land und Streitmacht. Im Verhör vor Pilatus wird Jesus gefragt: „Bist du ein König?“ Seine Antwort: „Du sagst es ich bin ein König, ich bin dazu gekommen, der Wahrheit eine Stimme zu geben, wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme!“ Und: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt, wäre mein Reich von dieser Welt, meine Leute würden dafür kämpfen…“

Die Macht von Jesus ist nicht die Macht von Machthabern und Despoten. Es ist viel mehr die Macht der Liebe, eine Macht, die auf den ersten Blick schwach erscheint, eine Macht, die dazu führt, dass Jesus letztlich gekreuzigt wird und seine Anhänger sich in alle Winde zerstreuen. Aber es ist eine Macht, die die Herzen gewinnt und die alles ändern könnte, wenn wir ihr vertrauten. Ich sehe diese Macht in den Augen von Liebenden, von Kindern, von Menschen, die geduldig das ihre tun, um diese Welt ein wenig schöner, friedlicher und humaner zu machen. Es ist die Macht derer, die bei allem Krieg und Terror zu Besonnenheit aufrufen. Die Frieden stiften, wo es so viel leichter wäre zu hassen. Es ist eine Macht, die scheinbar immer wieder unterliegt, die sich aber geduldig wie ein Wasserstrom ihren Weg bahnt. Weihnachten ist die Hoffnung, dass diese friedvolle Macht letztlich alles überwindet und Jesus als König der Völker ein Bild für diesen „friedlichen Sieg“.

Über DieTheologin

Christiane Müller, Jg. 1973. Ich war 12 Jahre lang Pfarrerin in der ELKB. Inzwischen arbeite ich freiberuflich als freie Theologin, Autorin und Beraterin und bin zur alt-katholischen Kirche konvertiert.
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